Efeu

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Efeu
Illustration mit verschiedenen Pflanzenteilen in verschiedenen Entwicklungsstadien

Systematik
Klasse: Zweikeimblättrige (Magnoliopsida)
Unterklasse: Rosenähnliche (Rosidae)
Ordnung: Doldenblütlerartige (Apiales)
Familie: Araliengewächse (Araliaceae)
Gattung: Efeu (Hedera)
Art: Efeu
Wissenschaftlicher Name
Hedera helix
Linnaeus

Der Efeu (Hedera helix) ist eine Pflanze aus der Familie der Araliengewächse (Araliaceae) und zählt zur Gattung Efeu (Hedera). Erstmals beschrieben wurde er von dem schwedischen Naturwissenschaftler Carl von Linné. Im Englischen wird die Art als English ivy bezeichnet.

Der Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde am Institut für Geschichte der Medizin der Universität Würzburg wählt den Efeu zur Arzneipflanze des Jahres 2010.

Inhaltsverzeichnis

Botanik

Pflanzenbeschreibung

Der Efeu ist eine Kletterpflanze, deren ältere, verholzte und schlingenden Stängel sich mit voranschreitendem Alter förmlich zu kleinen bis mittelgroßen Stämmen ausbilden können. Die Pflanze klettert in der Natur vor allem an Bäumen hoch, lebt allerdings nicht parasitär, also als Schmarotzer von ihnen, indem der Efeu Säfte aus dem Baum zieht oder ähnliches. Er nutzt die Bäume, um höher und damit näher an das Sonnenlicht zu kommen. Dabei hält er sich mit Haftwurzeln, welche nur von Jungpflanzen am jeweiligen Neuaustrieb gebildet werden und nicht an blühenden Sprossen vorhanden sind, fest und klimmt und schlingt sich manchmal auch oft wirr nach oben. Die ledrigen und immergrünen Blätter des Efeus sind bei älteren Exemplaren unterschiedlich gestaltet, die im Schatten wachsenden Blätter sind drei- bis fünfeckig, die Lichtblätter an den oberen Blütentrieben im Regelfall eiförmig. Schattenblätter sind dunkelgrün und deutlich gezackt, die Lichtblätter der oberen Blütentriebe sind matter und zumeist nicht gezackt, sondern ganzrandig. Licht- und Schattenblätter sind deutlich gestielt. Die knapp 9 Millimeter großen und zwittrigen Blüten, welche während der Blütezeit zwischen September und November, je nach Standort auch schon von August an, zum Vorschein kommen, sind in der Regel unscheinbar, grüngelb gefärbt und stehen in sechs bis zehn Zentimeter langen Dolden. Über den Winter hinweg entwickeln sich aus diesen Blüten erbsengroße und zur Reifezeit im Frühjahr zwischen Februar und April schwarze bis schwarzblaue Beeren. Die unverdaulichen Samen werden durch Vögel verbreitet. Efeu kann sich je nach Standort einen bis über fünfzehn und in seltenen Fällen sogar bis etwa zwanzig Meter in den Wäldern umherranken, er kann ein Alter von über hundert Jahren, genauer bis knapp 450 Jahre, erreichen.

Vorkommen

Der Efeu kommt von Natur aus in weiten Teilen Europas vom Süden Skandinaviens über den ganzen Westen und über das zentrale Europa bis hin nach Süd- und teilweise auch Südosteuropa vor. Auch in Gegenden des westlichen Asiens ist er aufzufinden. Er kommt in den tiefliegenden Ebenen bis in mäßig hoch gelegene Gebirgen wie den deutschen Mittelgebirgen vor. Zu seinen bevorzugten Lebensräumen zählen besonders feuchte und nährstoffreiche Laub- und Laubmischwälder sowie Auwälder. Efeu bildet kriechend große Teppiche auf dem Boden oder kann ganze Bäume überwuchern, dabei ist
Efeu. Ansicht der Laubblätter
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Efeu. Ansicht der Laubblätter
er vorwiegend an Rotbuchen (Fagus sivatica) und Eichen (Quercus) zu finden. Er klettert aber auch an Felsen und wird oft gezielt an Häusern angepflanzt, damit er ganze Außenwände überwuchert. Auch auf Friedhöfen, in Gärten und in Parks wird Efeu kultiviert.

Heilpflanze

Toxizität und Inhaltsstoffe

Zu den giftigen Pflanzenteilen zählen alle gleichermaßen, wobei jedoch in den Beeren die höchste Konzentration zu sein scheint. Der Efeu ist in der Regel nicht sehr gefährlich, schon alleine, weil er nicht wirklich zum Essen einlädt und der Geschmack auch nicht als wohlschmeckend zu bezeichnen ist. Bei Vergiftungen durch das Essen von Beeren ist dennoch dringend ein Arzt aufzusuchen. Bei Hautkontakt mit der Pflanze kann es zu Kontaktallergien kommen. Zu den Inhaltsstoffen des Efeus zählen Saponine, besonders das Hederasaponin C ist zu nennen. Auch Glykoside, organische Säuren und Mineralien wie Jod, wegen welchem der Efeu neben anderen Inhaltsstoffen in der Homöopathie gefragt ist.
Efeu an einem Zaun.
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Efeu an einem Zaun.
In der von Medizinern und Apothekern angegebenen Dosierung von Fertigpräparaten mit Efeu sind keine Nebenwirkungen oder Vergiftungen zu befürchten.

