Fangheuschrecken

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Fangheuschrecken
Wandelnde Geige (Gongylus gongylodes)

Systematik
Reich: Tiere (Animalia)
Stamm: Gliederfüßer (Arthropoda)
Unterstamm: Sechsfüßer (Hexapoda)
Klasse: Insekten (Insecta)
Unterklasse: Geflügelte Insekten (Pterygota)
Teilklasse: Neuflügler (Neoptera)
Ordnung: Schabenverwandte (Dictyoptera)
Unterordnung: Fangheuschrecken
Wissenschaftlicher Name
Mantodea
Burmeister, 1838

Die Unterordnung der Fangheuschrecken (Mantodea) wird mit 2.300 Arten angegeben, die in 435 Gattungen unterteilt wird. 147 Arten sind kleiner als 25 Millimeter, wobei die kleinste 12 Millimeter misst. 182 Arten, die eine Größe zwischen 25 und 50 Millimeter erreichen, werden als mittelgroße und 82 als große Arten mit 50 bis 80 Millimeter angesehen. Als sehr große Arten gelten die mit einer Größe von über 80 Millimeter und 24 Arten, wobei die größte 170 Millimeter erreicht.

Inhaltsverzeichnis

Grundmerkmale

Alle Fangheuschrecken haben eine räuberische Lebensweise, zu dem Zweck sind sie mit zu Fangbeinen umgewandelten Vorderbeinen ausgerüstet. Diese befinden sich im vorderen Drittel des Prothorax auf der unteren Seite und arbeiten wie ein Taschenmesser. Dabei klappt die Schiene (Tibia) gegen den Schenkel (Femur). Die beiden sind außerdem stark bedornt, um die Beute besser fassen zu können. Der Kopf ist annähernd in alle Richtungen drehbar und seitlich mit zwei großen Facettenaugen (Komplexaugen) ausgestattet. Zwischen den Facettenaugen befinden sich noch drei Stirnaugen (Ocellus). Weiterhin ist der Kopf mit kauenden Mundwerkzeugen ausgestattet. Weiterhin haben alle Fangheuschrecken asymmetrische Kopulationsorgane.

Beschreibung

Körperbau

Kopf

Der Kopf ist meist in einer Dreiecksform angelegt und an der unteren Spitze des Prothorax frei beweglich so positioniert, dass er vom Prothorax nicht überlagert wird, um die freie Rundumsicht nicht zu behindern. An den oberen beiden Ecken befinden sich die hoch entwickelten Facettenaugen, die eine biokulare Rundumsicht ermöglichen. Die Form der Augen kann rundlich, tropfenförmig oder spitz zulaufend sein. Auf der zwischen den Facettenaugen befindlichen Stirnplatte liegen die drei Stirnaugen, die beim männlichen Tier größer ausfallen als bei dem Weibchen. Die Antennen, die es in verschiedensten Formen gibt, sind in Antennengruben über dem Frontalschild verankert. Sie können borsten- oder fadenförmig sein, einseitig- oder doppelseitig gezähnt sein oder auch gekämmt sowie behaart sein. Manche Arten weisen Auswüchse oder Verformungen des Kopfes auf, der dadurch größer oder abschreckend wirkt. Meist dienen die Auswüchse der Auflösung des Tieres in seiner Umgebung. Zugehörend zur räuberischen Lebensweise besitzen die Fangheuschrecken kräftige Mundwerkzeuge (Mandibeln), mit denen sie ihre Beute sehr schnell zerkleinern und dann fressen können.

