Dunkle Streckerspinne

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Dunkle Streckerspinne

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Überfamilie: Radnetzspinnen (Araneoidea)
Familie: Dickkieferspinnen (Tetragnathidae)
Gattung: Streckerspinnen (Tetragnatha)
Art: Dunkle Streckerspinne
Wissenschaftlicher Name
Tetragnatha nigrita
Lendl, 1886

LSID-Kennung
LSID: [urn:lsid:amnh.org:spidersp:014277]

Die Dunkle Streckerspinne (Tetragnatha nigrita) gehört innerhalb der Familie der Dickkieferspinnen (Tetragnathidae) zur Gattung der Streckerspinnen (Tetragnatha).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Dunkle Streckerspinne erreicht als Männchen eine Körperlänge von etwa 6 bis 8 Millimeter und als Weibchen eine Körperlänge von etwa 7 bis 11 Millimeter. Diese Spinne besitzt wie alle Arten der Gattung der Streckerspinnen (Tetragnatha) einen sehr schmalen stabförmigen Körperbau. Beide Geschlechter sind in Zeichnung und Färbung recht ähnlich. Die Grundfärbung ist dunkelbraun bis schwarz. Der Rückenschild weist eine dunkelbraune Färbung mit dunklerem Kopfbereich auf. Die vorderen und hinteren Seitenaugen sind getrennt. Der Hinterleib ähnelt dem der Art Tetragnatha obtusa, ist jedoch länglicher. Die dunkle Blattzeichnung auf der Oberseite des Hinterleibes verengt sich in der Hinterleibsmitte, um danach in drei bis vier schmäleren Bögen auszulaufen, die von hellen Flecken umgrenzt sind. Bei manchen Exemplaren fehlen diese Flecken jedoch. Das Männchen ist viel weniger kontrastreich gezeichnet als das Weibchen, fast einfarbig dunkelbraun. Des Weiteren sind die Cheliceren bei dem Männchen noch länger und schmäler als bei den anderen Arten. Die bestachelten Beine weisen eine braunschwarze Färbung auf, während der Brustschild braun getönt ist und mit helleren Flecken besetzt ist. Von den Beinen sind die Paare eins, zwei und vier stark verlängert, das dritte Beinpaar ist deutlich kürzer. In der Ruhehaltung auf einem Zweig oder Grashalm werden die beiden vorderen Beinpaare gerade nach vorn, das hintere nach hinten ausgestreckt. Das dritte Beinpaar umgreift die Unterlage. Auf diese Weise ist die Dunkle Streckerspinne in der Vegetation ausgezeichnet getarnt. Die reifen Tiere trifft man von Juni bis August.

Lebensweise

Die Dunkle Streckerspinne ist in ihrer Färbung ganz hervorragend an abgestorbene, dürre Zweige und Äste angepaßt, auf denen sich die Dunkle Streckerspinne vorzugsweise aufhält. Hier spannt die Spinne auch mit Vorliebe ihre Netze aus. Nicht immer entsprechen sie typischen Radnetzen mit offener Nabe. Gelegentlich liegt diese auf einem Zweig und ist dann mit Gespinst ausgefüllt. Die schräggestellten Radnetze bestehen aus wenigen Speichen und wenigen Spiralumgängen und sind ohne Signalfaden. Die Paarung bei dieser Art ist von deutlich kürzerer Dauer als bei den anderen Arten aus der Gattung der Streckerspinnen (Tetragnatha). Sie ist bereits nach etwa 10 Minuten beendet. Der Eikokon wird an dürren Zweigen befestigt und ähnelt durch seine schwarzen Fadenflocken dem von der Wellenbindigen Streckerspinne (Tetragnatha montana).

Verbreitung

Die Dunkle Streckerspinne lebt bevorzugt auf Bäumen und Sträuchern in Gewässernähe, gelegentlich hält sich die Spinne auch weiter vom Wasser entfernt in Fichtenforsten auf. In Mitteleuropa ist die Dunkle Streckerspinne weit verbreitet, offenbar ist sie nirgends selten, doch oft wird die Dunkle Streckerspinne durch ihre perfekte Tarnung leicht übersehen.

