Eurasischer Fischotter

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Eurasischer Fischotter

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Familie: Marder (Mustelidae)
Gattung: Lutra
Art: Eurasischer Fischotter
Wissenschaftlicher Name
Lutra lutra
Linnaeus, 1758

IUCN-Status
Near Threatened (NT) - IUCN

Der Eurasische Fischotter (Lutra lutra) zählt innerhalb der Familie der Marder (Mustelidae) zur Gattung Lutra.

Inhaltsverzeichnis

Entwicklung

Vor rund 38 Millionen Jahren begann sich die große Familie der Marder, zu denen auch der Eurasiche Fischotter gehört, zu entwickeln. Zu diesem Zeitpunkt begann die Abspaltung der verschiendenen Linien. Die Entwicklung zu Ottern, Skunks, Silberdachsen, Honigdachsen, Dachsen, Vielfraße und Marder dauerte allerdings viele Millionen Jahre. Die ältesten Fossilien-Funde eines prähistorischen Otters stammen aus dem mittleren Pleistozän, das etwa eine Millionen Jahre vor unserer Zeit lag. Ob diese gefundenen Fossilien tatsächlich zu den direkten Vorfahren des Fischotters zählen, ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt. Die ältesten eindeutigen Funde sind rund 120.000 Jahre alt.

Beschreibung

Der Eurasische Fischotter erreicht eine Körperlänge von 70 bis 80 cm, eine Schwanzlänge von gut 40 cm, eine Schulterhöhe von 25 bis 30 cm sowie ein Gewicht von bis zu vierzehn Kg. Weibchen bleiben kleiner und leichter als Männchen. Ihr langer und kräftiger Schwanz ist spitz zulaufend und völlig behaart. Der Schwanz dient als Steuerungsorgan, an Land wie auch im Wasser der Stabilisierung. Der Körper ist lang gestreckt und mit kurzen aber kräftigen Beinen versehen. Die Füße enden in Zehen, die mit deutlich sichtbaren Schwimmhäuten versehen sind. Sein Kopf ist von rundlicher Form, der in einer abgerundeten Schnauze endet. An der Oberlippe der Schnauze befinden sich seine Tasthaare, die sogenannten Vibrissen und stellen ein wichtiges Orientierungsorgan unter Wasser dar.

Fischotter
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Fischotter

Die Farbe des Fells ist in der Regel ein helles Braun. Kehlbereich, Wangen und Bauchseite sind deutlich heller gefärbt. Ihr Fell ist eines der dichtesten Pelze im Tierreich und stellt in hohem Maße eine Isolierung gegen Kälte und Nässe dar. Die einzelnen Härchen (rund 50.000 pro cm²) greifen ineinander und wirken mit ihren winzigen Keilen und Rillen wie ein Reissverschluß. Auf einer sehr weichen Unterwolle schließen sich stabile Grannen an. Die Unterwolle ist mit Luftbläschen gefüllt und wirkt thermoregulierend. Leider machen diese Eigenschaften das Fell für die Pelzinduistrie sehr interessant. Ein solch isolierendes Fell braucht der Fischotter auch, da er über keine subkutane Fettschicht wie es zum Beispiel die Eisbären, Wale und Delfine haben, verfügt.

Eurasiche Fischotter sind sehr anpassungsfähig. Je nach Verbreitungsgebiet können sie sowohl tag- als auch nachtaktiv sein. An Land sind sie eher langsame Gesellen, die allerdings, wenn es sein muß, recht schnell laufen können. Dabei bewegen sie sich mit gekrümmtem Rücken fort. An den Uferbänken sieht man sie häufig beim Sonnenbad oder einfach nur entspannen. Im Wasser entfalten sie ihre ganze Eleganz und Wendigkeit. Sie können bis zu 12 km/h schnell schwimmen und blitzartig ihre Richting ändern. Beim Schwimmen schaut für gewöhnlich der Kopf aus dem Wasser. Sie sind auch ausgesprochen gute Taucher, die trotz ihrer kleinen Lungen bis zu fünf Minuten unter Wasser verweilen können. Während der Tauchgänge fahren sie nicht benötigte Körperaktivitäten herunter, um Sauerstoff zu sparen. Eine Tauchminute entspricht dabei rund 200 Meter. Ihre Bauten haben sie am Gewässerrand, wobei der Einstieg zur Wohnhöhle unterhalb der Wasserlinie liegt. Die eigentliche Wohnhöhle wird über einen Kanal erreicht und liegt immer über der Hochwasserlinie. Die Wohnhöhle verfügt über einen Schacht an der Oberfläche, um die Sauerstoffzufuhr zu gewährleisten.

