Gabarhabicht

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Gabarhabicht
Adult

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Greifvögel (Falconiformes)
Familie: Habichtartige (Accipitridae)
Unterfamilie: Singhabichte (Melieraxinae)
Gattung: Singhabichte (Melierax)
Art: Gabarhabicht
Wissenschaftlicher Name
Melierax gabar
(Daudin, 1800)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Gabarhabicht (Melierax gabar), auch unter dem Synonym Micronisus gabar bekannt, zählt innerhalb der Familie der Habichtartigen (Accipitridae) zur Gattung der Singhabichte (Melierax). Im Englischen wird der Gabarhabicht gabar goshawk genannt. Es gibt keine bekannten Unterarten, demnach ist die Art monotypisch. Diese Art wird manchmal in der monotypischen Gattung Micronisus gestellt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen, Maße

Der Gabarhabicht ist ein kleiner Greifvogel und erreicht eine Körperlänge von etwa 36 Zentimeter und das Gewicht beträgt etwa 135 Gramm, wobei das Männchen leichter und kleiner ist als das Weibchen. Der Gabarhabicht tritt in zwei sehr unterschiedlichen Farbmorphen auf, die jedoch häufig je nach Verbreitungsgebiet schwanken. Die häufigere Farbmorphe ist blasser und weist ein weitgehend graues Obergefieder auf. Auffallend sind die weiß-grauen Querbinden im Bereich der unteren Brust, an den Oberschenkeln und auf den Flügelunterseiten. Der Bürzel weist eine weiße Tönung auf und der Schwanz zeichnet sich durch eine dunkelgraue Färbung aus. Im Gegensatz dazu ist die fast komplette schwarze Farbmorphe, die ziemlich selten vorkommt. Diese Farbmorphe entfällt im Durchschnitt auf rund 25 Prozent der Gesamtpopulation. Bei beiden Farbmorphen weisen die Erwachsenen eine dunkle Augenfarbe auf. Des Weiteren sind die Beine ziemlich lang und rötlich getönt. Die Wachshaut rund um den Schnabelansatz ist ebenfalls von einer rötlichen Färbung. Bei den Jugendlichen sind die Wachshaut und die Extremitäten gelblich getönt und das Gefieder in der Regel brauner. Auf der Brust zeigen sich bei den Jugendlichen der blassen Farbmorphe weniger Querbinden als bei den Erwachsenen.

Lebensweise

Der Gabarhabicht hält sich südlich der Sahara, mit Ausnahme in den Auwäldern der Demokratischen Republik Kongo und Westafrikas auf, sonst tritt der Gabarhabicht von Senegal bis Äthiopien und nach Süden bis ins südliche Afrika auf. Des Weiteren findet man den Gabarhabicht in Namibia, Botswana Simbabwe, Mosambik, westlich und nördlich von Südafrika sowie in Ostkap und in Westkap. Der Gabarhabicht bevorzugt generell offene Wälder, vor allem trockene Akazienwälder, aber auch Laubwälder, mit Baumsavanne (Miombo), in der die Pflanzengattung (Brachystegia), Myrobalanen (Terminalia) und Mopane (Colophospermum mopane) wachsen. In der trockenen Karoo und in der Namib-Wüste hält sich der Gabarhabicht nur an mit Bäumen gesäumten Gewässern auf. Ferner ist der Gabarhabicht auch in Städten und in Vorstädten zu finden. Zu den natürlichen Prädatoren des Gabarhabicht zählen unter anderem der Wahlbergsadler (Aquila wahlbergi) und der Fleckenadler (Hieraaetus ayresii). Auch wenn der Gabarhabicht ein ortsansässiger Greifvogel ist, so bewegt er sich doch innerhalb des Kruger National Park von März bis Juli.

Verbreitung

Adulter Gabarhabicht
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Adulter Gabarhabicht

Laut der Roten Liste der IUCN ist der Gabarhabicht in folgenden Verbreitungsgebieten heimisch: Angola, Benin, Botswana, Burkina Faso, Burundi, Kamerun, Zentralafrikanische Republik, Tschad, Kongo, Demokratische Republik Kongo, Côte d'Ivoire, Eritrea, Äthiopien, Gabun, Gambia, Ghana, Guinea, Guinea-Bissau, Kenia, Malawi, Mali, Mauretanien, Mosambik, Namibia, Niger, Nigeria, Ruanda, Saudi-Arabien, Senegal, Somalia, Südafrika, Sudan, Swasiland, Vereinigte Republik Tansania, Togo, Uganda, Jemen, Sambia und Simbabwe. Als Durchzügler ist der Gabarhabicht in Ägypten und in Lesotho anzutreffen. Der Gabarhabicht lebt in subtropischen und tropischen trockenen Wäldern, in trockenen Savannen, im subtropischen und im tropischen trockenen Buschland sowie im subtropischen und im tropischen trockenen Grasland. Des Weiteren hält sich der Gabarhabicht in Feuchtgebieten (Inland) wie Flüsse, Bäche und schmale Buchten mit Wasserfällen auf.

