Falbkatze

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Falbkatze

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Familie: Katzen (Felidae)
Unterfamilie: Kleinkatzen (Felinae)
Gattung: Felis
Art: Wildkatze (Felis silvestris)
Unterart: Falbkatze
Wissenschaftlicher Name
Felis silvestris lybica
Forster, 1770

Die Falbkatze (Felis silvestris lybica), die gelegentlich auch Afrikanische Wildkatze genannt wird, ist eine Unterart der Wildkatze (Felis silvestris) und zählt innerhalb der Familie der Katzen (Felidae) zur Gattung Felis. Im Englischen wird diese Katze African Wildcat oder Desert Cat genannt.

Die Falbkatze gilt als die Stammform der Hauskatze (Felis catus) und wurde wahrscheinlich bereits vor etwa 4.000 bis 8.000 Jahren in Mesopotamien oder allgemein im Nahen Osten domestiziert. Die Angaben zum Zeitpunkt der Domestikation schwanken in der einschlägigen Fachliteratur zum Teil erbeblich.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Falbkatze ist eine mittelgroße Kleinkatze und ist deutlich wenig größer als eine Hauskatze. Das Männchen erreicht eine Kopf-Rumpf-Länge von 60 Zentimeter und das Gewicht beträgt sechs bis sieben Kilogramm. Das Weibchen bleibt etwas kleiner, sie misst knapp 50 bis 55 Zentimeter und erreicht ein Gewicht von etwa fünf bis sechs Kilogramm. Die Schwanzlänge beträgt je nach Geschlecht zwischen 25 und 30 Zentimeter. Durch die schlanken Extremitäten wirkt die Falbkatze etwas weniger gedrungener als eine Hauskatze. Falbkatzen sind kurzhaarig und meist sandfarben oder gräulich bis graubraun, zuweilen auch rötlichbraun gefärbt. Die Färbung kann je nach Verbreitungsgebiet und Lebensraum zum Teil erheblich variieren. Dorsal zeigt sich eine schwach sichtbare dunkle Querstreifung, die der Tarnung dient. Der breite wuchtige Kopf, die Beine und die Flanken sind ebenfalls leicht gestreift. Die Kehle weist eine weißliche Färbung auf. Ebenfalls zeigen sich im Brust- und Bauchbereich kleine weiße Haarpartien. Der Schwanz ist dicht behaart, jedoch nicht sehr buschig. Er ist grau-weiß geringelt und weist meist eine schwarze Spitze auf. Des weiteren ist der Nasenspiegel fleischfarben gefärbt. Die großen Augen sind ein Indiz für die Nachtaktivität und weisen eine hellgrüne bis goldgelbe Färbung auf. Die Pupille ist senkrecht geschlitzt. An der Vorderpfote befinden sich fünf Zehen, an der Hinterpfote vier Zehen. Die Spuren sind dabei stets ohne Krallenabdruck.
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Die langen spitz zulaufenden Ohren weisen an der Außenseite eine kurze rostbraune Färbung auf, die Innenseite ist dicht und lang mit weißlichen Haaren versehen. Wie alle Katzen kann auch die Falbkatze ihre Krallen einziehen. Sie ist ein guter Baumkletterer, bewegt sich aber überwiegend auf dem Boden. Das kräftige Gebiss besteht aus 30 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet 3/3, 1/1, 3/2, 1/1. Weibchen verfügen zum Säugen ihres Nachwuchses über vier Paare Zitzen.

Lebensweise

Falbkatzen sind nachtaktive Einzelgänger. Während der kalten Jahreszeit sind sie auch in der Morgen- und Abenddämmerung aktiv. Am Tage ruhe sie in Erdbauten, die von anderen Tieren übernommen wurden. In waldreichen Regionen kommen auch Baumhöhlen als Unterschlupf in Betracht. Die Geschlechter treffen nur während der kurzen Paarungszeit aufeinander. Falbkatzen gelten als exzellente Anschleichjäger. Mit einem gezielten Sprung wird ein Beutetier erlegt. Getötet wird ein Beutetier durch einen Biss in den Nacken oder durch einen Hieb mit den krallenbewehrten Tatzen. Lokalisiert werden Beutetiere in erster Linie über das hoch entwickelte Gehör, erst in zweiter Linie über den Geruchs- und Sehsinn. Falbkatzen gelten als territorial, die ein Revier in einer Größe von durchschnittlich ein bis vier Quadratkilometer beanspruchen. Die Größe des Reviers hängt mit der Beutetierdichte zusammen. Markante Punkte im Revier werden mit Urin markiert.