Unterarten

Verbreitung

Bis auf einige Inseln im Mittelmeer und auf Island ist der Eurasische Fischotter in weiten Teilen Europas verbreitet. Auch im Nahen Osten, dem Kaukasus, Nordindien, Teilen des Himalaya, China, Japan, Sumatra, Nordafrika, Japan und Java ist er mit insgesamt 15 Unterarten vertreten. Im Gebirge kommt er bis in Höhen von rund 2.500 Metern vor. Hier bevorzugt er fischreiche und klare Gebirgsbäche. In Zentraleuropa ist der Fischotter allerdings recht selten geworden. Größere Bestände gibt es noch in Tschechien, im Osten Deutschlands, im Bayerischen Wald und in Polen. Ihre natürlichen Habitate sind durch klares, sauberes und fischreiches Gewässer mit vegetationsreichen Uferböschungen gekennzeichnet. Solche Habitate sind allerdings sehr knapp geworden, was für einen starken Rückgang der Populationen sorgte.

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Ernährung

Der Eurasische Fischotter bevorzugt kleinere Fische, vor allem die, die leicht zu erbeuten sind. Dazu gehören kranke und schwache Fische. Diese Tatsache macht ihn ökologisch wertvoll, da er als Gesundheitspolizei fungiert. Er frisst aber auch Krustentiere wie Krebse. Insekten, kleine Nagetiere und Vögel gehören ebenfalls zu seinem Nahrungsspektrum. In der Regel frisst der Fischotter an Land, nur selten im Wasser; wahrscheinlich nur bei sehr großem Hunger. Er braucht, je nach Alter und Größe, täglich etwa 500 bis 1.000 Gramm an Nahrung. Das Jagdrevier des Fischotters kann bis zu 40 Kilometer lang sein. Sie legen täglich zehn bis 15 Kilometer bei der Nahrungssuche zurück.

Fortpflanzung

Die Geschlechter erreichen zu unterschiedlichen Zeiten die Geschlechtsreife. Während Männchen bereits mit zwei Jahren geschlechtsreif werden, brauchen Weibchen etwa drei Jahre. In den meisten Verbreitungsgebieten liegt die Ranzzeit in den Monaten von Februar bis März. Fischotter paaren sich hauptsächlich an Land, selten im Wasser. Ein trächtiges Weibchen sucht eine adäquate Wohnhöhle auf und polstert sie mit Moosen und Gräsern aus. Eine Wohnhöhle liegt oberhalb der Hochwassergrenze im Uferbereich ihres Heimatgewässers.

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Nach einer Tragezeit von 60 bis 63 Tagen bringt das Weibchen zwischen zwei und vier Jungtiere zur Welt. Sie sind anfangs noch nackt und blind. Sie weisen eine Körperlänge von etwa 15 cm sowie ein Gewicht von gut 100 Gramm auf. Im Alter von etwa 14 Tagen erkunden sie erstmals ihre Wohnhöhle. Nach vier bis fünf Wochen öffnen sie ihre Augen und ihr Fell beginnt deutliche Formen anzunehmen. Ab der sechsten oder siebten Lebenswoche fangen sie unter Aufsicht der Mutter mit den ersten Schwimmübungen an. Die Säugezeit erstreckt sich über zehn bis vierzehn Wochen. Insgesamt bleiben die Jungtiere über ein Jahr, teilweise bis zu vierzehn Monaten, bei der Mutter. In dieser Zeit erlernen sie die notwendigen Jagdtechniken, die zum Überleben notwendig sind. Fischotter können ein Alter von über zwanzig Jahren erreichen. In freier Natur wird ein solch hohes Alter nur bei optimalen Umweltbedingungen erreicht.

Gefährdung und Schutz

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Zu seinen natürlichen Feinden zählen Raubtiere wie der Wolf, Luchs und große Greifvögel. Diese Feinde lassen die Populationen aber kaum schrumpfen. Viel gefährlicher für den Fischotter ist die Tatsache, daß die Lebensraumzerstörung mit einhergehender Verschmutzung seiner Gewässer immer rasanter fortschreiten. Die damit Hand in Hand gehende Nahrungsverknappung und die starke Befahrung der Gewässer sind kaum noch erwähnenswert.

In Deutschland dürfen Fischotter seit 1968 nicht mehr gejagt werden. In der Vergangenheit wurden die schönen Tiere wegen ihres wertvollen Pelzes stark bejagt. Menschen sahen sie auch als Nahrungskonkurrenten an, da sie sich hauptsächlich von Fisch ernähren. Dank weitreichender Schutzmaßnahmen, die 1990 in Kraft getreten sind, weisen die Populationen in Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und im Bayerischen Wald heute stabile Bestandszahlen auf. In vielen anderen deutschen Bundesländern gab es seither erfolgreiche Wiederansiedlungen. In Rheinland-Pfalz und dem Saarland gibt es keine Bestände. In Nordrhein-Westfalen nur sehr wenige Exemplare.

Anhang

Literatur und Quellen

  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999

Links

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