Gämse

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Gämse

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Familie: Hornträger (Bovidae)
Unterfamilie: Ziegenartige (Caprinae)
Gattung: Gämsen (Rupicapra)
Art: Gämse
Wissenschaftlicher Name
Rupicapra rupicapra
(Linnaeus, 1758)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Gämse (Rupicapra rupicapra), auch unter den Bezeichnungen Gemse, Gams und Gamswild bekannt, zählt innerhalb der Familie der Hornträger (Bovidae) zur Gattung der Gämsen (Rupicapra). Im Englischen wird die Gämse chamois genannt. Die Gämse wurde von der Schutzgemeinschaft Deutsches Wild (SDWi) in Kooperation mit dem NABU zum Wildtier des Jahres 2012 gewählt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Gämse erreicht eine Körperlänge von 100 bis 120 cm, eine Schulterhöhe von 75 bis 86 cm sowie ein Gewicht von 25 bis 40 Kg. Weibchen bleiben etwas leichter und kleiner als Männchen. Die Schwanzlänge beträgt knapp zehn cm. Beide Geschlechter verfügen über Hörner, wobei die Hörner des Männchen an der Spitze stärker gebogen sind. Die Hörner erreichen eine Länge von 30 cm und werden nicht abgestoßen. Sie verlaufen dreiviertel der Länge gerade und krümmen sich zur Spitze hin nach hinten. Die Krümmung fällt beim Männchen stärker aus. Die Hörner bestehen aus einer Hornsubstanz und sind in einem Knochenzapfen verankert. An der Basis können die Hörner einen Umfang von zehn cm erreichen. Das Fell der Gämsen ist im Sommer rotbraun gefärbt. Die Unterseite ist deutlich heller. Der Rücken weist einen dunklen Aalstrich auf, der sich bis zum Schwanz fortsetzt. Der Kehlbereich und der Nacken sind weißlich bis gelblichbraun gefärbt. Auch der Nasenrücken weist eine gräuliche Färbung auf. Das Winterfell ist deutlich dunkler und reicht von dunkelbraun bis fast schwarzbraun. Der Körperbau ist insgesamt gedrungen und kräftig. Der Hals ist relativ lang und wirkt schlank. Die langen Ohren sind spitz zulaufend. Die Beine sind mittellang und enden in kräftigen Hufen, mit denen sie optimalen Halt auf steinigem Untergrund haben. Die Tiere sind tagaktiv. Weibchen und Jungtiere leben in Gruppen mit zum Teil bis zu 30 Tieren. Männchen leben einzelgängerisch und suchen die Nähe zu den Geißengruppen nur während der Paarungszeit. Die Reviere markieren die Böcke mit einem Sekret aus Drüsen, die hinter den Hörnern liegen (sogenannte Brunftfeigen).

Lebensweise

Gämse
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Gämse

Gämsen sind ausgesprochen gute Kletterer, die sich selbst in steilen Gelände sicher bewegen können. Ihre Lunge ist deutlich größer als bei Ziegen anderer Gattungen in ähnlicher Größe. Auch die Sinne sind allesamt sehr gut entwickelt. Zu den Hauptfeinden gehören neben dem Luchs auch Wölfe, Bären und große Greifvögel. In schneereichen Wintern fallen die Tiere oft unkontrolliert abgehenden Lawinen zum Opfer.

Unterarten

Verbreitung

Gämse
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Gämse

Gämsen sind in Europa weit verbreitet. Sie kommen mit ihren Unterarten vor allem in den Alpen, Karparten, auf dem Balkan, im Kaukasus sowie in Polen und Südfrankreich vor. Sie leben im Hochgebirge am Rande der Waldgrenze. Im Winter auch in mittleren Tallagen. Die Nominalform Rupicapra rupicapra rupicapra weist heute die größten Bestände auf. Die Kaukasusgämse, die Tatra-Gämse sowie Chartreuse-Gämse sind in ihrer Art stark gefährdet.

Ernährung

Gämsen sind hauptsächlich in den frühen Morgenstunden und am Vormittag mit der Nahrungsaufnahme beschäftigt. Auch gegen Abend werden sie wieder aktiv. Sie fressen hauptsächlich Gras, Kräuter, junge Triebe, Rinde sowie Moose und Flechten.

Fortpflanzung

Gämsen erreichen die Geschlechtsreife mit rund zwei bis drei Jahren. Die Brunft erstreckt sich über die Monate Oktober bis Dezember. Nach einer Tragezeit von etwa sechs Monaten bringt das Weibchen ein Jungtier zur Welt. Selten kommt es zu Zwillingsgeburten. Die Jungtiere kommen im Frühjahr oder im Frühsommer zur Welt. Die Säugezeit beträgt zwischen vier und sechs Monaten. Die Tiere können ein Alter von sechszehn bis zwanzig Jahren erreichen. Weibchen erreichen ein höheres Alter.

Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN gehört die Gämse heute noch nicht zu den bedrohten Arten. Sie ist in weiten Teilen des Verbreitungsgebietes häufig anzutreffen. Nur in wenigen Regionen kommt die Gämse selten oder nur spärlich vor. In der Roten Liste der IUCN wird sie als least concern (nicht gefährdet) geführt.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

Links

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