Eismeer-Ringelrobbe

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Eismeer-Ringelrobbe

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Überfamilie: Hundeartige (Cynoidea)
Familie: Hundsrobben (Phocidae)
Gattung: Pusa
Art: Eismeer-Ringelrobbe
Wissenschaftlicher Name
Pusa hispida
Schreber, 1775

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Eismeer-Ringelrobbe (Pusa hispida) gehört innerhalb der Familie der Hundsrobben (Phocidae) zur Gattung Pusa. Die Art ist auch unter dem veraltetem Synonym Phoca hispida bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen, Maße

Je nach Unterart erreicht die Eismeer-Ringelrobbe eine Körperlänge von 140 bis 175 Zentimeter sowie ein Gewicht von 65 bis 124 Kilogramm. Weibchen bleiben grundsätzlich kleiner und leichter als Männchen. Die größte Unterart ist die Eismeer-Ringelrobbe (Pusa hispida hispida), die kleinste Unterart stellt die Ladoga-Ringelrobbe (Pusa hispida ladogensis) dar. Insgesamt können die Gewichte auch von Jahreszeit zu Jahreszeit deutlichen Schwankungen unterworfen sein. Das dichte Fell der Eismeer-Ringelrobbe ist im allgemeinen deutlich dunkler als bei anderen Robbenarten. Es ist meist dunkelgrau, die Bauchseite ist mit einem leicht silbrigen Ton deutlich heller. Dorsal und lateral zeichnen sich dabei dunkle Punkte und Ringe ab. Die Extremitäten haben sich im Laufe der Evolution zu flossenartigen Gebilden ungewandelt. Die Hinterbeine haben sich dabei weit nach hinten verlagert und bilden antriebsstarke Flossen. Die vorderen Flipper liegen im Brustbereich und dienen zum einen dem Antrieb und der Steuerung unter Wasser und zum anderen der Fortbewegung auf dem Eis oder Land.

Verhalten

Eismeer-Ringelrobben sind ausgesprochen einzelgängerisch lebende Robben, die jedoch in kleineren Kolonien leben. Die meiste Zeit des Jahres leben sie im Wasser, an das sie sehr gut angepasst sind. Letztlich kommen sie nur zur Fortpflanzung an Land. Dabei versammeln sie sich in Kolonien, die in kleine Reviere aufgeteilt sind und erbittert verteidigt werden. Auf dem Packeis legen sie regelrechte Lager an, die sie vor kalten Winden schützen. Mit ihren Flossen schieben sie lockeren Schnee zu Dämmen zusammen oder graben kleine windgeschützte Höhlen in den Schnee. Sie halten an Land permanent ein oder mehrere Löcher im Eis offen, wodurch sie jederzeit flüchten können. In diesen geschützten Lagern bringen Weibchen auch ihren Nachwuchs zur Welt, der sehr schnell heranwächst. Denn auf dem Land lauern vielfältige Gefahren.

An Land haben Eismeer-Ringelrobben viele Feinde. Hauptfeind ist der Eisbär, das Walross und der Polarfuchs. Auch größe Vögel können vor allem den Jungtieren gefährlich werden. Im Wasser stellt der Orca die Hauptbedrohung dar. In einigen Verbreitungsbebieten werden die Tiere auch von den Inuit gejagt, die das Fleich essen und das Fell für Kleidungsstücke weiter verarbeiten. Weitaus schlimmer ist allerdings das kommerzielle Abschlachten kanadischer Pelzhändlern. Von ihnen werden jährlich bis zu 300.000 Jungtiere auf bestialische Weise mit massiven Holzknüppeln erschlagen. Die Nominalform der Ringelrobbe, die Eismeer-Ringelrobbe (Pusa hispida hispida)ist heute noch nicht akut gefährdet. Allerdings nehmen die Bestände in den letzten Jahren rapide ab.

Unterarten

Verbreitung

Verbreitungsgebiet
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Verbreitungsgebiet

Die Eismeer-Ringelrobbe ist in der Arktis und im Nordpolarmeer die häufigste Robbenart. Auf offener See trifft man sie selten an. Sie leben meist in Küstennähe oder auf dem Packeis. In Küstennähe lebt sie in Alaska, Kanada, Sibirien, Japan und rund um die Ostsee. Bevorzugter Lebensraum ist allerdings das Packeis. Auf geschlossenen Eisflächen halten die Tiere Löcher im Eis frei, um dadurch ins Wasser zu gelangen oder nach Tauchgängen zu atmen.

