Europäischer Stör

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Europäischer Stör

Systematik
Klasse: Strahlenflosser (Actinopterygii)
Unterklasse: Knorpelganoide (Chondrostei)
Ordnung: Störartige (Acipenseriformes)
Unterordnung: Acipenseroidei
Familie: Echte Störe (Acipenseridae)
Unterfamilie: Störe i. e. S. (Acipenserinae)
Gattung: Störe (Acipenser)
Art: Europäischer Stör
Wissenschaftlicher Name
Acipenser sturio
Linnaeus, 1758

IUCN-Status
Critically Endangered (CR)

Der Europäische Stör (Acipenser sturio), auch als Baltischer Stör bekannt, zählt innerhalb der Familie der Echten Störe (Acipenseridae) zur Gattung der Störe (Acipenser). Im Englischen wird der Europäische Stör Baltic Sturgeon oder Common Sturgeon genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Der Verband Deutscher Sportfischer (VDSF) e.V., Sitz in Offenbach, hat den Europäischen Stör zum Fisch des Jahres 2001 gewählt. Der Europäische Stör gilt in Deutschland seit etwa den 30ern Jahren als verschollen oder gar ausgestorben. Der Stör wurde Opfer von Flussregulierungen, Gewässerverschmutzungen und Überfischung.
Der Verband Deutscher Sportfischer (VDSF) e.V., Sitz in Offenbach, hat den Europäischen Stör auch für das Jahr 2014 zum Fisch des Jahres gewählt. Der Europäische Stör gilt in Deutschland seit etwa den 30ern Jahren als verschollen oder gar ausgestorben. Der Stör wurde Opfer von Flussregulierungen, Gewässerverschmutzungen und Überfischung.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Laut fishbase kann der Europäische Stör eine Körperlänge von etwa 500 (125) Zentimeter erreichen und ein Gwicht von etwa 400 (max. 120) Kilogramm. Gemeldet wurde ein Alter von etwa 100 Jahren. Der Körper ist insgesamt gestreckt und weist pentagonale (fünfeckige) Schilder, insbesonderen auf Rücken deutlich zu erkennnen, auf. Die Schnauze ist moderat, schmal und spitz zulaufend. Die Unterlippe ist nicht kontinuierlich und ist im Zentrum unterbrochen. Des Weiteren zeigen sich vier Bartfäden zwischen Schnauzenspitze und Mund, jedoch erreichen sie den Mundrand nicht. Der Körper weist keine Schuppen auf, sondern er ist mit einer Reihe von Schildern besetzt: Dorsal 9 bis 16, seitlich 24 bis 39 auf jeder Seite, ventral 9 bis 14 auf jeder Seite. Ferner zeigen sich zwischen den dorsalen und lateralen Reihe dichte Querlinien mit kleineren rhombischen Schildern. Der Rücken weist ein olivartiges Blau oder Braun mit goldenen Reflexen auf und die Flanken sind von hellen silbernen Farbtönen, während der Bauch weißlich gefärbt erscheint. <1>

Die Mittelpunkte der Schläfenschilder sind von der Schnauzenspitze weniger entfernt als die Mittelpunkte der Schädelschilder. Die Stirn ist gewölbt, jedoch mäßig ansteigend. Der Mund ist von mäßiger Größe. Die Oberlippe weist keinen Einschnitt auf. Die Augen sind gleich groß. Das erste Rückenschild befindet sich kaum vom Hinterhauptschild entfernt. Die Mittelpunkte der die Schlüsselbeine deckenden Schilder sind weniger entfernt als die der vorderen Stirnschilder. Die Bauchschilder sind ziemlich stark entwickelt. Die Schwimmblase ist kegelförmig, und nach hinten zulaufend wirkt die Schwimmblase spitzer. <2>

