Einsamer Wasserläufer

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Einsamer Wasserläufer

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Regenpfeiferartige (Charadriiformes)
Familie: Schnepfenvögel (Scolopacidae)
Gattung: Wasserläufer (Tringa)
Art: Einsamer Wasserläufer
Wissenschaftlicher Name
Tringa solitaria
(Wilson, 1813)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Einsame Wasserläufer (Tringa solitaria), auch als Einsiedel-Wasserläufer bekannt, zählt innerhalb der Familie der Schnepfenvögel (Scolopacidae) zur Gattung der Wasserläufer (Tringa). Die englische Bezeichnung lautet Solitary Sandpiper oder Solitary Tattler.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Einsame Wasserläufer gehört zu den etwas kleineren und plumperen Wasserläufern und erreicht eine Körperlänge von 17 bis 22 Zentimeter. Die Geschlechter weisen keinen nennenswerten Dimorphismus auf, jedoch bleibt das Männchen ein wenig kleiner als das Weibchen. Der weißlich gepunktete Rücken weist eine dunkelgrüne Grundfärbung auf, während der Kopf und die Brust grau erscheinen und die Unterseite weißlich gezeichnet ist. Zusätzlich erkennt man eine feine, aber konstrastreiche Hals- und Brust-Musterung. Im Flug erkennt man deutlich oberseits und unterseits die braun gefärbten Flügel. Ferner sind der Bürzel und die Schwanzmitte ebenfalls etwas dunkler getönt. Das letztgenannte Merkmal unterscheidet sich von dem etwas größeren und mit breiteren Flügel versehenden, aber ansonten sehr ähnlich aussehenden, Waldwasserläufer (Tringa ochropus). Bei dieser Art ist der Bürzel mit einem brillanten Weiß versehen. Ferner weist der Einsame Wasserläufer einen prominenten weißen Augenring und dunkel olivfarbene Beine auf. Im Flug äußert der Einsame Wasserläufer drei charakteristische Pfiffe. Die juvenilen Vögel ähneln in der Gefiederfärbung den Adultvögeln.

Lebensweise

Die tagaktiven Einsamen Wasserläufer leben in unmittelbarer Nähe zu einem Gewässer. Auf Nahrungssuche gehen sie sowohl im Flachwasser als auch an Land auf Feuchtflächen wie verschlammte Ufer oder Feuchtwiesen. Während der Paarungszeit sind die Vögel, vor allem die Weibchen, durchaus als sehr territorial zu bezeichnen. In den Winterquartieren leben die Vögel einzelgängerisch, zu einer Gruppenbildung kommt es in der Regel nicht. Nur während der Migration kommt es üblicherweise zu größeren Ansammlungen. Der Zug in die Winterquartiere oder zurück in die Brutgebiete erfolgt in zum Teil kleinen Schwärmen. Der Einsame Wasserläufer kann zwar schwimmen, tut dies in der Regel nur selten. Er wagt sich meist nur in Wassertiefen, wo er noch stehen kann. Mit seinem langen Schnabel stochert er im Schlamm nach Nahrung. Sein Sehsinn ist hoch entwickelt und gestattet es ihm, wenn es sein muss, auch bei Nacht Nahrung zu finden.

Unterarten

  • Tringa solitaria solitaria - (Wilson, 1813) - Nordamerika: USA und Kanada, Alberta, British Columbia, Manitoba, Neufundland, Labrador, Ontario, Québec, Abitibi, Témiscamingue,Outaouais, Laurentides, Montérégie, Estrie, Centre Bois-Francs, Lanaudière, Mauricie,Saguenay-Lac-St-Jean, Bas-St-Laurent, Côte-Nord, Anticosti, Gaspésie, Îles-de-la-Madeleine, Nord-du-Québec, Saskatchewan, Große Antillen, Kleine Antillen, Windward Islands, Hispaniola, Haiti, Dominikanische Republik, St. Lucia, St. Vincent und die Grenadinen. Südamerika: Uruguay. Europa [selten/gelegentlich], Kontinental-Europa [selten/gelegentlich], Westeuropa [selten/gelegentlich], Island [selten/gelegentlich], Großbritannien und Irland [selten/gelegentlich], Britische Inseln [selten/gelegentlich], Spanien [selten/gelegentlich], Spanien (Festland) [selten/gelegentlich], Holarctic, Palearctic [selten/gelegentlich], Westlichen Paläarktis [selten/gelegentlich].
  • Tringa solitaria cinnamomea - (Brewster, 1890) - Nordamerika [selten/gelegentlich]: USA und Kanada [selten/gelegentlich], Manitoba, Ontario [selten/gelegentlich], Pazifik, Alaska. Südamerika: Uruguay.
Einsamer Wasserläufer
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Einsamer Wasserläufer