Thorax

Der Thorax ist bei allen Fangheuschrecken langgestreckt, kann aber auf der Rückenseite blattähnliche oder zackige Verbreiterungen aufweisen, die sich aber über den ganzen Prothorax erstrecken. Er kann bis zur Hälfte des Körpers einnehmen. Dadurch sind die im vorderen Drittel verankerten Fangarme weit vom Hinterleib (Abdomen) entfernt und haben eine große Reichweite. Einige Arten haben eher ein gedrungenen, fast rechteckigen Körper oder aber einen stark abgeflachten Körperbau. Der Prothorax wird in zwei Hälften eingeteilt, die durch die Mittelfurche (Supracoaxialfurche) in einen sehr kurzen vorderen Teil (Prozona) und den viel längeren hinteren Teil (Metazona) getrennt sind. Die beiden Brustteile, Mesothorax und Metathorax, sind unbeweglich miteinander verbunden. Auf der Unterseite der hinteren Brust befindet sich ein Hörorgan.

Flügel

Die Fangheuschrecken verfügen über zwei Flügelpaare, die in Vorderflügel und Hinterflügel unterteilt sind. Die Vorderflügel sind Deckflügel, die die filigranen Hinterflügel im Ruhezustand abdecken. Die Deckflügel (Tegmina) arbeiten beim Flug so gut wie nicht mit, werden aber von manchen Arten wie zum Beispiel bei der Afrikanischen Blütenmantis (Pseudocreobotra wahlbergii) zur Abschreckung von Fleischfressern seitlich vom Körper abgestellt. Das sich darauf befindliche Muster, meist augenähnlich, lässt die Afrikanischen Blütenmantis wesentlich größer und bedrohlicher aussehen. Die Hinterflügel (Alae) sind filigran und im Ruhezustand unter dem Deckflügel wie ein Fächer zusammengefaltet. Anhand der Flügellänge kann man die Geschlechter weitestgehend unterscheiden. So ragen generell die Flügel bei dem Männchen über den Hinterleib hinaus, während die Flügel bei dem Weibchen noch nicht einmal den ganzen Hinterleib bedecken. Des weiteren sind die Männchen durch den kleinen und zierlichen Körper in der Lage, weite Strecken zu fliegen. Weibchen hingegen nutzen die Flügel meist nur, um einen Ortswechsel von ein paar Metern zu vollziehen. Je nach Ernährungs- und Trächtigkeitszustand haben sie teilweise einen so massigen Hinterleib, dass die Flügel sie nicht mehr tragen können.

Beine

Je Segment befindet sich ein Beinpaar am Thorax. Da das vordere Segment des Thorax verängert ist, stehen das vordere und das mittlere Beinpaar weit auseinander. Das erste Segment ist zusammen mit dem ersten Beinpaar zu einem effektiven Fangapparat umgebildet. Diese sind auch namensgebend. Die mittleren und hinteren zwei Beinpaare sind reine Schreitbeine. Die Fangbeine werden beim Klettern mit genutzt, aber nicht unbedingt benötigt. Die Schenkel und die Schienen sind auf der Innenseite mit Dornen besetzt, die Aufschluss über das Fangverhalten der jeweiligen Art geben. Sind die Dornen lang, so hat die Art sich auf Geflügelte Insekten spezialisiert. Sind sie jedoch kurz, so fängt die Art eher kriechende Insekten (Insecta). Ein Bereich auf der Innenseite der Fangarme ist mit Borsten besetzt, dieser dient dazu, die hoch entwickelten Facettenaugen zu reinigen. Alle Beinpaare könne mit Lappen oder Auswüchsen versehen sein, dies lässt das Tier mit seiner Umwelt verschmelzen.

Abdomen

Das Abdomen der Fangheuschrecken ist leicht abgeflacht und spitz oval. Es ist am Metathorax mit breiter Basis verbunden. Die zehn Segmente besitzen Ober- (Tergit) und Unterplatten (Sternit), die jeweils durch flexible Hautfalten verbunden sind. Die Sterniten sind bei Weibchen und den Männchen unterschiedlich aufgeteilt. Beim Männchen bildet das neunte Sternit die untere Endplatte (Subgenitalplatte), die nach oben offen ist und das männliche asymmetrische Kopulationsorgan trägt. Zusätzlich befinden sich an der Endplatte zwei zylindrisch geformte Griffel (Styli). Beim Weibchen sind nur sechs Sterniten sichtbar, das siebte Sternit ist sehr stark vergrößert sowie seitlich aufgebogen und bildet die untere Endplatte. Die große Öffnung, die dabei entsteht, beinhaltet den Legeapparat. Auch das Abdomen kann Dornen oder andersförmige Auswüchse aufweisen, mit denen die Tarnung verbessert wird.

