Gabelschwanzmöwe

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Gabelschwanzmöwe

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neornithes)
Ordnung: Regenpfeiferartige (Charadriiformes)
Unterordnung: Lari
Familie: Möwen (Laridae)
Gattung: Creagrus
Art: Gabelschwanzmöwe
Wissenschaftlicher Name
Creagrus furcatus
(Néboux, 1846)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Gabelschwanzmöwe (Creagrus furcatus), auch als Schwalbenschwanzmöwe bekannt, zählt innerhalb der Familie der Möwen (Laridae) zur Gattung Creagrus. Im Englischen wird die Gabelschwanzmöwe swallow-tailed gull genannt. Die Gabelschwanzmöwe ist auch unter dem veralteten Synonym Larus furcatus bekannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Gabelschwanzmöwe erreicht eine Körperlänge von etwa 50 bis 51 Zentimeter. Insgesamt weist die Gabelschwanzmöwe einen recht schlanken Körperbau auf. Zwischen dem Männchen und dem Weibchen besteht kaum ein nennenswerter Dimorphismus. Aufgrund ihrer recht langen Flügel und des schwalbenartigen Schwanzes sieht sie den Seeschwalben (Sternidae) sehr ähnlich. Im Brutkleid sind der Kopf und der Nacken dunkelgrau gefärbt. Oberhalb der Schnabelbasis zeigt sich auf jeder Seite ein weißer Streifen. Unterhalb der Schnabelbasis sieht man andeutungsweise rechts und links einen kleinen weißen Punkt. Der Schnabel selbst weist ebenfalls eine dunkelgraue Färbung auf, während die leicht gebogene, spitz zulaufende Schnabelspitze oberhalb und unterhalb hellgrau getönt ist. Der Schnabelschlund und die Schnabelwinkel zeigen ein kräftiges Rot. Markantes Merkmal sind die großen Augen, die während der Brutzeit mit einem roten Augenring versehen sind. Der Hals sowie die Halsseiten und die Kehle zeigen ein blasses Hellgrau, während der Rücken ein dunkles Grau aufweist. Die Armschwingen und die Handschwingen sind ebenfalls dunkelgrau gefärbt. Die äußeren und inneren Schwanzfedern weisen eine dunkelgraue bis schwarze Färbung auf. Die Steuerfedern sind mit weißen Spitzen versehen. Die Brust, der Bauch sowie die Unterseite weisen eine weiße Tönung auf. Die ziemlich langen Extremitäten und die Zehen sind von einem kräftigen Rot. Im Schlichtkleid weisen beide Geschlechter einen weißen Kopf und nur noch ein blasses graues Halsband auf. Auch der Augenring weist außerhalb der Brutzeit eine schwarze Färbung auf. Der Jungvogel zeigt insgesamt eine weiße Befiederung, wobei der Rücken und die Flügeloberseiten überwiegend eine hellgraue und dunkelgraue Sprenkelung aufweisen. Der Schnabel des Jungvogels ist dunkelgrau getönt und die kräftigen Extremitäten und Zehen zeigen eine fleischfarbene Tönung. Auch der Jungvogel weist schon die markanten großen Augen auf und man erkennt ansatzweise den halboffenen schwarzen Augenring. Der Schnabelschlund des Jungvogels ist wie die Extremitäten und die Zehen ebenfalls fleischfarben getönt.

Gabelschwanzmöwe - Porträt
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Gabelschwanzmöwe - Porträt

Lebensweise

Die Gabelschwanzmöwe ist weltweit die einzige Möwe, die in der Nacht Nahrung erbeutet. Dabei fliegt sie weit auf das Meer hinaus und kann zwischen 20 und 32 Kilometer zurücklegen. Es kommt aber auch vor, dass sie sich 500 Kilometer von den Galápagos-Inseln entfernt, um Nahrung zu finden. Sie ist kein geselliger Jäger, aber während der Brutzeit brütet die Gabelschwanzmöwe in kleinen Kolonien. Während sie nachts jagt, hält sich die Gabelschwanzmöwe tagsüber bei ihrem Nest entlang der Küste oder zwischen den Klippen auf. Der weiße Bauch, die hellgrau getönte Schnabelspitze sowie der weiße Fleck auf beiden Seiten der unteren Schnabelbasis ermöglichen es dem Jungvogel ein schnelles Erkennen der Altvögel im Dunkeln und erleichtern somit die nächtliche Fütterung des Jungvogels.

