Europäischer Aal

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Europäischer Aal

Systematik
Klasse: Strahlenflosser (Actinopterygii)
Unterklasse: Neuflosser (Neopterygii)
Teilklasse: Echte Knochenfische (Teleostei)
Überordnung: Aalartige (Elopomorpha)
Ordnung: Aalartige (Anguilliformes)
Familie: Flussaale (Anguillidae)
Gattung: Flussaale (Anguilla)
Art: Europäischer Aal
Wissenschaftlicher Name
Anguilla anguilla
Linnaeus, 1758

IUCN-Status
Critically Endangered (CR)

Der Europäische Aal (Anguilla anguilla), auch als Europäischer Flussaal bekannt, zählt innerhalb der Familie der Flussaale (Anguillidae) zur Gattung der Flussaale (Anguilla). Im Englischen wird der Europäische Aal European eel genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Gemeinsame Aktion in Deutschland, Österreich und Schweiz:

Der Verband der Deutschen Sportfischer (VDSF), Sitz in Offenbach, und das Österreichische Kuratorium für Fischerei und Gewässerschutz (ÖKF) sowie das Bundesamt für Naturschutz (BfN) und der Verband Deutscher Sporttaucher (VDST) haben den Europäischen Aal zum Fisch des Jahres 2009 gewählt. Erstmalig hat sich an der gemeinsamen Aktion auch der Schweizerische Fischereiverband (SFV) beteiligt.

Mit dieser Wahl soll darauf aufmerksam gemacht werden, dass die Bestände des Europäischen Aals fast im gesamten Verbreitungsgebiet erheblich zurückgegangen sind und dass es gilt, diesen außergewöhnlichen und einzigartigen Fisch besser zu schützen. Der Europäische Aal wurde schon einmal - anläßlich des Europäischen Naturschutzjahres 1995 - vom Verband der Deutschen Sportfischer (VDSF) zum Fisch des Jahres 1995 erklärt.


Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Europäische Aal erreicht als Männchen eine Körperlänge von etwa 29 bis 51 Zentimeter und als Weibchen eine Körperlänge von etwa 42 bis 100 Zentimeter, maximal bis 150 Zentimeter. Das Gewicht beträgt etwa 4 bis 6 Kilogramm. Ausnahmsweise kann ein Europäischer Aal auch 2 Meter lang und 7 Kilogramm schwer werden. Der Europäische Aal weist einen langgestreckten, zylindrischen Körper mit kleinen Kiemenöffnungen auf. Die Brustflossen sind gerundet und die Rücken- und Afterflossen sind mit der Schwanzflosse zu einem durchgehenden Flossensaum verwachsen. Die Bauchflossen fehlen. Der Vorderrand der Rückenflosse liegt näher am After als an den Kiemenöffnungen. Die schleimige Haut ist mit sehr kleinen, rechtwinklig angeordneten, tief eingebetteten Schuppen versehen. Der Unterkiefer ist länger als der Oberkiefer. Die jungen Aale weisen eine mattbraune Färbung auf und auf dem Rücken sowie oberen Flanken zeigt sich ein grünlicher Schimmer. Der Bauch der jungen Aale (Gelbaal) ist gelblich getönt. Der geschlechtsreife Europäische Aal (Blankaal), der sich auf Laichwanderung flußabwärts begibt, ist am Rücken dunkel getönt und am Bauch silbrig oder weiß gefärbt. Des Weiteren weist er auf der Wanderung große Augen und metallisch glänzende Seiten auf, während der Darm dagegen schrumpft und die Fortpflanzungsorgane sich zu entwickeln beginnen.

Lebensweise

Europäischer Aal
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Europäischer Aal