Färbung

Je nach Lebensraum der jeweiligen Art passen sich die Fangheuschrecken den Farben der Pflanzen an. Es gibt grüne, braune, fast schwarze und graue Farbvariationen, diese wiederum in unterschiedlichen Intensitäten. Aus einer Eihülle (Oothek) können durch Überlagerung von braunen Pigmenten grüne sowie braune Tiere schlüpfen. Einige Gottesanbeterinnen (Mantidae) haben ihre Farben so angepasst, das sie mit ihrem Lebensraum völlig verschmelzen. So zum Beispiel die Orchideenmantis (Hymenopus coronatus), die durch Form und Färbung vorzüglich getarnt ist und somit auf weißen Blüten von herannahenden bestäubenden Insekten nicht als Fleischfresser erkannt wird. Wie bereits erwähnt, haben sich manche Arten mit Hilfe der Färbung ein Warnkleid zugelegt. Große augenförmige Abbildungen auf den Flügeln wie bei der Blumenfangschrecke führen dazu, dass ein vermeintlicher Fleischfresser abgeschreckt wird.

Sinnesorgane

Zu den Sinnesorganen dieser spezialisierten Fangjäger gehören die Facettenaugen, die Punktaugen, die Antennen, die Cerci und die Hörorgane. Die Facettenaugen sind durch die biokulare Sehfähigkeit in der Lage, räumlich zu sehen, und verleihen der Art eine verblüffende Treffsicherheit bei der Jagd. Die drei Stirnaugen sind bei den Männchen größer und entwickelter als bei den Weibchen. Ebenfalls sind die Antennen ausgesprochen gut entwickelt und größer ausgebildet als die der Weibchen. Allerdings übersteigen die Antennen nie die Körperlänge des jeweiligen Tieres. Die Männchen können mit den Antennen die Sexuallockstoffe der Weibchen aufnehmen. Dies geschieht durch Chemo- und Tangorezeptoren, die in den Antennen für das Auffinden der paarungsbereiten Weibchen vorgesehen sind.

Geschlechtsunterschiede

Der schon angesprochene Geschlechtsdimorphismus zeigt sich in der Größe, der Flügellänge und den Antennen. Das markanteste Merkmal ist der teilweise enorme Größenunterschied zwischen den Geschlechtern, wobei die Männchen wesentlich kleiner und zierlicher gebaut sind als die Weibchen. Die Flügel der Männchen sind wesentlich länger als die der Weibchen, denn deren Flügel ragen über das Abdomen hinaus, wobei die der Weibchen nicht einmal das Abdomen bedecken. Die Antennen der Männchen sind ebenfalls länger, und sie besitzen Sinnesorgane, die den weiblichen Sexuallockstoff orten können. Weiterhin werden die Antennen der Männchen auch zur Beruhigung und Betrillern der Weibchen eingesetzt.

Verbreitung

Die etwa 2.160 bekannten Arten kommen vor allem in den Tropen und Subtropen vor, aber auch in Halbwüsten und Wüsten sind sie anzutreffen. In Europa, vor allem in den wärmeren Gegenden wie Südeuropa, lebt die bekannte Art die Europäische Gottesanbeterin (Mantis religiosa), die innerhalb der Familie der Gottesanbeterinnen (Mantidae) zur Gattung Mantis zählt, vor. Etwa zwölf Arten kommen im südlichen Europa vor. Sie leben vor allem in der niedrigen Vegetation, wie Gras und Büsche, niedriges Strauchwerk sowie Wiesen.