Unterschiedliche Merkmale zwischen Europäischen Stör (Acipenser sturio)  und Kurznasen-Stör (Acipenser brevirostrum)
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Unterschiedliche Merkmale zwischen Europäischen Stör (Acipenser sturio) und Kurznasen-Stör (Acipenser brevirostrum)
Adultes Tier: Die Schnauze ist verlängert, pyramidenförmig, breit und spitz. Die Bartfäden befinden sich nur sehr wenig in der Nähe des Mundes. Die Schilder liegen ziemlich voneinander entfernt. <2>
Juveniles Tier: Die Schnauze ist lang, pfriemförmig und aufwärts gebogen. Die Bartfäden liegen etwas näher am Mund und die Schilder sind sehr dicht aneinander gereiht. <2>
Flossenformel des Europäischen Störs
Die Flossenformel setzt sich aus dem ersten Buchstaben der lateinischen Flossenbezeichnung, der Anzahl der Hartstrahlen und der Anzahl der ungeteilten und geteilten Weichstrahlen zusammen. Hartstrahlen werden dabei mit römischen, Weichstrahlen mit arabischen Zahlen angegeben.
Laut fishbase weist der Europäische Stör insgesamt 0 Rückenflossenstacheln, insgesamt 30 bis 44 Rückenflossenweichstrahlen, 0 Afterflossenstacheln und 23 bis 30 Afterflossenweichstrahlen auf. <1>

Lebensweise

Der Europäische Stör ist ein amphihaliner (Arten, die den größten Teil ihres Lebens in Süßwasser verbringen) und potamodromer (Wanderfische, die sich unabhängig von der Länge der Wanderwege auf das Süßwasser beschränken) Wanderfisch und lebt in der Regel einzelgängerisch und verbringt den größten Teil seines Lebens im Meer. Aber es kommt auch vor, dass er in Schwärmen lebt, wenn er überwintert oder wenn er während der Laichzeit flussaufwärt in die Flüsse migriert. Zeitweise formiert sich der Europäische Stör auch zu Schulen.
Die Mündung der Gironde vom rechten Ufer aus gesehen
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Die Mündung der Gironde vom rechten Ufer aus gesehen
Der Europäische Stör hält sich überwiegend am Meeresboden in seichterem Wasser auf. Oft bleibt er bis zu sechs Jahre im Meer, bevor er zum Süßwasser zurückkehrt, wo er dann im Mai bis Juni in tiefen, kiesgründigen Flüssen laicht. Die Jungfische leben bis zu drei Jahre im Fluß, bevor sie ins Meer abwandern.

Der Europäische Stör hält sich zu verschiedenen Jahreszeiten bei unterschiedlichen Wassertemperaturen im Meer auf: 2,0 bis 4,0 Grad Celsius im Winter, 6,0 bis 8,0 Grad Celsius (März bis April) im Frühjahr, 14,0 bis 22,0 Grad Celsius (Juni bis Juli) im Sommer, 12,3 bis 12,8 Grad Celsius (Oktober bis November) im Herbst. Während der Laichzeit wandert der Europäische Stör bei Wassertemperaturen von 2 bis 4 Grad Celsius flussaufwärts und wenn der Höhepunkt der Laichzeit erreicht ist, verweilt er bei maximalen Temperaturen von 22 bis 27 Grad Celsius im Fluss. Die vertikale Verteilung tritt im Winter in einer Tiefe von 10 bis 40 Metern und im Frühjahr in einer Tiefe von 10 bis 30 Metern auf. Im Sommer wandert der Europäische Stör in trophische flache Gebiete des Meeres, die eine Tiefe von 20 Metern aufweisen, im Herbst zieht er in Tiefen von bis zu 100 Metern. In den Jahren, wenn der Meeresspiegel sinkt, dann migriert der Europäische Stör flussaufwärts. Der Europäische Stör kann unter günstigen Umständen in der Natur ein stattliches Alter von etwa 46 Jahren erreichen, es wurde aber auch schon ein Alter von 100 Jahren gemeldet. Die Widerstandsfähigkeit des Europäische Störs ist sehr niedrig und die Verdopplung der Population dauert mehr als 14 Jahre.

