Mexikanischer Wolf

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Mexikanischer Wolf

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Überfamilie: Hundeartige (Canoidea)
Familie: Hunde (Canidae)
Tribus: Echte Hunde (Canini)
Gattung: Wolfs- und Schakalartige (Canis)
Art: Wolf (Canis lupus)
Unterart: Mexikanischer Wolf
Wissenschaftlicher Name
Canis lupus baileyi
Nelson & Goldman, 1929

IUCN-Status
Extinct in the Wild (EW) - IUCN

Der Mexikanische Wolf (Canis lupus baileyi), in Mexiko auch El lobo genannt, ist eine Unterart der Art Wolf (Canis lupus) und zählt innerhalb der Familie der Hunde (Canidae) zur Gattung Wolfs- und Schakalartige (Canis). Der Mexikanische Wolf gilt heute in Freiheit als ausgestorben. Kleinere Populationen leben nur noch in Zoos und Wildgehegen.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen, Maße

Der Mexikanische Wolf ist die kleinste nordamerikanische Unterart des Wolfes und erreicht lediglich eine Körperlänge von 120 bis 135 Zentimeter, eine Schulterhöhe von 66 bis 81 Zentimeter sowie ein Gewicht von 35 bis 45 Kilogramm.
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Sein kräftig gebauter Körper endet in einem buschigen Schwanz, der eine Länge von bis zu 40 Zentimeter aufweist. Männchen werden etwas größer und schwerer als Weibchen. Das buschige Fell weist eine graubraune bis hellbraune Grundfärbung auf und ist mit dunkleren Streifen durchzogen. Die Färbung kann allerdings stark variieren. Die Bauchseite ist grundsätzlich heller als die Oberseite. Das Fell besteht aus zwei Schichten. Zum einen besteht es aus einer dichten Unterwolle und zum anderen aus oben aufliegenden gröberen Grannenhaaren. Die dichte Unterwolle schützt den Mexikanischen Wolf vor Kälte und Nässe. Der Kopf ist recht breit und sitzt auf einem massigen Hals. Die Ohren sind von stehender Form. Die Augen sind nach vorne gerichtet und ermöglichen dem Mexikanischen Wolf ein räumliches Sehen.

Verhalten

Mexikanische Wölfe sind in Rudeln lebende Tiere. Während der warmen Jahreszeit sieht man sie aber auch alleine umherziehen. Das Rudel wird von einem Leitpaar angeführt, den sogenannten Alphatieren. Ein Rudel kann durchaus aus 20 bis 30 Einzelindividuen bestehen. Die normale Rudelgröße schwankt jedoch zwischen 10 und 15 Individuen. Die Größe eines Rudels hängt unter anderem vom Verbreitungsgebiet und dem Nahrungsangebot ab. Alle Sinne des Mexikanischen Wolfes sind hoch entwickelt. Vor allem der Seh-, Hör- und Geruchssinn leiten die Tiere zielsicher zu ihrer Beute.

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Innerhalb des Rudels paaren sich nur die ranghöchsten Tiere. An der Jagd und der Aufzucht des Nachwuchses sind alle erwachsenen Tiere eines Rudels beteiligt. Bei ihrer Hatz auf Beute können sie Geschwindigkeiten von über 60 km/h erreichen. Ein Revier eines Rudels hängt vom Verbreitungsgebiet und auch dem Nahrungsaufkommen ab. Es kann eine Größe von 150 oder auch einigen Tausend Quadratkilometer aufweisen. Ein Revier wird gegenüber Artgenossen verteidigt. Je nach Jahreszeit ist ein Rudel mehr oder weniger sesshaft oder auch über weite Strecken auf der Wanderung. Im späten Frühjahr und im Frühsommer ist ein Rudel in der Regel sesshaft, da zu diesem Zeitpunkt der Nachwuchs zur Welt kommt. Im Herbst und Winter werden hingegen zum Teil weite Wanderungen unternommen. Auf den täglichen Wanderungen können leicht Entfernungen von 100 bis 150 Kilometer zurückgelegt werden.

