Europäische Sumpfschildkröte

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Europäische Sumpfschildkröte

Systematik
Klasse: Reptilien (Reptilia)
Ordnung: Schildkröten (Testudinata)
Unterordnung: Halsberger-Schildkröten (Cryptodira)
Familie: Neuwelt-Sumpfschildkröten (Emydidae)
Gattung: Emys
Art: Europäische Sumpfschildkröte
Wissenschaftlicher Name
Emys orbicularis
Linnaeus, 1758

IUCN-Status
Near Threatened (NT)

Die Europäische Sumpfschildkröte (Emys orbicularis) zählt innerhalb der Familie der Neuwelt-Sumpfschildkröten (Emydidae) zur Gattung Emys. Sie ist die einzige europäische Art der Neuwelt-Sumpfschildkröten. Im Englischen wird die Europäische Sumpfschildkröte european pond turtle genannt.

Die Europäische Sumpfschildkröte wurde von der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) in Kooperation mit dem Naturschutzbund (NABU) zum Reptil des Jahres 2015 gewählt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Europäische Sumpfschildkröte erreicht eine Panzerlänge von 15 bis 20 cm, selten auch etwas mehr. Das durchschnittliche Gewicht liegt zwischen 500 und 800 Gramm, in seltenen Fällen bis knapp über 1.000 Gramm. Männchen bleiben insgesamt etwas kleiner und leichter als Weibchen. Der Carapax ist meist dunkel gefärbt und von glatter Form. Die südeuropäischen Arten, wie zum Beispiel Emys orbicularis hispanica und Emys orbicularis fritzjuergenobsti sind deutlich heller aus die nördlichen Arten. Der Panzer ist je nach Unterart mit gelblichen Punkten oder Strichen versehen. Der Plastron ist bei den meisten Unterarten gelblich gefärbt und weist eine dunkle Fleckung auf. Es gibt auch Unterarten mit einem dunklen Plastron.

Der Kopf und die Extremitäten sind meist dunkel gefärbt und weisen kleine gelbliche Flecken und Punkte auf. Der Carapax ist insgesamt von ovaler Form und recht flach gehalten, wobei der des Weibchen etwas stärker gewölbt ist. Hinter dem rundlichen Kopf ist eine deutliche Hautfalte sichtbar. Die Augen liegen weit vorne am Kopf. Die Iris weist eine gelbliche bis bräunliche Färbung auf. Die kräftigen Beine enden jeweils in fünf Zehen, die durch kleine Schwimmhäute verbunden sind. Dadurch sind sie exzellente Schwimmer und Taucher. Die Zehen enden in kräftigen Krallen. Beim Männchen sind die Krallen an den Vorderbeinen deutlich stärker gekrümmt. Neben der leichteren Wölbung des Carapax ist die dickere Schwanzwurzel des Männchen ein deutliches Unterscheidungsmerkmal.

Lebensweise

Die Schildkröten können sehr lange tauchen und erreichen Wassertiefen von bis zu drei Meter. Auf der Suche nach Nahrung oder geeigneten Eiablageplätzen können Europäische Sumpfschildkrötem durchaus einige Kilometer an Land zurücklegen. Zu den natürlichen Feinden gehören neben Raubtieren für Jungschildkröten vor allem große Vögel wie Reiher, Krähen oder Rabenvögel.

Unterarten

Europäische Sumpfschildkröte
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Europäische Sumpfschildkröte

Verbreitung

Die Europäische Sumpfschildkröte ist in weiten Teilen Europas verbreitet. Ihr Verbreitungsgebiet reicht im Süden von Nordafrika, hier insbesondere Marokko, Algerien und Tunesien, über Spanien, die gesamte Mittelmeerregion einschließlich der größeren Inseln wie Sardinien, Sizilien und Korsika bis in die Türkei und den Nahen Osten. Im Norden reicht das Verbreitungsgebiet bis zur Ostsee nach Lettland, Estland und Litauen. Im Osten reicht das Verbreitungsgebiet bis in den Kaukasus und die Karpaten.

