Echte Schweine

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Echte Schweine
Wildschwein (Sus scrofa)

Systematik
Stamm: Chordatiere (Chordata)
Unterstamm: Wirbeltiere (Vertebrata)
Überklasse: Kiefermäuler (Gnathostomata)
Reihe: Landwirbeltiere (Tetrapoda)
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Überordnung: Laurasiatheria
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Nichtwiederkäuer (Nonruminantia)
Überfamilie: Suoidea
Familie: Echte Schweine
Wissenschaftlicher Name
Suidae
Gray, 1821

Echte Schweine (Suidae), die auch Altweltliche Schweine genannt werden, gehören innerhalb der Klasse der Säugetiere (Mammalia) zur Ordnung der Paarhufer (Artiodactyla). Im Englischen werden Echte Schweine Hogs oder Pigs genannt. Der Familie Suidae sind 16 rezente Arten in 5 Gattungen zugeordnet (siehe Systematik). Das Wildschwein (Sus scrofa) wurde vor etwa 9.000 Jahren vom Menschen domestiziert und gilt daher als Vorfahre der Hausschweine.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die rezenten Arten der Echten Schweine sind durchweg mittelgroß. Die kleinste Art ist das Zwergwildschwein (Sus salvanius). Es erreicht eine Körperlänge von 58 bis 66 Zentimeter und ein Gewicht von 6 bis 9 Kilogramm. Die größte Art ist das Riesenwaldschwein (Hylochoerus meinertzhageni). Diese Art erreicht eine Körperlänge von 130 bis 210 Zentimeter und ein Gewicht von 130 bis 275 Kilogramm. Das Fell ist ausgesprochen borstig und weist meist eine gräuliche bis graubraune, rötlichbraune oder rötliche Färbung auf. Andere Arten wie der Hirscheber (Babyrousa babyrussa) sind fast vollständig nackt. Ihre Haut ist gräulich gefärbt. Markant sind neben dem massigen Kopf der kurze Hals sowie der kräftig gebaute Körper. Die Augen sind relativ klein und liegen weit oben, leicht seitlich am Schädel. Die Ohren sitzen hinter den Augen und sind meist trichterartig geformt und groß. Vor allem die Männchen zeichnen sich durch lange Eckzähne aus. Die Hauer ragen bei einigen Arten seitlich weit aus dem Maul heraus. Bei allen Arten endet die Schnauze in einer Rüsselscheibe, die mit zahlreichen Sinneszellen ausgestattet ist. Die Rüsselscheibe weist grundsätzlich zwei Nasenlöcher auf. Das martialische Aussehen des Gesichtes ist von den Hauern, der kräftigen Schnauze und warzenartigen Auswüchsen geprägt. Ein wichtiges Merkmal der Echten Schweine sind der ungeteilte Magen und die vier Zehen an jedem Fuß. Ein Großteil der Schweinearten besitzt zudem ein vollständiges Gebiss. Warzenschweinen (Phacochoerus) fehlen die Prämolaren und die vorderen Molaren. Die dritten Molaren sind jedoch deutlich vergrößert, so dass die Lücke fast ausgefüllt ist.
Hirscheber (Babyrousa babyrussa)
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Hirscheber (Babyrousa babyrussa)
Echte Schweine gehen auf der dritten und vierten Zehe, die beiden anderen Zehen haben nur rudimentären Charakter. Die Sinne, insbesondere das Gehör und der olfaktorische Sinn (Geruchssinn) sind bei allen Arten gut entwickelt. Die Kommunikation untereinander erfolgt neben dem Geruchssinn vor allem über quiekende oder grunzende Laute.

Lebensweise

Bachen leben mit ihrem noch nicht geschlechtsreifen Nachwuchs in kleinen bis mittelgroßen, zuweilen auch großen Rotten. Keiler leben meist einzelgängerisch, gelegentlich auch in Junggeselltrupps. Gruppen mit Bachen, die zu groß werden, teilen sich mitunter in mehrere Rotten auf. Diese geteilten Gruppen bleiben jedoch weiter in Kontakt und teilen sich für gewöhnlich das gleiche Revier. Wasserlöcher, Suhlen und ähnlich stark frequentierte Plätze werden meist von mehreren Rotten aufgesucht. Die Reviere der Echten Schweine weisen je nach Art eine durchaus unterschiedliche Größe auf. Zwergwildschweine leben in kleinen, meist bis zu 20 Hektar großen Revieren. In den weiten Savannen bewohnen Warzenschweine Reviere bis zu einer Größe von 4 bis 5 Quadratkilometer. Die einheimischen Wildschweine benötigen mit 10 bis 20 Quadratkilometer deutlich mehr Platz. Je nach Art werden die Reviere mit einem Sekret aus Lippendrüsen, Stirndrüsen oder Fußdrüsen markiert. Letzteres ist bei den Buschschweinen der Fall, Stirndrüsen sind bei Riesenwildschweinen und Warzenschweinen vorhanden. Auf der Suche nach brünftigen Weibchen legen Keiler während der Paarungszeit mitunter weite Strecken zurück. Nicht selten kommt es unter rivalisierenden Keilern zu heftigen Gefechten, bei denen die Hauer als Waffen eingesetzt werden.

