Afrikanischer Esel

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Afrikanischer Esel

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Unpaarhufer (Perissodactyla)
Familie: Pferde (Equidae)
Gattung: Equus
Art: Afrikanischer Esel
Wissenschaftlicher Name
Equus asinus
Linnaeus, 1758

IUCN-Status
Critically Endangered (CR)

Der Afrikanische Esel (Equus asinus), auch unter dem Synonym Equus africanus sowie unter der Bezeichnung Echter Esel bekannt, zählt innerhalb der Familie der Pferde (Equidae) zur Gattung Equus. Im Englischen wird der Afrikanische Esel african wild ass, african ass oder ass genannt.

Inhaltsverzeichnis

Historisches

Aufgrund von DNA-Untersuchungen steht heute zweifelsfrei fest, daß der Hausesel vom Afrikanischen Esel abstammt. Dieses war lange Zeit umstritten und ist heiss diskutiert worden. Die ersten Esel wurden bereits vor über 6.000 Jahren im Niltal in Ägypten von den Nubiern domestiziert. Auch im alten Mesopotamien wurden bereits vor 5.500 bis 6.000 Jahren die ersten Esel gehalten. In Südeuropa tauchten die ersten domestizierten Esel vor rund 3.000 Jahren auf. In Mitteleuropa wurden Esel von den Römern eingeführt. Die Tiere dienten in erster Linie als Reit- und Lasttier. Aber sie galten schon damals auch als Fleisch- und Milchlieferant. Auch die Haut wurde bereits in historischer Zeit zu Leder verarbeitet.

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Afrikanische Esel erreicht je nach Unterart und Geschlecht eine Körperlänge von bis zu 200 Zentimeter, eine Schulterhöhe von 120 bis 145 Zentimeter, eine Schwanzlänge von gut 45 Zentimeter sowie ein Gewicht von 250 bis 430 Kilogramm. Die Färbung des dichten aber recht kurzen Felles kann sehr variabel sein. Es gibt sowohl braune, schwarze, graue, rotbraune als auch weiße Esel. Auch gescheckte oder gesprenkelte Variationen sind durchaus in Bereich des Alltäglichen. Die meisten Tiere weisen dorsal einen deutlich sichtbaren Aalstrich auf, der sich über den gesamten Rücken zieht. Bei einigen Unterarten, wie zum Beispiel dem Somaliwildesel, zeigt sich an den Extremitäten eine dunkle Querstreifung. Dies dient ähnlich wie bei den Zebras der Tarnung. Die Bauchseite ist zumeist sehr hell bis fast weiß.
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Afrikanischer Esel
Charakteristisch sind vor allem die weißlichen Ränder um Maul und Augen. Der Schwanz endet in einer dunklen buschigen Quaste. Einige Unterarten verfügen über eine Stehmähne, die sich vom Nacken bis zum Rückenansatz erstreckt. Die Ohren sind lang und dicht befellt. Die Hufe stellen eine Anpassung an die sehr steinigen und lockeren Untergründe dar. Mit ihnen kann der Esel Geschwindigkeiten von 40 bis 50 Km/h erreichen.

Lebensweise

Afrikanische Esel leben in sozialen Herden. In der Regel besteht eine Herde aus einem dominanten Männchen, mehreren Weibchen und deren Nachwuchs. Die durchschnittliche Herdengröße umfasst zwischen vier und acht Tiere. Sie bewohnen Territorien in einer Größe von bis zu 20 Quadratkilometer. Nicht selten kommt es bei Begegnungen zwischen Hengsten zu heftigen Kommentkämpfen. Die Kämpfe enden allerdings selten mit schweren Verletzungen. Während der Trockenzeit kommt es regelmäßig zu lockeren Zusammenschlüssen mehrerer Herden. Diese Großherden können dann durchaus auch bis zu 100 Individuen umfassen. Ihre Hauptaktivität entfalten Esel aufgrund der hohen Hitze am Tage in den Morgen- und den Abendstunden. Am Tage ruhen sie meist im Schatten. Innerhalb der Gattung Equus können sie die Arten kreuzen. Die daraus entstehende Nachwuchs ist allerdings nicht fruchtbar. Freilebende Wildesel sind in ihrer Art heute stark bedroht. Vor allem in den vielen Bürgerkriegsregionen steht es sehr schlecht um die Wildesel.