Der Europäische Aal ist ein bodenlebender, katadromer (d. h. zum Laichen aus dem Süßwasser ins Meer ziehender) Wanderfisch. Tagsüber hält er sich meist im Schlamm, zwischen Wurzeln, Wasserpflanzen, in Höhlungen und ähnlichen Unterschlüpfen versteckt. Ab der Dämmerung wird der Europäische Aal aktiv und geht auf Nahrungssuche. Diejenigen Aale, die sich überwiegend von größeren Tieren wie Krebstiere (Crustacea), kleine Fische (Pisces), Lurche (Amphibia) und Mäuse (Mus) ernähren, sind breitköpfig und schnellwüchsig und werden als Breitkopfaale oder Raubaale bezeichnet. Jene Aale dagegen, die von Kleintieren wie Würmer, Kleinkrebse, Insektenlarven und kleine Weichtiere leben, besitzen einen spitzen Kopf und bleiben im Durchschnitt kleiner, werden als Spitzkopfaale bezeichnet. Diese beiden ökologischen Gruppen sind jedoch durch Übergangsformen verbunden. Während der kalten Jahreszeit suchen die Aale tiefe, frostfreie Stellen auf und halten, im Schlamm vergraben, Winterruhe. Nach vier bis zehn Jahren im Süßwasser beginnt bei den Aalen eine merkwürdige Umwandlung, die in drei bis vier Monaten abgeschlossen ist. Ihre Augen vergrößern sich, der Kopf wird spitz, die Haut auf dem Rücken dunkler und auf dem Bauch dagegen silberglänzend. Nach und nach stellen sie die Nahrungsaufnahme ein, ihr Darmkanal bildet sich zurück, ihr Körper aber wird fest und muskulös. Die Gelbaale wandeln sich in Blankaale um. Gleichzeitig beginnt sich ihr Wandertrieb zu melden. Dieser Wandertrieb, der vor allem im Spätsommer einsetzt, ist auch von den Mondphasen abhängig und am stärksten im letzten Viertel des abnehmenden Mondes ausgeprägt. Man hat festgestellt, dass sich die Brackwasseraale überwiegend zu Männchen entwickeln, deren Umwandlung etwas früher beginnt als bei den Weibchen, die hauptsächlich im Süßwasser aufwachsen. Aus dem östlichen Ostseegebiet sind fast nur Weibchen bekannt. Die Geschlechtsorgane der abwandernden Blankaale sind noch klein und unentwickelt. Durch Hormonbehandlung (Hypophysierungsverfahren) gelang es jedoch, bei Männchen künstlich eine Geschlechtsreife zu erzeugen. Die Abwanderung aus dem Süßwasser findet vor allem nachts in der Zeit von August bis Oktober statt. Wie die Aale die Sargasso-See erreichen, ist immer noch ein Rätsel. Außer drei Exemplaren, die man im Magen eines Pottwales (Physeter catodon) (Azoren) bzw. von zwei Fischarten (Rosemary-Bank) gefunden hat, wurden sie im Atlantik noch niemals entdeckt. Selbst in der Nordsee und im Kanal werden nur sehr selten abwandernde Aale gefangen. Man muß annehmen, dass sie in einer bestimmten Tiefe freischwimmend ihren Weg zu den Laichgründen zurücklegen. Ihre großen Fettreserven (bis zu 25 Prozent des Körpergewichtes) dienen ihnen als Reiseproviant und zum Aufbau der Geschlechtsprodukte, die anscheinend erst in der Sargasso-See das letzte Reifestadium erreichen. In Aquarien können Blankaale bis zu vier Jahren ohne Nahrungsaufnahme existieren. Falls sie, wie angenommen wird, schon zeitig im nächsten Frühjahr in der Sargasso-See ablaichen, müssen sie auf ihrer Reise täglich etwa 30 Kilometer zurücklegen. Markierungsversuche in der Ostsee haben gezeigt, dass sie dazu tatsächlich fähig sind. Als sicher gilt, dass sie nach dem Ablaichen zugrundegehen. Hindert man Aale daran, ins Meer abzuwandern, so können sie ein Alter von etwa 25 bis 50 Jahre erreichen.