Verbreitung

Wüstenwarzenschwein (Phacochoerus aethiopicus)
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Wüstenwarzenschwein (Phacochoerus aethiopicus)

Echte Schweine gehören zu den am weitesten verbreiteten Paarhufern (Artiodactyla). Sie sind in Europa, im Nahen Osten, in weiten Teilen des südlichen, östlichen und südöstlichen Asien, im nordwestlichen Afrika und südlichen der Sahara in weiten Teilen des westlichen, östlichen, zentralen und südlichen Afrikas verbreitet. In Süd- und Nordamerika, auf Tasmanien, in Australien, Neuseeland und in Neuguinea wurden zahlreiche Arten eingeführt. Je nach Art werden höchst unterschiedliche Lebensräume besiedelt. Der Hirscheber, das Bartschwein, die Visaya-Pustelschweine und Riesenwaldschweine leben in feuchten tropischen Regenwäldern. Warzenschweine und Wüstenwarzenschweine sind in trockenen Habitaten wie Steppen- und Strauchsavannen anzutreffen. Pinselohrschweine leben in lichten Galeriewäldern und Sumpfgebieten. Die auch in Mitteleuropa anzutreffenden Wildschweine bewohnen ausgedehnte Waldgebiete, halten sich aber auch in der Nähe von landwirtschaftlichen Flächen und urbanen Bereichen auf.

Prädatoren

Je nach Art und Verbreitungsgebiet gehören vor allem Löwen (Panthera leo), Leoparden (Panthera pardus), Tiger (Panthera tigris), Tüpfelhyänen (Crocuta crocuta) und Afrikanische Wildhunde (Lycaon pictus) zu den natürlichen Feinden der Echten Schweine. In Europa gehören auch Wölfe (Canis lupus), Braunbären (Ursus arctos) und Europäische Luchse (Lynx lynx) zu den Prädatoren. Rotfüchse (Vulpes vulpes), Uhus (Bubo bubo) und Wildkatzen (Felis silvestris) erlegen gelegentlich unbeaufsichtigte Frischlinge. In der Regel wird der Nachwuchs jedoch von der Rotte streng bewacht. Zudem sind Schweine in einer Rotte keineswegs wehrlos. Sie verteidigen ihre Rotte auch gegenüber deutlich größeren Fleischfressern vehement.

Ernährung

Als opportunistische Allesfresser ernähren sich Echte Schweine sowohl von pflanzlicher und tierischer Nahrung als auch von Abfällen, Aas und Pilzen. An pflanzlicher Nahrung stehen Gräser und Kräuter, Sämereien, Früchte, Waldfrüchte wie Nüsse, Eicheln und Eckern, Knollen und Wurzeln sowie Blätter auf dem Speiseplan. Tierische Nahrung wie Schnecken (Gastropoda), Regenwürmer (Lumbricidae), Insekten (Insecta) und deren Larven, Lurche (Amphibia), Mäuse (Mus) und andere kleinere Wirbeltiere (Vertebrata). Aber nicht alle Arten weisen ein solch breites Nahrungsspektrum auf. Riesenwaldschweine und Warzenschweine ernähren zu 85 bis 95 Prozent von pflanzlicher Kost wie Wurzeln, Gräsern und Kräutern und jungen Trieben. Nur zu einem kleinen Teil werden auch Vogel- und Reptilieneier und ähnliches gefressen.
Buschschwein (Potamochoerus larvatus)
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Buschschwein (Potamochoerus larvatus)
Echte Schweine gehen in aller Regel in kleineren bis mittelgroßen Rotten auf Nahrungssuche. In der Regel handelt es sich dabei um Familienverbände. Die rüsselartige Nase dient zum Wühlen im weichen Boden.

