Rotmilan

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Rotmilan

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Greifvögel (Falconiformes)
Familie: Habichtartige (Accipitridae)
Unterfamilie: Milane (Accipitrinae)
Gattung: Milane (Milvus)
Art: Rotmilan
Wissenschaftlicher Name
Milvus milvus
(Linnaeus, 1758)

IUCN-Status
Near Threatened (NT)

Der Rotmilan (Milvus milvus), der auch Gabelweihe genannt wird, zählt innerhalb der Familie der Habichtartigen (Accipitridae) zur Gattung der Milane (Milvus). Der Rotmilan wurde zum Vogel des Jahres 2000 gewählt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Rotmilan erreicht eine Körperlänge von 65 bis 70 cm, eine Flügelspannweite von 140 bis 180 cm sowie ein Gewicht von 900 bis 1.500 Gramm. Männchen bleiben kleiner und leichter als Weibchen. Der Körper ist überwiegend rötlich bis graubraun gefärbt und weist eine dunkle Längsstreifung auf. Die Brust- und Bauchseite sowie die Unterseite des Schwanzes sind rotbraun. Der Kopf ist auffallend hellgrau und geht zum Nacken hin in ein hellbraun über. Die Augen sind mit einem kleinen Ring Wachshaut umrandet. Der hakenförmige Schnabel ist an der Wurzel gelblich und wird zu Spitze hin immer dunkler. Die Länge des Schnabels beträgt bis zu drei cm.

Lebensweise

Milane sind ausgezeichnete und elegante Flieger, die durch ihren schaukelnden Flug auffallen. Im Flug ist auch ihr charakteristisch gegabelter Schwanz zu sehen, der beim Fliegen aus Steuerruder eingesetzt wird. Die Schwanzform war für das Synonym Gabelweihe namesgebend. Die Vögel leben paarweise und sind ihren Revieren über viele Jahre hin treu. Im Jahre 2000 war der Rotmilan in Deutschland Vogel des Jahres. Die Bestände sind trotz des Schutzes immer weiter rückläufig.

Verbreitung

Das Hauptverbreitungsgebiet erstreckt sich über das gemäßigte Mittel- und Osteuropa. Es reicht von den britischen Inseln bis nach Weißrußland und vom Süden Skandinaviens bis nach Nordafrika. Die größten Populationen leben in Deutschland, insbesondere in Hessen und Sachsen. Auch Spanien und Frankreich weisen größere Populationen auf. Im Herbst, meist im Monat September, ziehen Rotmilane in den Süden und überwintern in Südeuropa, Nordafrika oder dem Nahen Osten. Bereits sehr früh im Frühjahr ziehen sie wieder in ihre Brutreviere. Die Vögel bevorzugen offene bis halboffene Kulturlandschaften und Höhenlagen bis in 800 Metern Höhe über NN anzutreffen.

Ernährung

Lebensraum im Siegerland: abwechselnd offene Flächen und Gehölzbestände
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Lebensraum im Siegerland: abwechselnd offene Flächen und Gehölzbestände

Rotmilane jagen am Tage im Suchflug in mittlerer Höhe. In der Regel erjagen sie kleinere Säugetiere, Reptilien, Amphibien und andere Vögel. Aas und Abfälle werden auch nicht verschmäht. Es wurde auch schon beobachtet, daß sie Jagd auf Fische machen. Hier und da jagen sie anderen Raubvögeln auch ihre Beute ab.

Fortpflanzung

Die Balzzeit beginnt rund vier Wochen nach Rückkehr aus den Überwinterungsgebieten in Südeuropa und erstreckt sich über die Monate März bis Juli. Während der Balz kommt es zu kunstvollen Balzflügen, die regelmäßig in akrobatischen Sturzflügen enden. Rotmilane leben in Dauereinehe, die über viele Jahre hält. Ihren Horst errichten die Vögel in luftigen Höhen in hohen Bäumen. Das Nest besteht aus Reisig und wird mit allem ausgepolstert, was den Vögeln als weich erscheint.

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Das Weibchen legt zwei bis vier Eier, die über einen Zeitraum von 32 Tagen ausgebrütet werden. In den ersten beiden Lebenswochen schafft nur das Männchen Nahrung herbei, da die Jungvögel von der Mutter gehudert werden. Ab der dritten Woche kümmern sich beide Elternteile um die Nahrungsbeschaffung. Ihre Nahrung erjagen sie in einem Umkreis von rund zehn Km rund um das Nest. Nach etwa 48 bis 50 Tagen sind die Jungvögel flügge. Pro Gelege überleben selten mehr als ein oder zwei Küken. Auch unter den Altvögeln herrscht eine Sterblichkeit (Mortalität) von bis zu zwanzig Prozent. In Freiheit können Rotmilane ein Alter von 25 Jahren erreichen, in Gefangenschaft durchaus auch ein Alter von bis zu 33 Jahren.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Pierandrea Brichetti: Vögel. In Garten, Park und freier Natur. Neuer Kaiser Verlag , 2002.ISBN 370431322X
  • Rob Hume: Vögel in Europa. Dorling Kindersley; Auflage: 1 (Januar 2003) ISBN 3831004307
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Dr. Einhard Bezzel: Der zuverlässige Naturführer. BLV Handbuch Vögel. 3. überarbeitete Auflage (2006). BLV Buchverlag GmbH & Co. KG, München.ISBN 3-8354-0022-3; ISBN 3-8354-0022-1
  • Manfred Pforr, Alfred Limbrunner: Ornithologischer Bildatlas der Brutvögel Europas, Band 2. Weltbild Verlag GmbH, Augsburg, 1991 ISBN 3894400072

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