Galagos

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Galagos
Moholi-Galago (Galago moholi)

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Primaten (Primates)
Unterordnung: Feuchtnasenaffen (Strepsirhini)
Familie: Galagos
Wissenschaftlicher Name
Galagonidae
Gray, 1825

Galagos (Galagonidae) zählen innerhalb der Klasse der Säugetiere (Mammalia) zur Ordnung der Primaten (Primates) und der Unterordnung der Feuchtnasenaffen (Strepsirhini). In der Familie werden in 5 Gattungen etwa 20 rezente Arten geführt. Galagos werden auch als Buschbabys bezeichnet.

Galagos werden zusammen mit der Familie der Loris (Lorisidae) in eine gemeinsame Teilordnung, die der Loriartige (Lorisiformes) gestellt. Diese Einordnung ist bezeichnend für die nahe Verwandschaft der beiden Familien. In älterer Literatur werden Galagos und Loris in einer Familie geführt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die relativ kleinen Galagos erreichen je nach Art und Geschlecht eine Körperlänge von 10,7 bis 46,5 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 15,0 bis 55,0 Zentimeter sowie ein Gewicht von 55 bis 2.000 Gramm. Die kleinste Art ist der Rondo-Zwerggalago (Galagoides rondoensis), die größten Arten stammen aus der Gattung der Riesengalagos (Otolemur). Galagos weisen durchaus Merkmale primitiver Primaten auf. Dennoch kann man sie keineswegs als primitiv bezeichnen, denn sie haben viele Eigenschaften und Merkmale, die eine hohe Spezialisierung darstellen. Die nach vorne gerichteten Augen aller Arten sind ausgesprochen groß, was ein Indiz für die Nachtaktivität ist. Der Schwanz, der in einer Quaste endet, ist sehr lang und erreicht meist die Länge des Körpers. Auch die Ohren sind ausgesprochen groß, sie sind zudem häutig und meist faltbar. Die Extremitäten sind kräftig ausgebildet und meist lang. Da verwundert es nicht, dass es sich bei den Galagos um gute Springer handelt. Je nach Art sind Sprünge von bis zu 5 Metern möglich. Das dichte Fell ist variabel gefärbt, die Färbung reicht von graubraun, hellbraun, braun und dunkelbraun, bis hin zu rötlichbraun. Das Gebiss der Loris weist 36 Zähne auf, die zahnmedizinische Formel lautet 2/2, 1/1, 3/3, 3/3. Die oberen Eckzähne sind recht lang und gut entwickelt. Die unteren Schneidezähne und die schneidezahnähnlichen Eckzähne sind vorstehend und kammartig angeordnet. An der Unterseite der Zunge liegt ein Kamm, der über scharfe und harte Spitzen verfügt. Diese Spitzen passen zwischen die Lücken des Zahnkammes und dienen zur Reinigung der Zähne. Die Geschlechter der Galagos sind nur schwierig zu unterscheiden. Die gut entwickelte Klitoris der Weibchen ähnelt dem Penisknochen der Männchen. Halbwüchsige Männchen verfügen nicht immer über ein gut entwickeltes Skrotum.

Lebensweise

Galagos sind nachtaktive Baumbewohner, die nur selten den Waldboden betreten. Die meisten Arten bauen in Baumhöhlen oder größeren Astlöchern Nester. Eine Ausnahme bilden die Kielnagelgalagos (Euoticus), die weder Höhlen bewohnen noch Nester errichten. Mitunter werden auch verlassene Vogelnester als Schlafplatz genutzt. Auf dem Boden bewegen sie sich mehr oder weniger unbeholfen in einem Hoppelgang. In den Bäumen sind Galagos hingegen sehr beweglich und können auch einige Meter durch Sprünge überwinden. Die Weibchen einiger Arten unterhalten zur Verwirrung von Fleischfressern oder Eindringlingen in ihrem Revier mehrere Nester. Die Nahrungssuche beginnt mit Einbruch der Dunkelheit. Während dieser Zeit legen sie Entfernungen von 500 bis 1.000 Metern in einer Nacht zurück. Rund 50 Prozent der aktiven Zeit entfällt auf die Suche nach Nahrung. Die eigentliche Nahrungsaufnahme nimmt rund 20 Prozent der aktiven Zeit in Anspruch.

Galagos leben meist einzelgängerisch oder in kleinen Familiengruppen, die aus einem Weibchen und deren Nachwuchs bestehen. Gegenseitiges Lecken und das Pflegen des Fells dient der sozialen Bindung innerhalb einer Gruppe. Galagos sind territorial, wobei insbesondere Männchen ihr Revier vehement gegen Eindringlinge (Artgenossen) verteidigen. Reviergrößen von 2 bis 5 Hektar sind die Regel, wobei die Reviere der Männchen größer sind und mit denen mehrerer Weibchen überlappen können. Ihre Hände und Füße benetzen die Tiere häufig mit ihrem eigenen Urin, um so ihr Revier zu markieren.

