Galápagos-Pinguin

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Galápagos-Pinguin

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Pinguine (Sphenisciformes)
Familie: Pinguine (Spheniscidae)
Gattung: Brillenpinguine (Spheniscus)
Art: Galápagos-Pinguin
Wissenschaftlicher Name
Spheniscus mendiculus
Sundevall, 1871

IUCN-Status
Endangered (EN) - IUCN

Der Galápagos-Pinguin (Spheniscus mendiculus) zählt innerhalb der Familie der Pinguine (Spheniscidae) zur Gattung der Brillenpinguine (Spheniscus). Im Englischen heisst der Vogel Galapagos Penguin.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Galápagos-Pinguin erreicht eine Standhöhe von 42 bis 49 Zentimeter sowie ein Gewicht von 1.700 bis 2.500 Gramm. Weibchen bleiben ein wenig kleiner und leichter als Männchen. Ansonsten weisen die Geschlechter keinen Dimorphismus auf. Innerhalb der Gattung der Brillenpinguine (Spheniscus) gehören Galápagos-Pinguine zu den kleinsten Vertretern. Das Gefieder ist überwiegend schwarz gefärbt. Weiße Gefiederteile zeigen sich im Bereich der Kehle sowie am Bauch. Die Brust ist durch ein breites, dunkel gefärbtes Querband gekennzeichnet. Ein schmales weißes Band erstreckt sich zudem von den Kopfseiten bis in den Bereich der unteren Kehle. Der Schnabel ist im wesentlichen schwarz gefärbt, die Schnabelunterseite zeigt vom unteren Schnabelansatz bis zur Mitte des Schnabels eine blasse rosafarbene Färbung. Die Füße sind mit Schwimmhäuten versehen. Jede der drei Zehen endet in einer schwarzen Krallen, die zum Graben geeignet sind. Die Flügel sind lang und schmal, sie sitzen seitlich am Körper. An Land dienen sie der Balance, im Wasser der Fortbewegung. Einmal im Jahr kommt es zum Gefiederwechsel, der zumeist kurz vor der Brutzeit stattfindet.

Lebensweise

Galápagos-Pinguine leben in größeren Kolonien. Dies gilt sowohl für die Paarungszeit als auch für das restliche Jahr. Das Leben in Kolonien macht Sinn, da so die Gefahr von Fleischfressern minimiert wird. An Land bewegen sich Galápagos-Pinguine wie alle Pinguine unbeholfen und langsam. Der watschelnde Gang ist charakteristisch. Dies ändert sich, wenn sie ihr eigentliches Element, das Wasser, betreten. Hier gelten sie als schnelle und gewandte Schwimmer. Galápagos-Pinguine sind nur wenig territorial, sie verteidigen ihren Brutplatz jedoch gegenüber Artgenossen und Fleischfressern. Im Wasser beanspruchen sie ein Streifrevier im küstennahen Bereich. Es handelt sich hierbei jedoch nicht um den Nahrungsgrund eines einzelnen Vogels, sondern einer ganzen Gruppe oder Kolonie. Die Größe des Nahrungsreviers hängt stark vom Nahrungsangebot ab. Die Kommunikation untereinander scheint primär über verschiedene Ausrufe zu funktionieren. Inwieweit auch Gestik der Kommunikation dient, ist nicht bekannt. Fleischfressern begegnen Galápagos-Pinguine mit aufgeregtem Flügelschlagen und lautstarken Ausrufen.

Verbreitung

Galápagos-Pinguine sind auf den Galápagosinseln endemisch. Die Galápagosinseln liegen im westlichen Pazifik rund 1.000 Kilometer vor der Küste Ecuadors und besteht im wesentlichen aus 22 mittleren bis größeren Inseln sowie einer Reihe von kleinen Eilanden. Die Inseln gehören zum Staatsgebiet von Ecuador.
Fleischfresser: Sumpfohreule (Asio flammeus galapagoensis)
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Fleischfresser: Sumpfohreule (Asio flammeus galapagoensis)
Die Hauptpopulationen der Galápagos-Pinguine leben auf den beiden Inseln Fernandina und Isabela. Isabela ist gleichzeitig die größte Insel des Archipels. Die Pinguine leben an den Küsten dieser Inseln. Sie sind sowohl an felsigen als auch sandigen Ufern anzutreffen. Als Nistplätze dienen ihnen natürliche Höhen in Felsen oder selbst gegrabene Höhlen im Dünenbereich.

