Trauerdrongo

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Trauerdrongo

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Überfamilie: Corvoidea
Familie: Rabenvögel (Corvidae)
Unterfamilie: Drongos (Dicrurinae)
Gattung: Drongos (Dicrurus)
Art: Trauerdrongo
Wissenschaftlicher Name
Dicrurus adsimilis
(Bechstein, 1794)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Trauerdrongo (Dicrurus adsimilis), auch als Gabelschwanzdrongo bekannt, zählt innerhalb der Familie der Rabenvögel (Corvidae) zur Gattung der Drongos (Dicrurus). Im Englischen wird der Trauerdrongo Fork-tailed Drongo genannt. Die Art wurde in zwei Spezies gesplittet: Dicrurus adsimilis und Dicrurus modestus.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Heute werden zwei Gattungen unterschieden: Die Bergdrongos (Chaetorhynchus), die zwölf Schwanzfedern aufweisen und die Drongos (Dicrurus), die nur zehn Schwanzfedern besitzen. Zu dieser Gattung gehört unter anderem auch der Trauerdrongo.

Zwischen dem Männchen und dem Weibchen besteht kaum ein nennenswerter Dimorphismus. Der Trauerdrongo hat einen kräftigen, seitlich zusammengedrückten und vorn etwas hakenförmigen schwarz gefärbten Schnabel. Die Schnabelborsten sind lang und sehr kräftig ausgebildet. Im Mundwinkel unterhalb des Auges ist ein kleiner weißer Fleck erkennbar, ansonsten weist der Kopf eine tief schwarze Tönung auf. Der Trauerdrongo erreicht eine Körperlänge von etwa 26 bis 32 Zentimeter ohne die verlängerten Spitzen der Schwanzfedern, eine Flügelspannweite von 45 bis 56 Zentimeter sowie ein Gewicht von etwa 40 bis 60 Gramm. Die grau gefärbten Extremitäten sind ziemlich kurz geraten, die dunklen Zehen und die Krallen wirken dagegen groß. Die Iris (Regenbogenhaut) der Augen ist für gewöhnlich rötlich gefärbt. Das Gefieder ist insgesamt schwarz, samtartig und glänzend gefärbt. Mehr oder weniger glänzt das Federkleid bei dem Altvogel grünlich, bläulich oder purpurn. Die Stärke dieses Glanzes und seine Verteilung über bestimmte Stellen des Gefieders liefern die besten Artkennzeichen. Die Spitzen der Kehlfedern und Brustfedern sind ebenfalls glänzend. An der Halsseite sind leicht schimmernde lanzettförmige Federn zu erkennen. Der Schwanz ist tief gegabelt und die äußersten Schwanzfedern sind nach außen gebogen. Die Flügel sind lang, zugespitzt und wirkungsvoll geschnitten, die in Verbindung mit dem langen, tief gegabelten Schwanz dem Königsdrongo eine große Wendungsfähigkeit im Fluge sichern. Bei den Jungvögeln sieht man an den Flanken deutlich weißlich gefärbte Federspitzen, während die Unterseite gänzlich braun getönt ist. Des Weiteren ist die Iris der Augen ebenfalls bräunlich gefärbt und der Schwanz erscheint bei den Jungvögeln viel kürzer als bei den Altvögeln. Der Trauerdrongo hat einen flinken Flug und vollführt, wenn er ein Beutetier verfolgt, akrobatische und wendige Flugmanöver. Für gewöhnlich hat er einen wellenförmigen Flug. Der Trauerdrongo äußert verschiedene Laute und fröhliche, wenn auch etwas metallisch klingende Rufe, in die er manchmal schöne, reine Pfiffe einstreut.

Lebensweise

Der Trauerdrongo bewohnt Ebenen, Savannen, offene Waldlandschaften und Buschdickichte. Er sitzt gerne auf Telegrafendrähten, auf abgestorbenen Bäumen und auf anderen herausragenden Stellen, von dort schaut er nach jedem Insekt, das sich in der Luft oder am Boden rührt.
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Dabei bewegt er den Schwanz hin und her. Er öffnet und schließt ihn auch scherenartig. Häufig setzt er sich auf den Rücken grasender Rinder und schnappt nach Insekten (Insecta), die vom Vieh aufgescheucht werden. Manchmal verspeist der Trauerdrongo große Insekten (Insecta) nach Art eines Falken. Er hält dabei mit einem Fuß das Insekt auf dem Untergrund fest, zerteilt es dann und verzehrt das Insekt in schluckgerechten Stücken.