Verbreitung

Falbkatzen kommen in weiten Teilen Afrikas vor. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich vom nördlichen Afrika über den Nahen und Mittleren Osten bis in den Süden Afrikas. Kleinere Populationen sollen auf einigen Mittelmeerinseln wie Sardinien und Sizilien vorkommen. Es werden dabei eine Vielzahl an Lebensräumen besiedelt. Nicht besiedelt werden reine Wüsten wie die Sahara oder die Namib, tropische Regelwälder und Hochgebirge. Im Hügelland ist die Falbkatze durchaus in Höhen von 1.500 bis 1.800 Metern über NN anzutreffen. Nur in Kenia ist die Falbkatze auch bis in Höhen von deutlich über 3.000 Metern verbreitet. Bevorzugte Lebensräume sind beispielsweise aride und semiaride Savannen und Steppengebiete. Aber auch Buschland und lichte Wälder werden durchaus häufig besiedelt.

Prädatoren, Parasiten

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Falbkatzen stehen auf der Speisekarte einer Reihe von natürlichen Fressfeinden. Dazu gehören größere Greifvögel (Falconiformes), Hundeartige Räuber (Canoidea), größere Raubkatzen (Feloidea) oder große Reptilien (Reptilia) wie Krokodile (Crocodylia).

Ernährung

Da die Falbkatze in einem sicheren Versteck am Tage wie alle anderen Katzen ihre Zeit mit Schlafen verbringt, ist sie überwiegend in der Dämmerung oder in der Nacht aktiv. Sie ernährt sich hauptsächlich von kleinen Säugetieren (Mammalia) wie Mäusen (Mus) und Ratten (Rattus) sowie von Vögeln (Aves), Hörnchen (Sciuridae) und Kleingetier ähnlicher Größe. Hin und wieder nimmt sie auch Eidechsen (Lacertidae), Lurche (Amphibia), Spinnentiere (Arachnida) und Insekten (Insecta) zu sich. Bei Nahrungsknappheit verschmäht die Falbkatze auch Aas nicht. In der Nähe menschlicher Siedlungen fallen den Falbkatzen auch Geflügel zum Opfer.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife wird gegen Ende des ersten Lebensjahres erreicht. Die Falbkatze ist ein standorttreuer Einzelgänger. Sie beansprucht ein sehr großes Revier, das sich mit anderen Artgenossen, insbesondere Weibchen, überschneiden kann.
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Die Falbkatze markiert ihr Territorium mit Duftmarken und Kratzspuren an Bäumen. Fremde Artgenossen werden aus dem Revier energisch vertrieben. Männchen und Weibchen kommen nur in der Paarungszeit, der sogenannten Ranzzeit zusammen, die sich über das Frühjahr oder die Regenzeit erstreckt. Während der Ranzzeit kommt es zwischen den Männchen, die um die Gunst des Weibchens werben, zu erbitterten Kämpfen, die mit lautem Kreischen und Knurren einhergehen. Nach der Paarung trennen sich die beiden Partner und die Aufzucht der Jungen obliegt ausschließlich dem Weibchen. In der Regel bekommt das Weibchen nur einmal im Jahr Junge. Die Falbkatze wirft in einem geschützten Erdbau nach etwa 58 bis 63 Tagen zwischen März und September zwei bis fünf blinde, leicht behaarte Junge, die Welpen genannt werden. Ein durchschnittlicher Wurf besteht aus drei bis vier Jungen. Sie wiegen nur 120 bis 150 Gramm und öffnen ihre Augen erst nach zehn bis zwölf Tagen. Die Welpen werden etwa vier Monate lang gesäugt. Danach werden sie langsam an feste Nahrung gewöhnt. Während der Aufzucht wechselt das Weibchen mit dem Nachwuchs in der Regel mehrmals das Versteck. Mit knapp einem Jahr sind die jungen Katzen selbstständig und suchen sich ein eigenes Revier. Nur etwa die Hälfte der Welpen überlebt das erste Jahr. Sie fallen meistens den bereits erwähnten Fleischfressern zum Opfer. Falbkatzen können in der Wildnis 10 bis 15 Jahre alt werden. In Gefangenschaft erreichen sie ein Alter von etwa 20 Jahren.

Gefährdung und Schutz

Die Falbkatze gehört heute noch nicht zu den bedrohten Katzenarten. Dennoch wird die Art im Washingtoner Artenschutzabkommen in Anhang II geführt. Falbkatzen stehen in weiten Teilen ihres Verbreitungsgebietes in Nahrungs- und Lebensraumkonkurrenz zu verwilderten Hauskatzen. Das Hauptproblem ist dabei vor allem die Hybridisierung mit den Hauskatzen. Die Bestände der reinrassigen Falbkatzen sind stetig.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999

Links

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