Elster

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Elster

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Familie: Rabenvögel (Corvidae)
Tribus: Corvini
Gattung: Echte Elstern (Pica)
Art: Elster
Wissenschaftlicher Name
Pica pica
Linnaeus, 1758

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Die Elster (Pica pica) zählt innerhalb der Familie der Rabenvögel (Corvidae) zur Gattung der Echten Elstern (Pica).

Inhaltsverzeichnis

Systematik

Die Elster ist ein Singvogel der Unterordnung Passeri. Singvögel sind eine sehr alte Vogelgruppe, die bereits vor gut 30 Millionen Jahren ihren Anfang nahm. Sie ist zudem von allen Unterordnungen die Artenreichste. Innerhalb der Familie der Rabenvögel (Corvidae), in der sich über einhundert Arten in zahlreichen Gattungen einfinden, gehört die Elster zu den Echten Elstern (Pica). In der Familie der Rabenvögel ist die Elster in guter Gesellschaft. Mit von der Partie sind unter anderem:

Gemeinsames Merkmal aller Singvögel ist ein besonders ausgebildeter Kehlkopf, der den Vögel das Singen ermöglicht. Die nächste Verwandte der Elster ist die Blauelster (Cyanopica cyanus), die in Portugal und Spanien ihr Auskommen findet. Die Rabenvögel im allgemeinen und die Elster im besonderen gelten als Nahrungs- und Biotop-Generalisten.

Beschreibung

Aussehen, Maße

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Die Elster, etwas größer als der bekannte Eichelhäher, erreicht eine Gesamtlänge von bis zu 51 Zentimeter, eine Flügellänge von 18 bis 20 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 21 bis 25 Zentimeter sowie ein Gewicht von 210 bis 240 Gramm. Weibchen bleiben dabei nur wenig kleiner und leichter als Männchen. Die allgemeine Statur kann als ausgesprochen zierlich bezeichnet werden. Das Gefieder ist auffallend schwarz-weiß gefärbt. Der Bauch, die Flanken, die Schulterbereiche sowie Teile der Handschwingen sind weiß. Das Bürzelgefieder schwankt in der Färbung von dunkelgrau bis weiß. Das restliche Gefieder sowie der Kopf sind schwarz gefärbt. Einige Unterarten weisen bläuliche Schwungfedern und grünliche Schwanzfedern auf. Der dunkelgraue bis fast schwarze Schnabel ist kräftig gebaut und erreicht eine Länge von gut 30 bis 34 Millimeter. Der sehr lange Schwanz ist deutlich abgestuft. Die Beine und die Füße sind gräulich gefärbt. Das Gefieder ist dann vollständig weiß gefärbt. Bei anderen Farbvariationen ist das schwarze Gefieder teilweise grau, braun oder auch rostbraun bis rotbraun. Diese Variationen sind allerdings sehr selten und treten nicht bei allen Unterarten und Verbreitungsgebieten auf. Je nach Verbreitungsgebiet kommt die Elster zwischen Juni und August in die Mauser. Dabei werden aber nicht alle Federn getauscht, sondern hauptsächlich die kleinen Federchen. Die langen Schwungfedern der Flügel und die Schwanzfedern bleiben erhalten. Unter günstigen Bedingungen kann eine Elster ein Alter von zehn bis fünfzehn Jahren erreichen. Das Durchschnittsalter liegt aufgrund der vielen Fressfeinde allerdings bei gerade mal drei bis vier Jahren.

Verhalten

Im Grunde genommen ist die Elster ein geselliger und neugieriger Vogel. Sie lebt paarweise oder in zum Teil großen Nichtbrüter- und Schlafgemeinschaften. Außerhalb der Brutzeit finden sich in den Schlafgemeinschaften auch Pärchen ein. Einzelgängerisch lebende Vögel kommen nur selten vor. Die Elster ist ein guter und gewandter Flieger. Dennoch wirkt ihr Flug flatterhaft und stellenweise auch unbeholfen. Auf dem Boden bewegt sie sich ebenso gewandt wie in der Luft. Dabei legt sie ein auffallend hüpfendes Fortbewegungsverhalten an den Tag. Stellenweise bewegt sie sich auch seitlich hüpfend fort. Sie ist selbst im Geäst dichter Bäume und Sträucher ein geschickter Kletterer. Man kann die Elster als durchaus neugierig bezeichnen. Die Elster untersucht alles was ihr als lohnenswert erscheint. Auch beispielsweise Mülltonnen, offene Gartenhäuschen und ähnliche Orte sind vor ihr nicht sicher.