Fortpflanzung

Auch wenn Keiler bereits im Alter von gut 18 Monaten die Geschlechtsreife erreichen, so kommen sie meist erst im Alter von vier Jahren zu ihrer ersten Paarung (soziale Geschlechtsreife). Erst zu diesem Zeitpunkt können sie in den teils heftigen Rivalenkämpfen bestehen. Die Paarungszeit in den subtropischen und tropischen Regionen erstreckt sich über das ganze Jahr. In gemäßigten Regionen wie Mitteleuropa erfolgt die Paarung im späten Herbst. Während der Balz teilt ein Keiler einer Bache Hiebe in den Flanken aus und beschnüffelt ihre Genitalien. Dadurch will ein Keiler die Paarungsbereitschaft prüfen. Der folgende Paarungsakt kann sich über einer Zeitraum von bis zu 10 Minuten erstrecken. Durch den recht langen Paarungsakt gerinnt die Samenflüssigkeit in der Vagina des Weibchens und verschließt diese pfropfenartig. So stellt ein Keiler sicher, dass sich kein anderes Männchen an der begatteten Bache zu schaffen macht.

Die Weibchen, die auch als Bachen bezeichnet werden, bringen nach einer Tragezeit von 100 bis 175 Tagen 1 bis 12 Jungtiere zur Welt. Flache Mulden an geschützter Stelle dienen dabei der Niederkunft. In der Regel polstert eine Bache die Mulde mit weichen Pflanzenteilen aus. Einige Arten wie das Warzenschein bringen den Nachwuchs in Erdlöchern zur Welt. Diese werden von anderen Tieren wie beispielsweise einem, Erdferkel übernommen, seltener auch selbst gegraben. Der Nachwuchs weist je nach Art ein Geburtsgewicht von 500 bis 900 Gramm auf. In den ersten Tagen bleiben die Jungen, die auch als Frischlinge bezeichnet werden, im Nest. Im Laufe der zweiten Lebenswoche verlassen sie es und können der Rotte folgen. Die Säugezeit erstreckt sich meist über 3 bis 4 Monate. Der Nachwuchs bleibt jedoch bis zum nächsten Wurf bei der Mutter. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wird er davon gejagt, bleiben jedoch in der Rotte. Ein Rotte besteht daher immer aus mehreren Generationen. Die Lebenserwartung in Freiheit liegt bei 15 bis 20 Jahren. Hirscheber können sogar ein Alter von gut 25 Jahren erreichen.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Riesenwaldschwein (Hylochoerus meinertzhageni)
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Riesenwaldschwein (Hylochoerus meinertzhageni)

Die meisten Arten der Echten Schweine gelten heute noch nicht zu den bedrohten Arten. Einige Arten gelten hingegen als gefährdet, stark gefährdet oder gar kritisch gefährdet und stehen kurz vor der Ausrottung. Als gefährdet gilt der auf Sulawesi und den Togian-Inseln endemische Hirscheber (Babyrousa babyrussa). Ähnlich sieht es für das Phillippinisches Pustelschwein (Sus philippensis) aus. Diese Art ist auf den Philippinen endemisch. Die auf Java endemische Art Javanisches Pustelschwein (Sus verrucosus) gilt als stark gefährdet. Das auf den Philippinen endemische Visaya-Pustelschwein (Sus cebifrons) steht unmittelbar vor der Ausrottung und gilt als kritisch gefährdet. In allen Fällen liegen die Gefährdungsursachen in der Vernichtung der natürlichen Lebensräume sowie an der zum Teil starken Bejagung durch die indigene Bevölkerung. Nicht gefährdet ist beispielsweise das heimische Wildschwein (Sus scrofa). Es kommt in den meisten Regionen noch häufig vor. Mitunter kann es sogar lokal zu einer Überpopulation von Wildschweinen kommen und mutieren zu einer wahren Plage. In diesen Fällen werden Wildschweine regelmäßig von Jägern geschossen.

Bereits seit dem Neolithikum, also der Jungsteinzeit, steht das Fleisch der Echten Schweine auf der Speisekarte der Menschen. Bereits frühzeitig domestizierte der Mensch Schweine, insbesondere das Wildschwein, um leichter an das Fleisch zu kommen. Die ersten Schweine wurden wahrscheinlich vor 8.000 bis 11.000 Jahren in Europa, später auch in Asien domestiziert. In einigen Regionen Asiens spielen Schweine heute noch eine große Rolle. In einigen Kulturen wird aus den Eingeweiden von Schweinen die Zukunft gelesen oder es werden ritualisierte Jagden abgehalten.

Systematik

Kritisch gefährdet: das Visaya-Pustelschwein (Sus cebifrons)
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Kritisch gefährdet: das Visaya-Pustelschwein (Sus cebifrons)

Familie: Echte Schweine (Suidae)

Unterfamilie: Babyrousinae
Gattung: Babyrousa
Unterfamilie: Phacochoerinae
Gattung: Warzenschweine (Phacochoerus)
Unterfamilie: Schweineartige (Suinae)
Gattung: Potamochoerus
Gattung: Hylochoerus
Gattung: Sus

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X
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