Eritrea-Dikdik

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Eritrea-Dikdik

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hornträger (Bovidae)
Unterfamilie: Böckchen (Neotraginae)
Gattung: Dikdiks (Madoqua)
Art: Eritrea-Dikdik
Wissenschaftlicher Name
Madoqua saltiana
(de Blainville, 1816)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Das Eritrea-Dikdik (Madoqua saltiana) zählt innerhalb der Familie der Hornträger (Bovidae) zur Gattung der Dikdiks (Madoqua). Im Englischen wird dieses Böckchen Salt's Dik-dik genannt. Ein weiterer deutscher Trivialname ist Windspielantilope.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Das Eritrea-Dikdik erreicht eine Körperlänge von 52 bis 67 Zentimeter, eine Schulterhöhe von 33 bis 40 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 3,5 bis 5,5 Zentimeter sowie ein Gewicht von 2 bis 6 Kilogramm. Das samtig weiche Fell weist je nach Unterart und Lebensraum dorsal eine rötlichbraune bis gelblichbraune Färbung auf, zu den Flanken hin hellt die Fellfärbung merkbar auf. Der Hals ist rötlichgrau, die Beine sind außen rostigrot gefärbt. Weite Teile des hinteren Kopfbereiches, insbesondere der Bereich der Wangen, aber auch der Nacken und die Halsseiten sind gräulich gefärbt. Die Innenseiten der Beine und das ventrale Fell sind fast weißlich gefärbt. Der Schwanz ist ausgesprochen kurz und endet in einer unauffälligen Quaste. Männchen sind ein wenig größer und kräftiger als Weibchen. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal sind die kleinen Spieße im Stirnbereich der Männchen. Die kleinen Hörner sind relativ gerade geformt oder weisen nur eine geringe Krümmung auf. Sie sind an der Vorderseite gut sichtbar geringelt. An der Wurzel der Spieße sind kleine Haarbüschel erkennbar. Weibchen verfügen zum Säugen des Nachwuchses über 4 abdominale Zitzen. Eritrea-Dikdiks verfügen über relativ große Augen, die seitlich am Kopf liegen und schwarz gefärbt sind.

Lebensweise

Eritrea-Dikdiks sind ausgesprochen sozial und leben in der Regel in kleinen monogamen Familiengruppen, die aus einem Pärchen und deren Nachwuchs bestehen. Der Nachwuchs bleibt bis zur nächsten Schwangerschaft der Mutter in der Familiengruppe. Selten treten Eritrea-Dikdiks auch einzelgängerisch auf. Eritrea-Dikdiks sind durchaus territorial und markieren ihre Reviere mit Kot und Urin sowie mit einem Sekret aus Drüsen im Kopfbereich. Im Revier werden bestimmte Wege bevorzugt, die besonders markiert werden. Der Geruchssinn leitet die Tiere sicher durch ihre Revier. Beide Geschlechter beteiligen sich an der Reviermarkierung. Bei Gefahr geben die Tiere, insbesondere die Männchen, pfeifende Geräusche von sich, die auch als Drohgebärde angesehen werden können. Einem Eindringling stellt jedoch nur das Männchen nach. Dabei werden auch die kleinen Hörner als Waffe eingesetzt. Kämpfe unter rivalisierenden Männchen haben zumeist nur symbolischen Charakter. Es handelt sich also um reine Kommentkämpfe, bei denen es nur selten zu Verletzungen kommt. Eritrea-Dikdiks sind für gewöhnlich verschwiegen und halten sich zum eigenen Schutz in dichter Vegetation verborgen. Sie sind dämmerungs- und nachtaktiv, wobei die aktivsten Phasen in den frühen Morgenstunden und den späten Abendstunden liegen. Die Orientierung erfolgt über die hoch entwickelten Sinne. Dies sind vor allem der olfaktorische Sinn sowie das Gehör und der Sehsinn.

Unterarten

Kopfstudie
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Kopfstudie

Verbreitung

Das Eritrea-Dikdik ist im östlichen Afrika, insbesondere in Dschibuti, Eritrea, Somalia, im nordöstlichen Sudan und im nördlichen Äthiopien verbreitet. Kleinere Populationen sollen auch in Kenia anzutreffen sein. Die Tiere bewohnen vor allem trockene Regionen mit einer dichten Buschvegetation. Sie sind sowohl in der Ebene als auch in Höhenlagen bis in Höhen von 2.500 Meter und mehr anzutreffen. Beliebte Lebensräume sind Buschsavannen, mit Büschen durchsetztes Grünland sowie Wälder mit einer dichten Bodenvegetation.