Verbreitung

Galagos finden ihre Verbreitung in weiten Teilen Afrikas, südlich der Sahara. Besiedelt werden neben Wäldern von einigen Arten auch Buschland und Baumsavannen. Kielnagelgalagos (Euoticus) und Eichörnchengalagos (Sciurocheirus) kommen in Zentralafrika vor allem in der Republik Kongo, in Kamerun und Gabun sowie im Südosten Nigerias vor. Gewöhnliche Galagos (Galago) sind deutlich weiter verbreitet. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich vom Senegal im westlichen Afrika, östlich bis nach Äthiopien und südlich bis ins nördliche Südafrika. Zwerggalagos (Galagoides) kommen vom westlichen Afrika östlich bis nach Mosambik vor. Riesengalagos (Otolemur) treten vom zentralen Afrika bis nach Südafrika in Erscheinung.

Prädatoren

Prädator: der Gemeine Schimpanse (Pan troglodytes)
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Prädator: der Gemeine Schimpanse (Pan troglodytes)

Zu den natürlichen Freßfeinden der kleineren Galagos gehören vor allem Eulen (Strigiformes), Schlangen (Serpentes) und kleinere Raubkatzen (Felidae). Galagos sind jedoch für keinen Fleischfresser eine leichte Beute. Sie bewegen sich in den Bäumen äußerst geschwind und in der Regel gelingt es ihnen, einem Angriff zu entkommen. Zudem sind sie nur in der Nacht aktiv und ruhen am Tage an geschützten Plätzen wie Baumhöhlen oder größeren Astlöchern. Bei Gefahr warnen sich Galagos gegenseitig mit lautstarken Ausrufen. Für die deutlich größeren Riesengalagos zählt vor allem der Gemeine Schimpanse (Pan troglodytes) zu den wichtigsten Freßfeinden. Aber auch größere Schlangen wie Pythons (Python) sowie Katzen wie der Leopard (Panthera pardus) und Ginsterkatzen (Genetta) sowie Eulen (Strigiformes) und Greifvögel (Falconiformes) haben es auf Riesengalagos abgesehen.

Ernährung

Kielnagelgalagos (Euoticus) ernähren sich zu annähernd 75 Prozent von Baumsäften und Harzen. Aufgrund dieser Tatsache hat sich bei den Kielnagelgalagos der zweite Molar in Form eines Eckzahn entwickelt. Auch der Zahnkamm und der Darm sind deutlich verlängert. Gewöhnliche Galagos (Galago) und die meisten anderen Arten sind überwiegend Fruchtfresser und bessern ihren Speiseplan mit Nektar, Beeren, Sämereien, Blüten, kleineren Wirbeltieren (Vertebrata) und Insekten (Insecta) auf. Seltener werden auch Vogeleier und Jungvögel (Aves) erbeutet. Unter den Insekten werden vor allem Hautflügler (Hymenoptera), Käfer (Coleoptera), Geradflügler (Orthoptera), Libellen (Odonata) und Hundertfüßer (Chilopoda) bevorzugt. Auf Nahrungssuche gehen Galagos nur in der Nacht. Für gewöhnlich sind sie dabei auch alleine unterwegs.

Fortpflanzung

Die meisten Arten der Galagos, insbesondere die kleinen Arten, erreichen die Geschlechtsreife mit etwa 8 bis 12 Monaten. Riesengalagos erreichen die Geschlechtsreife hingegen erst im Alter von gut 2 Jahren, wobei Männchen etwas länger brauchen. Die Paarungszeit ist an keine feste Jahreszeit gebunden, sie variiert lokal jedoch sehr stark. In der Regel kommt es während der Regenzeit zu den meisten Geburten. In einer Saison kommt es zu 1 bis 2 Würfen. In der Regel führen Galagos eine polygame Lebensweise. In Abhängigkeit von der Siedlungsdichte kann es aber auch zu einer monogamen Paarbindung kommen, wobei die Paarbindung nur bis zu 2 Wochen andauert. Danach trennen sich die Geschlechter wieder.
Moholi-Galago (Galago moholi)
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Moholi-Galago (Galago moholi)
Ein Männchen hat mit der Aufzucht des Nachwuchses nichts zu tun. Dieses obliegt ausschließlich dem Weibchen. Während der Paarungszeit kommt es unter den Männchen zu regelrechten Raufereien um das Paarungsrecht mit den Weibchen. Die Paarungsbereitschaft eines Weibchens erkennt ein Männchen am Geruch. Während der Paarungszeit schwillt die Vulva bei den Weibchen einiger Arten deutlich an. Die abgegebenen Pheromone werden von den Männchen wahrgenommen. Die eigentliche Kopulation erstreckt sich über einen Zeitraum von wenigen Sekunden bis hin zu etwa 80 Sekunden. Die Paarung wird meist mehrfach wiederholt.