Prädatoren

Zu den natürlichen Fleischfressern an Land gehören neben Roten Klippenkrabben (Grapsus grapsus), Galápagosbussard (Buteo galapagoensis), Sumpfohreule (Asio flammeus galapagoensis) und Schleiereule (Tyto alba) auch Reisratten (Oryzomys) wie die Galápagosreisratte (Oryzomys galapagoensis). Eingeschleppte Raubtiere richten jedoch weitaus größeren Schaden an. Dazu gehören vor allem verwilderte Hauskatzen (Felis silvestris forma catus) und Haushunde. Im Wasser stellen insbesondere Haie den Galápagos-Pinguinen nach. Die Eier werden relativ geschützt in Höhlen abgelegt. Die erwachsenen Tiere verteidigen ihr Gelege gegenüber Fleischfressern vehement. In der Regel treten die Tiere immer in Gruppen auf und haben so eine recht gute Chance sich und ihr Gelege zu verteidigen. Im Wasser sind sie zum einen durch ihre hohe Schwimmgeschwindigkeit und zum anderen durch ihre schwarzweiße Tarnfärbung geschützt. Vor allem die weißliche Bauchseite macht sie im Wasser von unten gesehen fast unsichtbar.

Ernährung

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Galápagos-Pinguine ernähren sich als Fleischfresser von kleineren Fischen (Pisces), kleine Krebstieren (Crustacea), Weichtieren (Mollusca) und andere wirbellose Tieren, die sie im Meer erbeuten. Heringe (Clupeidae), Sardellen (Engraulidae) und Meeräschen (Mugilidae) gehören dabei zur bevorzugten Nahrung. Auf Nahrungssuche gehen Galápagos-Pinguine in küstennahen Gewässern und tauchen meist in Tiefen von bis zu 20, selten bis zu 30 Metern. Die Jagd erfolgt in der Regel in kleineren bis größeren Gruppen. Das Lokalisieren von Beute erfolgt über den gut entwickelten Sehsinn, mit dem Schnabel wird ein Beutetier gepackt und im Ganzen verschlungen.

Fortpflanzung

Die Weibchen der Galápagos-Pinguine erreichen die Geschlechtsreife mit drei bis vier Jahren, Männchen hingehen erst rund zwei Jahre später. Die Paarungszeit richtet sich nicht nach dem Klima und kann ganzjährig erfolgen. Galápagos-Pinguine brüten jedoch nur, wenn im Meer reichlich Nahrung zur Verfügung steht. In guten Jahren kann es durchaus zu zwei bis drei Gelegen kommen. Die Hauptbrutzeit erstreckt sich über das Frühjahr. Galápagos-Pinguine leben in einer monogamen Einehe, die nicht selten ein Leben lang hält. Ob sich ein Paar erst finden muss oder es sich um ein Pärchen handelt, der Kopulation geht in jedem Fall eine aufwändige Balz voraus. Die Balz ist dient daher zum einen der Paarfindung und zum anderen der Stärkung einer bestehenden Bindung. Zum Balzverhalten gehört das gegenseitige Gefiederputzen und Scheinduelle mit den Flügeln in Form eines Tanzes. Noch vor der eigentlichen Kopulation geht es an das Errichten des Nestes. Das Nest wird in der Regel in natürlichen Höhlen, zumeist in Felsen angelegt. Das Innere der Bruthöhle wird mit Kieselsteinen, Ästen und anderen Materialien ausgelegt. Die Materialien werden am Strand gesammelt oder einfach aus anderen Nestern gestohlen. Dabei kommt es dann nicht selten zu Reibereien.