Während der Reproduktionssaison vollführt er akrobatische Balzflüge. In dieser Zeit können sich Paare oder können sich auch Trios bilden, die dann gemeinsam Duette vortragen. Die Gesänge können allerdings kreischend und disharmonisch klingen. Dabei bewegen sie ihren Kopf kräftig nach oben und nach unten. Des weiteren führen sie mit flatternder Flugakrobatik auch gegenseitige Luftverfolgungen durch. Die Mehrzahl der Populationen ist und kann außer der Reproduktionssaison wohnhaft nomadisch leben. Jedoch sind die Populationen, die mehr in den nördlichen Regionen vorkommen, sehr wandernd. Der Trauerdrongo ist ein geselliger Vogel, der in Gruppen außer der Paarungszeit auf Schlafbäumen die Nacht verbringt. Danach zerstreuen sich die Gruppen im Morgengrauen in ihre Territorien und begeben sich Nahrungssuche. Der Trauerdrongo ist sehr territorial, der vehement seine Brutplätze und seine Nahrungsplätze verteidigt. Er greift sogar größere Vögel an, wenn das Nest oder die Jungvögel bedroht werden. Der Trauerdrongo verfolgt sogar andere Vögel, um ihnen ihre Beute zu entwenden.

Unterarten

Nominatform und Unterarten der Art Dicrurus adsimilis
Wissenschaftlicher Name Erstbeschreiber IUCN-Status Vorkommen
Dicrurus adsimilis adsimilis (Bechstein, 1794) LC Afrika: Continental Africa. Westafrika: Kinshasa, Upemba National Park. Ostafrika: Tansania, Sansibar. Südliches Afrika: Südafrika, Western Cape, Kwazulu-Natal, Gauteng, Transvaal (ehemalige Provinz).
Dicrurus adsimilis fugax Peters, 1868 LC Afrika: Continental Africa. Ostafrika: Kenia, Uganda, Mosambik. Südliches Afrika: Simbabwe. Südafrika: Kwazulu-Natal, Gauteng, Transvaal (ehemalige Provinz).
Dicrurus adsimilis divaricatus Lichtenstein, 1823 LC Afrika: Continental Africa. Westafrika: Mauretanien und Senegal, Senegambia, Senegal, Guinea, Tschad, Kinshasa. Ostafrika: Sudan, Äthiopien und Eritrea, Eritrea, Äthiopien, Somalia, Kenia, Uganda.
Dicrurus adsimilis apivorus Clancey, 1976 LC Afrika: Continental Afrika. Westafrika: Kinshasa, Angola. Ostafrika: Sambia. Südliches Afrika: Namibia, Botsuana. Südafrika: Western Cape, Northern Cape, Gauteng, Transvaal (ehemalige Provinz).

Verbreitung

Zu den Verbreitungsgebieten des Trauerdrongo und der Unterarten zählen unter anderem Afrika: Continental Africa. Westafrika: Mauretanien und Senegal, Mauretanien, Senegambia, Senegal, Gambia, Guinea-Bissau, Guinea, Mali, Sierra Leone, Liberia, Côte d'Ivoire, Tai, Yapo, Marahoué, Mount Nimba, Mont Peko, Monogaga, Mont Kope, La Tene, Irobo, Mopri, Banco, Burkina Faso, Ghana, Togo, Benin, Nigeria, Niger, Tschad, Kamerun, Zentralafrikanische Republik, Äquatorialguinea, Gabun, Kongo, Demokratische Republik Kongo (östlicher Teil), Kinshasa, Upemba National Park, Angola. Ostafrika: Sudan, Äthiopien und Eritrea, Eritrea, Äthiopien, Dschibuti, Somalia, Kenia, Uganda, Ruanda, Burundi, Tansania, Sansibar, Sambia, Mosambik, Malawi. Südliches Afrika: Namibia, Botsuana, Simbabwe.
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Südafrika: Western Cape, Bontebok Nationalpark, Karoo-Nationalpark, Eastern Cape, Addo Elephant National Park, Tsitsikamma National Park, Mountain Zebra National Park, Northern Cape, Augrabies Falls National Park, Richtersveld-Nationalpark, Kwazulu-Natal, Gauteng, Groenkloof National Park, Transvaal (ehemalige Provinz), Limpopo Provinz, Marakele National Park, Mapungubwe Nationalpark und Umgebung, Kruger National Park, Nordwest-Provinz, Mpumalanga, Free State, Golden Gate Highlands National Park, Lesotho, Swasiland, African Islands, Golf von Guinea-Inseln, Bioko (Fernando Po), São Tomé und Príncipe, Sao Tome, Principe, Orient [selten/gelegentlich], Arabische Halbinsel [selten/gelegentlich] und Jemen [selten/gelegentlich].