Verbreitung

Rioni Fluss in Sachkhere (Georgien)
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Rioni Fluss in Sachkhere (Georgien)

Laut der Roten Liste der IUCN kommt der Europäische Stör noch in Albanien, in den Flüssen Gironde-Garonne-Dordogne in Frankreich, im Fluss Rioni (drittgrößter Fluss Georgiens) in Georgien, im Küstenbereich des Schwarzen Meeres in der Türkei und im Vereinigten Königreich vor.

Möglicherweise ist der Europäische Stör in Algerien, Belgien, Bulgarien, Kroatien, Estland, Finnland, Deutschland, Griechenland, Ungarn, Island, Irland, Italien, Lettland, Litauen, Montenegro, Marokko, in den Niederlanden, in Norwegen, Polen, Portugal, Rumänien, in der Russischen Föderation, in Spanien, Schweden, in der Schweiz und in der Ukraine ausgestorben.

Regional ausgestorben ist der Europäische Stör in der Tschechischen Republik und in Dänemark.

Der Europäische Stör ist ein Süßwasserfisch und lebt im Nordosten des Atlantischen Ozean sowie im Mittelmeer und im Schwarzen Meer.

Ernährung

Dordogne Fluss in Frankreich
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Dordogne Fluss in Frankreich

Der Europäische Stör ernährt sich heterotroph, d. h., er kann die Energie nicht primär aus dem Sonnenlicht beziehen und verwenden, sowohl als Energielieferant, als auch zum Aufbau körpereigener Substanzen. Er wird als Konsument den Destruenten zugeordnet. Der größte Teil der Stör-Nahrung besteht aus Bodenorganismen. Auf der Suche nach Nahrung bewegt sich der Stör unaufhörlich am Meeresboden, um mit den Geschmacksrezeptoren, die sich auf den Barben und Lippen befinden, den Meeresboden nach Organismen abzutasten. Hat der Stör die Beute mit seinen Geschmacksrezeptoren wahrgenommen, macht er eine abrupte Bewegung und saugt sie oral auf. Im frühen Larvenstadium ernährt sich der Stör von Zooplankton wie Daphnien (Daphnia), Bosmina und Hüpferling (Cyclops). Die Larven ernähren sich hauptsächlich von benthischen Organismen wie Wenigborster (Oligochaeta), Vielborster (Polychaeta), Corophiidae, Gammaridea, Mysidae und Larven und Puppen der Zuckmücken (Chironomidae). Im Laufe der Migration suchen sie vermehrt auf dem Meeresboden nach Bodenorganismen wie Corophiidae, Gammaridea, Mysidae, Wenigborster (Oligochaeta) und Ampharetidae. Die Nahrung der Jungfische (41 bis 80 Zentimeter) enthält weniger kleine Krebstiere (Crustacea) und Nereis. In derselben Zeit steigt aber der Verbrauch von Krebstieren (Crustacea) und kleinen Fischen (Pisces). Ein heranwachsender Stör verzehrt dann aber auch Weichtiere. Der adulte Stör ist ein benthischer Weichtier-Fresser. Sein Nahrungsspektrum ändert sich je nach Saison und Nahrungsangebot. Der Europäische Stör ernährt sich im Meer auch von Heringen (Clupeidae), Makrelen (Scomber scombrus) und von Schellfischen (Melanogrammus aeglefinus) und in den Flüssen von Graukarpfen, denen er nachzieht.

Fortpflanzung

Das Laichzeit-Intervall wurde auf vier bis fünf Jahre für Männchen und für Weibchen auf fünf bis sechs Jahre geschätzt. Das Minimum des Laichzeit-Intervalles beträgt zwei bis drei Jahre für Männchen und für Weibchen drei bis vier Jahre.