Bestehende Nester werden nur ausgebessert. Die Kopulation erfolgt unmittelbar vor der Bruthöhle. Galápagos-Pinguine sind Kolonienbrüter, die in zum Teil großen Kolonien brüten. Jeder einzelne Brutplatz gilt dabei jedoch als kleines Revier und wird gegenüber Artgenossen verteidigt. Die Verteidigung des gesamten Brutareals gegenüber Fleischfressern erfolgt gemeinschaftlich. Im Zuge der Kopulation besteigt das Männchen sein Weibchen. Das Weibchen legt sich dazu lang auf den Erdboden. Die Kopulation erfolgt kurz und schmerzlos, sie erstreckt sich von wenigen Sekunden bis maximal eine Minute. Die Kopulation wird in Abständen mehrfach wiederholt.

Das Weibchen legt in die Bruthöhle je Brut zwei Eier. Die Eier werden von beiden Geschlechtern über einen Zeitraum von 38 bis 42 Tagen gewärmt. Während dieser Zeit ist immer ein Altvogel in der Bruthöhle anwesend, das andere Elternteil ist auf Nahrungssuche. Ähnlich verfährt ein Pärchen, nachdem die Küken geschlüpft sind. Die Küken werden von beiden Elternteilen über einen Zeitraum von gut zwei Monaten mit Nahrung versorgt. Dabei handelt es sich um einen vorverdauten Nahrungsbrei aus Fischen und anderem Meeresgetier. Im Alter von drei bis vier Monaten sind die Jungpinguine selbständig. Die Lebenserwartung erstreckt sich in den freilebenden Populationen über 15 bis 20 Jahre. Die Sterblichkeit in den ersten Jahren ist aufgrund vieler Fleischfresser und ungünstiger Klimabedingungen recht hoch. Nur ein geringer Teil der Tiere erreicht die Geschlechtsreife.

Ökologie

Auf den Galápagosinseln stehen Galápagos-Pinguine in Nahrungskonkurrenz zum Menschen. Daher wurden sie über lange Zeit hinweg verfolgt. Vor allem die Fischindustrie beklagt große Verluste bei den Einkommen der Fischer. Richtig ist jedoch, dass kein nennenswerter Schaden entsteht, da von den Pinguinen ausschließlich kleine Fische gefressen werden. Das ökologische Gleichgewicht gerät nur durch den Raubbau des Menschen an der Natur aus dem Gleichgewicht. Schon heute sind die Fischgründe vor den Galápagosinseln völlig überfischt. Seit einigen Jahren hat sich der Tourismus etabliert. Dieses ermöglicht einem Teil der Fischer heute neue Einnahmequellen.

Gefährdung und Schutz

Galápagos-Pinguine gehören heute zu den stark gefährdeten Pinguinarten. In der Roten Liste der IUCN wird die Art daher als Endangered (stark gefährdet) geführt. Als Hauptgründe sind die jahrzehntelange Bejagung durch den Menschen, die Störungen durch den Menschen in den Brutkolonien, die Einschleppung von Raubtieren (Neozoa), die Wasserverschmutzung durch verklapptes Altöl und die Nahrungsknappheit durch Überfischung der Nahrungsgründe zu nennen. Ein weiterer dramatischer Risikofaktor geht in den letzten Jahrzehnten von dem Klimaphänomen El Niño aus. El Niño bezieht sich auf das Auftreten von nicht zyklischen, veränderten Strömungen im ozeanographisch-meteorologischen System des Pazifiks im Bereich der äquatorialen Linie. In der Folge dieses Phänomen schwächt sich der Humboldtstrom deutlich ab. Der Humboldtstrom bringt vor alle nährstoffreiches Wasser an die Küsten der Galápagosinseln. Durch die Abschwächung des Humboldtstromes verarmt die Region in Bezug auf die im Wasser vorhandenen Nährstoffe. In der Folge vermindert sich auch das Nahrungsangebot für die Galápagos-Pinguine. Viele Galápagos-Pinguine verhungern in Zeiten des El Niño.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Boris M. Culik & Rory P. Wilson: Die Welt der Pinguine. Überlebenskünstler in Eis und Meer. Blv Buchverlag; 1993 ISBN 3405144760
  • Prof. Dr. Dr. hc Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

Links

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