Territorial-Verhalten

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In diesem Kapitel wird insbesondere auf das Territorialverhalten bei Nichtbrüter- und Schlafgemeinschaften eingegangen. Das Territorialverhalten bei Brutpaaren wird im Kapitel Fortpflanzung behandelt.

Bei Nichtbrütergemeinschaften handelt es sich schlußendlich um Junggesellenverbände. Hier schließen sich meist einjährige Jungvögel zusammen. Schlafgemeinschaften sind ähnlich strukturierte Gruppe, nur schließen sich solchen Gemeinschaften außerhalb der Brutzeit auch Pärchen an. Schlafplätze befinden sich meist in Bäumen an unzugänlichen Plätzen. Dazu gehören Moore und Sumpfgebiete oder auch Inseln auf Seen oder ähnliches. Solche Plätze werden in der Regel über lange Zeit genutzt. Derartige Gemeinschaften können insbesondere im Winter mehr als einhundert Vögel umfassen. Innerhalb dieser Gemeinschaften herrscht augenscheinlich keine Rangfolge oder Hierarchie. Dennoch sind gelegentlich einzelne, dominierende Vögel auszumachen.

Am Tage sieht man die einzelnen Vögel meist einzeln oder paarweise umherstreifen. Insbesondere bei der Nahrungssuche kann es aber durchaus zu Zwist unter den Elstern kommen. Da wird gehackt, gepickt, mit den Flügeln geschlagen und herumgekräht. Von einem harmonischen Miteinander kann dann keine Rede mehr sein. Zu schweren Verletzungen kommt es dabei aber nicht wirklich. Das sieht bei Kämpfen um einen Nistplatz oder ein Revier schon ganz anders aus. Diese Kämpfe können durchaus zum Tode führen.

Stimme, Lautäußerungen

Die Elster hat als Singvogel ein weites Spektrum an Lautäußerungen. Es fängt an bei leisem filigranen Gesang während der Paarungszeit bis hin zu lautstarkem "Maulen", dem sogenannten Schäckern bei der Revierverteidigung. Weibchen bringen während der Paarungszeit sogenannte Bettelrufe hervor, um dem Männchen Nahrung zu entlocken oder zur Paarung zu verleiten. Innnerhalb der Paarbeziehung gibt es zudem ein breites Spektrum an Schwatz- und Plauderlauten. Manchmal hat es den Anschein, als würden sich die Elstern regelrecht unterhalten. Auch das Revier wird von einer Ansitzwarte durch Gesang und Lautäußerungen markiert.

Prädatoren

Die Elster hat eine ganze Reihe von Feinden. Außer dem Menschen, ihrem größten Feind, zählen insbesondere die Rabenkrähe und der Habicht zu den natürlichen Feinden. Gegen beide Prädatoren kann sich die Elster kaum verteidigen. Zu den bodenlebenden Feinden zählen insbesondere Katzen, Marder und Eichhörnchen, die vor allem Eier, Nestlinge und Jungvögel erbeuten. Auch gegen diese Feinde ist die Elster machtlos und kann der Nestplünderung nur tatenlos zuschauen.

Unterarten

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Die Pica pica hudsonia wird heute als eigene Art unter dem Namen Schwarzschnabelelster (Pica hudsonia) geführt.

