Galápagos-Seelöwe

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Galápagos-Seelöwe

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Unterordnung: Hundeartige (Cynoidea)
Familie: Ohrenrobben (Otariidae)
Gattung: Zalophus
Art: Galápagos-Seelöwe
Wissenschaftlicher Name
Zalophus wollebaeki
Sivertsen, 1953

IUCN-Status
Vulnerable (VU) - IUCN

Der Galápagos-Seelöwe (Zalophus wollebaeki) zählt innerhalb der Familie der Ohrenrobben (Otariidae) zur Gattung Zalophus. Im Englischen wird der Galápagos-Seelöwe Galápagos Sea Lion genannt. In älterer Literatur wird der Galápagos-Seelöwe als Unterart des Kalifornischen Seelöwen (Zalophus californianus) unter dem Synonym Zalophus californianus wollebaeki geführt. Diese Einteilung gilt jedoch als veraltet (Wilson und Reeder, 2005). Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Galápagos-Seelöwe ähnelt in Aussehen und Gestalt seinem nahen Verwandten dem Kalifornischen Seelöwen. Unterscheidungsmerkmale sind zum einen die Körpergröße und zum anderen die Morphologie des Schädels. Männchen erreichen eine Länge von 250 bis 270 Zentimeter und ein Gewicht von bis zu 250 Kilogramm. Weibchen bleiben mit 150 bis 170 Zentimeter und ein Gewicht von 60 bis 100 Kilogramm deutlich kleiner und leichter als Männchen. Männchen zeichnen sich durch einen mächtigen Hals und Nacken aus. Der Körper der Männchen ist zudem ausgesprochen robust gebaut. Das Fell weist eine hellbraune, goldbraune oder graubraune Färbung auf. Ist das Fell nass, so wirkt das Fell bei den Männchen schwarzbraun. Insgesamt sind Weibchen und subadulte Tiere deutlich heller gefärbt als ausgewachsene Bullen. Galápagos-Seelöwen sind durchaus lautstarke Robben, wobei Weibchen deutlich leisere Töne (bellende und knurrende Laute) hervorbringen. Wie alle Ohrenrobben (Otariidae) verfügen auch Galápagos-Seelöwen über externe Ohren. Die leicht länglichen Ohren liegen seitlich am Schädel. Für Räuber typisch sind die Augen nach vorne gerichtet und ermöglichen so - auch unter Wasser - ein räumliches Sehen. Die Schnauze ist spitz zulaufend und weist lange, dunkel gefärbte Tasthaare, sogenannte Vibrissen, auf. Das kräftige Gebiss verfügt über 34 bis 36 Zähne, die zahnmedizinische Formel lautet 3/2, 1/1, 6/5(5/5). Die paddelartigen und spitz zulaufenden Brustflossen sitzen im vorderen Körperabschnitt seitlich am Körper. Die Brustflossen sind mit deutlich kürzerem Fell besetzt als der Körper. Sowohl die Brustflossen als auch die Schwanzflosse ist durch knorpelartiges Gewebe verstärkt. Die Zehen, von denen fünf vorhanden sind, weist eine starke Rückbildung auf, sind jedoch gut zu erkennen. Die fünfte Zehe ist länger als die ersten vier Zehen.

Lebensweise

Galápagos-Seelöwen sind sesshaft und wandern daher im Grunde genommen nicht. In der Nähe des Menschen zeigen sie nur wenig Furcht und dulden die Nähe von beispielsweise Touristen und Forschern. Als Lebensraum dienen an den Küstenlinien in der Regel felsige Lavafelder. Sandstrände sind auf den Galápagos-Inseln nur wenige vorhanden. Am Tage sind sie oft im Wasser zu beobachten, da sie die warme Mittagszeit meiden. Galápagos-Seelöwen gelten als ausgezeichnete Schimmer und Taucher. Nachgewiesen ist eine maximale Tauchtiefe von 186 Metern und eine Tauchzeit von rund 6 Minuten. In der Regel tauchen Galápagos-Seelöwen jedoch nur bis in Tiefen von etwa 30 Metern hinab. Dabei tauchen sie meist nur um die 2 Minuten.

Verbreitung

gefürchteter Prädator der Jungtiere: Galapagoshai (Carcharhinus galapagensis)
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gefürchteter Prädator der Jungtiere: Galapagoshai (Carcharhinus galapagensis)

Der Galápagos-Seelöwe ist im östlichen Pazifik auf den Galápagos-Inseln endemisch. Die Galápagos-Inseln liegen rund 1.000 Kilometer vor der Küste Ecuadors, zu dessen Staatsgebiete die Inseln politisch gehören. Galápagos-Seelöwen sind auf allen Inseln des Archipels anzutreffen. Hier leben sie auf Lavagestein oder an sandigen Stränden. Galápagos-Seelöwen sind ganzjährig anzutreffen, zu größeren Wanderungen kommt es nicht.