Unterarten

Hausesel
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Hausesel

Verbreitung

Afrikanische Esel leben heute nur noch in einigen Teilen Nord- und Nordostafrikas sowie auf der Arabischen Halbinsel. In historischer Zeit erstreckte sich ihr Verbreitungsgebiet über ganz Nordafrika und Vorderasien. Esel bewohnen zumeist sehr trockene und karge Landstiche wie Halbwüsten und Savannen mit spärlicher Vegetation. Sie sind auch im Hügel- und im Bergland zu Hause.

Ernährung

Afrikanische Esel ernähren sich herbivor. Ihre Hauptnahrung stellen Gräser dar. Darüber hinaus fressen sie aber auch schmackhafte Kräuter und Laub von Bäumen oder Büschen. Sie können zwar über mehrere Tage hungern, aber sie brauchen täglich Wasser zum Trinken. Daher halten sich die Herden stets in der Nähe von Quellen oder Gewässern in Form von Flüssen oder Seen auf.

Fortpflanzung

Afrikanischer Esel
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Afrikanischer Esel

Der Afrikanische Esel erreicht die Geschlechtsreife mit rund zwei bis drei Jahren. Eine Paarung ist an keine bestimmte Zeit gebunden, jedoch läßt sich feststellen, daß diese vermehrt in Frühjahr stattfinden. Die Trächtigkeit des Weibchens erstreckt sich über etwa 370 Tage. Sie bringt meist ein Jungtier zur Welt. Zu Zwillingsgeburten kommt es nur sehr selten. Ein Fohlen weist ein Gewicht von neun bis fünfzehn Kilogramm auf. Es kann bereits kurz nach der Geburt stehen und der Mutter folgen. Eine Entwöhnung von der Muttermilch beginnt mit dem sechsten Lebensmonat und ist bis zum neunten Lebensmonat abgeschlossen. Esel können beträchtlich älter werden als Pferde. In Freiheit erreichen Afrikanische Esel ein Alter von 25 bis 30 Jahren, in Gefangenschaft können sie durchaus ein Alter von deutlich über 40 Jahren erreichen.

Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN steht diese Art kurz vor dem Aussterben. Die große Bedrohung des Afrikanischen Esels geht vor allem vom Menschen aus. Er wird für Lebensmittel und auch für medizinische Zwecke erbarmungslos gejagt, zum Beispiel werden Körperteile wie Knochen als Suppe zur Behandlung von Tuberkulose, Verstopfung, Rheuma und Rückenschmerzen zubereitet. Des Weiteren besteht eine wesentliche Einschränkung der Zugang zu Trinkwasser und Futter (vor allem besteht ein Konkurrenzkampf mit anderen Tieren), bei denen reproduktive Weibchen und Fohlen weniger als drei Monate alt am meisten gefährdet sind. Daher ist es dringend erforderlich, sich um die kritische Wasserversorgung und um die Anforderung von Grundfutter zu sorgen, vor allem in Absprache mit den lokalen Hirten. Eine weitere große Bedrohung für das Überleben des Afrikanischen Esels ist die mögliche Kreuzung mit den einheimischen Eseln. Aufgrund dieser massiven Bedrohungen wird der Afrikanische Esel in der Roten Liste der IUCN als critically endangered, vor dem Aussterben bedroht, geführt. Ferner wird der Afrikanische Esel im Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) im Anhang I gelistet.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: Familie der Pferde (Equidae)

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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