Franklin-Ziesel

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Franklin-Ziesel

Systematik
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Hörnchenverwandte (Sciuromorpha)
Teilordnung: Sciurida
Überfamilie: Hörnchenartige (Sciuroidea)
Familie: Hörnchen (Sciuridae)
Unterfamilie: Erd- und Baumhörnchen (Sciurinae)
Tribus: Echte Erdhörnchen (Marmotini)
Untertribus: Ziesel und Präriehunde (Spermophilina)
Gattung: Ziesel (Spermophilus)
Art: Franklin-Ziesel
Wissenschaftlicher Name
Spermophilus franklinii
Sabine, 1822

IUCN-Status
Vulnerable (VU) - IUCN

Der Franklin-Ziesel (Spermophilus franklinii) zählt innerhalb der Familie der Hörnchen (Sciuridae) zur Gattung der Ziesel (Spermophilus). Im Englischen wird dieser Ziesel Franklin's ground squirrel genannt. Die Art ist monotypisch, es existieren keine Unterarten.

Der wissenschaftliche Name wurde zu Ehren des Britischen Offiziers John Franklin vergeben, der im Rahmen einer Arktisexpedition von 1818 bis 1826 fündierte Informationen über die Flora und Fauna der Arktis sammelte. Die frühesten fossilen Funde stammen aus dem Mittleren Pleistozän. Sie weisen je nach Fundort ein Alter von bis zu 0,5 bis 0,7 Millionen Jahren auf und stammen als Oklahoma.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Franklin-Ziesel ist recht groß und ausgesprochen schlank gebaut. Er erreicht je nach Geschlecht eine Gesamtlänge von 35 bis 41 Zentimeter, eine Hinterfußlänge von 5,3 bis 5,8 Zentimeter, eine Ohrlänge von 0,8 bis 1,6 Zentimeter sowie ein Gewicht von 340 bis 950 Gramm. In der Gesamtlänge ist eine Schwanzlänge von 11,3 bis 15,3 Zentimeter enthalten. Weibchen bleiben ein wenig kleiner und leichter als Männchen. Das Gewicht schwankt nicht nur je nach Geschlecht, sondern auch je nach Saison. Unmittelbar nach Erwachen aus dem Winterschlaf weisen die Tiere das niedrigste Gewicht auf. Dementsprechend wird das höchste Gewicht unmittelbar vor der Winterruhe erreicht. Das dichte Fell weist eine überwiegend graubraune Färbung auf, wobei im Kopfbereich eine gräuliche Färbung dominiert. Lateral wird das Fell deutlich heller, ventral zeigt sich eine fast weißliche Färbung. Die kleinen Ohren sind leicht oval, von stehender Form und sitzen auf Höhe der Augen weit hinten am Kopf. Die Außen- wie Innenseiten der Ohren sind spärlich mit Fell versehen. Der kurze Schwanz ist mit Fell besetzt und gräulich gefärbt, jedoch keineswegs buschig. Im Bereich der Schnauzenspitze zeigen sich lange Tasthaare, die sogenannten Vibrissen, die der Orientierung dienen.
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Die Extremitäten sind gut entwickelt. Mit den Vorderfüßen kann der Franklin-Ziesel Nahrung greifen und zum Maul führen. Im Analbereich verfügen die Tiere über Drüsen mit drei Austrittsöffnungen, die zum Markieren und der chemischen Kommunikation untereinander dienen. Das Gebiss besteht aus 22 Zähnen, die zahnmedizinische Formal lautet 1/1, 0/0, 2/1, 3/3. <1>