Verbreitung

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Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet umfasste die südwestlichen Bundesstaaten der USA und den Norden Mexikos. Es wurden in den USA vor allem Texas, New-Mexico und Arizona besiedelt. Aber bereits Mitte des 19. Jahrhunderts war der Mexikanische Wolf so gut wie ausgerottet. Nur in schwer zugänglichen Lebensräumen überlebten kleine Populationen, die allerdings bis Ende des 20. Jahrhunderts völlig verschwanden. Die letzten Tiere wurden eingefangen und werden seither in menschlicher Obhut gehalten. Der natürliche Lebensraum umfasste die weite Prärie, Baum- und Strauchsteppen sowie Halbwüsten. Auch Höhenlagen von über 2.000 Metern Höhe wurden besiedelt.

Gefährdung, Schutz

In der Roten Liste der IUCN wird der Mexikanische Wolf als in Freiheit ausgestorben geführt. Das Washingtoner Artenschutzabkommen stellt die Tiere in Anhang I unter besonderem Schutz. Heute leben kleinere Rudel nur noch in Zoos und Wildgehegen. Man versucht heute die Population zu erhöhen und in naher Zukunft auszuwildern. Ein erstes Auswilderungsprogramm ist mittlerweile in Arizona angelaufen. Hier wurde ein erstes Rudel unter kontrollierten Bedingungen ausgewildert und studiert. In der Vergangenheit sorgten die starke Bejagung und die Lebensraumzerstörung für den fast vollständigen Untergang des Mexikanischen Wolfes. Ob die anlaufenden Auswilderungsprogramme Früchte tragen bleibt abzuwarten.

Ernährung

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Mexikanische Wölfe sind reine Fleischfresser. Auf die Jagd gehen in der Regel mehrere Rudelmitglieder. Die erlegte Beute wird dann unter allen Mitgliedern eines Rudels geteilt. Mexikanische Wölfe sind ausdauernde Hetzjäger, die ein Beutetier über lange Strecken mit hoher Geschwindigkeit verfolgen können. Eine umfangreiche Meute kann dabei durchaus große Tiere wie Rotwild, Bison und anderes Großwild erbeuten. In Mangelzeiten wird natürlich auch auf Kleinsäuger wie Hasen und Mäuse zurückgegriffen. Auch Aas wird dabei nicht verschmäht. Bei großen Tieren suchen sich die Wölfe zumeist alte, schwache oder kranke Tiere aus. Je nach Alter eines Wolfes kann er mit einer Mahlzeit fünf bis acht Kilogramm an Fleisch zu sich nehmen. Von einem Beutetier bleibt in der Regel nicht viel übrig. Außer Hörnern und Hufen wird alles gefressen. In der Nähe des Menschen wurden Mexikanische Wölfe auch auf Mülldeponien gesichtet. Zum Ärgernis von Farmern und Landwirten machen Mexikanische Wölfe auch vor Nutzvieh und Geflügel nicht halt.

Fortpflanzung

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Mexikanische Wölfe erreichen die Geschlechtsreife im zweiten bis dritten Lebensjahr. Die Paarung findet in der Regel im Frühjahr, meist zwischen Januar und April statt. Innerhalb eines Rudels paaren sich nur die Alphatiere. Sie leben also in einer monogamen Einehe. Pro Saison kommt es dabei nur zu einem Wurf. Nach einer Tragezeit von 63 bis 65 Tagen bringt das Weibchen durchschnittlich vier bis sechs, selten auch mehr Jungtiere (Welpen) in einem Erdbau zur Welt. Die Welpen sind bei der Geburt noch blind und weisen etwa ein Gewicht von 350 bis 450 Gramm auf. Ihre Augen öffnen sie zum ersten Mal etwa nach vierzehn Tagen. Nach vier bis sechs Wochen verlassen sie zum ersten Mal ihren Bau und erkunden spielerisch die nähere Umgebung. Die Jungtiere werden von der Mutter etwa für zwei bis drei Monate gesäugt. Nach und nach nehmen sie dann feste Nahrung zu sich. An der Aufzucht beteiligen sich alle Mitglieder eines Rudels. Ab dem dritten oder vierten Lebensmonat begleiten die Jungwölfe ihre Eltern auf Streifzügen oder zur Jagd. Mit zehn Monaten sind sie bei der Jagd bereits vollwertige Mitglieder. Mexikanische Wölfe können in Gefangenschaft ein Alter von 15 bis 18 Jahren erreichen. In Freiheit liegt die Lebenserwartung bei sieben bis zehn Jahren.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: der Wolf (Canis lupus)
  • Hauptartikel: die Familie der Hunde (Canidae)

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

Links

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