Forelle

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Forelle

Systematik
Klasse: Strahlenflosser (Actinopterygii)
Unterklasse: Neuflosser (Neopterygii)
Zwischenklasse: Echte Knochenfische (Teleostei)
Überordnung: Vorstachelflosser (Protacanthopterygii)
Ordnung: Lachsartige (Salmoniformes)
Familie: Lachsfische (Salmonidae)
Unterfamilie: Großmaul-Salmoniden (Salmoninae)
Gattung: Lachse und Forellen (Salmo)
Art: Forelle
Wissenschaftlicher Name
Salmo trutta
Linnaeus, 1758

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Forelle (Salmo trutta) zählt innerhalb der Familie der Lachsfische (Salmonidae) zur Gattung der Lachse und Forellen (Salmo). Im Englischen wird die Forelle brown trout genannt. Die Forelle ist mit ihrem großen Formenkreis, insgesamt 20 Formen respektive Unterarten, in ganz Europa vertreten. Heute unterscheidet man drei Stammortsformen der Forelle. Die Meerforelle (Salmo trutta trutta), ein anadromer Wanderfisch, kommt vom Weißen Meer bis Nordspanien vor. Die Seeforelle (Salmo trutta lacustris), ebenfalls eine Wanderform und die Bachforelle (Salmo trutta fario), die ein stationäre Zwergform darstellt.

Der Verband der Deutschen Sportfischer (VDSF), Sitz in Offenbach, und das Österreichische Kuratorium für Fischerei und Gewässerschutz (ÖKF) sowie das Bundesamt für Naturschutz (BfN) und der Verband Deutscher Sporttaucher (VDST) wählten die Forelle zum Fisch des Jahres 2013.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Größe der Forelle hängt stark mit dem Lebensmilieu zusammen. Die Forelle erreicht eine Körperlänge von etwa 15 bis 50 Zentimeter, maximal auch bis 70 Zentimeter, selten über 80 bis 100 Zentimeter. Das Gewicht beträgt in der Regel 10 bis 15 Kilogramm, Anglerrekord 16 Kilogramm. Eine Ausnahme bildet die Kaspische Forelle (Salmo trutta caspius) mit einer Körperlänge von etwa 140 Zentimeter und einem Gewicht von etwa 50 Kilogramm. Der Körper der Forelle ist mehr oder weniger hochrückig und seitlich etwas abgeflacht. Die Forelle unterscheidet sich vom Silberlachs (Oncorhynchus kisutch) durch die etwas plumpere Körperform und den höheren Schwanzstiel. Der Hinterrand der Schwanzflosse ist kaum ausgebuchtet, fast gerade. Zwischen der Rückenflosse und der Schwanzflosse befindet sich die Fettflosse. Des Weiteren finden sich entlang der Seitenlinie etwa 110 bis 120 kleine Schuppen und 14 bis 19 (meist 16) kleine Schuppen zwischen Fettflosse und Seitenlinie einschließlich der Seitenlinienschuppen. Der Kopf der Forelle ist ziemlich stumpfschnauzig und weist eine weite Mundspalte auf, die bis hinter die Augen reicht. Die zwei bis fünf oberen und unteren Reusendornen des ersten Kiemenbogens sind knopfförmig und die mittleren sind stabförmig ausgebildet. Die Bezahnung des Pflugscharbeines besteht aus einer Platte mit zwei bis sechs Zähnen und einem Stiel mit neun bis achtzehn Zähnen, meist in doppelter Reihe. Der Hinterrand der Schwanzflosse bei den Jungfischen ist eingebuchtet, im Alter ist der Hinterrand fast gerade. Die Färbung ist je nach Standort stark wechselnd, meist grünlich bis bräunlich. Ferner zeigen sich dunkle sowie längs und unterhalb der Seitenlinie rote, hell umrandete Flecken auf den Flanken. Die Fettflosse weist eine helle Färbung sowie einen dunklen Rand auf und ist am Ende für gewöhnlich mit roten Tupfen versehen. Die noch nicht erwachsenen Fische haben an den Seiten große und ausgeprägte blaugraue Flecken, die bei den noch größeren Fischen wieder verschwinden. Des Weiteren weisen die Jungfische sechs bis neun dunkle Querbinden auf. Der Bauch der adulten Forelle ist meist gelbweiß bis gelb gezeichnet. Das Weibchen der Forelle hat einen kürzeren Kopf als das Männchen und der Unterkiefer des Weibchens ist nicht gekrümmt. Die Flossen setzen sich wie folgt zusammen: Dorsale Stacheln (gesamt): 3 - 4; dorsale Weichstrahlen (total): 10 - 15; Afterstacheln: 3 - 4; anale Weichstrahlen: 9 - 14; Bauchflossen mit 57 - 59 Weichstrahlen. Die Lebenserwartung der Forelle kann bis zu 20 Jahre betragen.

