Cuviergazelle

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Cuviergazelle

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hornträger (Bovidae)
Unterfamilie: Gazellenartige (Antilopinae)
Gattung: Gazellen (Gazella)
Art: Cuviergazelle
Wissenschaftlicher Name
Gazella cuvieri
Ogilby, 1841

IUCN-Status
Endangered (EN)

Der Cuviergazelle (Gazella cuvieri), die auch Echtgazelle genannt wird, zählt innerhalb der Familie der Hornträger (Bovidae) zur Gattung der Gazellen (Gazella).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Cuviergazellen erreichen eine Körperlänge von 95 bis 105 Zentimeter, eine Schulterhöhe von 60 bis 69 Zentimeter sowie ein Gewicht von 15 bis 35 Kilogramm. Die Hörner, die beim Männchen stärker ausgebildet sind, weisen eine gefurchte, aber gerade Form auf und erreichen eine Länge von 15 bis 20 Zentimeter. Weibchen bleiben insgesamt leichter als Männchen, in der Größe ähneln sich die Geschlechter. Das Fell ist überwiegend graubraun gefärbt. Im Bereich der unteren Flanke zeigt sich ein dunkelbrauner Längsstreifen. Der Streifen trennt optisch die weißliche Bauchseite vom graubraun gefärbten Fell. Die Weißliche Färbung setzt sich bis zur unteren Brust und auf die Innenseite der Extremitäten fort. Der kurze Schwanz weist eine schwarzbraune Färbung auf. Cuviergazellen sind insgesamt sehr lebhaft gefärbt. Der Kopf ist überwiegend bräunlich gefärbt. Der Nasenrücken weist etwa in der Mitte eine schwarzbraune Färbung auf. Von den Augen verläuft bis zur Schnauze ein dunkler Streifen. Das Fell zwischen diesem Streifen und dem Nasenrücken ist teilweise weißlich gefärbt. Die langen und trichterartigen Ohren sind innen mit schwarzweißem Fell besetzt. Die Cuviergazelle ist von schlanker Statur mit dünnen langen Beinen und kleinen Hufen.

Lebensweise

Die tagaktiven Gazellen leben in Kleingruppen von vier bis acht Tieren. Die Gruppen, die als Haremsgruppen bezeichnet werden können, bestehen sowohl aus adulten Tieren als auch aus Jungtieren. Angeführt wird eine Gruppe von einem dominanten Männchen. Eher selten weist eine Gruppe mehr als ein erwachsenes Männchen auf. Ansonsten treten auch Junggesellengruppen auf, in denen sich geschlechtsreife Männchen zusammenschließen. Vor allem während der Paarungszeit kommt es unter den Böcken zu teils heftigen Kommentkämpfen um das Paarungsrecht mit den Weibchen einer Herde. Cuviergazellen sind ausgesprochen territorial. Sie markieren ihr Revier mittels Urin und einem Sekret aus Körperdrüsen. Im Nordwesten Afrikas haben Cuviergazellen kaum Feinde, da diese fast alle ausgerottet sind. Den Jungtieren können vor allem Schakale gefährlich werden. Ansonsten zählt nur der Mensch zu den Feinden dieser Gazellenart.

Verbreitung

Cuviergazellen leben im Nordwesten Afrikas. Ursprünglichen war die Art weit verbreitet. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckte sich von Algerien bis nach West-Sahara. Heute leben nur noch kleinere Populationen im Südwesten Marokkos. Cuviergazellen bevorzugen als Lebensraum sowohl lichte Laubwälder, Baum- und Strauchsteppen, Grasland als auch steinige Hochebenen im Atlasgebirge. In Höhenlagen sind die Gazellen bis in Höhen von über 1.000 Metern anzutreffen.

Ernährung

Neben Gräsern und Kräutern gehört auch das Laub zur natürlichen Nahrung der Cuviergazellen. Der Wasserbedarf wird fast ausschließlich über die Nahrung gestillt. Als tagaktive Gazellen gehen Cuviergazellen nur am Tage auf Nahrungssuche. Weit oben auf der Speisekarte steht unter anderem Federgras (Stipa tenacissima).

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife wird bei den Geschlechtern der Cuviergazelle in unterschiedlichen Zeiten erreicht. Während Männchen bereits nach zwölf Monaten die Geschlechtsreife erreichen, benötigen Weibchen zwischen 20 und 26 Monaten. Die Paarungszeit der meisten Populationen beginnt im zeitigen Winter. Während der Paarungszeit legen Männchen ein besonderes territoriales Verhalten an den Tag und kämpfen mit Artgenossen um das Paarungsrecht mit den Weibchen. Die Reviere werden mit Urin markiert und gegenüber Artgenossen verteidigt. Uneingeschränkten Zugang zum Revier eines Männchens haben nur empfängnisbereite Weibchen. Die Lebensweise kann als polygam bezeichnet werden, da sich ein Männchen mit allen Weibchen einer Herde paart.

Nach einer Trächtigkeit von rund 160 bis 175 Tagen bringt das Weibchen ein oder zwei Jungtiere zur Welt. Zwillingsgeburten sind relativ häufig zu beobachten. Das Geburtsgewicht liegt zwischen 2.500 Gramm bei Zwillingen und knapp 3.000 Gramm bei Einzelgeburten. Hochtragende Weibchen sondern sich von ihrer Herde zum Werfen ab. Die ersten Tage bleibt das Jungtier im hohen Gras der Savanne verborgen und wird von der Mutter aus einiger Entfernung bewacht. Ist ein Feind in der Nähe, so lenkt die Mutter die Aufmerksamkeit auf sich und leitet den Räuber vom Jungtier weg. Nach einigen Tagen ist das Jungtier kräftig genug, um der Mutter und der Herde zu folgen. Nach ein bis zwei Wochen ist das Junge so schnell unterwegs wie die erwachsenen Tiere. Bereits im zweiten Lebensmonat nehmen Jungtiere neben der Muttermilch schon die erste feste Nahrung zu sich. Nach rund sechs Monaten erfolgt die Entwöhnung. Cuviergazellen können in Freiheit ein Alter von zehn bis zwölf Jahren erreichen, in Gefangenschaft auch ein Alter von 18 Jahren.

Gefährdung und Schutz

Die Cuviergazelle gehört heute zu den sehr stark gefährdeten Gazellenartigen (Antilopinae). In den letzten Jahrzehnten hat sich die Situation dramatisch verschlechtert. In der Roten Liste der IUCN wird die Art heute als stark gefährdet geführt (EN, Endangered). Neben der Vernichtung und Urbanisierung ihrer Lebensräume steht vor allem die starke Bejagung durch Wilderer, Jäger und die einheimische Bevölkerung ganz oben auf der Liste der Gefährdungsgründe. Gejagt werden die Tiere hauptsächlich mit Drahtschlingen, in denen sie sich mit den Beinen verfangen und qualvoll verenden. Vor allem die Zersplitterung der natürlichen Lebensräumen macht den Cuviergazellen stark zu schaffen. Die Wanderrouten sind weitestgehend unterbrochen. Aber auch globale Klimaveränderungen und landwirtschaftliche Expansionen haben zu der Situation beigetragen. Gerade die landwirtschaftliche Ausbreitung mit den Haustieren sorgt dafür, dass die Cuviergazellen immer weiter von den Futterplätzen verdrängt werden. In weiten Teilen ihrer Verbreitungsgebieten ist die Cuviergazelle heute bereits völlig verschwunden.

Anhang

Literatur und Quellen

  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999

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