Emin-Riesenhamsterratte

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Emin-Riesenhamsterratte

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Mäuseverwandte (Myomorpha)
Teilordnung: Myodonta
Überfamilie: Hamster- und Mäuseartige (Muroidea)
Familie: Langschwanzmäuse (Muridae)
Unterfamilie: Hamsterratten (Cricetomyinae)
Gattung: Riesenhamsterratten (Cricetomys)
Art: Emin-Riesenhamsterratte
Wissenschaftlicher Name
Cricetomys emini
Wroughton, 1910

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Die Emin-Riesenhamsterratte (Cricetomys emini) zählt innerhalb der Familie der Langschwanzmäuse (Muridae) zur Gattung der Riesenhamsterratten (Cricetomys). Im Englischen wird die Emin-Riesenhamsterratte Giant Rat oder Emin's Pouched Rat genannt.

Ursprünglich zählten sechs Arten zu der Gattung der Riesenhamsterratten (Cricetomys). Erst der Nagetierspezialist Sir John Reeves Ellerman fasste die sechs Arten im Jahre 1941 zu einer einzigen Art zusammen. Die einzige Art wurde im Jahre 1967 von Huguette Genest-Villard dann in zwei Spezies unterteilt, und zwar Cricetomys emini und Cricetomys gambianus.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Emin-Riesenhamsterratte erreicht eine Kopf-Rumpf-Länge von etwa 25 bis 46 Zentimeter, eine Schwanzlänge von etwa 36 bis 46 Zentimeter sowie ein Gewicht von bis zu 1 Kilogramm. Zwischen der Emin-Riesenhamsterratte und der Gambia-Riesenhamsterratte (Cricetomys gambianus) gibt es ein paar körperliche Unterschiede. Die Emin-Riesenhamsterratte weist eine deutliche Linie von Farbunterschieden zwischen ihrem Unterleib und dem Oberkörper auf. Das Abdomen zeigt eine grauweißliche Färbung, während der Oberkörper eine dunkelbraune Tönung aufweist. Der Schwanz hat eine weiße Spitze. Die Gambia-Riesenhamsterratte ist in ihrer graubraunen Färbung am Körper recht einheitlich. Die Emin-Riesenhamsterratte ist von einer schlanken und muskulösen Statur und kann ausgezeichnet klettern. Die Gambia-Riesenhamsterratte weist dagegen eine kompakte Gestalt auf und hält sich weniger auf Bäumen auf. Die Emin-Riesenhamsterratte wiegt tendenziell weniger und ist kleiner als die Gambia-Riesenhamsterratte. Beide Arten werden in Zoohandlungen angeboten. Leider sind viele Händler und Züchter nicht in der Lage die Unterschiede zwischen den beiden Arten zu erkennen und sie versuchen sogar, beide Spezies zu kreuzen. Einige berichten über eine erfolgreiche Kreuzung, andere wiederum berichten wieder über eine hohe Sterblichkeitsrate. Beide Arten sind ausgezeichnete Haustiere, nur die Männchen können sehr territorial sein.