Ernährung

Als reine Pflanzenfresser ernähren sich Eritrea-Dikdiks von Blättern, jungen Trieben, Knospen und Blüten, Blumen, sowie Gräsern, Kräutern und Früchten. Die grünen Pflanzenteile der Akazien (Acacia) werden besonders häufig gefressen. Die Nahrungssuche erfolgt vor allem in den frühen Morgen- und späten Abendstunden. Der Bedarf an Trinkwasser wird zum Großteil über die Nahrung gedeckt. Ist Trinkwasser vorhanden, so nehmen Eritrea-Dikdiks diese durchaus zu sich.

Fortpflanzung

Die Weibchen der Eritrea-Dikdiks erreichen die Geschlechtsreife mit bereits 6 bis 8 Monaten, Männchen hingegen erst mit 8 bis 9 Monaten. Weibchen können bis zu einem Alter von etwa 13 Jahren Nachwuchs zur Welt bringen. Männchen produzieren Samenflüssigkeit bis zu einem Alter von 10 Jahren. Die Geschlechter führen eine monogame Einehe, nicht selten hält die Ehe auch über mehrere Jahre oder gar ein Leben lang. Die Paarungszeit erstreckt sich in der Regel über das ganze Jahr. Die meisten Geburten fallen jedoch in die beginnende Regenzeit. Dies ist im übrigen bei allen Dikdiks der Fall. Nach einer Tragezeit von 170 bis 180 Tagen bringt das Weibchen ein, eher selten auch 2 Jungtiere zur Welt. Die Geburt eines Jungtieres erfolgt mit den Vorderbeinen und dem Kopf zuerst. Ein Jungtier weist je nach Geschlecht ein Gewicht von 500 bis 800 Gramm auf. Männlicher Nachwuchs wiegt bei der Geburt etwas mehr als weiblicher Nachwuchs. Die Nachgeburt wird von der Mutter gefressen um verräterische Gerüche zu tilgen. In den ersten 3 Wochen bleiben Jungtiere im hohen Gras oder dichter Vegetation verborgen und die Mutter kommt nur zum Säugen vorbei, bleibt jedoch immer in der Nähe. Später folgt der Nachwuchs den Eltern. Mit dem zweiten Lebensmonat beginnen bei den Männchen die Spieße zu wachsen. Zu sehen sind sie jedoch erst sehr viel Später, da die Spieße in den ersten Monaten unter dem Haarschopf verborgen liegen. Die Säugezeit erstreckt sich über etwa 3 bis 4 Monate. Aber bereits ab der zweiten Lebenswoche nehmen Jungtiere zusätzlich feste Nahrung zu sich. Bereits nach sieben bis acht Monaten erreicht ein Jungtier die Größe der Eltern. Zu dieser Zeit, spätestens gegen Ende des ersten Lebensjahres verlassen die Jungtiere ihre Eltern und werden selbständig. Die Lebenserwartung in freier Wildbahn liegt bei 3 bis 4 Jahren.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

In der Vergangenheit wurden Eritrea-Dikdiks wie alle Dikdicks wegen ihrer Häute stark bejagt. Heute spielt die Bejagung keine große Rolle mehr. Die Haut wurde vor allem für die Produktion von Handschuhen und Handtaschen verwendet. Das Fleisch dient den Eingeborenen auch heute noch als Nahrung. Eritrea-Dikdiks sind jedoch nicht leicht zu erbeuten, da sie sehr wachsam sind und sofort die Flucht ergreifen. Die natürlichen Verbreitungsgebiete stehen heute in weiten Teilen mehr oder weniger unter Druck. Das besiedelte Areal umfasst rund 242.000 km². Vor allem die Land- und Viehwirtschaft breiten sich rasant aus und nehmen den Eritrea-Dikdiks den Lebensraum. Dennoch gilt die Art noch nicht als gefährdet und wird infolgedessen in der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet (LC, Least Concern) geführt. Die Bejagung erfolgt zumeist mit ausgelegten Drahtschlingen. Die Tiere gehen so qualvoll ein, da sie meist tagelang in den Drahtschlingen vor sich hin vegetieren. Die Gesamtbestände werden aktuell auf etwa 485.000 Exemplare geschätzt.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

Links

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