Falsche Witwe

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Falsche Witwe
Männchen

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Überfamilie: Radnetzspinnen (Araneoidea)
Familie: Haubennetzspinnen (Theridiidae)
Gattung: Fettspinnen (Steatoda)
Art: Falsche Witwe
Wissenschaftlicher Name
Steatoda paykulliana
(Walckenaer, 1806)

LSID-Kennung
LSID: [urn:lsid:amnh.org:spidersp:008097]

Die Falsche Witwe (Steatoda paykulliana) zählt innerhalb der Familie der Haubennetzspinnen (Theridiidae) zur Gattung der Fettspinnen (Steatoda). Die Falsche Witwe ist sehr nah verwandt mit der Schwarzen Witwe (Latrodectus mactans). Sie ist jedoch deutlich kleiner und meistens dunkelbraun bis ganz schwarz bis auf ein orangefarbenes Querband an der Stirnseite des Hinterleibs. Das Gift der Falschen Witwe ist potent. Bei einer Begegnung mit dieser Spinne sollte man auf keinen Fall versuchen, sie zu ergreifen.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Falsche Witwe ist eine der größten europäischen Kugelspinnen und erreicht als Männchen eine Körperlänge von etwa 6 Millimeter und als Weibchen eine Körperlänge bis zu 13 Millimeter. Sie weist eine dunkelbraune bis schwarze Färbung auf. Das Männchen und das Weibchen unterscheiden sich hauptsächlich durch die Größe und durch die Färbung der Beine. Der Biß des Weibchens dieser Art soll auch für den Menschen nicht harmlos sein. Der Rückenschild bei der Falschen Witwe ist fast so lang wie der Hinterleib und weist eine dunkelbraune bis schwarze, glänzende Färbung auf und ist mit leichten grubenförmigen Vertiefungen versehen. Der Hinterleib ist schwarz glänzend und ist mit einem weißlichen bis orangefarbenen Vorderrand besetzt, der an den Seiten bis zur Hinterleibsmitte reicht. Manchmal sind auf der Mittellinie helle, aneinandergereihte Dreiecke zu erkennen, die zu den Spinnwarzen hin kleiner werden. Die Beine sind bei dem Weibchen dunkelbraun gezeichnet, während die Beine bei dem Männchen gelbbraun und dunkelbraun geringelt sind.

Lebensweise

Die Falsche Witwe wird oft mit der berüchtigten Schwarzen Witwe (Latrodectus mactans) oder Malmignatte verwechselt, speziell rot gezeichnete Exemplare. Viele Autoren sprechen ihr aber ebenfalls eine recht unangenehme Giftwirkung zu. Diese Spinnenart ist viel häufiger in ihrem Verbreitungsgebiet zu finden als die Schwarze Witwe (Latrodectus mactans). Die Falsche Witwe webt ein unregelmäßiges Fangnetz aus erstaunlich harten Fäden, die mit Leimtröpfchen überzogen werden.

Unterarten

Verbreitung

Die Falschw Witwe lebt im Mittelmeergebiet an trockenen Stellen und ist unter Steinen ziemlich häufig zu finden. Sie wurde nach Norden bis zum Südrand der Alpen, gelegentlich auch weiter nach Norden verschleppt.

Ernährung

Die Falsche Witwe ernährt sich ausschließlich von kleinen Insekten (Insecta), die sie mit ihren großen und weitmaschigen Deckennetzen fängt. Meist verirren sich kleine Geflügelte Insekten (Pterygota) in die Netze. Dazu gehören beispielsweise Mücken (Nematocera), Fliegen (Brachycera) und Tiere ähnlicher Größe. Mitunter geht die Spinne jedoch auch am Boden aktiv auf Beutefang. Beutetiere können dabei deutlich größer sein als sie selbst.

Fortpflanzung

Bei der Balz dieser Art wurde beobachtet, dass die Stridulation und auch beim agonistischen Verhalten eingesetzt wird. Nur die reifen Männchen besitzen Stridulationsorgane. Diese bestehen aus gefurchten Cuticulaflächen von etwa 1 Quadratmillimeter am Prosoma, denen kräftige Stacheln am Opisthosoma gegenüberstehen. Durch rasches Auf- und Abbewegen des Abdomens bzw. der Stacheln über die querverlaufenden Cuticularippen des Prosomas, entsteht ein schwach hörbares Geräusch, ähnlich wie beim Entlangstreichen eines Fingernagels an einem Kamm. Die Hauptfrequenz liegt etwa um 1.000 Hertz, für den Musikkundigen also ein dreigestrichenes Cis. Das Männchen striduliert nur während der Balz, d. h. in Anwesenheit eines Weibchens oder auch gegen konkurrierende Männchen. Dass die Stridulation wirklich der Kommunikation dient, beweisen die Reaktionen des Weibchens. Es schlägt mit den Vorderbeinen, zupft am Netz, zittert mit dem ganzen Körper und beginnt Suchläufe. Dabei ist keine direkte Netzverbindung zwischen Männchen und Weibchen notwendig, so dass man annehmen muß, dass die Stridulationsgeräusche als Luftschall übertragen und wahrgenommen werden. Als eigentliche Auslöser für das Stridulieren wirken offenbar chemische Stoffe, die den weiblichen Netzfäden anhaften. Die weiblichen Netze wirken nämlich allein auch schon balzauslösend, bleiben aber wirkungslos, nachdem sie bei einem Experiment mit Äther ausgewaschen wurden. Kurze Zeit nach der Begattung spinnt das Weibchen einen Kokon und bewahrt ihn am Rande ihres Netzes auf. In den Kokon legt sie ihre Eier. Als Teil der Brutpflege schützt sie im folgenden den Kokon. Nach dem Schlupf verbleiben die Jungspinnen noch einige Zeit im Netz der Mutter, bevor sie in die Selbständigkeit entlassen werden.

Synonyme und Chresonyme nach Norman I. Platnick

Update 12. Juni 2008 <1>

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

'Persönliche Werkzeuge