Verbreitung

Vorkommen

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Die Elster ist in weiten Teilen der Palärarktis verbreitet. Ihr Verbreitungsgebiet umfasst weite Teile Europas, insbesondere von Südeuropa bis ins nördliche Skandinavien, im Osten bis ins westliche Sibirien, im Osten bis zu den britischen Inseln. Im vorderen Bereich Asiens ist die Elster sowohl im Nahen Osten, beginnend mit der Türkei, weiter über die Arabische Halbinsel bis hin zum Himalaya vertreten. Auch Innerasien und der nördliche Teil Asiens werden besiedelt. Hier insbesondere Rußland bis ins östliche Sibirien, weite Teile Chinas sowie Taiwan und Japan. In Südostasien fehlt sie hingegen komplett. Im Bereich Nordafrika werden insbesondere die nordwestlichen Gebiete wie Marokko, Algerien und Tunesien besiedelt. Weiter südlich in Afrika kommt sie nicht mehr vor. In Nordamerika werden insbesondere Alaska sowie die westlichen Teile der USA und Kanadas besiedelt. Die Elster kommt dabei in einer Reihe von Unterarten in den verschiedenen Verbreitungsgebieten vor. Der Gefährdungsgrad einzelner Unterarten ist dabei mehr oder weniger gering. Einzelne, besonders isolierte Populationen wie die Pica pica kamtschatica auf Kamschatka oder Pica pica asirensis auf der Arabischen Halbinsel weisen dabei stellenweise eine akute Gefährdung auf.

Lebensraum

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So opportunistisch wie das Fressverhalten ist der bevorzugte Lebensraum der Elster keineswegs. Da stellt sie schon gehörige Ansprüche. Sie bevorzugt ganz klar halboffene Gelände mit schutzbietenden Hecken oder Büschen, lichte Galeriewälder und Parkanlagen. Offene Landschaften und geschlossene Wälder werden strikt gemieden. Selbst weitläufige Felder werden gemieden. Auch an die Bodenbeschaffenheit stellt die Elster einige Ansprüche. Trockene und sandige Böden werden ebenso gemieden wie steile Hänge und felsige Gebiete. Das heisst aber nicht, daß sie auch das Hochgebirge meidet. Vor allem in den Alpen, dem Kaukasus oder auch im Himalaya ist sie regelmäßig bis in Höhen von 4.000 Metern zu beobachten. Oft gesehen ist die Elster auch an Waldrändern angeschlossener Agrarflächen, wo sie insbesondere auf Kartoffelfeldern ein reichhaltiges Auskommen findet. Auch stadtnahe Gebiete werden nicht unbedingt gemieden, da sie anscheinend merkt, daß in der Nähe des Menschen der eine oder andere Leckerbissen abfällt. Nur in dicht bebauten Siedlungen oder reinen Städten fehlt sie dabei völlig.

Nahrung

Allgemeines

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Wie alle Rabenvögel, so gehören auch die Elstern zu den opportunistischen Omnivoren. Ihre Nahrung besteht dabei in etwa zur Hälfte aus tierischer Nahrung. Dazu gehören neben Insekten und deren Larven auch Regenwürmer, Schnecken und andere wirbellose Tiere sowie kleinere Wirbeltiere wie Mäuse, Jungvögel, Eier, kleinere Reptilien und Amphibien. Gelegentlich verschmähen sie auch Aas nicht. Mit anderen Worten, nichts ist vor der Elster sicher. Es wurde beobachtet, daß sie regelrecht an Strassen patroullieren, um sich überfahrene Tiere einzuverleiben.

Zur nichttierischen Nahrung gehören insbesondere Sämereien und Früchte wie zum Beispiel Nüsse, Eckern, Eicheln und Körner aller Art. Nicht selten sucht sie in der Nähe menschlicher Siedlungen in deren Abfall nach verwertbarer Nahrung. Und dabei wird die Elster immer fündig, da sie in keinster Weise wählerisch ist und alles frisst was nach Nahrung ausschaut. Auch Mülldeponien werden regelmäßig angeflogen und von ihr inspiziert. Ingesamt schwankt der Anteil tierischer und nichttierischer Nahrung je nach Jahreszeit und Verbreitungsgebiet. Zu Zeiten, wenn die Ernte reif ist, frisst sie ausgesprochen gerne Getreidekörner aller Art.