Verhalten

Fangheuschrecken vertrauen auf ihre Tarnung und verharren deshalb still im Blattwerk oder im verdorrten Gestrüpp, um auf Beute zu lauern. „Gottesanbeterinnen” ist der deutsche Trivialname für diese Familie, das rührt daher, dass sie in der Ruhestellung ihre Fangarme an den Körper angelegtBild:Teufelsblume-0641.jpg haben und es den Anschein erweckt, als ob sie beten würden. Kommt nun ein potentielles Beutetier in Reichweite, so können sie mit Hilfe der Facettenaugen den Zeitpunkt festlegen, indem das Zugreifen mit den Fangarmen Erfolg verspricht. Teilweise bewegen sie sich wie ein Blatt, das im Wind weht, immer wippend einen Schritt vor den anderen. Die Jungtiere imitieren (Mimikry) teilweise Ameisen (Formicidae) oder Wanzen (Heteroptera), um eventuellen Feinden als Abschreckung etwas vorzutäuschen.

Tarnung

Viele Fangheuschrecken haben Grün- oder Brauntöne als Farbenkleid, dies lässt sie im Gras, Blattwerk oder im trockenen Gestrüpp unsichtbar werden. Andere haben sich auf bestimmte Bereiche spezialisiert und sich farblich sowie in der Form dem jeweiligen Ort angepasst. Das kann sich durch blatt- oder dornartige Formen an Kopf, Beinen und Hinterleib, oder extreme Farben, wie Weiß oder bunt schillernd, darstellen. Empusa pennata zeigt beispielsweise eine graue Grundfarbe mit dornförmigen Auswüchsen auf dem Kopf und am Hinterleib, um in den dornigen und trocknen Büschen nicht erkannt zu werden. Die meisten Jungtiere imitieren Ameisen, die im gleichen Bereich vorkommen. Egal, wie skurril oder farblich ausgefallen oder sogar ganz schlicht wie Fangheuschrecken aussehen. In der entsprechenden Pflanze, für die ihre Tarnung gedacht ist, wird sie unsichtbar für Fleischfresser und auch für ihre Beutetiere.

Prädatoren

Die Fangheuschrecken haben in den sehr unterschiedlichen Lebensräumen, in denen sie anzutreffen sind, auch sehr unterschiedliche Fleischfresser. So werden sie in den Tropen von anderen Fleischfressern gejagt als in den Wüstengebieten oder den Grassteppen. Wieder andere werden ihnen im europäischen Raum gefährlich. Ganz allgemein kann man aber sagen, dass bei allen Tieren, die auch größere Insekten (Insecta) fressen, die Fangheuschrecken mit auf der Speisekarte stehen. Dazu gehören beispielsweise Reptilien (Reptilia), Vögel (Aves), Beutelsäuger (Metatheria) und Fledertiere (Chiroptera).

Ernährung

Fangheuschrecken gelten als die am perfektesten ausgestatteten Jäger unter den Insekten. Die Abstimmung zwischen der Tarnung, den Facettenaugen und dem Fangapparat ist im Insektenreich einmalig. Nur die Libellen (Odonata) kommen an die Perfektion der Fangheuschrecken heran.

Beutetiere

Je nach Verbreitungsgebiet und Entwicklungsstadium kommen verschiedene Beutetiere in Betracht. In den verschiedenen Larvenstadien ernähren sie sich vorwiegend von Larven verschiedenster Insekten, oder Kleininsekten wie Ameisen. Die ausgewachsenen Fangheuschrecken ernähren sich von Heuschrecken bis hin zu kleinen Geckos (Gekkonidae) oder Jungvögeln. In Wüstenbereichen andere als in den Tropen oder Subtropen und wieder andere in den gemäßigten Breiten.

