Eberesche

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Eberesche
Eberesche -Illustration mit verschiedenen Pflanzenteilen

Systematik
Unterklasse: Rosenähnliche (Rosidae)
Ordnung: Rosenartige Gewächse (Rosales)
Familie: Rosengewächse (Rosaceae)
Gattung: Mehlbeeren (Sorbus)
Art: Eberesche
Wissenschaftlicher Name
Sorbus aucuparia
Linnaeus, 1753

Die Eberesche (Sorbus aucuparia), auch Vogelbeere genannt, ist ein Baum und zählt innerhalb der Familie der Rosengewächse (Rosaceae) zur Gattung der Mehlbeeren (Sorbus). Erstmals beschrieben wurde sie im Jahre 1753 von dem schwedischen Naturwissenschaftler Carl von Linné. Im Englischen wird die Pflanze European mountain ash oder Rowan tree genannt. Für das Jahr 1997 wurde die Eberesche zum Baum des Jahres gekürt.

Inhaltsverzeichnis

Botanik

Pflanzenbeschreibung

Die Eberesche ist eine Pflanze, welche zumeist als Baum, seltener aber auch als Strauch wächst. Sie erreicht etwa zwanzig bis dreisig, seltener über fünfzig Zentimeter im Durchmesser in Brusthöhe sowie sechs bis über zehn und in Ausnahmefällen sogar bis knapp zwanzig Meter Höhe. Dabei verzweigt sie sich in der Regel nicht stark und wächst kegelförmig oder oval nach oben, die Krone kann aber auch ausladend sein und das Geäst stark verzweigt, wobei dies oft bei alten auf Feldern wachsenden Ebereschen der Fall ist. Große Ebereschen in Wäldern sind unter der Krone, welche dort erst weit oben beginnt, kahl, da das Laub unter dem geschlossenen Kronendach nur unnötig Energie verbrauchen würde, denn sie können sich nur geringfügig an der Fotosynthese beteiligen, da unter dem Kronendach zu wenig Licht für solch lichthungrige Bäume hingelangt. Der Stamm bzw. die Rinde des Stammes ist leicht mit der einer jüngeren wilden Kirche zu verwechseln, der Stamm der Eberesche ist relativ hell, schwarz bis grau gefärbt und bei älteren Bäumen horizontal mit Streifen, Rissen und Ringen versehen, gleiches gilt für die Äste. Bei jüngeren Bäumen und deren Äste sind diese Risse noch nicht vorhanden, die Borke ist recht glatt aber mit lauter kleinen Hubbeln bestückt. Die Laubblätter, welche ab April beginnen zu grünen, ähneln im Aussehen sehr den Laubblättern der Esche (Fraxinus excelsior), woher auch der Name Eberesche stammt. Sie sind grün, unpaarig gefiedert, an den Seiten scharf gezahnt und an der Unterseite behaart, sie tragen elf bis neunzehn Fiedern. Jede einzelne Fieder ist von lanzenähnlicher Gestalt. Im Herbst verfärben sich die Laubblätter rotbraun bis blutrot. Während der Blütezeit zwischen frühestens Ende April und Juni kommen zwischen den Laubblättern die doldenartigen Blütenstände zum Vorschein, die Blüten sind weiß mit einem hellgelben Mittelpunkt, sie duften sehr stark, manchmal sogar schon unangenehm. Aus den Blüten entwickeln sich nach der Bestäubung durch
Eberesche -Ansicht der Laubblätter (im April)
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Eberesche -Ansicht der Laubblätter (im April)
allerlei Insekten, vor allem durch Bienen, erbsengroße und korallenrote Beeren mit drei Samen in ihrer Mitte, welche etwa ab September bis Oktober reif sind, unreif enthalten sie giftige Stoffe, welche beim Kochen oder Trocknen weitgehend unschädlich gemacht werden. Diese Beeren werden beinahe ausschließlich durch Vögel, seltener durch Säugetiere, verbreitet, sie scheiden die unverdaulichen Samen nach einer gewissen Zeit an einem anderen Ort wieder durch den After aus, dadurch können sich die Ebereschen weit verbreiten. Durch die Beliebtheit der Früchte bei den Vögeln und dadurch, dass unter wenigen anderen fast nur diese zur Verbreitung der Eberesche beitragen, kam es auch zu den Namen Vogelbeere. Die Eberesche wird bis knapp über hundert Jahre alt.