Verbreitung

Der Einsame Wasserläufer lebt hauptsächlich in den Wäldern von Alaska und Kanada. Er ist ein Zugvogel, der seine Überwinterungsquartiere in Mittel- und Südamerika hat, vor allem im Amazonas-Becken und in der Karibik. Der Einsame Wasserläufer ist ein seltener Gast in Westeuropa. Laut der Roten Liste der IUCN lebt der Einsame Wasserläufer in regenarmen Savannen, in subtropischem und tropischem saisonal überschwemmten Grasland sowie in Feuchtgebieten (Inland) wie Flüsse, Bäche, schmale Buchten mit Wasserfällen, Moorlandschaften, Sumpfgebiete und Torfmoorlandschaften. Des Weiteren hält sich der Einsame Wasserläufer auch in der Nähe von Wasseraufbereitungsanlagen mit über 8 Hektar auf.

Ernährung

Der Einsame Wasserläufer ernährt sich hauptsächlich von Wasserinsekten, terrestrischen Insekten (Insecta) und deren Larven, Krebstieren (Crustacea), kleinen Fischen (Pisces), Weichtieren (Mollusca), Spinnentieren (Arachnida), Schnecken (Gastropoda) und gelegentlich auch kleinen Muscheln (Bivalvia). Bei der Nahrungssuche, die in der Regel in den frühen Morgen- und Abendstunden stattfindet, watet der Einsame Wasserläufer durch Flachwasser oder über schlammiges Ufer und erstochert seine Beute mit seinem langen Schnabel im Schlamm.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife erreichen die Vögel im Alter von gut zwei Jahren. Die Paarungszeit der Einsamen Wasserläufer beginnt in den meisten Verbreitungsgebieten bereits im April, spätestens jedoch im Mai. Einsame Wasserläufer leben in einer monogamen Einehe, die zumeist nur eine Saison hält. Die Nester befinden sich am Rande von Nadelwäldern, in Hochmooren oder in Sumpfgebieten, in jedem Fall aber in Nähe zu einem Gewässer. Im Gegensatz zu den anderen Wasserläufern nistet der Einsame Wasserläufer und auch der Waldwasserläufer (Tringa ochropus) in alten Bäumen. In der Regel werden verlassene Nester in Bäumen bezogen. Die Eiablage erfolgt ab Mai beginnend. Das Weibchen legt in der Regel drei bis fünf Eier in ein Nest einer Singvogel-Art, wie zum Beispiel einer Drossel. Die Eier werden von beiden Geschlechtern über einen Zeitraum von 22 bis 24 Tagen gewärmt. Der Nachwuchs wird überwiegend mit Insekten gefüttert. Sie fangen aber bereits ab dem zweiten oder dritten Lebenstag ihre Beute selbst, da sie als Nestflüchter ihr Nest verlassen, indem sie sich vom Baum auf den Boden fallen lassen. Kurz nach Erreichen der Flugfähigkeit, die sie mit gut vier Wochen erlangen, beginnt bereits der Flug in die Winterquartiere.

Gefährdung und Schutz

Diese Art hat eine große Reichweite, mit einem geschätzten weltweiten Umfang von etwa 5.500.000 Quadratkilometer und verfügt über eine große, globale Population, geschätzt werden etwa 150.000 Individuen (Wetlands International 2002). Der globale Trend der Population ist bisher noch nicht quantifiziert worden, aber die Art ist bis jetzt noch nicht gefährdet und wird deshalb in der Roten Liste der IUCN als least concern geführt.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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