Galapagosbussard

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Galapagosbussard

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neornithes)
Teilklasse: Neoaves
Überordnung: Passerimorphae
Ordnung: Greifvögel (Falconiformes)
Teilordnung: Falconides
Familie: Habichtartige (Accipitridae)
Unterfamilie: Bussardartige (Buteoninae)
Gattung: Bussarde (Buteo)
Art: Galapagosbussard
Wissenschaftlicher Name
Buteo galapagoensis
Gould, 1837

IUCN-Status
Vulnerable (VU) - IUCN

Der Galapagosbussard (Buteo galapagoensis) zählt innerhalb der Familie der Habichtartigen (Accipitridae) zur Gattung der Bussarde (Buteo). Im Englischen wird der Galapagosbussard Galápagos Hawk genannt. Der Galapagosbussard ist auch unter dem veralteten Synonym Polyborus galapagoensis bekannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Der Galapagosbussard ähnelt in Größe und Form dem Rotschwanzbussard (Buteo jamaicensis) und dem Präriebussard (Buteo swainsoni), die in Nordamerika verbreitet sind.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Galapagosbussard ist ein großer, dunkelfarbiger tagaktiver Greifvogel mit breiten Flügeln und mit einem breiten Schwanz, der eine Körperlänge von etwa 55 Zentimeter und eine Flügelspannweite von etwa 120 Zentimeter erreicht, wobei das Weibchen deutlich größer wird. Das Gewicht beträgt etwa 650 bis 850 Gramm. Aufgrund der Größe besteht zwischen dem Männchen und Weibchen ein deutlicher Geschlechtsdimorphismus. Der Galapagosbussard weist eine rußig bräunlich-schwarze Färbung auf. Der Schwanz ist bräunlich getönt und mit dunkelbraunen Querstreifen versehen. Die abgerundeten Schwanzspitzen sind gelbbraun gezeichnet. Die Iris der Augen zeigt eine braune Färbung. Die Beine und die Haut der Schnabelbasis sind gelblich gefärbt und der Schnabel selbst weist eine grauschwarze Tönung auf. Im Gegensatz zum adulten Galapagosbussard ist der Rücken des Jungvogels schwarzbraun getönt und mit gelbbraunen und weißen Tupfen versehen. Der Schwanz weist eine cremefarbene Tönung mit gewellten dunklen Streifen auf. Der Hals, die Kehle, die Brust sowie die Unterseite zeigen ebenfalls eine gelbbraune Zeichnung. Ferner sind die Partien mit zahlreichen schwarzbraunen Flecken gesprenkelt. Der Jungvogel erreicht sein volles Gefieder mit der Geschlechtsreife, die etwa bei drei bis fünf Jahren liegt. Wie alle Arten aus der Gattung der Bussarde (Buteo), so besitzt der Galapagosbussard ein hervorragendes Sehvermögen. Die typischen Rufe des Galapagosbussard sind eine Reihe von kurzen Schreien etwa wie "keer, keeu". Zeitweise hört man auch schnelle Rufe etwa wie "cher, cher, cher".

Lebensweise

Der Galapagosbussard zeigt wenig Angst vor den Menschen. Wahrscheinlich ist es auf die Tatsache zurückzuführen, dass der Galapagosbussard kaum natürliche Feinde auf den Galapagos-Inseln befürchten muss. Es wurde dokumentiert, dass Forscher junge Galapagosbussarde in ihrem natürlichen Lebensraum sogar anfassen konnten. Allerdings können adulte Galapagosbussarde, wenn Jungvögel anwesend sind und sie für ihre Jungen eine Bedrohung empfinden, eine starke territoriale Verteidigung zeigen.
Galapagosbussard
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Galapagosbussard
Der Galapagosbussard lebt, schläft und jagt in Familienverbänden, die aus zwei oder drei Familien bestehen können. Bei der Jagd halten die Familienmitglieder während des Gleitfluges in einer Höhe von 50 bis 200 Meter untereinander ständig Augenkontakt. Die Mitglieder der Familie verständigen sich durch Signale, wenn ein Tierkörper oder ein Opfer gesichtet wurde. Während der Nahrungsaufnahme dominiert immer ein Galapagosbussard an der Nahrungsquelle und verhindert somit, dass andere Familienmitglieder vom Kadaver fressen bis er satt ist. Offensichtlich fordern die Familienmitlgieder nie die Dominanz eines Galapagosbussard heraus. Lieber warten sie bis der dominierende Galapagosbussard mit dem Fressen fertig ist. In der Regel beginnt die Balz im Flug, wobei das Männchen Scheinangriffe auf das Weibchen von oben und von unten fliegt. Das Männchen verfolgt das Weibchen bis hinunter zu den Bäumen, wo auch die Paarung stattfindet. Während der Begattung sind oft eigenartige gluckende Geräusche zu hören. Nach der Paarung gleitet das Männchen mit einem langsamen und niedrigen Rundflug zu Boden. In der Regel lebt das Männchen monogam, während das Weibchen sich mit zwei bis drei (zwei bis acht) Männchen in einer Brutsaison paaren kann. Im Laufe der Nestlingsperiode wärmen das Männchen und das Weibchen abwechselnd die Eier, füttern die Jungen gemeinsam und verteidigen auch das Nest gemeinsam. Nicht selten helfen mehrere Männchen bei der Aufzucht des Nachwuchses.