Ein besoderer Leckerbissen scheinen Vogeleier und Jungvögel zu sein. Vor allem ältere Vögel sind im Auffinden von Nestern ausgesprochen geschickt und lassen sich einen solchen Leckerbissen nur selten entgehen. Dazu suchen sie auch Nester hoch oben in den Bäumen auf. Ihre Hauptnahrung findet die Elster allerdings im Bodenbereich. Hier hüpft sie umher und hat immer den rechten Blick für potente Mahlzeiten. Gelegentlich scharrt die Elster auch mit ihren kräftigen Klauen im Boden herum, um Käfer und Regenwürmer freizulegen. Die Brut der Elster wird fast ausschließlich mit Insekten und deren Larven gefüttert. Mit dieser proteinhaltigen Nahrung wachsen sie ausgesprochen schnell heran.

Nahrungssuche

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Die Elster sucht ihre Nahrung fast ausschließlich am Boden. Hier sucht und findet sie insbesondere Insekten (Insecta) wie Langfühlerschrecken (Ensifera), Kurzfühlerschrecken (Caelifera) und Käfer (Coleoptera). Auch Kleingetier wie Mäuse (Mus) stechen der Elster sofort in die Augen. Markant ist dabei ihr hüpfender Gang, mit dem sie durchaus hohe Geschwindigkeiten erreichen kann. Selbst schnelle Tiere wie Mäuse werden so mit Leichtigkeit erbeutet. Sie setzt sowohl ihre Füße als auch ihren Schnabel bei der Suche nach Nahrung ein. So werden beispielsweise Steine und ähnliches mit dem Schnabel oder den Füßen umgedreht, um darunter nach Nahrung Ausschau zu halten. In lockerem Sand scharrt die Elter mit ihren Füßen, um eventuell verborgene Tiere freizulegen.

Ergiebige Nahrungsplätze merkt sich die Elster und kommt von Zeit zu Zeit immer mal wieder vorbei. So werden, wie weiter oben schon beschrieben, insbesondere stark frequentierte Strassen, Müllhalden, Mülltonnen und andere beutereiche Plätze abgeflogen. In landwirtschaftlichen Regionen sind insbesondere auch Weidetiere wie Kühe nicht vor den Elstern sicher. Hier picken sie den Kühen beispielsweise Parasiten aus dem Fell.

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In Bäume begeben sich Elstern auf der Nahrungssuche eher selten. Allenfalls lohnende Nester werden angeflogen. Ansonsten kann die Elster warten, bis entsprechende Nahrung vom Baum fällt. Dazu gehören insbesondere Baumfrüchte wie Eicheln und Nüsse. Früchte und auch Insekten werden in der Regel im Ganzen verschlungen. Bei größerer Beute pickt sie einzelne Brocken heraus und frisst sie dann. Dabei hält sie zum Beispiel eine tote Maus geschickt mit ihren Füßen fest und pickt an der Beute herum. Bei erbeuteten Vögeln wurde beobachtet, daß die Elster zunächst das ungenießbare Gefieder entfernt, um sich im folgenden über das Fleisch herzumachen.

Für Magerzeiten legt die Elster sich ein Nahrungsdepot an oder plündert ein Depot eines anderen Vogels aus. Dazu heben sie eine kleine Grube aus und legen die Nahrung hinein. Danach wird die Grube sorgsam mit Gräsern oder Ästchen zugedeckt. Da die Elster anscheinend nur über ein Kurzzeitgedächtnis verfügt, gehen viele ihrer Depots verloren. Die meisten dienen nur zur kurzfristigen Überbrückung.

Intelligenz

Zumindest einen Funken Intelligenz kann man diesen Vögeln nicht absprechen, auch wenn es wahrscheinlich eher ein angeborener Instinkt ist. So vielseitig wie ihre Nahrung, so vielseitig sind auch die Wege, um an diese zu gelangen. Ihre Merkfähigkeit für geeignete Nahrungsplätze scheint ausgesprohen hoch zu sein, da sie diese oft aufsuchen. Auch selbst angelegte Nahrungsverstecke werden zumindest kurzfristig wiedergefunden.

