Feldhase

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Feldhase

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Hasenartige (Lagomorpha)
Familie: Hasen (Leporidae)
Gattung: Echte Hasen (Lepus)
Art: Feldhase
Wissenschaftlicher Name
Lepus europaeus
Pallas, 1778

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Feldhase (Lepus europaeus) zählt innerhalb der Familie der Hasen (Leporidae) zur Gattung der Echten Hasen (Lepus). Die englische Bezeichnung lautet European Hare, Brown Hare oder European Brown Hare.

Der Feldhase wurde von der Schutzgemeinschaft Deutsches Wild (SDWi) in Kooperation mit dem Naturschutzbund (NABU) zum Wildtier des Jahres 2001 und zum zweiten Mal zum Wildtier des Jahres 2015 gewählt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Feldhase erreicht eine Körperlänge von bis zu 70 cm, eine Schwanzlänge von gut zehn cm sowie ein Gewicht von vier bis sechs Kg. Das Fell ist meist bräunlich bis rotbraun und dient in erster Linie der Tarnung. In südlichen und somit wärmeren Verbreitungsgebieten ist das Fell deutlich heller. Der Kopf weist eine längliche Form auf. Die Augen sind groß und lassen auf eine überwiegend nächtliche Aktivität schließen. Aufgrund seiner sehr großen Ohren ist auch sein Hörsinn außerordentlich gut entwickelt. Der kurze Schwanz weist oberseits eine dunkle bis fast schwarze Färbung auf. Die langen Hinterbeine sind deutlich länger als die Vorderbeine und ermöglichen dem Hasen hohe Geschwindigkeiten, weite Sprünge und extreme Richtungswechsel. Er kann locker auf über 50 Km/h beschleunigen und erreicht kurzfristig Geschwindigkeiten von knapp über 60 km/h.

Lebensweise

Feldhasen legen sich keinen Bau an, sondern bauen sich nur eine flache Mulde in der sie Deckung suchen, ihren Nachwuchs zur Welt bringen oder einfach nur schlafen. Bei Gefahr bleiben sie sehr lange in der Mulde und vertrauen auf ihre Tarnung. Erst im allerletzten Moment springen sie auf und rennen davon. Feldhasen leben einzelgängerisch. Die Geschlechter finden nur zur Paarungszeit kurz zueinander. Zu den natürlichen Hauptfeinden zählen Katzen, Hunde sowie Marder und ähnliche Tiere. Auch Greifvögeln fallen vor allem junge Hasen zum Opfer. Des weiteren führen tödliche Unfälle auf Straßen, diverse Krankheiten, Regen und Kälte sowie die starke Bejagung durch Jäger zu hohen Opferzahlen.

Verbreitung

Der Feldhase ist in weiten Teilen Europas, Nordafrikas und dem westlichen Asien verbreitet. In Höhenlagen kommen sie bis in Höhen von 1.800 Metern vor. Sie sind ausgesprochene Steppenbewohner, die sich als Kulturfolger auch auf Agrarflächen und ähnlichem aufhalten. In Süd- und Nordamerika, sowie in Australien wurde der Feldhase eingebürgert und vermehrt sich prächtig, oftmals bringt er dort das biologische Gleichgewicht gefährlich ins Schwanken und bedroht so die heimische Flora und Fauna.

Ernährung

Feldhasen leben hauptsächlich herbivor, sie sind also Pflanzenfresser. Zu ihrer bevorzugten Nahrung gehören Pilze, Wurzeln, Gräser und Kräuter sowie reife Früchte und Beeren. Mit ihren scharfen Schneidezähnen schneiden sie ihre Nahrung, mit den Backenzähnen wird sie zermalen. Flüssigkeit nehmen sie selten zu sich, sie decken ihren Flüssigkeitshaushalt überwiegend über ihre Nahrung. Im Winter fressen sie gelegentlich auch Schnee. Ihr Verdauungssystem basiert nicht auf Säure. In Magen und Darm sorgen Bakterien für die Zersetzung der Nahrung.

Fortpflanzung

Feldhasen erreichen die Geschlechtsreife bereits mit acht Monaten. Die Paarungszeit, die auch Rammelzeit genannt wird, erstreckt sich in den meisten Verbreitungsgebieten über die Monate Januar bis Juli, wobei ein Weibchen etwa alle 38 Tage empfängnisbereit ist (38 Tage ist der Menstruationszyklus der Feldhäsin). Während dieser Zeit kommt es unter den Männchen zu Kommentkämpfen um die Weibchen. Die Biologie der Weibchen ermöglicht ihnen Embryonen in zwei unterschiedlichen Altersgruppen auszutragen. Das heißt gegen Mitte der Schwangerschaft ist ein Weibchen erneut empfängnisbereit.

Nach einer Tragezeit von rund 42 Tagen bringt das Weibchen in einer windgeschützten Mulde ein bis vier (in Ausnahmefällen fünf) Junghasen zur Welt. Sie sind bereits voll entwickelt und verfügen bereits über Fell und auch ihre Augen sind geöffnet. Sie sind Nestflüchter, verharren aber die meiste Zeit regungslos in ihrer Geburtsmulde. Die Häsin läßt am Tage den Nachwuchs alleine und kommt nur nachts zweimal zum Säugen. Nach etwa 30 Tagen sind die Junghasen dann selbständig. Pro Jahr kommt es zu bis zu sechs Würfen, die in einem regelmäßigen Abstand von etwa 38 Tagen stattfinden. Neben den natürlichen Feinden sind hauptsächlich Nässe und Kälte für eine hohe Sterberate unter den Neugeborenen verantwortlich. In warmen und trockenen Jahren kommt es zu einer hohen Vermehrungsrate. In freier Wildbahn liegt das Durchschnittsalter bei etwa drei bis vier Jahren, in Gefangenschaft können sie durchaus bis zu zwölf Jahre alt werden.

Sonstiges

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Begriffe aus der "Jägersprache-Waidmannssprache"

  • Blume = Schwanz
  • Löffel = Ohren
  • Geläuf = Fährte von Hasen
  • Rammler = Hase
  • Sasse = Lager
  • Seher = Augen
  • Sprünge = Hinterläufe

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: Familie der Hasen (Leporidae)

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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