Ernährung

Der Gabarhabicht ernährt sich hauptsächlich von Vögel (Aves), die den größten Teil seiner Jagd ausmachen. Er jagt meist von einer Ansitzwarte aus, versteckt in dichter Vegetation. Hat er ein Beutetier erspäht, so verfolgt er das Tier über eine große Entfernung. Der Gabarhabicht ist insbesondere auf Nestlinge spezialisiert. Er plündert die Nester und ergreift die Küken oder auch die Erwachsenen. In seinem Beutespektrum sind folgende Vögel zu finden: Tauben (Columbidae) wie die Palmtaube (Streptopelia senegalensis), Webervögel (Ploceidae) wie der Siedelweber (Philetairus socius), der Dorfweber (Ploceus cucullatus), der Canabis-Weber (Ploceus intermedius) und der Maskenweber (Ploceus velatus), Prachtfinken (Estrildidae), Fasanenartige (Phasianidae), der Schopffrankolin (Francolinus sephaena), Laufhühnchen (Turnicidae), Rackenvögel (Coraciiformes), Sperlinge (Passeridae), Kuckucke (Cuculidae), Bartvögel (Lybiidae), Bülbüls (Pycnonotidae), Stare (Sturnidae) wie der Lappenstar (Creatophora cinerea), Feuerweber (Euplectes), Steinschmätzer (Oenanthe), Cistensänger (Cisticola), Pieper (Anthus), Zwergtaucher (Tachybaptus ruficollis), Steppenlerche (Mirafra africanoides), Rotschnabeltoko (Tockus erythrorhynchus), Brillenwürger (Prionops plumatus), Elsterdrossling (Turdoides bicolor) und der Zwergsperber (Accipiter minullus). In anderen Vogelkolonien oder auf Ruheplätzen jagt der Gabarhabicht Erwachsene, Küken und Nestlinge, darunter zählen unter anderem der Blutschnabelweber (Quelea quelea), der Mahaliweber (Plocepasser mahali), der Büffelweber (Bubalornis niger), der Siedelweber (Philetairus socius), der Lappenstar (Creatophora cinerea) und die Rauchschwalbe (Hirundo rustica). Ferner ernährt sich der Gabarhabicht von Säugetieren (Mammalia) wie Nagetiere (Rodentia), Eichhörnchen (Sciurus), Spitzmäuse (Soricidae) und Fledermäuse (Chiroptera) sowie von Kriechtieren (Reptilia) wie Eidechsen (Lacertidae) und Schlangen (Serpentes) und von Zikaden (Auchenorrhyncha).

Fortpflanzung

Juveniler Gabarhabicht
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Juveniler Gabarhabicht

Der Gabarhabicht führt eine lebenslange Einehe und verteidigt sein Brutrevier vehement gegen Eindringlinge. Beim Balzflug jagen sich die Geschlechter gegenseitig durch die Bäume. Der Horst wird hauptsächlich oder ausschließlich von dem Weibchen in etwa 2 bis 6 Wochen gebaut. Der Horst ist ein schalenförmiges Konstrukt und wird außen mit dünnen Zweigen zusammengehalten und mit Spinnengewebe überzogen. Die Funktion dieser ungewöhnlichen Praxis ist unklar, aber es könnte dies wahrscheinlich zur Tarnung dienen, da Gliederfüßer (Arthropoden) häufig die Küken parasitieren. Innen wird der Horst mit Gras, Erde, Laub, Flechten, Spinnengewebe, Schafwolle, Federn der Kapbeutelmeise (Anthoscopus minutus) sowie mit Lumpen ausgepolstert.

Für den Horstbau werden einheimische Bäume verwendet, dazu zählen unter anderem Akazien (Acacia) wie Süßdornakazien (Acacia nigrescens), Schirmakazie (Acacia tortilis), Kameldorn (Acacia erioloba), Rote Bauhinie (Bauhinia galpinii), Lüderitz-Akazie (Acacia luederitzii), Rotrinden-Akazie (Acacia reficiens), Acacia burkei, Anabaum (Faidherbia albida), Ahnenbaum (Combretum Imberbe), Mopane (Colophospermum mopane), Terminalia sericea, Blutfruchtbaum (Terminalia prunoides), Commiphora pyracanthoides, Brachystegia spiciformis und Sandseringe (Burkea africana). Auch fremdländische Bäume werden für den Horstbau benutzt, so zum Beispiel Kiefern (Pinus), Pappeln (Populus) und der Peruanische Pfefferbaum (Schinus molle).

Die Eiablage findet in den Monaten von Juli bis Dezember statt und der Höhepunkt ist in den Monaten von September bis November. Das Weibchen legt 2 bis 4 blau colorierte Eier, die vor allem von dem Weibchen für etwa 33 bis 38 Tage bebrütet werden. Nach dem Schlupf werden die Küken von dem Weibchen in den ersten 19 bis 21 Tagen gehudert, während das Männchen Nahrung herbeischafft. Die Jugendlichen verlassen das Nest nach etwa 35 bis 36 Tagen und erreichen die völlige Selbständigkeit einen Monat später.

Bedrohung, Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN gehört der Gabarhabicht heute noch nicht zu den bedrohten Vogelarten. Das globale Verbreitungsgebiet der Populationen erstreckt sich annähernd über 20.000 Quadratkilometer. Der Gabarhabicht ist in weiten Teilen dieses großen Areals meist häufig anzutreffen. Nur in wenigen Regionen kommt der Gabarhabicht selten oder nur spärlich vor. In der Roten Liste der IUCN wird der Gabarhabicht als least concern (nicht gefährdet) geführt.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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