Lebensweise

Franklin-Ziesel leben im Grunde genommen einzelgängerisch. Nur die Weibchen kann man in Gruppen beobachten. Diese Gruppen bestehen aus der Mutter und ihrem Nachwuchs. Die Tiere sind tagaktiv, haben ihre aktivste Zeit jedoch in den frühen Morgen- und späten Nachmittagsstunden. Während der kalten Jahreszeit halten Franklin-Ziesel eine Winterruhe, die sich je nach Verbreitungsgebiet über sieben bis acht Monate erstrecken kann. Daraus ergibt sich eine Aktivitätsphase von vier bis fünf Monaten, die sich vom späten Frühjahr bis in den Sommer erstreckt. Während der Winterruhe leben Franklin-Ziesel von ihren Fettreserven, die sie sich im Sommer angefressen haben. Als Ruheplätze dienen die Nester tief unten in den Bauten der Tiere. Die Erdbauten sind durchaus komplexe Bauten, deren Gänge eine Gesamtlänge von fünf bis über zehn Metern aufweisen können. Die Gänge haben zumeist einen Durchmesser von gut acht Zentimeter. Die Wohnkammern, die einen Durchmesser von 20 bis 30 Zentimeter aufweisen, liegen in Tiefen von 50 bis 210 Zentimetern. Ein Bau verfügt über mehrere Ein- und Ausgänge, meist sind es zwischen zwei bis drei Öffnungen. Kurz nach Beendigung der Winterruhe stecken die Männchen ein Revier ab und warten auf die ersten Weibchen. Die Weibchen erwachen meist ein bis zwei Wochen nach den Männchen. Ein Revier kann durchaus einen Durchmesser von etwa 100 Meter aufweisen. Die Reviere der Männchen erstrecken sich über die Bauten mehrerer Weibchen. <2> Unmittelbar nach der Paarung verscheucht ein Weibchen das Männchen und legt ab diesem Zeitpunkt ein territoriales Verhalten an den Tag. Franklin-Ziesel können sowohl gut klettern als auch gut schwimmen. Sie halten sich jedoch überwiegend auf dem Boden auf. Feldforschungen haben ergeben, dass die Tiere von ihrer aktiven Zeit etwa 10 Prozent oberirrdisch leben. Die restliche Zeit verbringen sie in ihren Bauten.

Verbreitung

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Franklin-Ziesel kommen ausschließlich in Nordamerika vor. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich über Teile Kanadas und über die zentralen US-Bundesstaaten. In Kanada sind Franklin-Ziesel im zentralen und östlichen Alberta, im zentralen und südlichen Saskatchewan sowie im südwestlichen Manitoba anzutreffen. In den USA sind die Tiere in den Bundesstaaten North Dakota, South Dakota, Minnesota, Nebraska, im nördlichen Kansas, in Iowa, im nördlichen Missouri, in Wisconsin und Illinois sowie im nordwestlichen Indiana. Die offene Prärie, Grasland und Waldränder gehören zu den natürlichen Lebensräumen. <3> Wälder, selbst lichte Wälder werden strikt gemieden. An die Erdoberfläche kommen Franklin-Ziesel nur während der Nahrungssuche, ansonsten halten sich die Tiere überwiegend in ihren schützenden Erdbauten auf.

Prädatoren

Zu den natürlichen Fleischfressern der Franklin-Ziesel gehören insbesondere Silberdachse (Taxidea taxus), Kojoten (Canis latrans), Langschwanzwiesel (Mustela frenata), Amerikanische Nerze (Mustela vison), Hermeline (Mustela erminea), Rotfüchse (Vulpes vulpes), Streifenskunks (Mephitis mephitis) sowie Greifvögel (Falconiformes) und Eulen (Strigiformes). <4> Bei Gefahr flüchten die Ziesel augenblicklich in ihre schützenden Erdbauten. Mit schrillen Ausrufen warnen sich die Tiere gegenseitig. Eine andere Verteidigung haben sie den Fleischfressern nichts entgegenzusetzen. Nicht minder gefährlich sind die kleinen Plagegeister wie Fleischfliegen (Sarcophagidae), die ihre Eier in das Fell der Ziesel legen. Auch Zecken (Ixodida) sind im Fell oft vertreten.

