Europäischer Mufflon

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Europäischer Mufflon
Weibchen

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hornträger (Bovidae)
Unterfamilie: Ziegenartige (Caprinae)
Gattung: Schafe (Ovis)
Art: Wildschaf (Ovis orientalis)
Unterart: Europäischer Mufflon
Wissenschaftlicher Name
Ovis orientalis musimon
Schreber, 1782

IUCN-Status
Vulnerable (VU) - IUCN

Der Europäische Mufflon (Ovis orientalis musimon), auch als Muffelwild oder Muffel bekannt, ist eine Unterart der Art Wildschaf (Ovis orientalis) und zählt innerhalb der Familie der Hornträger (Bovidae) zur Gattung Schafe (Ovis).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Der Europäische Mufflon ist die zweitkleinste Unterart des Wildschafes (Ovis orientalis). Der Körper des hochbeinigen Europäischen Mufflons ist schlank, aber kräftig gebaut. Das Männchen (Widder) mißt in der Kopf-Rumpf-Länge 120 bis 125 Zentimeter und das Weibchen (Schaf) 110 bis 115 Zentimeter. Die Schwanzlänge beträgt acht bis neun Zentimeter. Die Schulterhöhe des Männchens mißt etwa 70 bis 80 Zentimeter und beim Weibchen 65 bis 75 Zentimeter. Das Männchen erreicht ein Körpergewicht von 35 bis 50 Kilogramm und das Körpergewicht beim Weibchen beträgt ungefähr 25 bis 30 Kilogramm. Der Europäische Mufflon weist ein glattes Haarkleid auf. Im Sommer ist das Männchen fuchsrot bis bräunlich gefärbt und besitzt einen weißlichen Sattelfleck, während das Weibchen eher bräunlich gefärbt ist. Im Winter zeigen das Männchen und das Weibchen eine dunklere Färbung. Des weiteren ist beim Weibchen gut sichtbar eine breite beigefarbene bis weißliche Blesse vorhanden, die von der Brust bis zum Kehlbereich verläuft. Die Ohren wirken gegenüber dem verhältnismäßig großen Kopf ziemlich klein. Der Nasenrücken, die Schnauze und die Unterseite der Schnauze sind taubengrau gefärbt. Das Männchen besitzt schneckenförmig eingedrehte Hörner. Die Hörner werden nicht abgestoßen und wachsen ein Leben lang.

Das Weibchen auf Sardinien weist dagegen gar keine Hörner auf, während das Weibchen auf Korsika kleinere leicht nach hinten gebogene Hörner aufweist. Unterhalb der Hand- und Fußgelenke ist das Fell ebenfalls beigefarben bis weißlich gefärbt. Der Europäische Mufflon verfügt über zweigeteilte Hufe sowie über Haftschalen, mit denen er sich im Gelände und an felsigen Hängen außerordentlich gut bewegen kann. Der tagaktive Europäische Mufflon lebt in zum Teil großen Rudeln, die aus Weibchen und deren Nachwuchs bestehen. Angeführt wird ein Rudel von einem weiblichen Alttier. Im Winter schließen sich oft mehrere Rudel zu Gruppen von über 100 Tieren zusammen. Männchen hingegen leben einzelgängerisch und stoßen nur zur Paarungszeit zu den Weibchen. Außerhalb der Brunftzeit bilden Männchen oft eigene Verbände. Das Sehvermögen sowie der Geruchssinn sind bei den Tieren ausgesprochen gut entwickelt. Zu den natürlichen Fleischfressern zählen neben Bären und Luchsen auch Wölfe. Große Greifvögel, wie der Steinadler (Aquila chrysaetos), können auch Lämmer reissen. In weiten Teilen des Verbreitungsgebietes ist der Europäische Mufflon heute bedroht und wird in der Roten Liste der IUCN als vulnerable (gefährdet) geführt, die Bestände sind vor allem durch Wilderer stark rückläufig.

Verbreitung

Ursprünglich war der Europäische Mufflon auf der Anatolischen Halbinsel (Türkei) beheimatet und hielt sich in den Bergen auf. In der Jungsteinzeit (Neolithikum), etwa 5.000 bis 2.000 v. Chr., wurde dann der Europäische Mufflon in Korsika und in Sardinien eingeführt und lebt dort bis heute in höheren Gebirgslagen bis zu 6.000 Metern. Die natürlichen Lebensräume sind trockene, steinige und steppenartige Strauchlandschaften. Feuchtgebiete werden vom Europäischen Mufflon strikt gemieden.

Europäischer Mufflon - Weibchen
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Europäischer Mufflon - Weibchen

Ernährung

Der Europäische Mufflon hat ein breites Nahrungsspektrum. Er ernährt sich von Gräsern, Kräutern und Laub. Hier und da nimmt er auch Moose und Flechten zu sich. Des weiteren nimmt der Europäische Mufflon auch Giftpflanzen zu sich, wie zum Beispiel die Schwarze Tollkirsche (Atropa belladonna). Der Europäische Mufflon schält und frißt nicht die Rinde der Bäume wie anderes Schalenwild.

Fortpflanzung

Der Europäische Mufflon erreicht die Geschlechtsreife mit rund achtzehn Monaten. Das Männchen markiert das Territorium akustisch, indem das Männchen mit den Hörnern gegen Baumstämme oder gegen Felswände stößt, so dass dies kilometerweit zu hören ist. Gleichzeitig markiert das Männchen sein Revier mit dem Sekret der Voraugendrüsen. Die Brunft des Europäischen Mufflons beginnt auf Sardinien vom September bis Oktober und auf Korsika vom Oktober bis November. Während der Brunft kommt es zwischen den Männchen zu erbitterten Kämpfen, die sich in harten Kopfstößen ausdrücken. Diese Kämpfe können durchaus über mehrere Stunden anhalten. Nach einer Tragezeit von 150 bis 160 Tagen bringt das Weibchen im März oder April durchschnittlich ein oder zwei Lämmer (Jungtiere) zur Welt, die der Mutter kurz nach der Geburt folgen können. Bei drohender Gefahr drücken sich die Lämmer am Boden. Nach etwa sechs Monaten werden die Jungtiere entwöhnt. Junge Männchen werden früher brünstig als ältere Männchen. Der Europäische Mufflon kann ein Alter von gut acht bis zehn Jahren erreichen.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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