Ernährung

Die Dunkle Streckerspinne ist eine Lauerjägerin. Hat sich ein Beutetier im Netz verfangen, so wird die Spinne durch die Schwingungen des Netzes auf die Beute aufmerksam gemacht. Je größer die Schwingungen, desto größer die Beute. Vorsichtig läuft die Spinne die Speichenfäden entlang bis zum Opfer, immer darauf achtend, nicht selbst an den Klebfäden hängenzubleiben. Kleine Beutetiere werden zuerst durch einen Biß gelähmt und dann mit Spinnfäden zu einem Päckchen verschnürt, größere Beute wird zuerst verschnürt und dann gebissen. Das Nahrungspaket wird aus dem Netz herausgebissen, an einem Seidenfaden befestigt und zur Nabe oder in den Schlupfwinkel gezogen, um hier in Ruhe ausgesaugt zu werden. Von der Mahlzeit bleibt meist nur ein kleines dunkles Klümpchen übrig, das die Spinne aus dem Netz wirft. Das Netz muß ständig ausgebessert und erneuert werden, da das Netz durch Beutetiere, hineinfallende Blätter und Zweige sowie durch starken Wind beschädigt wird. Auch läßt die Klebfähigkeit der Fangspirale nach einiger Zeit nach.

Fortpflanzung

Bevor das Männchen auf Partnersuche geht, füllt das Männchen zunächst seine Bulbi mit Sperma. Hierzu webt das Männchen ein besonderes Spermanetz, auf das ein Spermatropfen abgesetzt und dann mit den Palpen aufgenommen wird. Meistens stellt das Spermanetz ein kleines, dreieckiges Gespinst (2 bis 4 Quadratmillimeter) dar, das horizontal aufgespannt wird. Der Hinterleib wird gegen die Gespinstkante der Dreiecksfläche gepreßt und heftig auf- und abbewegt, bis ein Spermatropfen aus der Geschlechtsöffnung tritt. Daraufhin begibt sich das Männchen auf die Netzunterseite und greift abwechselnd mit den Palpen um die Gespinstkante herum, so dass die Bulbi jeweils in den Spermatropfen eintauchen. Wahrscheinlich geschieht die Spermaaufnahme durch die Kapillarkräfte, denn meist speichelt das Männchen die Palpenspitzen zuvor ein.

Das Männchen trägt nicht nur lange Zähne entlang des Klauenfurchenrandes, also entlang der rinnenförmigen Vertiefung, in die die Giftklaue eingeklappt wird, sondern meist zusätzlich noch weitere Fortsätze an der Außenseite. Diese oft recht langen Fortsätze haben eine besondere Funktion beim Paarungsverhalten. Bei der Paarung ergreift das Männchen mit seinen Cheliceren die des Weibchens und klemmt mit den Fortsätzen dessen Giftklauen ein, so dass ihm diese nicht gefährlich werden können. Ein recht eigenartiges Merkmal ist das Fehlen einer typischen Epigyne (Geschlechtsöffnung) bei dem Weibchen. Auch der männliche Tasterbulbus zeigt einen verhältnismäßig einfachen Bau. Das Weibchen legt die Eier in einen Kokon ab, den sie mit ihrer Seide webt und an dürren Zweigen befestigt. Der Eikokon ähnelt durch seine schwarzen Fadenflocken dem von der Wellenbindigen Streckerspinne (Tetragnatha montana). Bis zum Schlupf der Jungspinnen wird der Kokon gegen Fressfeinde und Artgenossen beschützt. Je nach Umgebungstemperatur schlüpfen die Jungspinnen nach rund 100 Tagen.

Synonyme und Chresonyme nach Norman I. Platnick

Dunkle Streckerspinne
vergrößern
Dunkle Streckerspinne

Update 27. Mai 2008 <1>

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

'Persönliche Werkzeuge