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Europäischen Aals befindet sich im nördlichen und westlichen Europa, im Bereich von Mittelmeer und Schwarzem Meer. Er lebt an den Küsten, von Island und Mittelnorwegen südwärts bis Nordafrika. Er kommt aber auch in Flüssen, Seen sowie in Teichen vor. Die Larven ziehen über den Atlantik von der Sargasso-See bei den Bermudas bis zur europäischen Küste und zum Mittelmeer. Diese Larven sind bekannt als Leptocephalus - ein Name, der ihnen gegeben wurde, als man noch annahm, sie seien eine eigene Fischart. An der spanischen und irischen Küste erscheinen die Glasaale im Oktober bis Dezember an der Nordseeküste und im Kattegat im Februar-März in flachen Brackwassergebieten und Flußmündungen. Ein Teil von ihnen verbleibt in Küstennähe, an Stellen mit weichem Grund und dichtem Pflanzenwuchs, während die anderen mit Beginn der Pigmentierung weiter flußaufwärts ins Süßwasser ziehen (Steigaale). Während ihres Aufstiegs überwinden die Steigaale selbst schwierige Hindernisse (in Einzelexemplaren auch den Rheinfall bei Schaffhausen), wenn auch ein großer Teil von ihnen dabei zugrunde geht. Wo jedoch durch Stromverbauungen die Zuwanderung unmöglich gemacht wird, müssen Aalpässe angelegt werden. Viele Aale kommen nie in Süßwasser, sondern verbringen ihr Leben im Schwemmland und Brackwasser. Die Weibchen steigen im Allgemeinen flußaufwärts, während die Männchen an den Mündungen bleiben. Heute aus wirtschaftlichen Gründen wurde der Aal in viele ehemals nicht besiedelte Gewässer eingesetzt.

Prädatoren

Auf den Wanderungen haben die Aale in allen Stadien einen gewissen Schutz gegenüber natürlichen Fressfeinden, da ihr Serum ähnlich wie bei anderen Fischen giftig ist. Dieses Gift wird allerdings beim Erhitzen des Fleisches neutralisiert. Das Serum des Aals wird als homöopathisches Arzneimittel unter der Bezeichnung Serum anguillae eingesetzt. Die Bestandteile des homöopathischen Arzneimittels werden unter entsprechender Zubereitung aus dem Aal gewonnen. Die Anwendungsgebiete sind Herzschwäche und Nierenentzündung.

Parasiten

Für den Rückgang der Aal-Populationen dürfte unter anderem auch der Schwimmblasenparasit Anguillicola crassus dazu beitragen. Es handelt sich um einen Wurm, der die Schwimmblase der Aale befällt. Dieser Wurm verursacht eine Fehlbildung der Schwimmblase und kann daher das Wanderverhalten der Aale beeinträchtigen. Er setzt sich in der Schwimmblase fest und schmarotzt dort als schwärzlicher Wurm von 1 bis 2 Zentimeter Körperlänge das Blut von seinem Wirt und legt auch dort seine Eier ab. Die entstehenden Larven wandern in den Darm ab, werden ausgeschieden und gelangen durch Zwischenwirte über die Nahrung an den Aal heran. Je nach Befallsrate werden die Aale in unterschiedlichem Maße gestresst und sind so empfänglicher für andere Krankheiten. In Kombination mit dem Aal-Herpes-Virus sind befallene Tiere meist Todeskandidaten.

Ernährung

Aale, die im Süßwasser leben, befinden sich im Freß- und Entwicklungsstadium, dem ein dreijähriges Jugendstadium im Meer vorausgeht und dem sich eine transatlantische Wanderung zu den Laichgründen anschließt. Der Europäische Aal besiedelt jede Art von Süßwasser, das er erreichen kann, und wandert dabei auch über Land - gewöhnlich in regnerischen Nächten. Tagsüber ruht er im Schlamm verborgen. Er frißt, meist nachts am Grund lebende Insektenlarven, Krebstiere (Crustacea) sowie kleine Fische (Pisces). Dabei unterscheidet man zwei Ernährungstypen. Der Spitzkopfaal frißt wirbellose Tiere wie Würmer, Schnecken (Gastropoda), Muscheln (Bivalvia) und Insektenlarven. Der Breitkopfaal ernährt sich von kleinen Fischen (Pisces), Fischlaich, Lurchen (Amphibia) und Kaulquappen. Er wird oft beschuldigt, Forellen- und Lachseier zu vertilgen, richtet dort aber recht wenig Schaden an, obwohl er in manchen Gebieten mit den jungen Forellen um Futter konkurriert.