Beutefang

Wie schon erwähnt bildet die Fangheuschrecke mit dem Zusammenspiel von Augen, Tarnung und Fangapparat eine perfekte Jagdzusammenstellung. Die Tarnung nutzt sie, um in ihrem Jagdrevier unerkannt fast regungslos auf einer Stelle zu verharren und darauf zu warten bis sich ein ahnungsloses Beutetier in der Nähe aufhält. Mit ihren hoch spezialisierten Facettenaugen, mit denen sie eine perfekte Rundumsicht hat, visiert sie das vermeintliche Beutetier an. Ist es schon in Reichweite ihrer Fangarme, so schlägt sie blitzschnell zu und hält das Beutetier in den mit Dornen besetzten Fangarmen fest. Aus den Fangarmen kann das Beutetier nicht mehr entrinnen. Ist das Beutetier noch zu weit entfernt, verharrt sie, bis es in Reichweite kommt, oder sie pirscht sich mit pendelnden Bewegungen in Zeitlupe heran. Sie beginnt sofort mit den Fresswerkzeugen das Beutetier zu verzehren. Meist beginnt sie mit dem Kopf des Beutetieres zuerst, um den möglichen Bissverletzungen durch das erbeutete Tier auszuweichen. Das Tier wird vollständig verzehrt. Es kann auch vorkommen, dass ein männliches Tier als Beute angesehen wird, wenn das Weibchen nicht paarungsbereit ist oder das Männchen zu stürmisch vorgeht. Auch ist es nicht selten, dass ein Weibchen während der Paarung den Kopf des Männchens verspeist, ohne dass dabei die Paarung unterbrochen wird. Am Ende der Paarung wird der übrige Teil vom Männchen gefressen. Dies ist aber nicht die Regel, sondern kommt vorwiegend bei Weibchen vor, die nicht gut genährt sind. Das Männchen trägt dadurch zur Entwicklung seiner Nachkommen bei.

Fortpflanzung

Kenia Gottesanbeterin (Parasphendale affinis)
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Kenia Gottesanbeterin (Parasphendale affinis)

Wie bei allen Lebewesen, so auch bei den Fangheuschrecken, ist die Fortpflanzung das oberste Ziel der Arterhaltung. Im Laufe der Evolution entwickelten sich unterschiedliche Rituale bei der Fortpflanzung, die für die Erhaltung aller Arten eine wichtige Rolle spielen.

Allgemeines

Um geschlechtsreif zu sein, bedarf es bei den Fangheuschrecken einer Reifehäutung (Imaginalhäutung). Die Geschlechtsreife erreicht ein Männchen je nach Art in der siebten bis neunten Häutung und das Weibchen in der achten bis zehnten Häutung. Nach dieser Häutung sind auch die Flügel voll ausgebildet und funktionstüchtig. Etwa acht bis vierzehn Tage nach dieser Häutung können sich die Partner verpaaren. Diese Zeit benötigen sie, um die Eier und die Spermien zu bilden. Dabei verbrauchen sie viel Energie, die durch eine stark erhöhte Nahrungsaufname erziehlt wird. Aktiv sind nur die Männchen auf Partnersuche, die Weibchen senden lediglich Sexuallockstoffe aus, die von den männlichen Antennen mittels spezieller Sinnesorgane aufgenommen werden. Die Männchen fliegen auf der Suche nach einem passenden Weibchen vorwiegend in der Morgen- und Abenddämmerung, da die meisten Fleischfresser in dieser Zeit nicht aktiv sind.