Sie bevorzugen nährstoffreiche und langsam fliessende oder stehende Gewässer wie Seen, größere Teiche sowie Altarme von größeren Flußsystemen. Auch schlammiger Untergrund scheint ihnen zu liegen. An den Küsten sind sie auch am Rand des Brackwassers zu finden. Man sieht sie am Tage oft beim Sonnenbaden. Dabei klettern sie an eine exponierte Stelle und sonnen sich zum Teil stundenlang. In Deutschland und Österreich ist die Europäische Sumpfschildkröte mittlerweile durch Biotopzerstörung und Zersiedelung selten geworden.

Ernährung

Die Schildkröten ernähren sich sowohl von pflanzlicher Nahrung wie Algen, Wasserlinsen und Froschbissgewächse, als auch von proteinhaltiger tierischer Nahrung. Dazu gehören vor allem kleine Krebstiere, Schnecken, Insekten und deren Larven sowie viele Arten wirbelloser Tiere.

Aas scheinen sie auch nicht zu verschmähen. Sie schlucken die Nahrung entweder im Ganzen oder zerteilen sie mit ihren hornartigen Kanten in den Kiefern. Sie fressen ausschließlich im Wasser, da sie nur im Wasser zum Schlucken in der Lage sind. Beute, die an Land erbeutet wurde, wird zunächst ins Wasser geschleppt und dort verschlungen.

Fortpflanzung

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Europäische Sumpfschildkröten

Die Europäische Sumpfschildkröte erreicht die Geschlechtsreife mit fünf bis zehn Jahren. Männchen sind in der Regel früher geschlechtsreif. Die Paarungszeit beginnt im Frühjahr, meist in den Monaten Februar oder März. Die eigentliche Kopulation findet im Wasser statt, indem das Männchen aufreitet und sein Geschlechtsteil in die Kloake des Weibchens einführt. Die Trächtigkeit beträgt rund zwei Monate.

Zur Eiablage kommt es meist in den Monaten Mai bis Juni. Dabei sucht das Weibchen einen trockenen und sonnigen Platz auf leicht sandigen Boden aus. In der Regel befindet sich dieser Platz in der Nähe ihres Gewässers. Sie gräbt eine rund zehn cm tiefe Grube, in der sie zehn bis fünfzehn Eier ablegt. Die Eier weisen eine Länge von bis zu 25 mm sowie ein Gewicht von knapp zehn Gramm auf. Nach erfolgter Eiablage wird die Grube sorgsam verschlossen.

Je nach Umgebungstemperatur schlüpfen die Jungtiere nach etwa 80 bis 120 Tagen. Sie suchen unmittelbar nach dem Schlupf das schützende Wasser auf. Übersteht die Jungschildkröte die ersten Jahre, so kann sie in Freiheit durchaus ein Alter von über 70 Jahren erreichen. In Gefangenschaft liegt das Alter bei guter Pflege bei deutlich über 100 Jahre.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Die Europäische Sumpfschildkröte gehört heute zu den gering gefährdeten Arten. In der Roten Liste der IUCN wird sie daher in der Kategorie NT, Near Threatened, geführt. Die größte Bedrohung geht heute von der Fragmentierung der natürlichen Lebensräume aus. Wälder werden für die Holzgewinnung, zu Gunsten der Landwirtschaft, wegen dem Bau von Stromleitungen oder den Bau von Straßen gerodet. Durch die Fragmentierung können zudem Inselpopulationen entstehen, die von genetischer Armut bedroht sein können.


Anhang

Literatur und Quellen

  • Ignaz A. Basile: Faszinierende Schildkröten. Sumpfschildkröten. Naglschmid, 1995 ISBN 3927913812
  • Andreas S. Hennig: Haltung von Wasserschildkröten. Natur und Tier-Verlag; Auflage 1, Dez. 2004. ISBN 3931587959

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