Heilpflanze

Verwendbare Pflanzenteile und Inhaltsstoffe

Zu den arzneilich verwendbaren und als Hausmittel gebrauchbaren Pflanzenteilen gehören nur die Früchte der vollen Reife. Zur Zeit der Reife haben sie ihre Giftigkeit auch bereits größtenteils verloren und die restlichen Giftstoffe werden durch die Verarbeitung förmlich eliminiert. In der Medizin werden die Früchte unter der Drogenbezeichnung Sorbi Fructus angegeben. Für die Wirkungen verantwortlich gemacht werden können die reichlich vorhandenen Vitamine, besonders die Ascorbinsäure, also das Vitamin C, organische Säuren, etwas ätherische Öle, Gerbstoffe, Bitterstoffe, Sorbit sowie Parasorbinsäure, welche bei der Verarbeitung allerdings größtenteils verlorengeht, sie ist auch für die Giftwirkung der unreifen Früchte verantwortlich.

Eberesche -Ansicht des Holzes eines knapp 4-5 Meter hohen Baumes.
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Eberesche -Ansicht des Holzes eines knapp 4-5 Meter hohen Baumes.
Abgesehen von den Früchten wird in der Volksheilkunde auch oft das Kraut sowie die Blüten (Sorbi Flores) der Eberesche verwendet.

Heilwirkung, Anwendung und Genussmittel

Als eigentliches Arzneimittel ist die Frucht der Eberesche wohl nur schwerlich zu bezeichnen, doch sie sind sehr beliebt bei Magenverstimmungen und Appetitlosigkeit, in Form von Mus, welcher mehrmals täglich in einem halben bis einem Teelöffel eingenommen werden kann, dies regt die Saftproduktion im Magen an. Auch gilt die Eberesche als harntreibend und verdickter Mus als blutreinigend. Als Genussmittel war die Eberesche, genauer deren Früchte, bereits in frühen Zeiten bekannt. Vor allem in Krisen- und Kriegszeiten oder bei Ernteausfall wusste man sich mit den Früchten der Eberesche zu helfen. Sie können beispielsweise als Marmelade zu einem Brotaufstrich verarbeitet werden, wobei die Kombination mit anderen Früchten möglich ist. Auch lassen sich alkoholhaltige Getränke aus den Beeren herstellen, so zum Beispiel der sogenannte Vogelbeerwein oder diverse Kräuterliköre. Die Beeren haben einen bitteren Nachgeschmack, dem kann man durch das Verwenden der "milden" Sorte, der Böhmischen Vogelbeere, vermutlich eine Mutation der wilden Eberesche, durch Abkochen, durch Einlegen in Essigwasser oder durch das Absammeln nach dem ersten Frost entgegenkommen.

Die Marmelade der Eberesche wird wie folgt verarbeitet: Nach dem Absammeln der reifen Früchte werden diese in ein wenig siedendem Wasser weichgekocht, dann durch ein Sieb gegeben und anschließend mit der gleichen Gewichtsmenge Zucker und ein wenig Weißwein dickgekocht. Seltener werden in der Volksmedizin getrocknete Beeren gebraucht. Daraus kann ein Tee bereitet werden, welcher ebenfalls gegen Magenverstimmungen eingenommen werden kann. Der Tee wird durch das Übergießen mit 250 Millilitern siedendem Wasser von einem Eßlöffel getrockneter und zerschnittender Beeren oder Blüten erstellt. Dieses Gemisch wird acht bis zehn Minuten ziehen gelassen, abgeseiht und heiß bis lauwarm getrunken. Bei Durchfall kann täglich bis zweimal eine Tasse Tee getrunken werden, sonst einmal täglich.

Auch wenn die Toxizität, also die Giftgkeit, sehr umstritten ist, sollte vorsichtshalber vom übermäßigen Genuss der Marmelade oder des Tees abgeraten werden.

Vorkommen

Nachdem die Eberesche nach der letzten Eiszeit aus dem nördlicheren Europa verdrängt wurde, kehrte sie langsam wieder zurück und ist nun von Norden nach Süden von Skandinavien und dem westlichen Sibirien Russlands südlich bis nach Griechenland und Italien verbreitet. Von Westen nach Osten ist sie von Spanien über Frankreich und den britischen Inseln über ganz Mitteleuropa, einschließlich ganz Deutschland, bis nach Osteuropa und Westasien anzutreffen. Ihre bevorzugten Standorte sind Wälder, wo sie als Pionierpflanze vorkommt, also als eine der ersten Baumarten, welche eine bestimmte Fläche besetzt hat, aber auch in bereits bestehenden Waldgesellschaften wächst die Eberesche nach. Lebensräume, in deren sie antreffbar ist, sind beispielsweise Wälder und Felder der norddeutschen Tiefebenen, Mittlegebirgsregionen, Küstenstreifen und sogar Hochgebirge bis in 2.400 Meter in den Alpen. Sie kommt auch häufig zwischen Fichten in beinahe reinen Fichtenbeständen vor. Die Bodenansprüche der Eberesche sind relativ gering, man könnte sogar meinen, das Gegenteil sei der Fall, sie kommt oft auf nährstoffarmen Böden, welche allerdings mehr sauer, als basisch sein sollten, vor, aber nimmt auch gerne Böden an, welche reich an Nährstoffen sind. Die Böden sollten immer einen gewissen Kalkgehalt aufweisen. In Gärten nistet sie sich häufig zwischen Hecken ein. Sonst sieht man sie neben Feldern und Wäldern auch an und auf Hängen, Kahlschlägen, Wald- und Wegrändern, Wiesen sowie als Alleebaum. Die Eberesche liebt sonnige Plätze sowie Halbschatten.