Paarung

Hat das Männchen eine Partnerin ausgewählt, landet es in sicherem Abstand, jedoch in Sichtweite. Das Männchen nähert sich dem Weibchen sehr vorsichtig und verharrt immer wieder regungslos, um nicht als Beutetier zu enden. Einigen Arten ist es auch möglich, aus Distanzen von bis zu dreißig Zentimetern direkt auf das Weibchen aufzufliegen. Nie nähert sich aber das Männchen von vorne auf das Weibchen zu, sondern immer von der Flanke oder von hinten. Ist das Männchen nun nah genug, springt es auf den Rücken des Weibchen und betrillert das Weibchen nun intensiv mit seinen Antennen, um es zu beruhigen. Es hält sich mit den Fangarmen am Prothorax oder am oberen Abdomen fest und mit den Schreitbeinen an den Flügelrändern oder am Abdomen. Weibchen, die nicht paarungsbereit sind, wehren das Männchen intensiv ab. Nach einigen Minuten bis einigen Stunden beginnt das Männchen nun sein Abdomen seitlich am Abdomen des Weibchens herabzuführen, bis die Analöffnung beider paarig liegen. Nun führt das Männchen sein Abdomenende in die Geschlechtsöffnung des Weibchens, indem sich dann beide Kopulationsorgane verhaken. In dieser Vereinigung verharren beide Partner bis zu mehreren Stunden, während das Männchen die Samenkapsel Spermatophore übergibt. Je älter die Weibchen werden, desto seltener sind sie paarungsbereit und sehen die werbenden
Orchideenmantis (Hymenopus coronatus)
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Orchideenmantis (Hymenopus coronatus)
Männchen immer öfter als Beute. Nach erfolgreicher Befruchtung löst sich das Männchen sofort von dem Weibchen und verlässt es dann fluchtartig. Es gibt einige Arten, bei denen Jungfernzeugung Parthenogenese möglich ist, wie zum Beispiel bei der Europäischen Gottesanbeterin. Dabei kommen aber nur weibliche Nachkommen aus dem Kokon.

Eiablage und Oothek

Fangheuschrecken legen ihre Eibehälter Ootheken erst, wenn sie mit den paarigen Anhängen des Afters Cerci die ausgewählte Ablagestelle auf Feuchtigkeit und Haltbarkeit geprüft haben. Wenn die Stelle für geeignet befunden wurde, klebt das Weibchen ein schaumiges Sekret auf die Unterlage, in die sie ihre Eier legt. Danach werden die Eier mit dieser schaumigen Masse komplett umhüllt. Darüber wird wieder eine Schicht Eier gelegt und wieder mit dem Sekret umhüllt bis die Oothek fertig ist. Mit den Cerci streicht sie immer wieder über das gerade abgelegte Sekret und gibt der Oothek die artspezifische Form. Dies kann dreißig bis sechzig Minuten dauern. Ein befruchtetes Weibchen kann mehrere Ootheken legen. Die Größe und Form ist artspezifisch und wird durch den Ernährungszustand beeinflusst. Die Oothek besteht aus einer eiweißhaltigen, schaumigen Substanz, die zu einer pergamentartigen Masse erhärtet. Der Eibehälter kann von grau über braun bis rötlichbraun gefärbt sein und schützt die Eier und die Larven vor schwankenden Witterungseinflüssen. Allerdings sind die Eier vor Fleischfressern und parasitischen Einflüssen nicht gefeit. Die Oothek der Europäischen Gottesanbeterin kann Schwankungen bis zu -40 Grad Celsius und bis zu extremer Hitze standhalten. Sie können aber auch in gemäßigten Zonnen überwintern.

Ein Eipaket kann von 10 bis zu 300 Eier enthalten und baut sich in mehreren vertikalen Schichten auf, die jeweils eine Lage Eier enthält. Die Eier liegen einzeln und umschlossen in röhrenförmigen Zellen. Jede Art hat ihre eigene Form für die Oothek entwickelt. Das Aussehen ist dem entsprechenden Lebensraum stark angepasst, um eine bestmögliche Tarnung zu garantieren. Die Formen können kugelig, spitz, sehr schlank sowie lang und an Stielen im Sand vergraben sein. Von Art zu Art können auch unterschiedlich viele Eier in verschieden großen Ootheken abgelegt sein. Je nach Vorkommen benötigen die Eier unterschiedliche Reifezeit. In Kenia beispielsweise benötigen die Eier etwa 20 Tage, im südlichen Europa benötigen die Eier etwa 90 Tage und in Deutschland, wo die Oothek der Europäischen Gottesanbeterin überwintert, benötigen die Eier etwa 240 Tage.