Es gab in der Vergangenheit umfangreiche Untersuchungen, um die vermeintliche Intelligenz der Elster zu testen und zu dokumentieren. Die Ergebnisse lassen zumindest auf eine für Vögel recht hohe Intelligenz schließen. So haben sie keine besonderen Probleme, sich an markante Objekte oder Orte zu erinnern. Dies betrifft insbesondere lohnende Nahrungsgründe und Nistplätze anderer Vögel. Auch im Spiegel haben sich die Elstern bei Untersuchungen wiedererkannt. Dies spricht in jedem Fall für eine Intelligenz der Vögel.

Elster und Mensch

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Das Verhältnis zwischen der Elster und dem Menschen ist wie das Verhältnis zwischen "Hund und Katz". Fakt ist zum einen, daß Elstern vor allem während der Ernte sich über Getreide und ähnliche Produkte hermachen. Fakt ist auch, daß Elstern die Populationen von Singvögeln dezimieren. Aber geschieht das wirklich in einem solchen Umfang wie "Fachleute" zu wissen glauben. Zumindest sind in den letzten Jahrzehnten aus der Landwirtschaft keine nennenswerten "Verluste" zu verzeichnen gewesen. Die paar Körnchen können Landwirte mit Sicherheit verkraften. Es drängt sich auch förmlich die Frage auf: sind Elstern wirklich an den Populationsrückgängen von Singvögeln schuld? Ist es nicht vielmehr die Vernichtung der Lebensräume, die Umweltverschmutzung, die Flurbereinigung, ist es nicht die Ignoranz des Menschen, die die Flora und Fauna nachhaltig schädigt? Eines ist klar, die Störung des ökologischen Gleichgewichtes geht nicht von der Elster aus. Seit Jahrzehnten gehen die Bestände der Elster in Deutschland dramatisch zurück. Heute schätzt man die Population vorsichtig auf etwa 200.000 Brutpaare. Die Art ist damit zwar nicht akut gefährdet, aber von einer Überbevölkerung, wie es diverse Jagdverbände weismachen wollen, kann keine Rede sein.

Man hört des öfteren den Begriff "Diebische Elster". Dies trifft, zumindest ansatzweise, in der Tat zu. Elstern scheinen eine Vorliebe für alles Blinkende und Glitzernde zu haben. So kommt es vor, daß sie bei ihrer Nahrungssuche auch das eine mehr oder weniger kostbare Kleinod des Menschen auflesen und zu ihrem Nahrungsdepot schleppen. Man geht davon aus, daß hier die angeborende Neugierde und der Spieltrieb der Auslöser für ein solches Verhalten sind.

Gefährdung, Schutz

Wie alle Rabenvögel, so gehört die Elster in Deutschland heute noch zu den explizit geschützten Arten. Die Richtlinie der Europäischen Union wurde zwar im Anhang II/2 der EU-Vogelschutzrichtlinie dahingehend geändert, daß die Veranwortung den Mitgliedsstaaten übertragen wird und ihnen die jagdbaren Arten benannt werden. Allerdings bedeutet dies keine generelle Änderung der derzeitigen Rechtslage. Und bevor die Elster und andere Rabenvögel bei uns wieder offiziell bejagt werden dürfen, müßte die Änderung des EU-Rechts erst einmal in Bundesdeutsches Recht eingepflegt werden. Dies ist bis zum heutigen Tage nicht geschehen. Auch innerhalb der Bundesländer Deutschland wird unterschiedlich verfahren, da der Naturschutz Ländersache ist. Insbesondere Nordrhein-Westfalen, Hamburg und Bayern erteilen großzügig Abschußgenehmigungen.