Lebensweise

Die Forelle ist in ihrer Lebensweise dem Lachs sehr ähnlich, unternimmt aber im Meer keine so weite Wanderungen. Sie bildet im Süßwasser ebenfalls Formen aus, die nicht ins Meer abwandern. Wie bereits erwähnt treten Forellen in den verschiedensten Formen auf, die manchmal als Unterarten beschrieben werden. Die Bachforelle lebt im Süßwasser, ist kräftig gefärbt und meist ziemlich klein. Ihre Größe hängt vom Nahrungsangebot und der Größe des Flusses oder Sees ab. Große Forellen, die in Seen und größeren Flüssen leben, sowie die Meerforellen des Nordens, sind silbrig mit kräftigen Tupfen bedeckt. Je nach Verbreitungsgebiet findet die Laichzeit der Arten entweder von September bis Oktober oder von Dezember bis März im Süßwasser statt. Die Eier werden in eine flache Laichgrube gelegt, die das Weibchen im kiesigen Flussgrund anlegt. Die Brut schlüpft innerhalb von sechs bis acht Wochen und lebt weitere vier bis sechs Wochen lang im Kies, bevor sie anfängt, kleine Krebstiere zu fressen. Später ernähren sich die Jungfische auch von Insektenlarven und von Geflügelten Insekten von der Wasseroberfläche, während die großen Seeforellen wie die Meerforellen Fische fressen.

Unterarten

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Verbreitung

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Forelle

Die Forelle kommt von Spanien über ganz Europa bis zum Ural in kühlen, sauerstoffreichen, fließenden und stehenden Gewässern mit Kiesgrund und Geröllgrund vor. Ferner bewohnt die Forelle die Gebirgs- und Vorgebirgsgewässer Europas. Die Forellen aus den in die Nordsee und in die Ostsee mündenden Flüssen gehören zu einer anderen Unterart als die Forellen aus den ins Schwarze Meer mündenden Flüssen. Die Wanderformen findet man an den europäischen Küsten von Spanien bis hoch in den Norden. Die Forelle wurde auch in vielen anderen Teilen der Erde eingeführt respektive ausgesetzt, so zum Beispiel in Nordamerika, im Süden Indiens oder in Australien, wo sich die Art in einigen Regionen gut eingelebt hat.

Ernährung

In erster Linie ernährt sich die Forelle von Kleintieren aller Art, auch Geflügelte Insekten gehören zum Nahrungsspektrum. Die wichtigsten Insekten (Insecta) und deren Larven variieren je nach Jahreszeit, aber der größte Teil der Insekten (Insecta) sind entweder Eintagsfliegen (Ephemeroptera) oder Mücken (Nematocera).

Im Alter besteht die Nahrung aus großen aquatischen Insekten (Insecta) wie Hexagenia limbata und Ephemera simulans, Eintagsfliegen (Ephemeroptera) sowie größere Arten wie Kaulquappen, kleine Fische (Pisces), Krebstiere (Crustacea), Schnecken (Gastropoda) und Lurche (Amphibia). Auch die Gewohnheiten der Nahrungsaufnahme finden in erster Linie in der Nacht statt. Die Forelle spürt die Beute unmittelbar in ihrer Umgebung auf. Im Gegensatz zu den jungen Forellen, die auf ihre Beute lauern, jagen die ausgewachsenen Forellen aktiv das Beutetier.

