Edelkrebs

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

(Weitergeleitet von Europäischer Flusskrebs)
Edelkrebs

Systematik
Klasse: Höhere Krebse (Malacostraca)
Unterklasse: Eumalacostraca
Ordnung: Zehnfußkrebse (Decapoda)
Teilordnung: Großkrebse (Astacidea)
Überfamilie: Flusskrebse (Astacoidea)
Familie: Astacidae
Gattung: Astacus
Art: Edelkrebs
Wissenschaftlicher Name
Astacus astacus
Linnaeus, 1758

IUCN-Status
Vulnerable (VU)

Der Edelkrebs (Astacus astacus), auch als Europäischer Flusskrebs bekannt, zählt innerhalb der Familie Astacidae zur Gattung Astacus. Im Englischen wird der Edelkrebs european crayfish, noble crayfish oder broad-fingered crayfish genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen, Maße

Die bekannteste Art der Flusskrebse ist der Edelkrebs. Er erreicht als Männchen bis 160 Millimeter, als Weibchen bis 120 Millimeter Körperlänge. Gelegentlich kommen sogar über 200 Millimeter große Männchen vor. Das Gewicht beträgt etwa 350 Gramm. Das vordere Laufbeinpaar trägt auffallend große, kräftige Scheren und dient als Greiforgan. Die vor allem bei dem Männchen sehr kräftigen Scheren weisen unterseits eine rotbraune bis rötliche Färbung auf. Ansonsten ist die Färbung grünlich bis braun, ohne deutliche Zeichnungen. Die folgenden beiden Beinpaare tragen sehr kleine Scheren. Das Rostrum ist viel länger als breit und an den Seiten des Basalteils ungezähnt. Hinter den Augen liegen oben auf dem Carapax hintereinander jederseits zwei Längsleisten. Das kräftig entwickelte Pleon ist am Ende mit einem großen, von Uropoden und Telson gebildeten Schwanzfächer ausgestattet. Das Pleon ist bei dem Männchen mit fünf Paar Spaltbeinen und bei dem Weibchen mit vier Paar Spaltbeinen versehen.

Lebensweise

Wie die meisten Krebsarten so ist auch der Edelkrebs überwiegend nachtaktiv. Den Tag über versteckt sich der Edelkrebs in Höhlen, die er im Uferbereich selbst gräbt. Die jungen Krebse halten sich vorwiegend zwischen den Wasserpflanzen auf, die sie auch zur Nahrungsaufnahme abweiden.

Verbreitung

Zu den Verbreitungsgebieten des Edelkrebses gehören unter anderem Österreich, Bulgarien Kroatien, Tschechien, Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Ungarn, Lettland, Litauen, Mazedonien, Moldavien, Montenegro, Norwegen, Polen, Rumänien, Russland, Serbien, Slowenien, Schweden und die Ukraine sowie die Schweiz. Allerdings wurde der Edelkrebs in die Schweiz eingeführt. Der Edelkrebs hält sich vorwiegend in sauberen Fließgewässern und Seen, in Höhlen am Ufer, unter Baumwurzeln und Steinen auf. Früher war der Edelkrebs in Mitteleuropa ziemlich häufig anzutreffen. Heute ist er durch Gewässerverunreinigung und Gewässerausbau in den meisten Gebieten selten geworden. Sehr starke Einbußen erlitt der Edelkrebs Ende des 19. Jahrhunderts durch die Krebspest, eine Pilzinfektion, die die Krebsbestände über weite Strecken völlig auslöschte. Der Erreger dieser Krankheit ist der Pilz Aphanomyces astaci. Der Edelkrebs ist in Deutschland gesetzlich geschützt.

Ernährung

Die Nahrung des Edelkrebses besteht aus Pflanzen und Aas, vorwiegend aber aus lebenden Tieren wie Schnecken (Gastropoda), aquatische Insekten (Insecta) und kleinen Wirbeltieren (Vertebrata).

Prädatoren

Zu den natürlichen Prädatoren des Edelkrebses gehören unter anderem der Europäische Nerz (Mustela lutreola), der Europäische Flussaal (Anguilla anguilla), Barsche (Percidae), der Europäische Hecht (Esox lucius), der Fischotter (Lutra lutra) sowie die Bisamratte (Ondatra zibethicus).

Fortpflanzung

Der Edelkrebs erreicht die Geschlechtsreife mit gut drei Jahren. Die Paarung findet in den Monaten Oktober und November statt. Dabei wirft das Männchen das meist deutlich kleinere Weibchen auf den Rücken und heftet ihm mit seinen vorderen Pleopoden mehrere schlauchförmige Spermatophoren neben die zwischen den hinteren Laufbeinen liegenden Geschlechtsöffnung. Zur Eiablage legt sich das Weibchen zwei bis drei Wochen später auf den Rücken und klappt den Hinterkörper so weit ein, dass sich ein fast geschlossener Hohlraum bildet. In diesen hinein presst das Weibchen die in einen zähen Schleim eingebetteten Eier, meist einige hundert, wobei sich die Spermatophore auflöst und die freiwerdenden Spermien die Eier befruchten. Der Schleim erhärtet im Wasser und klebt die Eier in dichten Trauben an den Pleopoden fest. Während der etwa halbjährigen Eientwicklung fallen nach und nach die Eier ab und gehen zugrunde. Im Frühjahr schlüpfen schließlich meist noch etwa zwanzig Larven. Sie sind bis auf die noch fehlenden Schwanzfächer schon weitgehend entwickelt und häuten sich nach einigen Wochen zu fertigen kleinen Krebsen.

Gefährdung und Schutz

Der Edelkrebs ist in ganz Frankreich, auf der Balkan-Halbinsel sowie in den nördlichen Teilen von Skandinavien und im westlichen Teil von Russland verbreitet und ist die häufigste Krebsart in Europa. Wie die anderen Krebse so ist der Edelkrebs nur im Frischwasser anzutreffen und lebt vor allem in unverschmutzten Bächen, Flüssen und Seen. Der Edelkrebs war einst häufig in ganz Europa zu finden. Als Delikatesse steht der Edelkrebs hoch im Kurs und wird auch teuer verkauft. Der Edelkrebs ist jedoch anfällig für die Krebspest, die von dem invasiven Signalkrebs (Pacifastacus leniusculus) oder dem Roten Amerikanischen Sumpfkrebs (Procambarus clarkii) aus Amerika übertragen wird. Schließlich versucht man den Edelkrebs in speziellen Anlagen zu züchten und in krebsfreien Bächen, Flüssen und Seen wieder auszusetzen. Dies kann aber nur dort gelingen, wo keine Überträger der Krebspest mehr vorhanden sind und keine natürlichen Prädatoren vorkommen. In der Roten Liste der IUCN wird der Edelkrebs als gefährdet (vulnerable) geführt und in Deutschland ist er gesetzlich geschützt und darf nur mit behördlicher Genehmigung in Deutschland gefangen werden.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Heiko Bellmann, Kosmos-Atlas Spinnentiere Europas. Und Süßwasserkrebse, Asseln, Tausendfüßer, Kosmos, 2006 ISBN 3440107469
  • Hans-Eckhard Gruner, Hans-Joachim Hannemann und Gerhard Hartwich, Urania Tierreich, 7 Bde., Wirbellose Tiere, Urania, Freiburg, 1994 ISBN 3332005022

Qualifizierte Weblinks

'Persönliche Werkzeuge