Das Weibchen baut in Bäumen, in der Regel in Baumhöhlen oder größeren Astlöchern ein Nest aus Blättern, wo sie ihre Jungen zur Welt bringt. Die Tragezeit beträgt 115 bis 133 Tage, die Wurfgröße liegt zwischen 1 und 3 (2) Jungtiere. Die Jungtiere sind bereits weit entwickelt und weisen je nach Art ein Geburtsgewicht von rund 7 bis 45 Gramm auf. Sie verfügen bereits über ein Fell und ihre Augen sind geöffnet. Schon kurz nach der Geburt können sie ihr Nest für kleinere Ausflüge verlassen. Die ersten Aktivitäten der Jungtiere der Riesengalagos außerhalb des Nestes beginnen ab der siebten oder achten Lebenswoche. Ein Männchen wird vom Muttertier in der Nähe des Nestes nicht geduldet, da es zur Kindstötung durch Männchen kommen kann. Die Jungtiere werden etwa für 60 bis 90 Tage gesäugt. Ihre erste feste Nahrung nehmen Jungtiere jedoch schon zu Beginn des zweiten Monats zu sich. Die Lebenserwartung in Freiheit liegt bei den kleineren Arten bei 4 bis 5 Jahren, bei den Riesengalagos wahrscheinlich bei bis zu 10 Jahren. In Gefangenschaft können kleinere Arten ein Alter von 10 bis 14 Jahren erreichen, Riesengalagos bis zu 18 Jahren.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Bis auf den Rondo-Zwerggalago (Galagoides rondoensis), der in der Roten Liste der IUCN aus stark gefährdet gelistet wird, gehören die meisten anderen Arten der Galagos noch nicht zu den bedrohten Arten. Ihr Status ist LC, Lest Condern, was einer Nichtgefährdung entspricht. Bei einigen Arten wie dem Berg-Zwerggalago (Galagoides orinus) oder dem Grant-Zwerggalago (Galagoides granti) ist jedoch die Bestandsentwicklung unerforscht. Diese Arten werden in der Kategorie DD, Data Deficient, geführt. Galagos spielen in ihrem Lebensraum eine durchaus wichtige Rolle. Sie steuern auf der einen Seite die Populationen von Schadinsekten und gelten auf der anderen Seite als Nahrungsgrundlage für zahlreiche Fleischfresser. Fruchtfressende Arten gelten zudem als exzellente Samenverbreiter. Die einheimische Bevölkerung stellt den größeren Arten, insbesondere den Riesengalagos wegen des Fleisches nach. Zu den weiteren Gefährdungsfaktoren zählt die Vernichtung der natürlichen Lebensräume. Der Mensch stellt zudem den kleineren Arten nach, um den nationalen und internationalen Haustierhandel zu bedienen. Der Handel mit den Tieren ist jedoch aufgrund des Washingtoner Artenschutzabkommens (CITES) streng reguliert.

Systematik der Galagos

Senegal-Galago (Galago senegalensis)
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Senegal-Galago (Galago senegalensis)
Großohr-Riesengalago (Otolemur crassicaudatus)
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Großohr-Riesengalago (Otolemur crassicaudatus)

Familie: Galagos (Galagonidae)

Gattung: Kielnagelgalagos (Euoticus)
Art: Nördlicher Kielnagelgalago (Euoticus pallidus)
Art: Südlicher Kielnagelgalago (Euoticus elegantulus)
Gattung: Gewöhnliche Galagos (Galago)
Art: Somalia-Galago (Galago gallarum)
Art: Brillen-Galago (Galago matschiei)
Art: Moholi-Galago (Galago moholi)
Art: Senegal-Galago (Galago senegalensis)
Art: Allen-Galago (Galago alleni)
Art: Kamerun-Galago (Galago cameronensis)
Art: Demidoff-Galago (Galago demidovii)
Art: Gabun-Galago (Galago gabonensis)
Art: Grant-Galago (Galago granti)
Art: Malawi-Galago (Galago nyasae)
Art: Berggalago (Galago orinus)
Art: Rondo-Galago (Galago rondoensis)
Art: Thomas-Galago (Galago thomasi)
Art: Sansibar-Galago (Galago zanzibaricus)
Gattung: Eichhörnchengalagos (Sciurocheirus)
Art: Sciurocheirus alleni
Art: Sciurocheirus cameronensis
Art: Sciurocheirus gabonensis
Gattung: Zwerggalagos (Galagoides)
Art: Demidoff-Zwerggalago (Galagoides demidoff)
Art: Grant-Zwerggalago (Galagoides granti)
Art: Malawi-Zwerggalago (Galagoides nyasae)
Art: Berg-Zwerggalago (Galagoides orinus)
Art: Rondo-Zwerggalago (Galagoides rondoensis)
Art: Thomas-Zwerggalago (Galagoides thomasi)
Art: Udzungwa-Zwerggalago (Galagoides udzungwensis)
Art: Sansibar-Zwerggalago (Galagoides zanzibaricus)
Gattung: Riesengalagos (Otolemur)
Art: Großohr-Riesengalago (Otolemur crassicaudatus)
Art: Kleinohr-Riesengalago (Otolemur garnettii)
Art: Silberner Riesengalago (Otolemur monteiri)

Anhang

Siehe auch

  • Nahe Verwandte: die Familie der Loris (Lorisidae)

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X
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