Felsenziesel

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Felsenziesel

Systematik
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Hörnchenverwandte (Sciuromorpha)
Teilordnung: Sciurida
Überfamilie: Hörnchenartige (Sciuroidea)
Familie: Hörnchen (Sciuridae)
Unterfamilie: Erd- und Baumhörnchen (Sciurinae)
Tribus: Echte Erdhörnchen (Marmotini)
Untertribus: Ziesel und Präriehunde (Spermophilina)
Gattung: Ziesel (Spermophilus)
Art: Felsenziesel
Wissenschaftlicher Name
Spermophilus variegatus
Erxleben, 1777

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Felsenziesel (Spermophilus variegatus), auch Felsenhörnchen genannt, zählt innerhalb der Familie der Hörnchen (Sciuridae) zur Gattung der Ziesel (Spermophilus). Im Englischen wird dieser Ziesel Rock Squirrel genannt.

Inhaltsverzeichnis

Fossile Funde

Fossile Funde des Felsenziesel stammen aus dem späten Pleistozän und dem frühen Holozän. Die Fundstellen liegen überwiegend in Arizona, Kalifornien, New Mexico, Texas und Wyoming. Ein naher, ausgestorbener Verwandter des Felsenziesel, namentlich Spermophilus wilsoni, lässt sich bis in frühe und mittlere Pliozän zurückverfolgen. Im Laufe der letzten 10.000 Jahre hat sich das Verbreitungsgebiet der Felsenziesel deutlich nach Süden verlagert. Auch Kalifornien wird heute nicht mehr besiedelt. <10>

Beschreibung

Aussehen und Maße

Felsenziesel erreichen Gesamtlänge von 46,6 bis 50,3 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 18,9 bis 23,3 Zentimeter, eine Hinterfußlänge von 5,7 bis 6,27 Zentimeter, eine Ohrlänge von 1,7 bis 2,63 Zentimeter, eine Schädellänge von 5,79 bis 6,56 Zentimeter, eine Gaumenlänge von 2,77 bis 3,15 Zentimeter, eine Jochbogenbreite von 3,56 bis 4,05 Zentimeter, eine Hirnschädellänge von 2,41 bis 2,61 Zentimeter sowie eine Nasenbeinlänge von 2,04 bis 2,38 Zentimeter. Die Länge der Backenzahnreihen beträgt 1,13 bis 1,34 Zentimeter. Das Gewicht variiert je nach Unterart und Jahreszeit sehr stark. Es liegt zwischen 450 bis 875 Gramm. Das niedrigste Gewicht weisen Felsenziesel nach dem Erwachen aus dem Winterschlaf auf. Demzufolge zeigt sich das höchste Gewicht unmittelbar vor der Winterruhe. Der Kopf und die Augen sind relativ groß, die Ohren liegen weit hinten leicht seitlich am Schädel. Die Ohren sind länger als breit. Die Vorderbeine sind kürzer als die Hinterbeine, der Schwanz ist lang und recht buschig. Die Zehen weisen kräftige Krallen auf. Die Schnauze (Rostrum) ist ausgesprochen kurz und breit. Das Gebiss der Felsenziesel zeichnet sich durch 22 Zähne aus, die zahnmedizinische Formel lautet i1/1, c0/0, p2/1, m3/3. Die Fellfärbung unterscheidet sich je nach Unterart zum Teil sehr stark und reicht von hellbraun, über graubraun, dunkelbraun bis hin zu schwarzbraun oder schwarz. Selbst innerhalb einer Population kann eine unterschiedliche Färbung auftreten. Ventral weist das Fell eine gräulichweiße Färbung auf. Rund um die Augen ist immer ein heller Augenring zu erkennen. Das Fell weist eine durchschnittliche Länge von 2 Zentimeter auf, die Haare erreichen einen Durchmesser von etwa 125 µm. Im Sommer kommt es zu einem Fellwechsel, bei dem das gesamte Haar ausgetauscht wird und erstreckt sich über 5 bis 6 Wochen. Die Weibchen verfügen zum Säugen des Nachwuchses über 5 Paar Zitzen. <1>