Verbreitung

Junger Galapagosbussard
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Junger Galapagosbussard

Der Galapagosbussard ist auf den Galápagos-Inseln indigen. Die Galápagos-Inseln liegen südlich des Äquators etwa 1.000 Kilometer westlich von Ecuador, zu dessen Staatsgebiet die Inseln politisch gehören. Derzeit ist die Art auf den Inseln von Charles, Chatham, Duncan, Indefatigable, Santa Cruz, Santiago, Española, Isabela, Fernandina, Pinta, Marchena, Pinzón, und Santa Fe zu finden. Zuvor war der Galapagosbussard auch auf Baltra und auf den Tower-Inseln anzutreffen.

Der Galapagosbussard ist in allen geographischen Biomen auf den Galápagos-Inseln zu finden. Zu den Regionen zählen unter anderem Küstenbereiche, Lavafelder, Laubwälder, offene und steinige Savannen, Gründland, Regenwälder, Buschwerke sowie Berge.

Ernährung

Beliebter Snack: Drusenkopf (Conolophus subcristatus)
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Beliebter Snack: Drusenkopf (Conolophus subcristatus)

Der Galapagosbussard ist ein opportunistischer Fleischfresser und ein geschickter Jäger. Die Nahrung besteht aus Eidechsen (Lacertidae), Ratten (Rattus), Tauben (Columbidae), Hundertfüßern (Chilopoda), Schuppensturmtauchern (Puffinus Iherminieri), Meerechsen (Amblyrhynchus), Drusenköpfen (Conolophus), kleinen Ziegen (Capra), Tölpeln (Sulidae) sowie Kurzfühlerschrecken (Caelifera) und Langfühlerschrecken (Ensifera). Der Galapagosbussard vertilgt auch nahezu jede Form von Aas mit Ausnahme der Meerechsen (Amblyrhynchus), Ohrenrobben (Otariidae) wie Galápagos-Seebären (Arctocephalus galapagoensis) oder Galápagos-Seelöwen (Zalophus wollebaeki), letztere vielleicht wegen der dicken Speckschicht der Haut, die zu dick zum Zerreissen ist. Gelegentlich nimmt der Galapagosbussard auch Abfälle zu sich, wenn die Fischer aus ihren Fischerbooten die Abfälle ins Wasser werfen.

Fortpflanzung

Auf den Galápagos-Inseln herrscht durchweg tropisches Klima. Daher brüten Galapagosbussarde ganzjährig. Die Paarungszeit und die Brutsaison des Galapagosbussard richtet sich jedoch nach den lokalen Witterungsbedingungen. Das Nest wird auf einer Plattform von Lavafelsen, Felsvorsprüngen oder in kleineren Bäumen errichtet. Es ist recht groß und erreicht eine Breite von 80 bis 100 Zentimeter. In der Regel befindet sich das Nest in Höhen von bis zu drei Metern. Das Weibchen legt ein bis drei Eier. Die Inkubationszeit der Eier beträgt 37 bis 38 Tage. Bis die Jungvögel erwachsen sind, vergehen etwa 50 bis 60 Tage. Sowohl die Inkubationszeit als auch das Flüggewerden dauern länger als bei anderen Arten aus der Gattung der Bussarde (Buteo). Die Jungvögel verbleiben noch im Brutgebiet bis sie die Geschlechtsreife im Alter von drei bis fünf Jahren erreicht haben.

Gefährdung und Schutz

Die Siedler auf den Galápagos-Inseln haben den Galapagosbussard fast bis zum Aussterben gejagt, weil er das Geflügel und andere kleine Haustiere der Siedler erbeutet.
Junger Galapagosbussard
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Junger Galapagosbussard
Dass der Galapagosbussard auch hilft, die Population der Ratten zu kontrollieren, wird von den Siedlern kaum zur Kenntnis genommen. Die größte Gefahr droht dem Galapagosbussard, insbesondere auf der Insel Isabela, von verwilderten Hauskatzen (Felis catus) und anderen Prädatoren.

Stand 2006

Der Galapagosbussard war offenbar einmal auf vielen Inseln der Galápagos-Inseln anzutreffen. Die Gesamtpopulation ist schwer abzuschätzen, außer im Hinblick auf die Brutgebiete, auf denen schätzungsweise 130 Paare in den frühen 70er Jahren gezählt wurden. Der Galapagosbussard ist jetzt schon auf fünf Inseln ausgestorben. Ein starker Rückgang ist auf folgenden Inseln zu beobachten: Santa Cruz (2 Gebiete), Santiago (etwa 50 Gebiete), Española (10 Gebiete), Isabela (etwa 25 Gebiete), Fernandina (10 Gebiete), Pinta (6 Gebiete), Marchena (5 Gebiete), Pinzón (5 Gebiete) und Santa Fe (17 Gebiete). Zum Beispiel die Population Santiagos zählt 180 adulte Galapagosbussarde (250 Individuen inkl. Jungvögel). Die globale Population der adulten Galapagosbussarde auf den Galápagos-Inseln beträgt aktuell 400 bis 500 und der juvenilen Galapagosbussarde 300 bis 400. Wenn das untere Level erreicht ist, dann muss die IUCN möglicherweise intervenieren, um das Aussterben dieser Art zu verhindern.

Das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) stellt den Galapagosbussard in Anhang II, unter Schutz. Status: selten (del Hoyo, J., et al. 1994). Die meisten Inseln der Galápagos-Inseln wurden im Jahre 1979 in Nationalparks umgewandelt und zum Weltkulturerbe erklärt. Die Art wird seit 1959 durch das Ecuadorianische Gesetz geschützt. Die Möglichkeit einer Wiedereinführung von bereits bewohnten Inseln wurde diskutiert. Die Wiedereinführung wurde aber verworfen, da dies nachteilig auf andere bedrohte Arten auswirken könnte. Ökologische Forschungen sind im Gange und es werden in der Folge detaillierte Informationen über die Populationen auf den Inseln der Galápagos-Inseln gesammelt.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. hc Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

Links

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