Empusa pennata

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Empusa pennata

Systematik
Klasse: Insekten (Insecta)
Unterklasse: Geflügelte Insekten (Pterygota)
Teilklasse: Neuflügler (Neoptera)
Ordnung: Schabenverwandte (Dictyoptera)
Unterordnung: Fangheuschrecken (Mantodea)
Familie: Empusidae
Unterfamilie: Empusinae
Gattung: Empusa
Art: Empusa pennata
Wissenschaftlicher Name
Empusa pennata
(Thunberg, 1815)

Empusa pennata zählt innerhalb der Familie Empusidae zur Gattung Empusa. Im Englischen wird die Art conehead mantis genannt. Die Art ist monotypisch, demnach sind keine Unterarten bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Empusa pennata erreicht eine Körperlänge von etwa 5,0 bis 6,5 Millimeter. Zwischen beiden Geschlechtern besteht ein deutlicher Dimorphismus. Dieser zeigt sich in der Größe, der Flügellänge und den Antennen. Das markanteste Merkmal ist der teilweise enorme Größenunterschied zwischen den Geschlechtern, wobei die Männchen wesentlich kleiner und zierlicher gebaut sind als die Weibchen. Die Flügel der Männchen sind wesentlich länger als die der Weibchen, denn deren Flügel ragen über das Abdomen hinaus, wobei die der Weibchen nicht einmal das Abdomen bedecken. Die Antennen der Männchen sind ebenfalls länger, und sie besitzen Sinnesorgane, die den weiblichen Sexuallockstoff orten können. Weiterhin werden die Antennen der Männchen auch zur Beruhigung und Betrillern der Weibchen eingesetzt. Bemerkenswert bei dieser Art sind die dornförmigen Auswüchse auf dem Kopf und am Hinterleib. Meist dienen die Auswüchse der Auflösung des Tieres in seiner Umgebung, um in den dornigen und trocknen Büschen nicht erkannt zu werden. Ferner kann die Färbung je nach Umgebung sehr unterschiedlich sein und dient ebenfalls zur Tarnung. Das Farbenkleid ist überwiegend ein Grau- oder Braunton, dies läßt die Art im Blattwerk oder im trockenen Gestrüpp unsichtbar werden. Gut zu erkennen ist die Tarnung der Art auf den Bildern in dem Artikel.

Lebensweise

Empusa pennata
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Empusa pennata

Der Lebenszyklus dieser Art ist unter den europäischen Gottesanbeterinnen ungewöhnlich. Die Nymphen überwintern und erreichen das Erwachsenenalter erst bis zum nächsten Frühjahr. Die Oothek (Eihülle) wird vom Weibchen an einem Pflanzenstiel angebracht. Wenn die Temperaturen optimal sind, dann schlüpfen die kleinen Nymphen alle gleichzeitig und verteilen sich schnell. Die Nymphen weisen eine Körperlänge von etwa 1,0 Zentimeter auf. Bis zur Paarung führen die Nymphen eine einzelgängerische Lebensweise. Im Gegensatz zu den meisten anderen Gottesanbeterinnen gibt es nach der Paarung keinen Kannibalismus.

Verbreitung

Empusa pennata ist im westlichen Mittelmeergebiet: Provence, Spanien und Italien verbreitet. Man findet aber die Art auch in Nordafrika und auf den Kanarischen Inseln. Die Art hält sich bevorzugt auf Trockenrasen, in immergrünen Gebüschformationen (Macchie), auf Ruderalgelände und in anderen Standorten auf.

Ernährung

Empusa pennata ist tagaktiv und ernährt sich hauptsächlich von kleinen Insekten (Insecta), wie zum Beispiel kleine Käfer, Grillen, Heuschrecken, Motten und Fliegen. In Zusammenspiel von Augen, Tarnung und Fangapparat bildet Empusa pennata eine perfekte Jagdzusammenstellung. Die Tarnung nutzt sie, um in ihrem Jagdrevier unerkannt fast regungslos auf einer Stelle zu verharren und darauf zu warten bis sich ein ahnungsloses Beutetier in der Nähe aufhält. Mit ihren hoch spezialisierten Facettenaugen, mit denen sie eine perfekte Rundumsicht hat, visiert sie das vermeintliche Beutetier an. Ist es schon in Reichweite ihrer Fangarme, so schlägt sie blitzschnell zu und hält das Beutetier in den mit Dornen besetzten Fangarmen fest.
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Empusa pennata
Aus den Fangarmen kann das Beutetier nicht mehr entrinnen. Ist das Beutetier noch zu weit entfernt, verharrt sie, bis es in Reichweite kommt, oder sie pirscht sich mit pendelnden Bewegungen in Zeitlupe heran. Sie beginnt sofort mit den Mundwerkzeugen (Mandibeln) das Beutetier zu verzehren. Meist beginnt sie mit dem Kopf des Beutetieres zuerst, um den möglichen Bissverletzungen durch das erbeutete Tier auszuweichen. Das Tier wird vollständig verzehrt.

Fortpflanzung

Hat das Männchen eine Partnerin ausgewählt, landet es in sicherem Abstand, jedoch in Sichtweite. Das Männchen nähert sich dem Weibchen sehr vorsichtig und verharrt immer wieder regungslos, um nicht als Beutetier zu enden. Nie nähert sich aber das Männchen von vorn auf das Weibchen zu, sondern immer von der Flanke oder von hinten. Ist das Männchen nun nah genug, springt es auf den Rücken des Weibchens und betrillert das Weibchen nun intensiv mit seinen Antennen, um es zu beruhigen. Es hält sich mit den Fangarmen am Prothorax oder am oberen Abdomen fest und mit den Schreitbeinen an den Flügelrändern oder am Abdomen. Nach einigen Minuten bis einigen Stunden beginnt das Männchen nun sein Abdomen seitlich am Abdomen des Weibchens herabzuführen, bis die Analöffnung beider paarig liegen. Nun führt das Männchen sein Abdomenende in die Geschlechtsöffnung des Weibchens, indem sich dann beide Kopulationsorgane verhaken. In dieser Vereinigung verharren beide Partner bis zu mehreren Stunden, während das Männchen die Samenkapsel Spermatophore übergibt. Nach der Paarung bringt Weibchen die Oothek (Eihülle) an einem Pflanzenstiel an. In der Eihülle liegen die Eier nebeneinander in senkrechter Richtung. Eingebettet sind die Eier in einer schaumartigen Masse, die ziemlich stabil und widerstandsfähig ist. Wenn die Larven schlüpfen, reißt das Eigelege an einer präformierten Naht auf und die glasartigen 1,0 Zentimeter großen Larven rutschen dann kopfunter aus der schützenden Hülle. Die Oothek (Eihülle) kann an die 100 bis 300 Eier enthalten. Aufgrund der Parallellagerung finden die Eier genügend Platz im Kokon. Ein Weibchen produziert bis zu einem Dutzend dieser Kokons.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Heiko Bellmann: Insekten (ohne Schmetterlinge). Erkennen und Bestimmen. 2002 by Mosaik Verlag in der Verlagsgruppe FALKEN/Mosaik, einem Unternehmen der Verlagsgruppe Random House GmbH, 81673 München / 5 4 3 2 1. ISBN 3-576-11476-9
  • Ake Sandhall, übersetzt von Dr. Wolfgang Dierl: BLV Bestimmungsbuch 15. Insekten und Weichtiere. Niedere Tiere und ihre Lebensräume-Gliedertiere, Würmer, Nesseltiere, Weichtiere, Einzeller. BLV Verlagsgesellschaft mbH, München Wien Zürich 1984. ISBN 3-405-11390-3
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