Lebensweise

Felsenziesel leben in geselligen und zum Teil großen Kolonien. Dominante Männchen leben im Zentrum einer Kolonie, juvenile und junge adulte Männchen eher an den Außengrenzen einer Kolonie. Unter rivalisierenden Männchen kommt es während der Paarungszeit zu teilweise heftigen Kommentkämpfen. Die Erdbauten der einzelnen Tiere entstehen meist unter Steinen oder an ähnlich geschützten Stellen, seltener auch unter Bäumen und Sträuchern. In waldreichen Regionen richten sich Felsenziesel auch in hohlen Bäumen häuslich ein. Die Gänge im Boden erreichen meist eine Länge von kaum 1,5 Meter und reichen in Tiefen von 0,3 bis 1,0 Meter. Der Haupttunnel weist einen Durchmesser von 10 bis 12 Zentimeter auf und öffnet sich zum Ausgang hin trichterförmig. Das Innere des Erdbaues weist eine Wohnkammer auf. Hier kommt auch der Nachwuchs zur Welt. Das Nestinnere wird mit feinen Gräsern und anderen weichen Pflanzenteilen ausgepolstert. Die Erdbauten werden meist über mehrere Jahre genutzt. Zu saisonalen Wanderungen kommt es nur selten. Verlassen Bauten der Felsenziesel werden nicht selten von anderen Tieren wie der Kaninchen-Eule (Athene cunicularia) genutzt. Eine Kolonie ist in viele kleine Reviere unterteilt, die sich jedoch an den Grenzen überlappen können. Die Reviergrößen liegen beim Männchen bei 0,4 Hektar, bei den Weibchen bei 0,12 bis 0,22 (0,15) Hektar. Außerhalb der Paarungszeit sind die Reviere für gewöhnlich kleiner. Felsenziesel sind temporale Spezialisten. In der kalten Jahreszeit, außerhalb der Winterruhe, zeigen sich die Tiere zur warmen Tageszeit, im Sommer nur in den frühen Morgen- und Abendstunden. Temperaturen von oberhalb 35° Celsius oder unterhalb 10° Celsius werden gemieden. Während des Winterschlafes sinkt die Körpertemperatur auf 5,5 bis 10° Celsius. Felsenziesel sind trotz der kurzen Extremitäten geschickte und schnelle Läufer. Auch Sprünge in Weiten von bis zu 165 Zentimeter wurden schon nachgewiesen. <2>

Unterarten

Unterarten nach Wilson & Reeder, 2003. <3>

Verbreitung

Felsenziesel sind in den südwestlichen USA und in weiten Teilen Mexikos verbreitet. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich in den südwestlichen USA, insbesondere über das östliche Nevada, Utah und Colorado, südlich bis in den Westen von Texas. Kleinere Populationen leben auch im südöstlichen Kalifornien. Die Tiere kommen in Höhenlagen bis in Höhen von gut 2.900 Metern vor. Felsenziesel besiedeln überwiegend semiaride Regionen, insbesondere felsige Schluchten, Felsen und felsige Abhänge. In der nähe des Menschen sind sie auch im Siedlungsbereich häufig zu beobachten. Im südlichen Mexiko treten Felsenziesel in subtropischen Regionen auch in lichten Wäldern und den hochgelegenen Küsten-Plateaus auf. <4>

Prädatoren und Parasiten

Prädator: der Graufuchs (Urocyon cinereoargenteus)
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Prädator: der Graufuchs (Urocyon cinereoargenteus)

Zu den natürlichen Fleischfressern der Felsenziesel gehören der Steinadler (Aquila chrysaetos), der Rotluchs (Lynx rufus), das Nordamerikanische Katzenfrett (Bassariscus astutus), der Graufuchs (Urocyon cinereoargenteus), der Nordamerikanische Waschbär (Procyon lotor), der Kojote (Canis latrans), der Silberdachs (Taxidea taxus), verwilderte Haushunde (Canis lupus familiaris) und Hauskatzen (Felis catus) sowie die Prärieklapperschlange (Crotalus viridis) und die Kiefernatter (Pituophis melanoleucus). Darüber hinaus gehört der Menschen zu den ärgsten Feinden der Felsenziesel, insbesondere aufgrund der Zerstörung der natürlichen Lebensräume. <5>

Darüber hinaus treten zahlreiche Endo- und Ektoparasiten auf. An Endoporasiten konnten Babesien (Babesia wrighti), Entamoeba citelli, Chilomastix magna, Hexamastix muris, Monocercomonoides pilleata, Monocercomonoides robustus, Octomitus pulcher, Tritrichomonas muris sowie Saugwürmer (Trematoda) wie Brachylaime microti, Bandwürmer (Cestoda) wie Hymenolepis citelli und Mesocestoides corti, Fadenwürmer (Nematoda) wie Capillaria hepatica, Citellinema bifurcatum und Rictularia coloradensis nachgewiesen werden. An Ektoparasiten treten Milben (Acari) wie Neohaematopinus sp., Hylemya, Echte Fleischfliegen (Sarcophaga), verschiedene Buckelfliegen (Phoridae), Androlaelaps fahrenholzi, Brevisterna utahensis, Hirstionyssus incomptis, Ischyropoda armatus, Trombicula sp. sowie zahlreiche Zecken (Ixodida) und Flöhe (Siphonaptera) in Erscheinung. <6>

