Florida-Buschhäher

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Florida-Buschhäher

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Familie: Rabenvögel (Corvidae)
Tribus: Corvini
Gattung: Aphelocoma
Art: Florida-Buschhäher
Wissenschaftlicher Name
Aphelocoma coerulescens
Bosc, 1795

IUCN-Status
Vulnerable (VU) - IUCN

Der Florida-Buschhäher (Aphelocoma coerulescens) zählt innerhalb der Familie der Rabenvögel (Corvidae) zur Gattung Aphelocoma.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Florida-Buschhäher ist ein recht großer Singvogel und erreicht eine Körperlänge von 28 bis 30 Zentimeter, eine Flügelspannweite von durchschnittlich 40 bis 42 Zentimeter sowie ein Gewicht von 75 bis 90 Gramm. Die Geschlechter weisen in der Gefiederfärbung keinen nennenswerten Dimorphismus auf. Jedoch kann das Männchen ein wenig größer werden. Der Oberkopf, der Nacken sowie die Flügel und der Schwanz sind überwiegend blau bis hellblau gefärbt. Der Rücken weist eine graue bis graubraune Färbung auf. Die Kehle und die obere Brust sind weißlich gefärbt, die Bauchseite zeigt eine gräuliche Färbung. Im Bereich der unteren Brust ist ein graubraunes Brustband zu erkennen. Die Kopfseiten sind vom Schnabelansatz bis hinter die Augen maskenartig dunkelblau gefärbt. Die Augen weisen eine dunkle, meist dunkelbraune Färbung auf. Der kräftige Schnabel und die Extremitäten sind dunkelgrau bis fast schwarz gefärbt. Juvenile Vögel kann man leicht an dem bräunlichen Oberkopf erkennen. Ansonsten ähneln sie den adulten Vögeln.

Lebensweise

Der Florida-Buschhäher ist ein tagaktiver Vogel, der vor allem in den frühen Morgen- und Abendstunden auf Nahrungssuche geht. Er gilt als Standvogel und legt daher für die kalte Jahreszeit Nahrungsvorräte in Form von Sämereien, Eicheln und anderen Waldfrüchten an. Da er diese Nahrung nicht immer zur Gänze verzehrt, gilt er als außerordentlich wichtiger Samenverbreiter. Mit seinem kräftigen Schnabel kann er mühelos Nüsse, Eicheln und andere hartschalige Waldfrüchte öffnen und fressen. Der Schnabel wird aber nicht nur für grobe Arbeiten eingesetzt, er kann damit auch kleine Insekten wie Zecken aus dem Fell von Rotwild picken. Florida-Buschhäher leben außerhalb der Paarungszeit paarweise, in kleinen Familiengruppen oder in kleinen Nichtbrütergemeinschaften. Einzelgängerisch sieht man die Tiere nur selten umherstreifen. Sie sind ausgesprochen soziale Vögel. Jedoch legen sie während der Paarungszeit ein territoriales Verhalten an den Tag und dulden keine Artgenossen in ihrem Brutrevier. Innerhalb einer Familiengruppe hält immer ein Vogel von einer Ansitzwarte aus Ausschau nach Feinden und Eindringlingen. Bei Gefahr warnt er die anderen Familienmitglieder mit lautem Geschrei. Das Revier wird durch lautstarkes Geschrei und wenn es sein muss auch mit Schnabelhieben und den Klauen verteidigt. Dies gilt sowohl gegenüber Artgenossen als auch Prädatoren. Die Brutreviere weisen zumeist eine Größe von etwa 10 Hektar auf.

Verbreitung, Lebensraum

Florida-Buschhäher sind ausschließlich im US-Bundesstaat Florida verbreitet. Sie gelten hier als endemisch. Lichte Wälder, deren Ränder und in der Nähe des Menschen vor allem Obstgärten und ähnliche Orte. Auch Habitate entlang der Küste werden durchaus häufig besiedelt. Unterholzreiche Laubwälder, gelegentlich auch Nadel- und Mischwälder werden jedoch eindeutig bevorzugt. Hier findet der Florida-Buschhäher reichlich Nahrung in Form von beispielsweise Eicheln und anderen Waldfrüchten. Die Nähe zum Menschen wird keineswegs gescheut. So ist er neben dem Obstanbau auch in Parkanlagen und Gärten zu finden.

