Florida-Waldkaninchen

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Florida-Waldkaninchen

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Hasenartige (Lagomorpha)
Familie: Hasen (Leporidae)
Unterfamilie: Leporinae
Gattung: Baumwollschwanzkaninchen (Sylvilagus)
Art: Florida-Waldkaninchen
Wissenschaftlicher Name
Sylvilagus floridanus
Allen, 1890

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Das Florida-Waldkaninchen (Sylvilagus floridanus), das auch Östliches Baumwollschwanzkaninchen genannt wird, zählt innerhalb der Familie der Hasen (Leporidae) zur Gattung der Baumwollschwanzkaninchen (Sylvilagus).

Das Florida-Waldkaninchen ähnelt dem Sumpfkaninchen (Sylvilagus aquaticus) sowie dem Marschkaninchen (Sylvilagus palustris) und ist leicht mit ihm zu verwechseln. Das Sumpfkaninchen ist jedoch ein wenig größer und hat größere Ohren und Hinterfüße, der Schwanz des Marschkaninchen ist gräulich statt weiß. Beide Arten haben nicht die leicht rötlichen Flecken im Nackenbereich.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Das Florida-Waldkaninchen erreicht eine Körperlänge von 39 bis 47 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 3 bis 5 Zentimeter, eine Ohrlänge von 5,5 bis 6,5 Zentimeter, eine Hinterfußlänge von 9 bis 10,5 Zentimeter sowie ein Gewicht von 800 bis 1.500 Gramm. Männchen bleiben ein wenig kleiner und leichter als Weibchen. Das überwiegend bräunlich bis graubraun gefärbte Fell weist eine dichte Unterwolle auf. Die Unterwolle wird mit gröberen Schutzhaaren bedeckt. Einzelne Spitzen der Schutzhaare sind schwärzlich gefärbt. Im Nacken kann ein leicht rötlicher Schimmer im Fell vorhanden sein. Die Flanken und das Hinterteil sind etwas heller gefärbt, hier dominiert ein helles Graubraun. Ventral zeigt sich eine weißliche bis leicht cremefarbene oder gräuliche Färbung. Eine ähnliche Färbung weist die Unterseite des Schwanzes auf. Innerhalb einer Saison kommt es zweimal zu einem Fellwechsel. Der erste Fellwechsel wird im Frühjahr (April bis Mai) durchgeführt, der zweite Fellwechsel erfolgt im Spätherbst, meist im Oktober oder Anfang November. Das Sommerfell ist insgesamt kürzer und dunkler gefärbt. Das Weibchen verfügt über acht Milchdrüsen, die in vier Paaren angeordnet sind.

Lebensweise

Florida-Waldkaninchen leben hauptsächlich einzelgängerisch und legen kein soziales Verhalten an den Tag. Die Geschlechter treffen nur während der Paarungszeit aufeinander. Die Hauptaktivität entfällt auf die Dämmerung und die Nacht. Die Ruhephasen verbringen die Tiere in flachen Sassen an geschützter Stelle, in unterirdischen, von anderen Tieren verlassenen Bauten, in ausgehöhlten Baumstämmen, geduckt im Dickicht oder an ähnlich geschützten Orten - das Florida-Waldkaninchen ist da nicht wählerisch. An diesen oder ähnlichen Orten bringen die Weibchen auch ihren Nachwuchs zur Welt. Das Florida-Waldkaninchen ist territorial, vor allem die Männchen verhalten sich untereinander recht aggressiv. Während der Paarungszeit kommt es meist zu Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Männchen. Auch bei den Florida-Waldkaninchen gilt: der Stärkere gewinnt und hat das Recht auf Paarung mit einem oder mehreren Weibchen. Die Größe der Reviere richtet sich nach dem Verbreitungsgebiet und dem Nahrungsangebot und weisen zumeist eine Größe von ein bis zwei Hektar auf. Während der Paarungszeit sind die Reviere für gewöhnlich etwas größer. Neben der Tarnung durch das unauffällig gefärbte Fell verlässt sich das Florida-Waldkaninchen auf seine hohe Geschwindigkeit. Es ist auf der Flucht vor Fleischfressern in der Lage extreme Haken zu schlagen. Die Tiere gelten auch als ausgesprochen gute Schwimmer. Nicht selten flüchten sie vor Fleischfressern ins Wasser. Alle Sinne des Florida-Waldkaninchens sind hoch entwickelt, dies gilt sowohl für den Geruchssinn als auch für das Gehör und den Sehsinn.

