Sonnentierchen

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

(Weitergeleitet von Einzeller)
Sonnentierchen

Systematik
Klasse: Sonnentierchen (Heliozoa)
Ordnung: Actinophryida
Familie: Actinophyridae
Gattung: Actinophrys
Art: Sonnentierchen
Wissenschaftlicher Name
Actinophrys sol
Ehrenberg, 1830

Das Sonnentierchen (Actinophrys sol) zählt innerhalb der Familie Actinophyridae zur Gattung Actinophrys. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Für das Jahr 2013 wird das Sonnentierchen von der DGP - Deutschen Gesellschaft für Protozoologie in Zusammenarbeit mit dem Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) zum Einzeller des Jahres gewählt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Das Sonnentierchen in einem Durchmesser von etwa 40,0 bis 50,0 µm bildet mit Heterochromatin eine durchgehende Schicht unter der Kernhülle und weist nur einen Kern auf. Die Zystenwand ist mit flachen kieselsäurehaltigen Skalen ausgestattet. Seinen Namen hat das Sonnentierchen von den nach allen Seiten ausstrahlenden etwa 40 filigran wirkende Achsenfüßchen oder Axopodien. In der Mitte befindet sich ein kugeliger Zellköprer. Diese Scheinfüßchen sind durch zwei ineinandergreifende Spiralen ziemlich versteift, infolge Elastizität des Zellkörpers biegsam und zuweilen dazu wie eine Muskelfaser zusammenziehbar.
Sonnentierchen
vergrößern
Sonnentierchen
Als Bewegungsorganellen sind nur die Lobopodien und Filopodien anzusehen, während Rhizopodien und Axopodien nur noch im Dienste der Nahrungsaufnahme stehen, eine Aufgabe, die beim Sonnentierchen durch Umfließen der Nahrung ebenfalls zusätzlich erfüllen. Vom Aussehen her gleicht das Sonnentierchen einem Seeigel (Echinoidea). Das Sonnentierchen ist ein nackter Einzeller, d. h., dass das Tier zum Schutz keine schleimige oder gallertartige Umhüllung aufweist.

Lebensweise

Das Sonnentierchen lebt sehr gesellig, vor allem bei der Nahrungsaufnahme bzw. Verdauung, d. h. mehrere Sonnentierchen verschmelzen zu einer Fressgemeinschaft, so dass auch größere Beutetiere verdaut werden können. Das Sonnentierchen bewegt sich sehr langsam. Die Fortbewegung erfolgt mehr kriechend durch die Ausbildung der Scheinfüßchen.

Verbreitung

Das Sonnentierchen ist weltweit verbreitet und lebt im Süßwasser. Das Tier kommt in allen Gewässertypen vor, wie zum Beispiel in Tümpeln, Gartenteichen, in Seen oder in langsam fließenden Gewässern. Hauptsächlich hält sich das Sonnentierchen zwischen Algen und Wasserpflanzen auf.

Ernährung

Sonnentierchen
vergrößern
Sonnentierchen

Das Sonnentierchen ernährt sich räuberisch. Zu seinem Nahrungsspektrum zählen unter anderem Flagellaten, kleine Metazoen wie zum Beispiel Bärtierchen und Rädertierchen, Wimperntierchen sowie Eilarven von Ruderfußkrebsen. Bei der Nahrungsaufnahme wird das Beutetier sofort gelähmt und bleibt an den Axopodien hängen. Das Beutetiere wird durch die ausgebreiteten Strahlen völlig eingeschlossen, so dass das Beutetier in der Vakuole (Zellorganelle) verdaut wird. Gelegentlich schmelzen zwei oder auch mehrere Sonnentierchen zu einer Fressgemeinschaft zusammen, um größere Beutetiere wie zum Beispiel Kleinkrebse zu fangen und zu verdauen. Gelegentlich nimmt das Sonnentierchen auch Algen zu sich.

Fortpflanzung

Bemerkenswert ist der geschlechtliche Vorgang. Beim Sonnentierchen vollzieht er sich in der Weise, dass zuerst die Scheinfüßchen eingezogen werden, worauf sich das Tier mit einer Gallerthülle umgibt. In ihr teilt es sich in zwei Tochtertiere. Ihre Kerne machen nun in zwei Teilungsschritten die Reduktionsteilung durch, worauf die Schwesterzellen sowie ihre Kerne wieder miteinander verschmelzen. Dieser Vorgang einer geschlechtlichen Vereinigung ohne damit verbundene Vermehrung mag die grundlegende Tatsache zeigen, dass Geschlechtsvorgänge und Vermehrung ursprünglich völlig getrennte Vorgänge sind, die ganz unabhängig voneinander verlaufen können.

Galerie Sonnentierchen

Anhang

Literatur und Quellen

'Persönliche Werkzeuge