Europäischer Luchs

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Europäischer Luchs

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Familie: Katzen (Felidae)
Gattung: Luchse (Lynx)
Art: Europäischer Luchs
Wissenschaftlicher Name
Lynx lynx
Linnaeus, 1758

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Europäische Luchs (Lynx lynx), der auch Nordluchs genannt wird, zählt innerhalb der Familie der Katzen (Felidae) zur Gattung der Luchse (Lynx). Nahe Verwandte sind der Pardelluchs (Lynx pardina), der Kanadische Luchs (Lynx canadensis) und der Rotluchs (Lynx rufus), mit denen er eine Gattung bildet. Der Europäische Luchs wurde von der Schutzgemeinschaft Deutsches Wild (SDWi) in Kooperation mit dem NABU zum Wildtier des Jahres 2011 gewählt.

Inhaltsverzeichnis

Evolution, Fossile Funde

Der Europäische Luchs ist nach einhelliger Meinung aus Felis issiodorensis hervor gegangen. Fossile Funde aus Afrika aus dem frühen und mittleren Pleistozän lassen diesen Schluss zu, da die Schädelform und das Gebiss dem heutigen Europäischen Luchs sehr ähnlich sind. Anhand der weltweiten Funde hat man festgestellt, das die Wiege der Luchse in Afrika liegt. Im Laufe der Zeit breiteten sich Luchse nach Europa und Asien aus. Erst sehr viel später tauchten die ersten Luchse auch in Nordamerika auf. Hier etablierten sich die heute noch rezenten Arten Kanadischer Luchs (Lynx canadensis) und Rotluchs (Lynx rufus). In Nordamerika entdeckte man Fossilien in Alaska, USA und Yukon, Kanada. In Europa stammen die ältesten Fossilien aus dem Balkan, England, Dänemark, Frankreich, Spanien, Griechenland und Italien. Die europäischen Funde stammen aus der Würmeiszeit (vor 115.000 bis 10.000 Jahre).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Europäische Luchs gehört zu den mittelgroßen Raubkatzenarten. Er erreicht eine Körperlänge von bis zu 110 Zentimeter, eine Schulterhöhe von rund 65 Zentimeter sowie ein Gewicht von 20 bis 22 Kilogramm. Männchen werden etwas größer als Weibchen. Das Fell kann beige bis gelblich oder rotbraun sein und ist mit dunklen Tupfen versehen. Dadurch ist der Luchs in seinem Lebensraum sehr gut getarnt. Das Fell ist sehr dicht und schützt den Luchs auch bei extremer Kälte. Die Bauchseite, Brust und Kehlbereich sind deutlich heller, fast weißlich gefärbt. Der für Katzen untypisch kurze Schwanz erreicht eine durchschnittliche Länge von lediglich 15 Zentimeter und ist mit einer schwarzen Spitze versehen. In Bereich der Schnauze zeigen sich lange Tasthaare (Vibrissen), die der Orientierung dienen.

Die Beine sind insgesamt recht lang, wobei die Hinterbeine leicht länger sind als die Vorderbeine. Das ist ein Indiz für eine hohe Sprungkraft und hohe Sprintgeschwindigkeit. Die breiten Pfoten sind durch Haarpolster versehen, mit denen er auf Schnee nicht so leicht einzusinken vermag. Markantes Merkmal sind seine Ohren mit den langen Pinseln, die eine Länge von rund vier Zentimetern aufweisen. Die Ohren sind insgesamt mittellang und spitz zulaufend. Welchen Sinn die Pinsel an den Ohren machen, ist wissenschaftlich abschließend nocht nicht geklärt. Rund um sein Kinn hat der Luchs einen Backenbart, der deutlich länger ist als das restliche Fell. Der Backenbart wirkt wie ein Trichter, der Schallwellen in Richtung der Ohren umlenkt. Das Gebiss besteht aus 28 Zähnen. Die zahnmedizinische Formel lautet 3/3, 1/1, 2/2, 1/1.

Lebensweise

Sibirischer Luchs (Lynx lynx wrangeli)
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Sibirischer Luchs (Lynx lynx wrangeli)

Der Europäische Luchs ist ein reiner Einzelgänger, der ein recht großes Revier beansprucht. In Gruppen treten allenfalls Weibchen mit ihrem Nachwuchs auf. Reviergrößen von bis zu 300 qkm sind dabei keine Seltenheit. Markiert wird das eigene Revier mit Harn, der an markanten Punkten abgelassen wird. Die Reviergröße richtet sich nach dem Geschlecht, dem Alter vor allem nach dem Beutevorkommen. Ist das Beutevorkommen hoch, so kommt ein Luchs auch mit einem Revier von unter 100 qkm aus. Die Reviere der Männchen überschneiden sich mit denen der Weibchen, niemals aber mit Revieren von Rivalen. Der Europäische Luchs ist ein dämmerungs- und nachtaktiver Räuber. Zudem ist er auch ein guter Kletterer, der mühelos Bäume oder ähnliches erklimmen kann. Luchse sind exzellente Jäger. Werden Beutetiere nicht sofort gefressen, so kommt es nicht selten vor, dass ein Luchs Beutetiere für Mangelzeiten hortet.