Bestände

Die bestandsstärkste Unterart der Ringelrobbe ist die Eismeer-Ringelrobbe (Pusa hispida hispida), die weite Teile des Nordmeeres und des Beeringmeeres bevölkert. Südwärts ist sie bis nach Norwegen und Neufundland anzutreffen. Die Schätzungen der Populationen belaufen sich auf drei bis fünf Millionen Tiere. Im Okhotsk Meer und rund um das nördliche Japan ist die Okhotsk-Ringelrobbe (Pusa hispida ochotensis) beheimatet, von der es rund eine Millionen Tiere gibt. Sehr viel schlechter steht es um die Ostsee-Ringelrobbe (Pusa hispida botnica), die rund um die Ostsee lebt. Von dieser Unterart soll es nach neuesten Schätzungen nur noch etwas mehr aks 5.500 Exemplare geben. Kurz vor der Ausrottung steht die Ladoga-Ringelrobbe (Pusa hispida ladogensis), von der nur noch etwa 2.000 Tiere leben. Faktisch ausgerottet ist die Unterart Saimaa-Ringelrobbe (Pusa hispida saimensis). Von diesen Tiere leben gerade mal 250 Tiere in der Saimaasee.

Nahrung

Je nach Jahreszeit ernähren sich Eismeer-Ringelrobben von unterschiedlichen Beutetieren. Im Frühjahr und im Sommer fressen die Robben überwiegend Kabeljau der Art Eleginus gracilis, Garnelen, Krill und ähnliches. Im Winter steht insbesondere der Polardorsch (Boreogadus saida) auf der Speisekarte. Ansonsten werden auch Heringe, Krebstiere, Tintenfische und Kalmare gefressen. Auf ihren Tauchgängen bleiben sie selten länger als fünf Minuten unter Wasser. Bei Bedarf können sie aber auch bis zu 45 Minuten tauchen.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife erreichen Eismeer-Ringelrobben mit rund sechs bis sieben Jahren. Männchen brauchen für die Erlangung der Geschlechtsreife in der Regel ein Jahr länger. In den meisten Verbreitungsgebieten erstreckt sich die Paarungszeit von April bis in den Mai hinein. Die Robben leben Polygam, das heisst, ein Männchen paart sich mit mehreren Weibchen. Mit der Befruchtung tritt zunächst eine Keimruhe ein. Das heisst, die embryonale Entwicklung wird zunächst unterbrochen. Im Fall der Eismeer-Ringelrobbe beginnt die eigentlihe Tragezeit ab etwa August. Nach einer Netto-Tragezeit von etwa 240 Tagen bringt das Weibchen ein Jungtier zur Welt. Die Geburt erfolgt an Land beziehungsweise auf Eisschollen. Die Geburtslänge liegt je nach Unterart bei 50 bis 65 Zentimeter. Das Gewicht beträgt etwa 4.000 bis 5.500 Gramm.

Die Jungtiere weisen ein rein weißes Fell auf. Das Fell ist äußerst dicht und hält die Jungtiere warm. Aufgrund der sehr fettreichen Muttermilch wachsen sie ausgesprochen schnell. Nach vier bis fünf Wochen wandelt sich der Pelz in ein leichtes Grau und dunkelt mit jeder weiteren Woche weiter ab. Hauptfeinde für die Jungtiere sind neben dem Menschen vor allem Eisbären und Polarfüchse. Die Säugezeit beträgt nur etwa sechs Wochen. Danach verbringen die Jungtiere die meiste Zeit im Wasser. Hier sind sie vor den meisten Feinden sicher. Die Lebenserwartung kann bei über 40 Jahren liegen, jedoch erreicht in Freiheit kaum ein Tier ein Alter von 20 Jahren oder mehr.

Literatur und Quellnachweise

Siehe auch

Literatur

  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Alwin Pedersen: Die nordpolaren Robben. Westarp Wissenschaften; Auflage 2 (2003) ISBN 3894328312

Links

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