Unterarten

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Verbreitung

Das natürliche Verbreitungsgebiet der Florida-Waldkaninchen erstreckt sich über weite Teile der USA, über Mexiko und Mittelamerika sowie über das nördliche Südamerika. In den USA werden lediglich die nordwestlichen Bundesstaaten und die Westküste nicht besiedelt. Aus der Gattung der Baumwollschwanzkaninchen (Sylvilagus) weist das Florida-Waldkaninchen das größte Verbreitungsgebiet auf. Die Verbreitungsgebiete der einzelnen Unterarten sind der obigen Tabelle zu entnehmen. Beliebte Lebensräume sind weitflächige Sumpfgebiete, Auenwälder, Überschwemmungsgebiete und ähnlich feuchte Habitate in gemäßigten und subtropischen bis tropischen Regionen. Aber auch Ränder von lichten Laub- oder Mischwäldern werden gerne besiedelt. In Höhenlagen ist das Florida-Waldkaninchen nicht anzutreffen, es lebt ausschließlich im Tiefland. In der Nähe des Menschen sind die Tiere auch auf landwirtschaftlichen Flächen sowie in größeren Gärten und Parks anzutreffen.

Prädatoren

Florida-Waldkaninchen stehen auf der Speisekarte einer Reihe von Raubtieren und räuberisch lebenden Vögeln. In der Vogelwelt stellen den Florida-Waldkaninchen vor allem Greifvögel (Falconiformes) und Eulen (Strigiformes) nach. Dazu gehören beispielsweise Rotschwanzbussarde (Buteo jamaicensis), Rotschulterbussarde (Buteo lineatus), Raufußbussarde (Buteo lagopus), Rundschwanzsperber (Accipiter cooperii), Habichte (Accipiter gentilis), Steinadler (Aquila chrysaetos), Kornweihen (Circus cyaneus) und die Amerikanerkrähe (Corvus brachyrhynchos). Unter den Säugetieren haben es insbesondere Nordamerikanische Waschbären (Procyon lotor), Nordamerikanische Katzenfrette (Bassariscus astutus), Fichtenmarder (Martes americana), Fischermarder (Martes pennanti), Wiesel (Mustela), Graufüchse (Urocyon cinereoargenteus), Kojoten (Canis latrans) und Rotluchse (Lynx rufus) auf Florida-Waldkaninchen abgesehen. Wie alle Hasen und Kaninchen, so verlassen sich auch Florida-Waldkaninchen zum einen auf ihre sehr gute Tarnung im Gelände als auch auf ihre hohe Fluchtgeschwindigkeit, die mit abrupten Richtungswechseln (Haken schlagen) einhergeht. Bei Gefahr bleiben Florida-Waldkaninchen zunächst regungslos in ihrer Deckung liegen, erst im letzten Moment ergreifen sie die Flucht.

Ernährung

Florida-Waldkaninchen ernähren sich als Herbivoren rein pflanzlich. Im wesentlichen ernähren sie sich von Sumpfpflanzen, Gräsern und Kräutern. Aber auch Knospen, Blätter, Rinde und zarte Wurzeln stehen durchaus auf der Speisekarte. In der Nähe landwirtschaftlicher Flächen fressen sie auch Salate, Kohl, Getreide und ähnliches. Je nach Verbreitungsgebiet und Jahreszeit kann die Zusammensetzung der täglichen Nahrung höchst unterschiedlich ausfallen. Eine kleine Auswahl ihrer bevorzugten Futterpflanzen: Äpfel (Malus), Allegheny-Brombeere (Rubus allegheniensis), Hirschhorn-Sumach (Rhus typhina), Wiesen-Rispengras (Poa pratensis), Zusammengedrücktes Rispengras (Poa compressa), Rotahorn (Acer rubrum), Lieschgräser (Phleum), Kriechende Quecke (Elymus repens), Gewöhnliches Knäuelgras (Dactylis glomerata), Wiesen-Klee (Trifolium pratense), Möhre (Daucus carota), Gewöhnlicher Löwenzahn (Taraxacum officinale), Lattich (Lactuca), Ambrosien (Ambrosia), Wegeriche (Plantago), und Krauser Ampfer (Rumex crispus). Wie bei allen Kaninchen wird die Nahrung mit den scharfen Schneidezähnen geschnitten und mit den Backenzähnen zermahlen. Flüssigkeit nehmen Florida-Waldkaninchen selten zu sich, sie decken ihren Flüssigkeitshaushalt fast ausschließlich über ihre Nahrung. Ihr Verdauungssystem basiert nicht auf Säure. In Magen und Darm sorgen Bakterien für die Zersetzung der Nahrung. Zudem verfügen Florida-Waldkaninchen über einen sehr langen Blinddarm.