Prädatoren

Galápagos-Seelöwen haben nur wenige natürliche Feinde. Nachgewiesen sind Angriffe und Tötungen durch Große Schwertwale (Orcinus orca). Zu den möglichen Fleischfressern gehören wahrscheinlich auch größere Haie (Galeomorphii). Der Galapagoshai (Carcharhinus galapagensis) stellt für einen ausgewachsenen Galápagos-Seelöwen jedoch keine Gefahr dar. Jungtiere haben gegen einen Galapagoshai jedoch keine Chance.

Ernährung

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Das Fressverhalten der Galápagos-Seelöwen wurde bislang nur unzureichend erforscht. Anhand des Mageninhaltes einzelner Tiere konnte man jedoch im Groben Rückschlüsse auf das Ernährungsverhalten ziehen. Kleinere Knochenfische (Osteichthyes) wie beispielsweise Heringe (Clupeidae) oder Laternenfische (Myctophidae) sowie Weichtiere (Mollusca) in passender Größe gehören zur bevorzugten Nahrung. Galápagos-Seelöwen gehen wahrscheinlich nur am Tage auf Nahrungssuche. Sie tun dies in der Regel einzelgängerisch. Die durchschnittliche Tauchtiefe dürfte bei 30 bis 40 Meter liegen.

Fortpflanzung

Galápagos-Seelöwen wandern nicht und verbleiben ganzjährig an den Küsten der Galápagos-Inseln. Männchen besetzen als Revier einen Küstenabschnitt und dulden keine anderen Männchen in ihrer Nähe. Das Revier erstreckt sich über den Flachwasserbereich unmittelbar vor der Küste. Während der Paarungszeit kommt es unter rivalisierenden Bullen zu meist heftigen Kämpfen um das Paarungsrecht mit den Weibchen. Galápagos-Seelöwen sind ausgesprochen polygam, ein Männchen paart sich mit allen geschlechtsreifen Weibchen im Revier. Zur eigentlichen Population kommt es in der Regel im Wasser, seltener auch an Land.
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Die Paarung beginnt Anfang Mai und erstreckt sich bis in den Januar hinein. Die meisten Geburten treten jedoch im Sommer auf. Die Zeit zwischen Östrus und Geburt beträgt ungefähr 28 Tage. Nach einer Tragezeit von etwa 11 bis 12 Monaten bringt das Weibchen ein Junges zur Welt. Das Neugeborene weist eine Länge von 70 bis 75 Zentimeter auf und wiegt 5 bis 6 Kilogramm. Es hat eine zunächst schwarzbraune Färbung, nach dem ersten Monat findet ein Farbwechsel statt und das Junge ist dann hellbraun gefärbt. Das Junge wird schätzungsweise 6 bis 7 Tage von dem Weibchen intensiv umsorgt und drei oder mehr Monate lang gesäugt. Ab der zweiten Lebenswoche bleibt das Jungtier zeitweise am Strand alleine zurück, da das Muttertier zwischendurch immer wieder auf Nahrungssuche geht. Diese Fressphasen können sich über einen Zeitraum von bis zu 12 Stunden erstrecken. Ab der dritten Lebenswoche beginnt der Nachwuchs mit den ersten Schwimmübungen im Flachwasser. Weiter hinaus schwimmen Jungtiere nicht, da sie eine leichte Beute für Räuber wie den Galapagoshai (Carcharhinus galapagensis) wären. Kürze Zeit nach der Geburt paart sich das Weibchen wieder mit dem Bullen. Die Geschlechtsreife tritt mit vier bis fünf Jahren ein. Galápagos-Seelöwen können in der Wildnis ein Alter von 15 oder mehr Jahren erreichen. Das Alter eines Galápagos-Seelöwen kann man anhand der Zahl der Ringe und Querschnitte seiner Zähne feststellen.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

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Die meisten Galápagos-Seelöwen leben im Bereich des Galápagos-Archipels. Dieses Gebiet ist ein Nationalpark, in dem die Tiere vor vielen Gefahren in Sicherheit sind. Tourismus stellt auf den Galápagos-Inseln eine wichtige Einnahmequelle dar. Jedoch hat der Tourismus in den letzten Jahren stark zugenommen, so dass die Galápagos-Seelöwen mitunter in ihrem Lebensraum gestört werden. Ein weit größeres Problem stellt jedoch das Klimaphänomen El Niño dar. Während dieser Zeit kann es zu einem Nahrungsmangel mit einhergehender erhöhter Mortalität kommen. Verwilderte Haushunde reißen zudem Jungtiere oder übertragen durch Bisse Krankheiten. Die Bestände der Galápagos-Seelöwen schwanken von Jahr zu Jahr stark und werden auf 20.000 bis 50.000 Individuen geschätzt. In der Roten Liste der IUCN wird die Art als gefährdet (VU, Vulnerable) geführt.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

Links

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