Ernährung

Felsenziesel ernähren sich als Allesfresser von Nüssen, Sämereien und Körnern aller Art, Beeren und Früchten, aber auch von Kakteen, Wurzeln und grüner Vegetation. An tierischer Nahrung werden Ringelwürmer (Annelida) und andere Wirbellose, Gliederfüßer (Arthropoda) und Aas gefressen. Saisonal steht unterschiedliche Nahrung auf der Speisekarte. Im Frühjahr ernähren sich Felsenziesel überwiegend von grüner Vegetation, im Sommer von Beeren und Früchten, im Herbst und Winter von Sämereien und Körnern. Wirbellose werden nach Verfügbarkeit zu sich genommen. In Texas und Utah konnten als Futterpflanzen unter anderem Dreilappiger Sumach (Rhus trilobata), Duftender Sumach (Rhus aromatica), Fallugia paradoxa, Quecken (Elymus), Ambrosien (Ambrosia), Johannisbeeren (Ribes), Eichen (Quercus), Walnüsse (Juglans), Kiefern (Pinus), Mesquite-Sträucher (Prosopis), Opuntien (Opuntia), Melden (Atriplex), Kürbisgewächse (Cucurbitaceae), Meerträubel (Ephedra), Felsenbirnen (Amelanchier), Wolfsmilch (Euphorbia), verschiedene Raublattgewächse (Boraginaceae) und Wacholder (Juniperus) nachgewiesen werden. Zu den Gliederfüßern und wirbellosen Beutetieren zählen Geradflügler (Orthoptera), Käfer (Coleoptera), aber auch juvenile Vögel wie die der Truthühner (Meleagris). <7>

Fortpflanzung

Die Paarungszeit beginnt, wenn die Männchen aus der Winterruhe erwachen. Der Östrus der Weibchen beginnt eine Woche nach Beendigung der Winterruhe. Bei den Männchen schwellen die Hoden während dieser Zeit auf eine Länge von 3,2 Zentimeter an. Außerhalb der Paarungszeit erreichen die Hoden nur eine Länge von 1,1 Zentimeter. Die Paarungszeit beginn je nach Verbreitungsgebiet Anfang März und erstreckt sich bis in den August hinein. In dieser Zeit kommt es nur zu einem Wurf, in südlichen Regionen von Mexiko auch 2 Würfe. Die Tragezeit ist nicht dokumentiert, sie dürfte sich im Rahmen anderer Ziesel bewegen. Man geht von 30 bis 40 Tagen Trächtigkeit aus. Die Wurfgröße liegt bei 1 bis 7 Jungtiere. Die Geburt erfolgt im Bau des Muttertieres. Die Bauten liegen in zumeist größeren Kolonien. Aufgrund der polygamen Lebensweise hat das Männchen mit der Aufzucht des Nachwuchses nichts zu tun. Der Nachwuchs kommt nackt und blind zur Welt. Vorhanden sind lediglich die Vibrissen, die eine Länge von 2 Millimeter aufweisen. Das Geburtsgewicht liegt bei durchschnittlich 7,8 Gramm. Das erste Fell stellt sich ab dem 7. Lebenstag ein, ab dem 10. Lebenstag können sie ihren Kopf selbständig heben und erlernen das Krabbeln. Mit 17 Tagen ist das Fell voll entwickelt. Je nach Verbreitungsgebiet kommen die Jungtiere zwischen Mai und August erstmals aus ihrem schützenden Bau heraus und erkunden die nähere Umgebung. Die Säugezeit erstreckt sich über 6 Wochen. Die Selbständigkeit wird nach 6 bis 10 (8) Wochen erreicht. Zu diesem Zeitpunkt weisen die Jungtiere ein Gewicht von rund 100 Gramm auf. Die Lebenserwartung in Freiheit ist nicht bekannt. <8>

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Felsenziesel zählen heute noch nicht zu den bedrohten Arten. In der Roten Liste der IUCN wird die Art daher als nicht gefährdet geführt. Lokal kommt die Art nach Wilson und Ruff (1999) sogar noch sehr häufig vor. Die Siedlungsdichte liegt je nach Lebensraumqualität zwischen 2 und 5,7 Tiere je Hektar. <3>

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

Links

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