Prädatoren

Zu den natürlichen Prädatoren der Florida-Buschhäher zählen Greifvögel (Falconiformes) wie Rundschwanzsperber (Accipiter cooperii), Merline (Falco columbarius) und Wanderfalken (Falco peregrinus). Unter den Säugetieren gehören vor allem Hauskatzen (Felis silvestris forma catus) und Rotluchse (Lynx rufus) zu den natürlichen Feinden. Jedoch sind Florida-Buschhäher vor allem gegenüber Greifvögeln sehr wehrhafte Tiere, die sich zu verteidigen wissen. Sie gehen zumeist aktiv in einer Gruppe gegen Prädatoren vor.

Ernährung

Florida-Buschhäher gelten als Allesfresser. Sie ernähren sich von kleinen Gliederfüßern (Arthropoda) wie Heuschrecken (Orthoptera) und Schmetterlinge (Lepidoptera), von keinen Wirbeltieren (Vertebrata) wie Amphibien (Amphibia), kleine Mäuse (Mus) und kleinen Reptilien (Reptilia). Auch Eier von Vögeln und Reptilien stehen durchaus weit oben auf der Speisekarte. Darüber hinaus werden auch Sämereien, Früchte und Beeren sowie allerlei Waldfrüchte wie Nüsse, Bucheckern, Eicheln und ähnliches gefressen. Die Nahrungssuche erfolgt fast ausschließlich am Boden. Auf pflanzlicher Nahrung greifen Florida-Buschhäher vor allem im Winter zurück. Eine Spezialität der Florida-Buschhäher ist das Auflesen von Parasiten aus dem Fell vom Rotwild. Florida-Buschhäher sind nur wenig scheu und nehmen auch Nahrung vom Menschen bereitwillig an.

Fortpflanzung

vergrößern

Florida-Buschhäher erreichen die Geschlechtsreife im Alter von rund einem Jahr. Die Paarungszeit erstreckt sich in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet (Florida) von März bis in den Juni hinein. Pro Saison kommt es dabei nur zu einem Gelege. Die napfartigen Nester der Vögel entstehen in der Regel in niedrigen Bäumen oder in Büschen, sie werden in Astgabeln errichtet und werden von beiden Geschlechtern aus Ästchen, kleinen Wurzeln, Gräsern und anderen Pflanzenteilen erreichet. Das Nestinnere wird mit weichen Pflanzenteilen und Tierhaaren ausgepolstert. Der äußere Durchmesser des Nestes beträgt etwa 20 Zentimeter. Florida-Buschhäher leben in einer monogamen Einehe, die in der Regel ein Leben lang hält. Nicht selten helfen auch andere Familienmitglieder bei der Aufzucht des Nachwuchses. In das fertige Nest legt das Weibchen zwei bis fünf helle, grünlichgraue und bräunlich befleckte Eier, die vom Weibchen alleine über einen Zeitraum von 16 bis 18 Tagen ausgebrütet werden. Ein durchschnittliches Gelege besteht aus drei bis vier Eiern. Das Männchen sorgt während dieser Zeit für Nahrung und füttert sein Weibchen. Die geschlüpften Jungen sind unbefiedert und blind. Aber bereits nach wenigen Tagen öffnen sie erstmals ihre Augen. Der Nachwuchs wird von beiden Elternteilen in den nächsten drei Wochen mit Nahrung in Form von Insekten und Larven versorgt. Anfang der vierten Woche erreichen sie die Flugfähigkeit, bleiben aber bis zu zehn Wochen bei den Eltern. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei fünf bis sieben Jahren, unter günstigen Umständen kann er ein Alter von über zehn Jahren erreichen.

Ökologie

Florida-Buschhäher spielen in ihrem Ökosystem eine wichtige Rolle. Sie gelten vor allem als Samenverbreiter für Eicheln und andere Laubbäume, da sie für den Winter Vorräte an Sämereien anlegen, diese aber nicht immer völlig verzehren. Auf der anderen Seite fressen sie in großem Umfang Schadinsekten und kleinere Wirbeltiere. Sie erhalten so das ökologische Gleichgewicht zwischen den einzelnen Arten. Ähnlich wie beim Westlichen Buschhäher (Aphelocoma californica), so picken Florida-Buschhäher Zecken und andere Parasiten vom Rücken größerer Säugetiere.

Gefährdung und Schutz

Der Florida-Buschhäher gilt heute als gefährdete Art. Dementsprechend wird er in der Roten Liste der IUCN als gefährdet (VU, Vulnerable) geführt. Die Gründe dafür liegen auf der Hand. In Florida sind mittlerweile weite Flächen der natürlichen Lebensräume vernichtet. Mittlerweile hat jedoch ein Umdenken eingesetzt und es entstehen immer mehr Schutzgebiete.

Links

'Persönliche Werkzeuge