Euophrys erratica

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Euophrys erratica
Weibchen

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Familie: Springspinnen (Salticidae)
Gattung: Euophrys
Art: Euophrys erratica
Wissenschaftlicher Name
Euophrys erratica
(Walckenaer, 1826)

Die Spinnenart Euophrys erratica, auch unter den Synonymen Pseudeuophrys callida und Pseudeuophrys erratica bekannt, zählt innerhalb der Familie der Springspinnen (Salticidae) zur Gattung Euophrys. Weitere Synonyme sind: Pseudeuophrys affaber, Pseudeuophrys agilis, Pseudeuophrys distinctus, Pseudeuophrys gracilis, Pseudeuophrys misera, Pseudeuophrys tigrina, Pseudeuophrys virgulatus.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Bei dieser Art sind das Männchen und das Weibchen ganz ähnlich und zudem noch fast gleich groß, wobei das Männchen eine Körperlänge von etwa 3 bis 4 Millimeter erreicht und das Weibchen eine Körperlänge von etwa 4 bis 5 Millimeter. Der Rückenschild ist schwarz gefärbt, jedoch dicht mit hellen Härchen besetzt, die nach hinten zu spitz auslaufen. Der Vorderkörper ist bei dem Männchen an den Seiten schwarz gefärbt und oberseits in einem nach hinten zugespitzten Dreieck scheckig braun und weißlich behaart. Die Kopfplatte ist schwarz getönt und mit hellgrauen Haaren bedeckt. Die abfallenden Seiten sind rötlich behaart. Ein weißer Mittelstrich hinter dem Foveabereich ist zu erkennen. Auf dem Hinterkörper bildet die Behaarung undeutliche, dunkle Winkelflecke. Der Pedipalpus ist an Femur und Patella weißlichgelb, ansonsten schwarz gefärbt. Die vorwiegend schwarzen Beine sind schmal weißlich geringelt. Das insgesamt hellere Weibchen zeigt auf dem Hinterkörper meist deutliche, dunkle Winkelflecke. Die Behaarung der Kopfplatte ist bei dem Weibchen hellorange und die Mundgliedmaßen sind heller als bei dem Männchen. Die Epigyne (äußeres weibliches Geschlechtsorgan) ist durch die Anordnung der Samentaschen und der Sklerotisierung der Gruben charakterisiert. Die Beine bei dem Weibchen sind blaß hellbraun gefärbt, schwarz geringelt und mit weißen Haarflecken gezeichnet. Die Pedipalpen sind einfarbig weißlich. Durch die gebogene Apophyse und dem breiten gewundenen Embolus ist diese Springspinne von allen anderen Arten dieser Gattung zu unterscheiden. Die reifen Tiere findet man im Frühjahr und im Sommer, die Weibchen sind bis in den Herbst anzutreffen. <2>

Lebensweise

Das Männchen führt bei der Balz vor dem Weibchen auffällige Tänze auf. Dabei winkt das Männchen mit den seitwärts abgespreizten Vorderbeinen und zusätzlich mit seinen Pedipalpen. Ähnlich wie bei der Balz sind die Signale für das Drohverhalten optisch und bestehen im wesentlichen in einem Auf- und Abbewegen der Beine. Das Drohverhalten ist stark ritualisiert, aber es kommt nur selten zu echten Kämpfen zwischen den Männchen. Es ist auch keineswegs stets das größere Männchen, das ein solches Kräftemessen gewinnt, sondern einfach das aggressivere. Auslöser für das Drohverhalten können bestimmte Kontrastmuster auf den Palpen oder dem Carapax sein, die nur bei den Männchen auftreten. Übrigens kann auch ein Weibchen gegen ein Männchen drohen. Falls das Weibchen paarungsunwillig ist, hebt und senkt das Weibchen die Vorderbeine, wobei das Weibchen seitswärts im Zickzack läuft.

Verbreitung

Euophrys erratica läßt sich im Fallaub, in der Kraut- und Strauchschicht, unter lockerer Rinde und auf Bäumen finden. Als Habitat bevorzugt die Art trockene und warme Standorte bis auf eine Höhe von 1.800 Metern, sie ist aber auch in Moorgebieten verbreitet. Auch an Lesesteinwällen unter Steinen sowie an trockenen Mauern hält sich die Springspinne auf. In Mitteleuropa ist sie allgemein verbreitet, aber nicht häufig. In folgenden Gebieten kommt die Springspinne vor: Armenien, Österreich (Steiermark, Tirol), Aserbaidschan (Kaukasus), Belgien, China, Tschechien, Finnland, Frankreich, Georgien, Deutschland (Baden-Württemberg, Bayern, Erlangen, Frohburg, Hessen, Maintal, Marburg, Nürnberg, Rheingau, Thüringer Wald), Großbritannien, Griechenland, Ungarn, Iran, Irland, Italien, Japan, Kasachstan, Korea, Mazedonien, Nordspanien (Pyrenäen), Polen, Portugal, Rhodos, Rumänien (Siebenbürgen), Russland (Tuva), Serbien und Montenegro, Slowakei, Slowenien, Schweiz (Löhrmoos bei Bern, Spitzberg), Schweden (Västerbotten), USA (New Jersey, New York) sowie die Ukraine. <3>

Ernährung

Wie alle Springspinnen, so ernährt sich auch diese Spinnenart von Insekten (Insecta). Sie lauert an exponierten Stellen auf ihre Beute und springt sie meist aus dem Hinterhalt an. Dabei spielt der Sehsinn eine außerordentliche Rolle. Die Spinne kann die Beute von weitem schon anvisieren und springt gezielt mehrere Zentimeter weit, um sie zu fangen. Überwiegend werden dabei Fliegen (Brachycera) erbeutet.

Fortpflanzung

Bei der Springspinne sind visuelle Reize die primären Balzauslöser. Daneben spielen aber auch taktile und chemische Stimuli eine Rolle. Das Männchen vollführt vor dem Weibchen vor der Kopulation spezifische Balzbewegungen. Diese reichen vom einfachen Beinheben bis zu komplizierten Bewegungsfolgen mehrerer Extremitäten, und zumeist sind gerade über diese Extremitäten besonders auffällig gefärbt. Wenn das Männchen ein Weibchen wahrgenommen hat, nähert sich das Männchen in einem Zickzacktanz und zeigt gleichzeitig arttypische Balzbewegungen, etwa Hochreißen der Vorderbeine, Palpenvibrieren und Abdomenzucken. Das Weibchen bleibt eher passiv, beobachtet aber das Männchen. Eventuell zieht sich das Weibchen etwas zurück, aber nur selten greift das Weibchen an. Wenn das Weibchen das Männchen akzeptiert, nimmt das Weibchen eine ruhige Kauerstellung ein. Daran schließt sich nun die kürzere zweite Balzphase an, die direkt zur Kopulation führt. Das Männchen streckt die Vorderbeine parallel nach vorn und berührt das Weibchen erstmals. Nach einigem Betasten klettert das Männchen auf den Rücken des Weibchens und kopuliert. Bei der Kopulation führt das Männchen seine Bulben in die Epigyne (äußeres weibliches Geschlechtsorgan) des Weibchens ein und injiziert so das Sperma. Danach verläßt das Männchen seine Partnerin und kümmert sich auch nicht um die Aufzucht. In einem Gespinst legt das Weibchen ihren Kokon ab und betreut ihn bis zum Schlüpfen der Jungspinnen.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

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