Schlupf, Häutung und Lebenserwartung

Die Larven entwickeln sich in Abhängigkeit von Umwelteinflüssen in ihrer Röhre und sind im letzten Entwicklungsstadium in der Oothek wurmartig. Sie entledigen sich der Embryonalkutikula während des Schlupfes. Die Häutung verbleibt in der Oothek. Sie häuten sich sofort zum zweiten Larvenstadium und hängen alle mit den verlängerten Cercifäden an der Oothek bis die Chitinhülle ausgehärtet ist. Nun verlassen sie rasch den Schlupfort und fressen alles, was sich bewegt. Auch Artgenossen stehen auf dem Speiseplan. Der Schlupf wird durch unterschiedliche Umwelteinflüsse ausgelöst. In manchen Gebieten löst die beginnende Regenzeit den Schlupf aus, in Deutschland erfolgt der Schlupf durch die steigenden Temperaturen im Frühjahr. Nach sieben bis zehn Häutungen, Männchen weniger als Weibchen, sind die Larven erst voll entwickelt. Nach der Reifehäutung besitzen die Fangheuschrecken erstmals Flügel und sind geschlechtsreif. Die Zeit der Entwicklung kann zwischen einem und vier Monaten liegen, dies hängt wiederum von dem Klima des jeweiligen Biotops ab. Die meisten Fangheuschrecken haben eine Lebenserwartung von zwölf Monaten.

Evolution

Vor 135 Millionen Jahren wurden im Mesozoikum durch Funde von Flügeln und Fangarmen erste Vertreter den Fangheuschrecken zugeordnet. In verschiedenen Bernsteinfunden auf der ganzen Welt wurden teilweise komplett erhaltene Fangheuschrecken gefunden. Im New Jersey- und Lebanon-Bernstein wurden beispielsweise komplett erhaltene Arten aus der Zeit vor rund 125 bis 100 Millionen Jahren nachgewiesen. Auch im Bernstein von Myanmar, datiert auf etwa 100 Millionen Jahren, wurden Inclusen von Fangheuschrecken nachgewiesen. Im Baltischen Bernstein und im Bernstein aus Bitterfeld, datiert auf etwa 45 Millionen Jahren, wurde die Zugehörigkeit zu den Familien Mantoididae, damalige Chaeteessidae, damalige Liturgusidae und Gottesanbeterinnen nachgewiesen. Die meisten Bernsteinfunde kommen aus dem Dominikanischen Bernstein, in dem Nymphen auch in großen Ansammlungen eingeschlossen sind. Diese werden auf ein Alter von etwa 20 Millionen Jahre datiert. Auch im Mexikanischen Bernstein und im Kolumbianischen sowie im Madegassischen Kopal sind Einschlüsse auch jüngeren Datums, datiert auf ein paar Hundert oder Tausend Jahre, in denen rezente Arten aus der Ordnung der Fangheuschrecken nachgewiesen wurden.

Gefärdung und Schutz

Wie viele Lebewesen in aller Welt haben auch die Fangheuschrecken mit dem Raubbau, der Abholzung der Wälder und der Bebauung von Lebensräumen zu kämpfen. Die in Deutschland vorkommenden Europäischen Gottesanbeterinnen kommen nur noch in kleinen Regionen vor und werden durch die endlose Bebauung von Lebensräumen immer weiter verdrängt. In Deutschland ist sie als gefährdet eingestuft und darf nicht der Natur entnommen werden. Die meisten Fangheuschrecken sind noch in ungefährdeten Populationen vorhanden.

Systematik der Fangheuschrecken

Unterordnung: Fangheuschrecken (Mantodea)

Familie: Empusidae
Familie: Hymenopodidae
Familie: Gottesanbeterinnen (Mantidae)
Familie: Mantoididae

Anhang

Literatur und Quellen

  • Gottesanbeterinnen. in vol. 28 Reptilia. Natur und Tier, Münster April/Mai 2001. ISSN 1431-8997

Links

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