Lebensweise

Die Lebensweise der Emin-Riesenhamsterratte gleicht der Lebensweise der Gambia-Riesenhamsterrate. Die Emin-Riesenhamsterratte ist ebenfalls ein nachtaktives Tier, vor allem aufgrund der Tatsache, dass sie nur wenig oder gar keine Toleranz für die intensive Hitze eines typischen afrikanischen Tages aufbringt. Sie ist nahezu inaktiv während des Tages und kommt erst in der Nacht zum Vorschein, um Nahrung zu suchen. Die Emin-Riesenhamsterratte hält sich am Tage in ihrem Nest auf, das sich in dem weitläufigen System von Tunnels oder in einem hohlen Baumstamm befindet. Dieses Nest ist häufig in kühlen Bereichen angelegt, das ein weiterer Beweis für ihre Intoleranz gegenüber Hitze ist. Die Emin-Riesenhamsterratte hortet wie die Gambia-Riesenhamsterratte Nahrungsmittel, auch wenn reichlich Nahrung in jeder Jahreszeit vorhanden ist. Die Backentaschen der Emin-Riesenhamsterratte können mehr als 100 Milliliter an Nahrung aufnehmen. Sie kann eine außerordentliche Menge an Nahrung in einem kurzen Zeitraum transportieren. Einige Studien haben ergeben, dass die Emin-Riesenhamsterratte in 2,5 Stunden etwa drei Kilogramm an Nahrung transportieren kann. Beide Geschlechter sind sehr territorial. Obwohl die Emin-Riesenhamsterratte in der Regel einzelgängerisch in der Wildnis lebt, so bilden die Weibchen oft große Gruppen, die aus vielen Weibchen und ihren Würfen bestehen, während die Männchen meist einzelgängerisch leben. Die Emin-Riesenhamsterratte kann sich rasch auf neue Situationen gut einstellen, wie zum Beispiel Gefangenschaft. Es kommt auch vor, dass die Emin-Riesenhamsterratte, wenn die Temperaturen sinken, sich eng einander schmiegen und sich so gegenseitig wärmen. Aufgrund ihres geringen Körperfettes kann sie die Hitze nicht speichern. Obwohl die Emin-Riesenhamsterratte in der Regel scheu und passiv ist, so kann sie doch ziemlich aggressiv ihre Nester verteidigen. Jedoch gibt es außerhalb des Nestes keine wirklich definierten Bereiche. Als wichtigste Form der Kommunikation bringt die Emin-Riesenhamsterratte kreischende Laute hervor. Sie stößt einen einzigen kurzen Schrei aus, der aus mehreren unterschiedlichen, abwechslungsreichen Tonhöhen zusammengesetzt ist. Das Männchen nimmt während der Werbung olfaktorische Signalstoffe auf, wenn er den Urin eines Weibchens prüft. In Gefangenschaft beträgt die Lebenserwartung der Emin-Riesenhamsterratte etwa fünf bis sieben Jahre, obwohl einige Tiere sogar ein beträchtliches Alter von acht Jahren erreichten. Die Lebenserwartung in freier Wildbahn ist schwer zu dokumentieren, da die Emin-Riesenhamsterratte oft von der einheimischen Bevölkerung gejagt wird und dadurch die Anzahl der Population ziemlich gering ist.

Verbreitung

Die Emin-Riesenhamsterratte ist in folgenden Ländern verbreitet: Benin, Burundi, Kamerun, Zentralafrikanische Republik, Kongo, Côte d'Ivoire, Equatorial Guinea, Gabun, Ghana, Guinea, Kenya, Liberia, Nigeria, Rwanda, Malawi, Sierra Leone, Tanzania, Togo sowie Uganda. Die Emin-Riesenhamsterratte bewohnt eine Vielzahl von Habitaten in ariden Gebieten, die zu den gemäßigten Regionen zählen. Um zu überleben, sucht sie am Tage Schutz in hohlen Baumstämmen oder in Astlöchern, im Dickicht oder im Unterholz sowie zwischen Felsspalten oder in Höhlen von anderen Tieren auf. Sie kann aber auch selbst Baue anlegen. Gelegentlich sieht man die Emin-Riesenhamsterratte auch in städtischen Gebieten und in der Landwirtschaft, wo sie als Schädling angesehen wird.

Prädatoren

Zu den natürlichen Feinden der Emin-Riesenhamsterratte zählen Greifvögel (Falconiformes) und andere Fleischfresser. In der Regel ist es aber für die Prädatoren ziemlich schwierig Emin-Riesenhamsterratten zu erbeuten, da die Weibchen meistens in großen Gruppen zusammenleben und sich gemeinsam vehement zur Wehr setzen können. Menschen dagegen stellen eine größere Gefahr für die Emin-Riesenhamsterratte dar. Vor allem die indigene Bevölkerung Afrikas jagt sie oft, weil sie dort wie die Gambia-Riesenhamsterratte als Delikatesse gilt.

Ernährung

Die Emin-Riesenhamsterratte ist nachtaktiv und sammelt in der Nacht ihre Nahrung. Sie ernährt sich hauptsächlich von Wurzeln, Knollen, Früchten sowie von Samen. Einen Teil der Nahrung verzehrt die Emin-Riesenhamsterratte sofort und den anderen Teil speichert sie in ihren riesigen Backentaschen.