Fortpflanzung

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Forelle

Die Geschlechtsreife der Forelle wird nach etwa drei bis fünf Jahren erreicht. Ein Teil der Männchen wird schon im vierten Jahr geschlechtsreif, die Weibchen im vierten oder im fünften Jahr. Je nach Verbreitungsgebiet findet die Laichzeit entweder von September bis Oktober oder von Dezember bis März im Süßwasser statt. Die Forelle laicht in kleinen Flüssen und Bächen. Die durchschnittlich etwa 1.000 bis 1.500 Eier werden in einer Laichgrube abgelegt, die das Weibchen im Kies aushebt. Die Entwicklungsdauer der Eier beträgt um die 410 Tagesgrade. Die meisten Elterntiere überleben und laichen wiederum im nächsten Jahr. Anschließend bleiben sie mindest ein Jahr im Laichgewässer, um dann in einen größeren Fluss oder See (oder im Falle von anadromen Wanderformen ins Meer) zu ziehen. Im Allgemeinen halten sich die Jungfische ein bis fünf Jahre im Süßwasser auf, am längsten in Nordeuropa, und wandern dann mit einer Länge von 15 bis 25 Zentimeter ins Meer ab, wo sie 1/2 bis 5 Jahre lang in Küstennähe umherstreifen. Während ihres Laichaufsteigs in die Flüsse im Juli bis November legen sie sich, ähnlich wie die Lachse, ein prächtiges Hochzeitskleid zu. Die Eiablage erfolgt später als beim Lachs, im Dezember bis März, und meist weiter flussaufwärts. Die Jungfische sind wie die Lachsbrut durch dunkle Querbinden gekennzeichnet, die jedoch weniger deutlich hervortreten und mit vielen roten, hellgesäumten Tupfen durchsetzt sind. Ihre Fettflosse ist rot umrandet. Die älteren Tiere (Grundforellen) halten sich meist in größeren Tiefen auf, während die jüngeren (Schwebforellen) in den oberen Wasserschichten anzutreffen sind.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

"tischfertige" Forelle
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"tischfertige" Forelle

In vielen Regionen ist die Forelle ein begehrter Nutzfisch und für Sportfischer wohl die wichtigste Art in ganz Europa. Die wirtschaftliche Bedeutung der Forelle für die Binnenfischerei ist beträchtlich. Sie zählt zu den häufigsten und bei den Sportfischern beliebtesten Fischen der Gebirgs- und Vorgebirgsgewässer. Schon vor mehreren hundert Jahren wurden Versuche mit künstlichem Laichen der Forellen unternommen. Heute sind die künstlichen Brutanstalten in vielen Ländern Europas die einzige Gewähr dafür, dass diese Art in den Gebirgsbächen erhalten bleibt. An manchen Orten wird die Forelle in kühlere Teiche ausgesetzt, erfolgreich war auch die Besetzung mancher Karpfen-Durchflussteiche mit Forellen. In den Teichen werden sie mit Netzen abgefischt.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Fische 1. Vierter Band. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2
  • Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Fische 2, Lurche. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2
  • Kurt Deckert: Urania-Tierreich - Fische, Lurche, Kriechtiere. Urania-Verlag Leipzig - Jena - Berlin 1991. ISBN 3-332-00376-3
  • Bent J. Muus: Süßwasserfische Europas. BLV Verlagsgesellschaft mbH. München Wien Zürich, 1990 ISBN 3-405-11867-0
  • Jiri Cihar: Süßwasserfische. Aventinum nakladatelstvi s.r.o., Praha, 1990 ISBN 3-8112-1287-7
  • Fritz Terofal: Süßwasserfische in europäischen Gewässern. Mosaik Verlag GmbH München, 1984 ISBN 01274-0
  • Alwyne Wheeler: Süßwasserfische". Delphin Verlag GmbH, München und Zürich, 1983 ISBN 3-7735-2418-8
  • Peter S. Maitland, Keith Linsell: Süßwasserfische. Alle Arten Europas gezeichnet". Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. Kg, Stuttgart, 2007 ISBN 978-3-440-10962-5

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