Gabun-Galago

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Gabun-Galago
Foto/Zeichnung folgt.

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Primaten (Primates)
Unterordnung: Feuchtnasenaffen (Strepsirhini)
Familie: Galagos (Galagonidae)
Gattung: Gewöhnliche Galagos (Galago)
Art: Gabun-Galago
Wissenschaftlicher Name
Galago gabonensis
(Gray, 1863)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Gabun-Galago (Galago gabonensis, Syn. Sciurocheirus gabonensis) zählt innerhalb der Familie der Galagos (Galagonidae) zur Gattung der Gewöhnlichen Galagos (Galago). Im Englischen wird die Art Gabon Allen’s Galago genannt. Der nächste Verwandte des Gabun-Galago ist der Allen-Galago (Galago alleni).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Gabon-Galago ist eine relativ kleine und langschwänzige Primatenart. Die Art erreicht eine Körperlänge von 21 bis 22 (21,65) cm, eine Schwanzlänge von 25,4 cm und ein Gewicht von 250 bis 450 g. Das Fell ist bräunlich gefärbt. Die großen Augen lassen auf eine Nachtaktivität schließen. Die Augen verfügen über ein ausgeprägtes Tapetum lucidum (reflektierende Schicht hinter der Netzhaut). Der lange Schwanz ist voll behaart. Die großen Ohren sind sehr beweglich und können auch einzeln, in verschiedenen Richtungen bewegt werden. Der Schädel ist zur Schnauze hin spitz zulaufend. Die Füße zeigen an den Sohlen eine deutliche Verdickung mit einer rauen Oberfläche. Diese Eigenschaft bietet den Tieren im Geäst einen sicheren Halt. Die hinteren Extremitäten sind kräftiger entwickelt und deutlich länger als die vorderen Extremitäten (Novak, 1999).

Lebensweise

Gabon-Galagos sind nachtaktive Baumbewohner, die nur gelegentlich den Waldboden betreten. Tagsüber schlafen sie in Baumhöhlen oder an ähnlich geschützten Plätzen in Nester, die sie aus Blättern und Zweigen bauen. Auf dem Boden bewegen sie sich mehr oder weniger unbeholfen in einem Hoppelgang. In den Bäumen sind sie sehr beweglich und können auch einige Meter durch Sprünge überwinden. Die Art lebt meist einzelgängerisch oder in kleinen Gruppen, die aus einem Weibchen und deren Nachwuchs bestehen. Männchen leben oftmals einzelgängerisch und stoßen nur zur Paarungszeit zu den Weibchen. Gegenseitiges Lecken und das Pflegen des Fells dient der sozialen Bindung innerhalb einer Gruppe. Gabun-Galagos sind ausgesprochen territorial, wobei insbesondere Männchen ihr Revier vehement gegen Eindringlinge verteidigen. Die Reviere der Männchen überlappen sich mit denen mehrerer Weibchen. Das Revier eines Männchen erreicht eine Größe von 30 bis 60 ha, ein Revier der Weibchen lediglich bis zu 10 ha. Ihre Hände und Füße benetzen die Tiere häufig mit ihrem eigenen Urin, um so ihr Revier zu markieren. Einen Großteil der aktiven Zeit verbringen die Tiere mit der Nahrungssuche (Nowak, 1999).

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Gabun-Galago erstreckt sich im Wesentlichen zwischen dem Sanaga River in Kamerun und dem Ogooue River in Gabun. Besiedelt werden Kamerun, die Zentralafrikanische Republik, der Kongo, die Demokratische Republik Kongo, Äquatorialguinea und Gabun. Die Art besiedelt primäre und sekundäre Regenwälder mit hohen jährlichen Niederschlägen von rund 170 cm/Jahr. Es gibt jährlich 2 Regenzeiten, einmal von September und Dezember und zum anderen von März bis Juni. Die Lebensräume liegen in Höhen von 150 bis 1.000 m über NN. Die Temperaturen schwanken zwischen 20 und 20°C. Gabun-Galagos besiedeln die untern Regionen der Bäume (IUCN, 2012).

Biozönose

Zu den natürlichen Feinden der Gabun-Galagos zählen insbesondere Greifvögel (Falconiformes), Schlangen (Serpentes), und räuberisch lebende Säuger wieGinsterkatzen (Genetta), die Mantelmangabe (Lophocebus albigena), die Langnasenmanguste (Herpestes naso) sowie der Gemeine Schimpanse (Pan troglodytes). Einziger Schutz vor Feinden bietet die Nachtaktivität, die kryptische Fellfärbung mit der damit einhergehenden heimlichen Lebensweise und Wachsamkeit (Nowak, 1999).

Ernährung

Gabun-Galagos ernähren sich als Allesfresser von tierischer und pflanzlicher Kost. Weit oben auf der Speisekarte stehen Gliederfüßer (Arthropoda) wie Insekten (Insecta) und ähnlichem. Darüber hinaus ernähren sich die Tiere von reifen Früchte, Sämereien, Blüten und Baum- und Pflanzensäfte. Die Art der Nahrung schwankt im Wesentlichen je nach Lebensraum und Jahreszeit (Nowak, 1999).

Fortpflanzung

Gabun-Galagos erreichen die Geschlechtsreife im Alter von etwa 10 Monaten. Die Paarungszeit erstreckt sich über keine bestimmte Jahreszeit, meist kommt es zu 2 Würfen in einer Saison. Die meisten Geburten sind in der Regenzeit zu verzeichnen. Gabun-Galagos leben in einer polygamen Beziehung. Ein Männchen begattet in der Regel mehrere Weibchen in seinem Revier und hat daher mit der Aufzucht des Nachwuchses nichts zu tun. Dieses obliegt ausschließlich dem Weibchen. Während der Paarungszeit kommt es unter den Männchen zu regelrechten Raufereien um das Paarungsrecht mit den Weibchen. Das Weibchen baut in Bäumen, in der Regel in Baumhöhlen oder größeren Astlöchern ein Nest aus Blättern, wo es ihre Jungen zur Welt bringt. Die Tragezeit beträgt etwa 111 bis 142 Tage. Die Wurfgröße liegt zwischen 1 und 2 (1,5) Jungtiere. Die Jungtiere sind bereits weit entwickelt. Sie verfügen geöffnete Augen. Das erste Fell stellt sich mit 2 bis 3 Wochen ein. Die Jungtiere werden etwa für rund 10 bis 14 Wochen gesäugt. Ihre erste feste Nahrung nehmen Jungtiere jedoch schon zu Beginn des 2. Monats zu sich. Die Selbständigkeit wird im Alter von 10 Monaten erreicht. Die Lebenserwartung ist unbekannt (Nowak, 1999).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Gabun-Galagos gehören heute noch nicht zu den bedrohten Arten. In der Roten Liste der IUCN wird die Art daher in der Kategorie LC, Least Concern, geführt. Das Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES) listet den Gabun-Galago in Anhang II des Abkommens. Im Ökosystem bildet die Art ein wichtiges Bindeglied. Allen-Galagos verbreiten durch ihre Ernährungsweise zahlreiche Samen und dienen darüber hinaus Raubtieren als Nahrung. Lokal wird die Art durch den Verlust von Lebensraum bedroht. Waldflächen werden insbesondere wegen Brennholz oder für landwirtschaftlichen Flächen gerodet (IUCN. 2012).

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Thomas Geissmann: Vergleichende Primatologie. Springer Verlag, 2003, ISBN 3540436456
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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