Die Laichzeit beginnt in den Monaten April und Mai. Ein Weibchen produziert etwa 800.000 bis 2.400.000 dunkelgraue klebrige Eier. Die Eiablage erfolgt in 2 bis 10 Meter Tiefe an kiesigen Stellen mit starker Strömung. Die etwa 3 Millimeter großen klebrigen dunkelgrauen Eier kleben an den Steinen des Untergrundes fest.
Garonne Fluss in Frankreich
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Garonne Fluss in Frankreich
Nach dem Laichen wandern die Störe wieder ins Meer zurück. Innerhalb von drei bis sechs Tagen schlüpfen die etwa 10 Millimeter langen, kaulquappenähnlichen Larven. Sie verbleiben bis zu drei Jahre im Fluss, bevor sie ins Meer abwandern, wo sie bis zum Eintritt der Geschlechtsreife verbleiben. Die Männchen sind im Alter von sieben bis neun Jahren und einer Länge von 110 bis 150 Zentimeter, die Weibchen mit acht bis vierzehn Jahren und 120 bis 180 Zentimeter Länge geschlechtsreif.

Gefährdung und Schutz

Durch schonungsloses Wegfangen während der Laichzeit, durch intensive Fischerei, durch Verunreinigung der Fließgewässer und durch Stromverbauungen, die ihm die Wanderung stromaufwärts unmöglich machen, sind die Störbestände heute vielerorts stark zurückgegangen. Der Europäische Stör ist im Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) seit 1975 im Anhang I gelistet und somit vom kommerziellen, internationalen Handel ausgeschlossen. In der Roten Liste der IUCN wird der Europäische Stör als kritisch gefährdet (Critically Endangered) geführt. Des Weiteren ist der Europäische Stör auch in der CMS Bonner Konvention im Anhang I und in der Berner Konvention im Anhang II gelistet. Er genießt somit den europäischen Schutz. Ferner zählt der Europäische Stör zu den zu schützenden Arten der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der EU und ist im Anhang II und Anhang IV gelistet. Für die Arten im Anhang II werden geeignete Schutzgebiete ausgewiesen und die Arten, die im Anhang IV geführt werden, genießen einen besonderen Schutz.

Anhang

Literatur und Quellen

  • [1] Acipenser sturio (Linnaeus, 1758)
  • [2] Naturgeschichte der für die Heilkunde wichtigen Thiere: mit besonderer Rücksicht auf Pharmacologie, Pathologie und Toxicologie. Entworfen von Dr. med. Eduard Friedrich Gotthelf Martiny. Zweite wohlfeile Ausgabe mit 222 Abbildungen. Gießen. Ferbersch'e Universitätsbuchhandlung. Emil Roth. 1854.
  • Bent J. Muus: Süßwasserfische Europas. BLV Verlagsgesellschaft mbH. München Wien Zürich, 1990 ISBN 3-405-11867-0
  • Fritz Terofal: Süßwasserfische in europäischen Gewässern. Mosaik Verlag GmbH München, 1984 ISBN 01274-0
  • Alwyne Wheeler: Süßwasserfische. Delphin Verlag GmbH, München und Zürich, 1983 ISBN 3-7735-2418-8
  • Harald Gebhardt, Andreas Ness: Fische. Die heimischen Süßwasserfische sowie Arten der Nord- und Ostsee. BLV Verlagsgesellschaft mbH., München, Wien, Zürich, 1990 ISBN 3-405-13816-7
  • Peter S. Maitland, Keith Linsell: Süßwasserfische. Alle Arten Europas gezeichnet. Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. Kg, Stuttgart, 2007 ISBN 978-3-440-10962-5
  • John R. Paxton, William N. Eschmeyer & David Kirshner: Enzyklopädie der Tierwelt: Fische. Bassermann, Auflage 1, 2003, ISBN 3572013771

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