Waldbauliche Eigenschaften

Burckhardt erkannte 1854 die kaum genutzte Eberesche als weit verbreitete und sehr widerstandfähige Baumart. Forstleute und Waldbesitzer werteten besonders die Fähigkeit als Pionierbaumart in Vorwäldern und so als erste wirklich holzige Vegetation die Grundlage für neue Wälder nach einer Rodung oder
Eberesche -Habitus
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Eberesche -Habitus
einem Kahlschlag zu bilden als gut. Gründe für die Verwendung als "Füll- und Treibholz" sind unter anderem die Tatsache, dass die Eberesche auf natürliche Art vorkommt, also keine ausländische Pflanze ist und dass die Eberesche als widerstandsfähige Pflanze gut zu nutzen ist, um durch Industrieabfälle geschädigte Wälder neu "aufzubauen". Auch nach Orkanschäden kann sie angepflanzt werden, um schneller wieder Wald ansiedeln zu können. Die Eberesche zählt überhaupt allgemein zu den ersten Pflanzen, welche auf durch Orkane kahlgefegte Flächen aufzufinden ist. Die Eigenschaften viel und schnell Humus herzustellen und den Boden zu festigen, tragen ebenfalls zu der Beliebtheit des Baumes bei.

Forstwirtschaft und Holzverwendung

Beim Aufspalten des Holzes macht sich ein bitterer Geruch bemerkbar, er erinnert etwas an Kirschen oder an zerriebene Kirschlorbeerblätter. Die Farbe des Holzes liegt bei einem hellen Braun, beinahe schon Weiß. In Sachen Festigkeit kann das Holz mit dem der wirtschaftlich bekannten und wichtigen Bäumen gut mithalten, zum Teil sogar noch mit der Stieleiche (Quercus robur). Daher wundert es nicht, dass die Eberesche auch in der Tischlerei und Möbelindustrie zum Einsatz kommt. Schwache Rundholzsorten ähneln in ihrer Fasermorphologie der Rotbuche (Fagus sylvatica), daher findet die Eberesche teilweise auch in der Zellstofferzeugung Verwendung. Durch die Diskussion um die Verwendung von Tropenhölzern und durch die Suche nach "neuen alten" wirschaftlichen Hölzern (vor allem in früheren Zeiten war die Eberesche bereits geschätzt), wurde man wieder auf die Eberesche aufmerksam. Etliche Handwerker wissen nun wieder um die Verwendbarkeit des Holzes und setzen es entsprechend ein. Heutzutage nur noch historisch interessant ist die Verwendung des Holzes zur Schießpulverherstellung und Ledergerbung. Als gutes Brennholz ist die Eberesche jedoch nach wie vor bekannt.

Sonstige Informationen

Die Eberesche ist sehr widerstandsfähig. Unter anderem liegt dies daran, dass die im Herbst abgeworfenen Blätter sich schnell zersetzen und Humus unter dem Baum bildet. Der Baum übersteht auch Frost und Spätfröste mühelos. Seine Wurzeln bohren sich recht tief in den Boden und verhaken sich auf felsigem Untergrund gut in Spalten und Ritzen. In der Regel kann man die Eberesche als Kiefern-, Fichten- und Birkenbegleiter bezeichnen.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • M. Pahlow: Das grosse Buch der Heilpflanzen, Bechtermünz Verlag, ISBN 3-8289-1839-5
  • W. Stichmann, U. Stichmann-Marny: Der Kosmos Pflanzenführer, Franckh Kosmos, ISBN 3-440-07364-5
  • W. Eisenreich, A. Handel und U. Zimmer: BLV-Handbuch Tier und Pflanzen, BLV Verlagsgesellschaft mbH, ISBN 3-405-16740-X
  • Richard Willfort: Gesund durch Heilkräuter, 9. Auflage 1967, Rudolf Taruner Verlag Linz, (ohne ISBN-Nummer)
  • Griffon.de
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