Verbreitung

Gabelschwanzmöwe - Brutzeit
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Gabelschwanzmöwe - Brutzeit

Die Gabelschwanzmöwe ist eine endemische Möwe auf den Galápagos-Inseln, insbesondere ist sie auf Tower Island sowie auf South Plaza Island stark verbreitet. Sie hält sich während der Brutzeit vorwiegend an der Küste oder zwischen den Klippen auf.

Ernährung

Die Gabelschwanzmöwe ist weltweit die einzige Möwe, die in der Nacht auf Beutefang geht. Sie ernährt sich hauptsächlich auf offener See von Putzer- und Marmorgarnelen (Hippolytidae), Kalmaren (Teuthida) sowie von Fischen (Pisces), die sich meistens in der Nacht an der Wasseroberfläche aufhalten.

Fortpflanzung

Die Gabelschwanzmöwe hat keine feste Brutzeit. Ein Fortpflanzungsrhythmus mit einer Periodendauer zwischen acht und elf Monaten wurde wie auch für eine Reihe anderer tropischer Seevögel, so etwa auch für die Gabelschwanzmöwe nachgewiesen.
Gabelschwanzmöwe - Küken
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Gabelschwanzmöwe - Küken
Die Gabelschwanzmöwe brütet in kleinen Kolonien. Jedoch umfasst jedes Nest ein kleines Revier. Die Nester befinden sich meistens entlang der Küste oder zwischen den Klippen. Die eigentliche Kopulation ist nur eine Sache von Sekunden. Das Männchen steigt dazu auf den Rücken des Weibchens. Die Paarbeziehung ist monogam. Nach erfolgreicher Paarung wird eine flache Nistmulde erstellt und mit kleinen Steinchen ausgelegt. Das Weibchen legt nur ein Ei in die flache Mulde ab. Das Ei weist eine sandfarbene Tönung auf, die mit dunkelgrauen bis schwärzlichen Sprenkelungen bedeckt ist. Die Inkubationszeit des Eies dauert etwa 34 Tage lang und wird von beiden Altvögeln gewährleistet. Nach dem Schlupf wird das Küken von dem Weibchen und von dem Männchen reichlich mit Nahrung versorgt. Das Küken wird vor allem in der Nacht gefüttert. Bei der Aufzucht des Küken beteiligen sich beide Altvögel, wobei immer ein Altvogel bei dem Küken bleibt, um es vor Prädatoren, vor allem vor den Fregattvögeln (Fregatidae) zu schützen. Nach etwa sieben bis acht Wochen ist der Jungvogel flügge und wird aber noch einige Wochen von den Altvögeln versorgt.
Gabelschwanzmöwe - Jungvogel
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Gabelschwanzmöwe - Jungvogel
Der Jungvogel zeigt insgesamt eine weiße Befiederung, wobei der Rücken und die Flügeloberseiten überwiegend eine hellgraue und dunkelgraue Sprenkelung aufweisen. Der Schnabel des Jungvogels ist dunkelgrau getönt und die kräftigen Extremitäten und Zehen zeigen im Gegensatz zu den Altvögeln eine fleischfarbene Tönung. Auch der Jungvogel weist schon die markanten großen Augen auf und man erkennt ansatzweise einen halboffenen schwarzen Augenring. Der Schnabelschlund des Jungvogels ist wie die Extremitäten und die Zehen ebenfalls fleischfarben getönt.

Gefährdung und Schutz

Die Gabelschwanzmöwe gehört heute noch nicht zu den bedrohten Vogelarten. Das globale Verbreitungsgebiet erstreckt sich annähernd über 7.200 Quadratkilometer (20.000 Quadratkilometer in Verbindung mit starker Fragmentierung und Fluktuation). Diese Art verfügt über eine große, weltweit geschätzte Population bis zu 35.000 Individuen (Wetlands International 2002). Die globale Population wurde jedoch bisher noch nicht quantifiziert. In der Roten Liste der IUCN wird die Gabelschwanzmöwe als least concern (nicht gefährdet) geführt.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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