Fortpflanzung

Das Florida-Waldkaninchen erreicht die Geschlechtsreife mit bereits zwei bis drei Monaten. Je nach Verbreitungsgebiet kann sich die Paarungszeit über das ganze Jahr erstrecken. In nördlichen Verbreitungsgebieten erstreckt sich die Paarungszeit lediglich über die Monate Februar bis März oder April. In den südlichen Verbreitungsgebieten erstreckt sich die Paarungszeit bis in den Oktober, stellenweise auch über das ganze Jahr. Dabei kommt es in der Regel zu zwei, selten bis zu drei Würfen in einer Saison. Während der Paarungszeit kommt es meist zwischen rivalisierenden Männchen zu Kommentkämpfen um das Paarungsrecht mit den Weibchen. Florida-Waldkaninchen leben polygam, ein Männchen paart sich in der Regel mit mehreren Weibchen. Mit der Aufzucht des Nachwuchses hat ein Männchen nichts zu tun.

Die Geburt findet in einem Erdloch, Erdbau (verlassene Bauten anderer Tiere), in hohlen Baumstämmen oder an ähnlich geschützter Stelle statt. Der Geburtskessel wird vom Weibchen spärlich mit weichen Materialen wie Haaren ausgepolstert. Hier bringt sie nach einer Tragezeit von gut 28 bis 31 Tagen bis zu zehn, selten auch bis zwölf Jungtiere zur Welt. Ein durchschnittlicher Wurf besteht dabei aus meist fünf bis sieben Jungen. Die Jungtiere sind bei der Geburt noch nackt und blind. Ihr Geburtsgewicht beträgt zwischen 25 und 30 Gramm. Aufgrund der nährstoffreichen Milch wachsen die Jungtiere sehr schnell heran. Die Mutter lässt die Jungen überwiegend alleine und besucht das Nest nur zum Säugen ihres Nachwuchses. Die Säugezeit erstreckt sich für gewöhnlich über drei Wochen, danach sind sie auch bereits selbständig. Die Sterblichkeit ist vor allem im ersten Lebensjahr extrem hoch. Grund hierfür sind insbesondere die zahlreichen Fleischfresser. Die Lebenserwartung liegt in Freiheit allenfalls bei drei bis vier Jahren - und das auch nur unter günstigen Umständen.

Ökologie

In manchen Jahren entwickeln sich Florida-Waldkaninchen zu einer wahren Plage. Mit dazu beigetragen hat in vielen Regionen ihrer Verbreitungsgebiete das Fehlen von Raubtieren, auf deren Speisekarte sie stehen. Auf der anderen Seite weisen Florida-Waldkaninchen eine frühe Geschlechtsreife und eine hohe Reproduktionsrate auf. Bei massenhaftem Auftreten können die Tiere in der Nähe des Menschen, vor allen auf landwirtschaftlichen Flächen, in Gärten und im Obstanbau große Schäden anrichten. Insbesondere Getreidefelder werden von den Florida-Waldkaninchen gerne heimgesucht. In manchen Regionen erkranken Florida-Waldkaninchen nicht selten an Krankheiten wie der Tularämie. Tularämie ist eine für Nagetiere im allgemeinen ansteckende Erkrankung, die durch das Bakterium Francisella tularensis ausgelöst wird und zumeist tödlich endet. Die Krankheit kann bei Kontakt mit einem Kaninchen oder einem Kadaver auch für den Menschen gefährlich sein. Florida-Waldkaninchen sind in allen Verbreitungsgebieten häufig anzutreffen und nicht gefährdet. In der Roten Liste der IUCN wird die Art als nicht gefährdet (LC, Least concern) geführt.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: Familie der Hasen (Leporidae)

Literatur und Quellen

Links

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