Die Gründe, um Elstern zum Abschuß freizugeben, sind so unsinnig wie zweifelhaft. Insbesondere die vermeintliche Überpopulation von Elstern und anderen Rabenvögeln wird immer wieder angeführt, um Abschußgenehmigungen zu erhalten. Dies mag vereinzelt sogar zutreffen, aber ganz und gar nicht über das gesamte Verbreitungsgebiet der Vögel. Insbesondere in der freien Landschaft sind keinerlei Überpopulationen festzustellen. Allenfalls in Stadtgebieten, wie in Hamburg, ist dies streckenweise der Fall. Aber rechfertigt dies einen Abschuß? Auch die Behauptung, Elstern würde Singvogelarten ausrotten, ist an den Haaren herbeigezogen. Ausnahmslos alle durchgeführten und detaillierten Untersuchungen belegen eindeutig, daß die Elster keinen nennenswerten negativen Einfluß auf die Sing- und Kleinvogelbestände hat. Die wahren Gründe liegen ganz woanders: Zerstörung naturnaher Habitate, weitflächige Flurbereinigung, indirekter (Nahrungsmangel) oder direkte Vergiftung durch Pestizideinsatz, Vernichtung traditioneller Winterquartiere. Die Elster wird hierfür eine Entwicklung zum Sündenbock, die nicht sie, sondern der Mensch zu verantworten hat. In der Politik und der Jägerlobby war es immer schon bequemer, die Schuld bei anderen zu suchen.

Fortpflanzung

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Allgemeines

Nicht alle Elstern brüten im Jahr. Von daher kann man die Sozialstrukturen in zwei Gruppen einteilen. Zum einen wären da die brütenden Paare, die ausgesprochen territorial leben und ihr Revier erbittert gegenüber Eindringlingen verteidigen. Auf der anderen Seite gibt es die Nichtbrüter, die in geselligen Gruppen leben. Das sind in der Regel noch nicht geschlechtsreife Vögel oder geschlechtsreife Tiere, die sich noch nicht verpaart haben. Die Gruppen können einige Dutzend oder auch über einhundert Individuen beinhalten. Außerhalb der Paarungszeit leben auch die Brutpaare in deratigen Gruppen. Die Geschlechtsreife erreicht die Elster bereits mit sechs bis sieben Monaten. Oftmals kommt es aber erst im dritten Lebensjahr, also zweijährig zu einer Verpaarung und einhergehender Brut.

Paarbildung

Die Elster lebt in monogamer Einehe, die in der Regel ein Lebenlang hält. Bei Tod eines Geschlechtspartners wird dieser allerdings ersetzt. Er wird meist durch einen einjährigen Vogel ersetzt. Die Zeit der Verpaarung liegt im Herbst. Sie ist völlig unspektakulär und geht fast schleichend vonstatten. Ein Männhen und ein Weibchen freunden sich an, verbringen immer mehr Zeit miteinder und am Ende findet dann die Verparung statt. Das war es schon. Auch wenn im Herbst noch keine Brut ansteht, so beginnt das neue Pärchen bereits mit der Nistplatzwahl und inspiziert interessante Orte. Der Nistplatz wird dann zentraler Teil des neuen, eigenen Revieres. Die Elster ist ganz besonders standorttreu. Hat ein Pärchen einmal ein Revier gewählt und alles geht gut, so bleibt das Pärchen dem Revier und dem Nistplatz ein Lebenlang treu.

Territorialverhalten

aufgeplusterter Körper
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aufgeplusterter Körper