Wirksame Pflanzenteile, Ernte und Aufbereitung

Als arzneilich verwendete Pflanzenteile werden lediglich die Krautspitzen mit den Blüten und vor allem die Laubblätter des Efeus als Helicis Folium angegeben und gebraucht. Die Ernte der Efeublätter ist zu jeder Jahreszeit möglich, aber im Herbst noch vor der Blüte am sinnvollsten, weil dann die höchste Konzentration der Wirk- und Inhaltsstoffe besteht. Die Blätter müssen dann schonend an der Luft getrocknet werden. Für die beste Ware hält man seit einiger Zeit die im Spätherbst geernteten blühenden und beblätterten Zweigspitzen. Efeu-Tee kann sich jeder selbst herstellen, dabei ist jedoch darauf zu achten, nicht zu viel der Blätter zu nehmen. Zubereitet wird der Tee, indem man einen gehäuften Teelöffel zerschnittener, getrockneter Efeublätter mit 250 Millilitern kochendem Wasser übergießt und dann für etwa 10 Minuten ziehen lässt. Der Tee kann lauwarm bis warm mit Honig gesüßt getrunken werden, zu der Wirkung wird im entsprechenden Absatz geschrieben.

Efeu
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Efeu

Heilwirkung, Anwendung und Homöopathie

Die Schulmedizin hat der Efeu lange Zeit nicht überzeugen können, auch wenn bereits in der Antike über die Pflanze geschrieben wurde, wie es Schriftzüge dieser Zeit beweisen. Erst in den letzten Jahren erfuhr der Efeu einen Aufschwung. Es wurden Präparate hergestellt, welche gegen Husten, Bronchitis, Asthma und besonders bei Keuchhusten empfohlen und angewandt werden, als Beispiel kann man hier das Prospan® nennen. Einen Tee verwendet man, abgesehen von der Volksmedizin, nicht, Tees sind dafür in der Homöopathie um so angesehener. In Zukunft wird sich die Schulmedizin dem Efeu auch wesentlich mehr annehmen. Das Bundesgesundheitsamt erkennt die Anwendung gegen Katarrhe der Luftwege und bei chronisch entzündlichen Bronchialerkrankungen an.

Als Homöopathikum Hedera helix ist der Efeu sehr beliebt und es findet vielseitige Verwendung. So kommt es auf Grund des hohen Jodgehaltes bei Überfunktionen der Schilddrüsen in den Potenzen D12 bis D30 zum Einsatz. In den Potenzen D3 bis D6 kommt Efeu bei Skrofulose und bei Schleimhautkatarrhen, besonders im Bereich der Nasennebenhöhlen, zur Anwendung. Bei Husten, Keuchhusten, Asthma und Emphysem wird Efeu ebenfalls in diesen Potenzen gebraucht. Weniger von Bedeutung ist die Anwendung bei Magen,- Gallen- und Leberbeschwerden, Rheuma sowie Gicht.

Efeu. Typisches Hochklimmen an Bäumen
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Efeu. Typisches Hochklimmen an Bäumen

Efeu als Hausmittel

Mit selbst zusammengestellten Mitteln, zum Beispiel als Tee, ist auf Grund der Giftigkeit immer Vorsicht angebracht, vor allem bei Kindern. Hält man sich jedoch daran, den Tee in den bereits genannten geringen Dosen von einem gehäuften Teelöffel zu gebrauchen, kann er auch Kindern gegeben werden. Dieser Tee wirkt dann vor allem gegen Schleimhautkatarrhen, Husten und entzündlichen Erkrankungen im Mund-, Hals- und Rachenraum sowie bei Erkältung und bronchialer Erkältung wird er getrunken. Der Tee wird auch bei Hautunreinheiten als Waschung, innerlich bei Gallenbeschwerden, Rheuma, Gicht und äußerlich gegen Läuse und Krätze (Acarodermatitis) verwendet. Bei eventuellen Kontakt-Allergien sollte die Behandlung vorerst abgesetzt werden und ein Arzt muss aufgesucht werden.

Sonstiges Wissenswertes

  • Im Volksmund wird der Efeu auch als Eppig bezeichnet.
  • Im Altertum hatte man den Efeu den Göttern des Weines gewidmet, den ägyptischen Osiris, den griechischen Dionysos und den römischen Bacchus stellte man mit Wein- und Efeulaub bekränzt dar.
  • In deutschen Gärten wurde der Efeu erstmals Mitte des 16. Jahrhunderts angelegt 1561 zählte der schweizerische Mediziner und Naturwissenschaftler Konrad Gessner in einem seiner Werke den Efeu zu den Gartenpflanzen. Ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erlebte der Efeu im gärtnerischen einen Aufschwung, in den zu dieser Zeit immer beliebter werdenden großen Parkanlagen fand er viel Verwendung, damit kam er auch in die meisten Gärten der Bürger.
  • Shirley Hibberd veröffentlichte 1872 eine Monografie, in welcher über 200 Efeu-Sorten gelistet waren.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • M. Pahlow: Das grosse Buch der Heilpflanzen, Bechtermünz Verlag, ISBN 3-8289-1839-5
  • W. Stichmann, U. Stichmann-Marny: Der Kosmos Pflanzenführer, Franckh Kosmos, ISBN 3-440-07364-5
  • Wissen für Kinder: Wunderbare Pflanzenwelt, 2004 by Helmut Lingen GmbH und Co. KG, 50679 Köln, ohne ISBN-Nummer
  • W. Eisenreich, A. Handel und U. Zimmer: BLV-Handbuch Tier und Pflanzen, BLV Verlagsgesellschaft mbH, ISBN 3-405-16740-X
  • Mike une Peggy Briggs: THE NATURAL HISTORY of the BRITISH ISLES, Parragon, ISBN 978-1-4054-8298-1
  • Bertelmann Lexikon: Ich sag dir alles, ADAC Verlag GmbH, München 2000, ISBN 3-87003-880-2
  • Biotekt.de
  • [1] Wikipedia.de (Nur im Bezug auf "Sonstiges Wissenswertes")
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