Laut der Roten Liste der IUCN halten sich der Trauerdrongo und die Unterarten in folgenden Habitaten auf: Subtropische und tropische regenarme Wälder, subtropische und tropische Wälder feuchter Niederungen, regenarme Savannen, subtropisches und tropisches regenarmes Grasland, landwirtschaftliche Ackerflächen sowie Plantagen.

Ernährung

Seine Nahrungsgrundlage bilden Insekten (Insecta) von fast jeder Form und Größe, auch Libellen (Odonata), Schnabelkerfen (Hemiptera), Langfühlerschrecken (Ensifera), Kurzfühlerschrecken (Caelifera) und sogar Wespen (Vespinae) und große Hornissen (Vespa). Das Schwärmen geflügelter Termiten (Isoptera) und noch mehr ein Steppenbrand, der Insekten (Insecta) aufscheucht, lockt den Trauerdrongo aus der näheren Umgebung herbei. Des Weiteren gehören zu seinem Nahrungsspektrum Ameisen (Formicidae), Käfer (Coleoptera), Birkenspanner (Biston betularia) sowie Schmetterlinge (Lepidoptera). Auch kleine Reptilien (Reptilia) und Fledermäuse (Microchiroptera) werden von ihm ebenfalls verspeist. Eine wichtige Rolle spielt der Trauerdrongo bei der Bestäubung der Pflanzen, indem er sich auch vom Blumennektar ernährt. In der Landwirtschaft ist der Trauerdrongo ein gern gesehener Vogel, weil er eine große Vielfalt an Schadinsekten vertilgt.

Fortpflanzung

Der Trauerdrongo reproduziert sich von Februar bis August. Das Nest ist eine flach gebaute Schaukel, das im Verhältnis zur Größe des Vogels recht klein wirkt. Außen ist das Nest mit Zweigen, Gräsern, Blättern und Fasern konstruiert. Das Nestinnere ist mit Spinnweben ausgepolstert. Der Trauerdrongo befestigt das Nest in der Gabel eines dünnen Astes bis in fünfzehn Meter Höhe. Das Weibchen legt zwei bis vier Eier ab, die in der Färbung sehr stark variabel sind. Die Grundfärbung der Eier kann weiß, cremefarben, blassrosa oder gelbbraun sein. Manchmal sind die Eier mit Flecken besetzt, manchmal weisen die Eier Markierungen mit feinen Sprenkelungen auf und manchmal sind die Eier auch mit großen Flecken besetzt, die verschiedene Brauntöne aufweisen. Die Inkubation dauert ungefähr zwei Wochen. Das Nest des Trauerdrongo wird oft durch den Jakobinerkuckuck (Clamator jacobinus) parasitiert. Die zwei Partner teilen sich die Pflege der Jungvögel und den Schutz des Nestes. Nach dem Schlupf werden die Küken von dem Männchen und von dem Weibchen reichlich mit Nahrung in Form von Insekten (Insecta) versorgt. Bei den Jungvögeln sieht man an den Flanken deutlich weißlich gefärbte Federspitzen, während die Unterseite gänzlich braun getönt ist. Des Weiteren ist die Iris der Augen ebenfalls bräunlich gefärbt und der Schwanz erscheint bei den Jungvögeln viel kürzer als bei den Altvögeln.

Gefährdung und Schutz

Der Trauerdrongo gehört heute noch nicht zu den bedrohten Vogelarten. Das globale Verbreitungsgebiet der Populationen erstreckt sich annähernd über 14.000.000 Quadratkilometer. Der Trauerdrongo ist in weiten Teilen dieses großen Areals meist häufig anzutreffen. Nur in wenigen Regionen kommt der Trauerdrongo selten oder nur spärlich vor (Hall und Moreau, 1970, Roberts, 1993, Zimmerman et al., 1996, Borrow und Demey, 2001, Stevenson und Fanshawe, 2002). In der Roten Liste der IUCN wird der Trauerdrongo als least concern (nicht gefährdet) geführt.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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