Ernährung

Beliebte Beute: die Eier der Schnatterente (Anas strepera)
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Beliebte Beute: die Eier der Schnatterente (Anas strepera)

Franklin-Ziesel sind keine reinen Pflanzenfresser, zu einem kleinen Teil fressen sie auch Insekten (Insecta), deren Larven und anderes Kleingetier wie Amphibien (Amphibia) sowie Vogeleier und ähnliches. Vor allem im Frühjahr steht ausschließlich Pflanzliches auf ihrem Speiseplan. Hauptbestandteil der Nahrung ist mit rund 75 Prozent jedoch pflanzliche Kost. Dazu gehören Sämereien, Früchte und Beeren, Nüsse, Körner aller Art sowie Gräser und Kräuter. Weit oben auf der Speisekarte stehen beispielsweise Löwenzahn (Taraxacum), Gänsedisteln (Sonchus), Brennnesseln (Urtica), Weiß-Klee (Trifolium repens), Holunder (Sambucus), Platterbsen (Lathyrus) sowie verschiedene Süßgräser (Poaceae). An tierischer Kost stehen vor allem Enteneier auf der Speisekarte. Dazu gehören beispielsweise die Gelege von Blauflügelenten (Anas discors), Schnatterenten (Anas strepera), Veilchenenten (Aythya affinis), Spießenten (Anas acuta) oder Rotkopfenten (Aythya americana). <5>

Fortpflanzung

Franklin-Ziesel erreichen die Geschlechtsreife im Alter von etwa 11 Monaten, also nach Beendigung der ersten Überwinterung. Weibchen sind etwa drei bis fünf Tage nach Beendigung der Winterruhe empfängnisbereit. Die Paarungszeit beginnt in den meisten Verbreitungsgebieten Mitte bis Ende Mai, in den kanadischen Regionen jedoch erst Mitte im Juni. Während einer Saison kommt es in allen Verbreitungsgebieten nur zu einem Wurf. Die Geschlechter leben in einer polygamen Beziehung. Mit der Aufzucht des Nachwuchses hat ein Männchen also nichts zu tun. Unter den geschlechtsreifen Männchen kommt es nicht selten zu heftigen Kämpfen und das Paarungsrecht mit einem Weibchen. Die Kommentkämpfe enden in der Regel glimpflich. Der Nachwuchs kommt nach einer Tragezeit von 27 bis 28 Tagen im Nest der Mutter zur Welt. Es werden zumeist zwischen fünf und elf, meist jedoch nur sieben bis acht Jungtiere geboren. Bei Weibchen, die zum ersten Mal Nachwuchs zur Welt bringen, liegt ein Wurf deutlich niedriger. Die Jungtiere sind bei der Geburt nackt und blind. Sie wachsen aufgrund der fettreichen Muttermilch jedoch schnell heran. Das erste Fell stellt sich nach gut neun Tagen ein, die Ohren öffnen sich ab dem 16. Tag, die Augen öffnen sich einige Tage nach den Ohren, meist im Alter von etwa 20 Tagen. Im Alter von gut vier Wochen hat sich das Fell vollständig entwickelt. Die Säugezeit erstreckt sich über vier bis fünf Wochen. Die Jungtiere verlassen den Erdbau erstmals nach 30 bis 40 Tagen. Die Lebenserwartung liegt bei vier bis fünf Jahren. Weibchen erreichen in aller Regel ein höheres Alter als Männchen.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Franklin-Ziesel gelten heute als gefährdet. Von daher ist es nicht verwunderlich, dass die Art in der Roten Liste der IUCN als solche geführt wird (vulnerable, VU). <6> Hauptursache für die Gefährdung dieser Zieselart ist ohne Frage die Vernichtung der natürlichen Lebensräume in weiten Teilen der Verbreitungsgebiete. Lokal stehen sie bereits kurz vor der Ausrottung. Nicht selten stellt auch der Mensch den Tieren nach, da der Franklin-Ziesel als Schädling angesehen wird. Er frisst auf landwirtschaftlichen Flächen Sämereien und Körner oder im Gemüseanbau auch diverses grünes Gemüse wie Salate und ähnliches. In der freien Natur gelten die Franklin-Ziesel jedoch als hervorragende Samenverbreiter und bilden somit einen wichtigen Teil eines intakten Ökosystems. Zudem fressen sie eine nicht unerhebliche Menge an Schadinsekten.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

Links

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