Fortpflanzung

Während der Paarungszeit gehen das Männchen und das Weibchen eine soziale Paarbindung ein. Das Männchen schnuppert und leckt die urogenitalen Bereiche des Weibchens und versucht sich mit dem Weibchen zu paaren. Das Werbeverhalten der Emin-Riesenhamsterratte erscheint recht merkwürdig, indem das Weibchen und das Männchen aufrechtstehend sich kratzen und dann sich gegenseitig so lange jagen bis das Weibchen für eine Begattung bereit ist. Wenn das Weibchen nicht für eine Paarung bereit ist oder das Männchen ablehnt, dann beißt sie dem Männchen in den Rücken oder in den Schwanz. Zwischen den Männchen kommt es während der Paarungszeit zu erbitterten Kämpfen, die manchmal sogar tödlich enden können.

Die Emin-Riesenhamsterratte pflanzt sich wie die Gambia-Riesenhamsterratte saisonal fort. In der Regel findet die Reproduktion im Sommer statt. Der Östrus-Zyklus bei dem Weibchen schwankt zwischen 3 und 15 Tagen. Im Durchschnitt reicht der Östrus-Zyklus von etwa 1,4 bis 7,8 Tage. Allerdings ist der Östrus-Zyklus ziemlich unregelmäßig und oft scheint er von vielen externen Faktoren abzuhängen, wie zum Beispiel von der Umwelt oder von der Anwesenheit eines Männchens. Das Weibchen erreicht die Geschlechtsreife mit gut sechs Monaten und hat in der Regel über neun Würfe pro Jahr. Die Tragzeit beträgt etwa 30 bis 32 Tage. Ein Wurf besteht etwa aus ein bis fünf, meistens aus vier Jungtieren. Während der Reproduktionszeit verhält sich das Weibchen sehr aggressiv.

Mit der Geburt sind die Neugeborenen nackt und weisen geschlossene Augen und Ohren auf. Der charakteristische lange Schwanz ist noch nicht entwickelt. Ein deutliches Wachstum des Schwanzes stellt sich etwa nach 30 bis 35 Tagen ein. Ferner öffnen die jungen Emin-Riesenhamsterratten erst nach 21 Tagen ihre Augen. Obwohl die jungen Emin-Riesenhamsterratten schon ein komplettes Fell aufweisen, sind die Ohren erst nach 14 Tagen offen. Das Weibchen bietet den jungen Emin-Riesenhamsterratten viel Wärme und versorgt sie ausreichend mit Milch. Das Männchen kümmert sich kaum um die jungen Emin-Riesenhamsterratten. Im besten Fall zeigt das Männchen ein wenig Toleranz, manchmal tötet das Männchen auch die Jungen und verzehrt sie anschließend. Wie oft dies geschieht, wurde noch nicht dokumentiert. Eine interessante Form des Altruismus besteht unter den Weibchen. Weibchen mit einem separaten Wurf sorgen sich auch für einen mutterlosen Wurf.

Ökologie

Auch die Emin-Riesenhamsterrate wird wie die Gambia-Riesenhamsterrate zur Aufspürung von Landminen eingesetzt. Die Ausbildung als Minensucher beträgt etwa sechs bis acht Monate. Im Vergleich zu den Minensuchhunden ist die Emin-Riesenhamsterratte leicht zu züchten, zu transportieren und löst durch ihr geringes Körpergewicht wenige Sprengsätze aus. Wenn ein Tier eine Mine erschnuppert hat, dann beginnt es zu scharren und der Sprengsatz wird dann von Experten entschärft. Da die Emin-Riesenhamsterratte über einen ausgezeichneten Geruchssinn verfügt, hat man in Afrika begonnen sie zum Aufspüren von Tuberkulose zu trainieren. Die Emin-Riesenhamsterratte riecht den Speichel von Menschen und hilft so die Krankheit frühzeitig zu erkennen. Da viele an Tuberkulose erkrankte Menschen auch Überträger des HI-Virus, dem Erreger der erworbenen Immunschwächekrankheit Aids, sind, erleichtert dies die Bekämpfung beider Krankheiten. Der Einsatz dieser Tiere ist nicht nur preiswerter, sondern es können auch mehr Proben untersucht werden. Denn ein menschlicher Laborant schafft an einem Tag lediglich nur 20 Proben, wogegen die Emin-Riesenhamsterratte innerhalb von 30 Minuten etwa 120 bis 130 menschliche Speichelproben erschnüffeln kann.

Anhang

Literatur und Quellen

  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

Links

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