Zentraler Bestandteil und Mittelpunkt eines Revieres ist der Nistplatz. Das Revier wird von beiden Altvögeln über das ganze Jahr hinweg überwacht. Selbst dann, wenn sich ein Pärchen außerhalb der Brutzeit einer Gruppe beziehungsweise eine Schlafgemeinschaft angeschlossen hat. Der Grad der Aggressivität und des Eifers bei der Überwachung des Reviers hängt dabei von der Jahreszeit ab. Während der Brutzeit erreicht dieser Grad den Höchststand. Zu dieser Zeit werden Artgenossen und andere Eindringlinge nicht in die Nähe des Brutplatzes gelassen und werden frühzeitig vertrieben. Die Markierung des Revieres erfolgt dabei nur visuell. Der höchste Punkt, in der Regel ein Baumwipfel, dient dabei als Sitzwarte für Männchen und Weibchen. Hier sitzt meist eines der beiden Partner und hält Ausschau nach Störenfrieden. Nicht selten sitzen hier auch gleich beide Partner. Nähert sich ein Störenfried, so plustert sich die Elster auf und will somit größer erscheinen als sie ist. Die Drohgebärden gehen mit lautem Geschrei einher. Läßt sich der Eindringling davon nicht beeindrucken, so kann es unter Umständen auch zum Kampf kommen, der üblicherweise in der Luft stattfindet. Auf Kämpfe lassen sich in den allermeisten Fällen nur die Männchen ein. Die Kämpfe werden erbittert geführt. In seltenen Fällen kann es dabei auch zum Tode der Elster führen. Je nach Verbreitungsgebiet und Populationsdichte kann ein Revier eine sehr unterschiedliche Größe aufweisen. Bei einer hohen Populationsdichte kann der Anschein erweckt werden, die Elstern würden in Kolonien brüten. Nicht selten kommt es vor, daß ein Trupp Nichtbrüter in ein bestehendes Revier einfällt und dieses aufgrund der Übermacht übernimmt. Die ranghöchste Elster übernimmt dann dieses Revier.

Nistplatz und Nest

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Im Haus der Elstern geht es recht unordentlich und schlampig zu. Zumindest läßt der Anblick des Nestes dieses vermuten. Das Nest besteht außen aus losen ineinander gesteckten Ästchen und Zweigen. Das fertiggestellte Bauwerk weist aufgrund dieser Bauweise dennoch eine hohe Festigkeit auf. Oberhalb der Nistmulde, die eine napfartige Form aufweist, befindet sich eine Haube aus größeren Ästen, die dem brütenden Vogel einen zusätzlichen Schutz verleiht. Vor dem Nestbau kann sich keines der beiden Partner drücken. Das Nest entsteht in einer Gemeinschaftarbeit, die von beiden Partnern zu gleichen Teilen geleistet wird. Das Männchen sorgt hauptsächlich für den Nachschub an Baumaterial. Das Weibchen verbaut dieses. Insgesamt zieht sich der Bau des Nestes über zwei bis drei Tage hin. Ein Nest kann einen Durchmesser von bis zu 70 Zentimeter aufweisen. Die reine Nistmulde ist dabei lediglich dreizehn bis fünfzehn Zentimeter breit und gut zehn Zentimeter tief. Die Nistmulde ist von unten mit feinem Reisig, Erde und ähnlichem gebaut. Dadurch ist die Mulde gut isoliert. Darüber befindet sich weicheres Material, auf dem dann gebrütet wird.

Balzverhalten

Die eigentliche Balz beginnt nach Fertigstellung des Nestes, gelegentlich auch schon während der Bauphase des Nestes. Oft wird eine Begattung durch das Bettelverhalten des Weibchens eingeleitet. Beim Weibchen geht das Paarungsverhalten mit demütigem Ducken einher. Geht das Paarungsverhalten vom Männchen aus, was im Grunde die Regel ist, so nähert er sich seinem Weibchen von hinten. Dabei hält er seinen Kopf hoch erhoben und zeigt sein aufgespreiztes Gefieder. Meist geht dieses Verhalten mit einem leisen, kaum hörbaren Singen einher. Das Weibchen wartet in geduckter Haltung, mit leicht vibrierenden Flügeln ab. Nun erfolgt die Begattung. Sie kann dabei mehrfach wiederholt werden, teilweise sogar mehrmals am Tage. Im Vorfeld ist oft ein Paarflug zu beobachten, bei dem Männchen und Weibchen relativ synchron nebeneinander fliegen. Der Flug hat den Anschein eines wellenartigen Fluges. Begriffe wie Blinken und Flagge spielen streckenweise auch bem Balzberhalten der Elster eine Rolle. Beim Flaggen wird der Schwanz in auffälligen Auf- und Abbewegungen bewegt, beim Blinken geschieht diese Bewegung horizontal.