Fortpflanzung

Zum Ablaichen wandern die Tiere von Juli bis Oktober etwa 4.000 bis 7.000 Kilometer weit, von dem ursprünglichen Aufenthaltsort, in die Sargasso-See (zwischen 22 bis 30 Grad N und 50 bis 60 Grad W) im Westatlantik, wobei sie sich am Erdmagnetfeld, an Mondphasen, an Strömungen und Wassertemperaturen orientieren. Hier trifft man in 100 bis 300 Meter Tiefe über sehr tiefen Stellen im März-April die kleinsten, bisher bekannten Larven mit kleinen Köpfen (Dünnköpfe) und bezahnten Kiefern und einer Körperlänge von etwa 5 Millimeter an. Diese als Leptocephalus bezeichneten Larven besitzen einen glashellen, anfangs niedrigen, später weidenblattförmigen Körper (Weidenblattstadium). In diesem Stadium sind die Larven noch nicht geschlechtlich differenziert und auch noch nicht determiniert. Sie leben pelagisch in oberflächennahen Schichten, wo sie sich von Plankton ernähren. Vom Golfstrom erfaßt, gelangen sie quer über den Atlantik an die Küsten Europas und Nordafrikas. Ihre Wanderung dauert fast drei Jahre. Kurz vor ihrer Ankunft an den Küsten wandeln sie sich in die etwa 65 Millimeter langen, noch farblosen Glasaale um. Ihr Körper verkürzt sich, wird schlank und drehrund. Während dieser Zeit nehmen sie keine Nahrung zu sich. Das Wachstum der Jungaale hängt sehr von den jeweils herrschenden Umweltbedingungen wie Nahrungsangebot und Wassertemperaturen ab. Im ersten Winter nach ihrer Ankunft an den Küsten sind sie etwa 8 bis 10 Zentimeter und im zweiten Winter 17 bis 19 Zentimeter lang. Erst dann, im dritten und vierten Süßwasserjahr, beginnt die Schuppenentwicklung. Während der Wachstumsperiode werden die Aale "Gelbaale" genannt. Ihre Augen sind klein, die Schnauze relativ breit, der Rücken graubraun, die Seiten und der Bauch gelblich gefärbt und ihr Körper fühlt sich weich an.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Das Fleisch des Europäischen Aals ist von großer wirtschaftlicher Bedeutung und wird weltweit geschätzt. Der Aal ist ein beliebter Sportfisch sowie ein hochwertiger Speisefisch. Er wird mit Reusen (Aalkörbe), Legangeln (Aalschnüre), Zugnetzen, Wurfnetzen und Hamen gefangen.

Hamen, auch Sterthamen genannt, bestehen meist aus zwei rechteckigen Netzen mit einer großen Tasche, die von je zwei großen Holzstangen oder Eisenstangen horizontal sowie einem Seilsystem auseinander gehalten werden. Diese Senknetze dürfen zum Fang von Köderfischen gemäß Artikel 29 für den eigenen Bedarf verwendet werden und dürfen eine Seitenlänge von 1 Meter nicht überschreiten. Die Maschenweite darf höchstens 14 Millimeter betragen. Vom fahrenden Boot aus dürfen Hamen nicht verwendet werden.

Da die Ostsee-Aale durch die engen dänischen Küstengewässer ziehen müssen, um in den Atlantik zu gelangen, ist der Fang dort besonders lohnend. Als sehr zählebige Fische werden Aale auch in Fischkästen gehalten und lebend versandt. Vielerorts, so auch im Donaugebiet, wo der Aal ursprünglich nicht vorkam, wird künstlicher Besatz von Seen und Fließgewässern angelegt. Mittlerweile hat die Ausbeutung der Bestände jedoch Ausmaße angenommen, die ein deutliches Sinken der Gesamtbestände befürchten lassen. Man glaubt, dass mittelfristig nicht mehr genügend Aale in die Laichgebiete gelangen und so die Bestände zwangsläufig sinken werden. In der Roten Liste der IUCN wird der Europäische Aal als Critically Endangered (vom Aussterben bedroht) geführt.

Es wurden Maßnahmen auf internationaler Ebene ergriffen, aber die Auswirkungen werden noch für viele Jahre zu spüren sein. In der CITES-Liste wird die Art in Anhang II geführt. Den ausführenden Staaten wird nur eine Ausfuhrgenehmigung erteilt, wenn die Ausfuhr sich nicht nachteilig auf das Überleben der Art auswirkt. Auch die EG erteilte eine Verordnung, wonach alle Mitgliedstaaten die zu produzierenden Aalbewirtschaftungspläne unter anderen Maßnahmen durchführen müssen. Die Bewirtschaftungspläne müssen ab Juli 2009 die Rückwanderung zum Meer von mindestens 40% der Aale garantieren.

Anhang

Literatur und Quellen

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