Unterarten

  • Europäischer Luchs (Lynx lynx lynx) - Nord- und Osteuropa, streckenweise Mitteleuropa
  • Amur Luchs (Lynx lynx neglectus) - Amurgebiet, Mandschurei, Korea
  • Kaukasischer Luchs (Lynx lynx orientalis) - Kaukasus, Iran und Afghanistan
  • Altai-Luchs (Lynx lynx wardi)
  • Sibirischer Luchs (Lynx lynx wrangeli)
Sibirischer Luchs (Lynx lynx wrangeli)
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Sibirischer Luchs (Lynx lynx wrangeli)

Verbreitung

Früher war der Luchs in weiten Teilen Asiens und Europas verbreitet. Heute sieht man ihn in Europa nur noch in den nördlichen und östen Teilen des Kontinentes. In Asien ist er vor allem in Sibirien und dem Himalaya oft anzutreffen. In Europa ist der Europäische Luchs mittlerweile in Norwegen, Schweden, Finland, Polen, Tschechien, Rumänien, im Balkan und in den Alpen wieder häufiger anzutreffen. Auch in Deutschland sind sie in einigen Wäldern (zum Beispiel Harz, Eifel, Schwarzwald) wieder zu sehen. In weiten Teilen Westeuropas gelten die Tiere weiterhin als ausgestorben oder sehr selten. Der Europäische Luchs bevorzugt neben dichten Wäldern auch offene und halboffene Busch- und Heidelandschaften. Im hohen Norden ist er auch in der baumlosen Tundra zu Hause.

Prädatoren, Parasiten

Der Europäische Luchs steht am oberen Ende der Nahrungskette und hat daher kaum natürliche Feinde. Einem Luchs können allenfalls ein Wolf (Canis lupus) oder ein Braunbär (Ursus arctos) gefährlich werden. Neben Haarlingen (Trichodectidae) treten beim Europäischen Luchs verschiedenste Ekto- und Endoparasiten auf. Dazu gehören insbesondere Spulwürmer (Ascaris ssp.), Zecken (Ixodida) und Milben (Acari).

Ernährung

Der Luchs ist ein reiner Fleischfresser, der pro Tag einen Fleischbedarf von bis zu vier Kilogramm hat. Er jagt bevorzugt Tiere in der Größe eines Rehes. In Mangelzeiten werden aber auch Kleinsäuger wie Nagetiere (Rodentia), andere Raubtiere wie Füchse (Vulpini) oder Marder (Mustelidae) gejagt. Auch Vögel (Aves) verschmäht ein Europäischer Luchs keineswegs. Ein Beutetier wird in der Regel durch einen Biss in die Kehle getötet. Der Europäische Luchs ist ein geschickter Jäger, der sich durch Anpirschen bzw. Anschleichen unbemerkt der potentiellen Beute nähert und dann blitzschnell zustößt. Die Technik ist auf der nebenstehenden Aufnahme sehr gut zu sehen.

Fortpflanzung

Luchs bei der Jagd
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Luchs bei der Jagd

Weibliche Luchse erreichen die Geschlechtsreife mit rund 18 Monaten, männliche Tiere mit etwa 28 bis 30 Monaten. Der reine Paarungsakt entspricht in etwa dem unserer Hauskatzen. Während der Kopulation kommt es zu den typischen Genickbissen. Nach einer durchschnittlichen Tragezeit von 63 bis 73 Tagen bringt das Weibchen meist zwischen Mai und Juni zwischen zwei und vier, selten bis sechs Jungtiere zur Welt, die anfangs noch blind und taub sind. Jüngere Weibchen bringen meist nur drei Jungtiere zur Welt. Die Geburt findet in einer Geburtshöhle statt, die von anderen Tieren in Beschlag genommen wurde. Die Jungen weisen eine Körperlänge von gut 17 Zentimeter und ein Gewicht von 200 bis 300 Gramm auf. Die Augen öffnen sich gegen Ende der zweiten oder in der dritten Lebenswoche. Die ersten Zähne stellen sich ab dem 17. Tag ein, im Alter von 30 Tagen ist das Gebiss vollständig entwickelt.

Im Alter von vier Wochen sind die Jungtiere in der Lage zu Laufen. Das Fell hat sich bis Ende des zweiten Lebensmonates vollständig entwickelt. Die Jungtiere sind wie die adulten Katzen getupft. Nach rund zehn Wochen werden die Jungtiere entwöhnt und fangen an spielerisch Beute zu jagen. Sie nehmen ab dem 30. Lebenstag, neben der Muttermilch, das erste Fleisch zu sich. Sie bleiben noch einige Monate bei der Mutter, bis sie sich zu Beginn des Winters ein eigenes Revier suchen. In Freiheit kann ein Luchs ein Alter von bis zu 15 Jahren erreichen. Dieses Alter wird allerdings selten erreicht. In Gefangenschaft ist ein Alter von über 20 Jahren keine Seltenheit. Der älteste bekannte Luchs hat ein Alter von 26 Jahren erreicht.

Systematik

Die systematische Einordnung war lange Zeit unklar. Ursprünglich wurde der Europäische Luchs in der Gattung Felis geführt. Aufgrund von genetischen Untersuchungen und im Rahmen einer Revision trennte man die Luchse aus der Gattung Felis heraus und führte sie in eine eigene Gattung. Seither werden Luchse in der Gattung Lynx geführt.

Gefährdung und Schutz

Der Luchs steht heute nicht akut vor der Ausrottung. Die weitreichenden Schutzmaßnahmen haben mittlerweile gegriffen. In Teilen der Alpen und des Balkans zeigen Auswilderungsprogramme die ersten Erfolge. Verfolgt wurde der Luchs in der Vergangenheit, vor allem wegen seines sehr schönen Fells und weil er hier und da auch Nutztiere gerissen hat.

Anhang

Literatur und Quellen

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