Eiablage, Brut

Je nach Verbreitungsgebiet beginnt die Eiablage in der Regel im zeitigen April. Dies ist insbesondere in mitteleuropäischen Breitengraden der Fall. Ein Weibchen legt meist zwischen vier und acht Eier. In seltenen Fällen kann ein Gelege auch über zehn Eier beinhalten. Nur Nachgelege bei Gelegeverlust sind meist kleiner. Die Eier werden etwa im Abstand von 24 Stunden gelegt. Ein Ei weist eine Länge von 34 Millimeter, eine Breite von 24 Millimeter sowie ein Gewicht von bis zu zwölf Gramm auf. Sie weisen dabei eine helle grünliche bis sandfarbene Färbung sowie eine blaugraue bis olivegrüne Fleckung auf. Nachdem das letzte Ei gelegt ist beginnt das Bebrüten des Geleges. Bebrütet werden die Eier fast ausschließlich vom Weibchen. Nur sehr selten beteiligt sich auch das Männchen.

Aber das Männchen bleibt nicht wirklich untätig. Zu den Hauptaufgaben zählt die Bewachung von Gelege und Weibchen und die Versorgung des Weibchens mit Nahrung. Bei der Bewachung hat das Männchen insbesondere ein Auge auf potentielle Nesträuber. Dazu gehören insbesondere Krähen, die sofort nach Auftauchen vehement attakiert werden. Je nach Verbreitungsgebiet schlüpfen die Jungvögel nach etwa nach 17 bis 23 Tagen. Gerechnet wird diese Zeit ab dem Zeitpunkt der Ablage des letzten Eies. Ab hier erfolgt auch die Bebrütung. Man schätzt das nur etwa 50 Prozent aller Bruten verlorengehen. Dazu tragen insbesondere Krähen und Raubvögel sowie boreale Räuber bei. Bei den bodenlebenden Räubern fallen vor allem Marder und Katzen ins Gewicht. Nicht selten werden Gelege auch vom Menschen, insbesondere Jägern (!) zerstört.

Jungvögel

Mit dem Schlupf sind die Küken noch nackt und blind. Das Schlüpfgewicht der Küken beträgt etwa sieben Gramm. Nach etwa fünf Tagen öffnen sie erstmals ihre Augen. Bis sich der erste Flaum bei den Küken einstellt, werden sie von der Mutter gehudert. Das Männchen sorgt während dieser Zeit für die Versorgung der Brut und des Weibchens mit Nahrung. Aufgrund der nahrhaften Fütterung wachsen die Küken sehr schnell heran. Nach 26 bis 30 Tagen verlassen die voll befiederten Jungvögel das Nest. Sie halten sich aber in der ersten Zeit noch in der Nähes ihres Nestes auf. Hier werden sie auch von den Altvögeln betreut und weiterhin mit Nahrung versorgt. Der erste Flug und auch die Bewegungen am Boden wirken noch sehr wackelig und unbeholfen. Nach und nach werden die Ausflüge ausgedehnter und dauern auch länger an. Die Altvögel folgen ab diesem Zeitpunkt dem Nachwuchs und beschützen sie noch eine Zeitlang. Gegen Ende der Betreuung durch die Eltern schliessen sich die Jungvögel dann den nichtbrütenden Trupps an und sind selbständig.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X
  • Pierandrea Brichetti: Vögel. In Garten, Park und freier Natur. Neuer Kaiser Verlag , 2002.ISBN 370431322X
  • Rob Hume: Vögel in Europa. Dorling Kindersley; Auflage: 1 (Januar 2003) ISBN 3831004307
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Dr. Einhard Bezzel: Der zuverlässige Naturführer. BLV Handbuch Vögel. 3. überarbeitete Auflage (2006). BLV Buchverlag GmbH & Co. KG, München.ISBN 3-8354-0022-3; ISBN 3-8354-0022-1
  • Manfred Pforr, Alfred Limbrunner: Ornithologischer Bildatlas der Brutvögel Europas, Band 2. Weltbild Verlag GmbH, Augsburg, 1991 ISBN 3894400072

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