Galapagoshai

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Galapagoshai

Systematik
Klasse: Knorpelfische (Chondrichthyes)
Unterklasse: Plattenkiemer (Elasmobranchii)
Überordnung: Galeomorphii
Ordnung: Grundhaie (Carcharhiniformes)
Familie: Requiemhaie (Carcharhinidae)
Gattung: Carcharhinus
Art: Galapagoshai
Wissenschaftlicher Name
Carcharhinus galapagensis
Snodgrass & Heller, 1905

IUCN-Status
Near Threatened (NT) - IUCN

Der Galapagoshai (Carcharhinus galapagensis) zählt innerhalb der Familie der Requiemhaie (Carcharhinidae) zur Gattung Carcharhinus. Im Englischen wird dieser Hai Galapagos shark genannt. Namensgebend war sowohl beim wissenschaftlichen Namen als auch dem deutschen und englischen Synonym das Verbreitungsgebiet, die Galapagosinseln, die etwa 1.000 Kilometer westlich vor der Küste von Ecuador liegen.

Der Galapagoshai kann mit dem Grauen Riffhai (Carcharhinus amblyrhynchos) und dem Schwarzhai (Carcharhinus obscurus) verwechselt werden. Der Galapagoshai ist etwas schlanker als der Graue Riffhai und seine Rückenflosse ist deutlicher gerundet. Beim Schwarzhai ist die obere Fahne der Schwanzflosse im Bereich der Spitze leicht gezackt. Ansonsten sind die beiden Arten nur schwer auseinander zu halten. Neben der Schwanzflosse kann auch das Gebiss ein sichereres Unterscheidungskriterium sein.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Der Galapagoshai gehört zu den kleineren Vertretern der Gattung Carcharhinus. Er erreicht je nach Geschlecht eine Länge von 210 bis 260 Zentimeter sowie ein Gewicht von von 50 bis 90 Kilogramm. Rekordlängen von bis zu 370 Zentimeter sind dokumentiert, jedoch selten anzutreffen. Weibchen bleiben ein wenig kleiner und leichter als Männchen. Dorsal ist der Körper überwiegend blaugrau gefärbt, ventral zeigt sich eine weißliche Färbung. Dorsolateral ist eine Hautfalte zu erkennen, die nicht selten heller gefärbt ist.
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Im Bereich der Flossen können dunkle Markierungen vorhanden sein, die bei jedem Tier jedoch unterschiedlich ausfallen. Der Körperbau wirkt ausgesprochen schlank und ist spindelförmig geformt. Der Kopf endet in einer gerundeten und spitz zulaufenden Schnauze.

Die Zähne des kräftigen Gebisses weisen eine leicht dreieckige Form auf und verfügen über eine feine Zackung. Sie sind etwas länger als bei den verwandten Arten. Das sogenannte "Revolvergebiss" verfügt über mehrere hintereinander liegende Zahnreihen. In den hinteren Zahnbildungsgruben bilden sich dabei permanent neue Zähne. Die relativ kleinen Augen liegen weit vorne seitlich am Kopf. Dorsal zeigen sich zwei Rückenflossen, von denen die hintere Rückenflosse deutlich kleiner ausfällt und unmittelbar vor dem Schwanzansatz liegt. Die erste, wesentlich größere Rückenflosse weist eine typische dreieckige Form auf und liegt in etwa in der Mitte des Körpers. Die kleine und sichelartige anale Flosse liegt ventral auf Höhe der zweiten Rückenflosse. Die beiden kleinen Bauchflossen liegen ventral kurz hinter der Analflosse. Die leicht dreieckigen, langen und spitz zulaufenden Brustflossen liegen seitlich am Körper unmittelbar hinter den Kiemenausgängen. Die vertikale Schwanzflosse ist tief gegabelt. Die untere Fahne der Schwanzflosse ist eher kurz, die obere spitz zulaufende Fahne ist sehr lang und weist etwa die doppelte Länge der unteren Fahne auf. Galapagoshaie leben hauptsächlich einzelgängerisch, je nach Lebensraumqualität auch in kleineren Schulen. Sie sind sowohl am Tage als auch in der Nacht aktiv.

Verbreitung

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Galapagoshaie sind zwar weit verbreitet, kommen jedoch weltweit nur punktuell vor. Sie sind für gewöhnlich in Küstennähe des Festlandes oder vor Inseln auf dem Kontinentalsockel anzutreffen. Besiedelt werden tropische und subtropische Gewässer. Neben dem Hauptverbreitungsgebiet, den Galapagosinseln, sind Galapagoshaie im Atlantik auch rund um die Inselgruppe der Bermudas, in der Karibik, vor Madeira und den Kapverdischen Inseln sowie im südlichen und zentralen Atlantik vor St. Helena und Ascension. Im Indischen Ozean sind Galapagoshaie nur an der Südküste Madagaskars anzutreffen. Die größten Populationen treten im Pazifik auf. Hier kommen die Tiere insbesondere vor den Marshallinseln (westlichen Pazifik), vor den Lord-Howe-Insel im westlichen Australien, vor Hawaii, den Cocosinseln und Malpelo vor. Kleinere Populationen treten auch vor der Küste von Kalifornien und Mexiko (Baja California) auf. Ähnlich sieht es im Nordwesten Südamerikas aus. Hier sind die Tiere vor Ecuador und Kolumbien anzutreffen. Bevorzugter Lebensraum sind die Flachgewässer an Küstenlinien und Inseln. In tieferen Gewässern sind sie im Bereich des Kontinentalsockels nur bis in Tiefen von gut 180 Metern anzutreffen. Korallenriffe, Buchten, Lagunen und Mündungsdelta gehören zu den natürlichen Lebensräumen.

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Prädatoren

Die größten Feinde der Galapagoshaie sind Galapagoshaie selbst. Kannibalismus ist unter Galapagoshaie die Regel, wobei vor allem Jungtiere den adulten Haien zum Opfer fallen. Daher besiedeln Jungtiere deutlich flachere Gewässer als erwachsene Tiere. Ansonsten gelten vor allem große Haie wie der Weiße Hai (Carcharodon carcharias) als mögliche Fleischfresser.

Ernährung

Auf der Speisekarte der Galapagoshaie stehen vor allem Knochenfische (Osteichthyes) und Kopffüßer (Cephalopoda). Hin und wieder werden aber auch Seevögel (Aves) und andere Wirbeltiere gefressen. Zur Hauptnahrung gehören jedoch Fische wie Aale (Anguilliformes), Zackenbarsche (Epinephelinae), Plattfische (Pleuronectiformes), Plattköpfe (Platycephalidae), Drückerfische (Balistidae) und kleinere Plattenkiemer (Elasmobranchii) wie kleine Haie (Galeomorphii) und Rochen (Batoidea). Aas wird in der Regel nicht angenommen. Kannibalismus ist unter den Galapagoshaien weit verbreitet. Vor Galapagos stehen auch Meerechsen (Amblyrhynchus cristatus) auf der Speisekarte.

Fortpflanzung

Galapagoshaie erreichen die Geschlechtsreife im Alter von etwa 10 Jahren. Dies entspricht einer Körperlänge von gut 200 Zentimetern. Galapagoshaie gehören zu den lebendgebärenden Haiarten. Die Eier mit den Embryonen reifen im Plazenta der Mutter heran. Die Geschlechter treffen für gewöhnlich nur während der Paarungszeit aufeinander, da die Geschlechter
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überwiegend einzelgängerisch leben. Die Paarung und die Geburt der Jungtiere erstreckt sich für gewöhnlich über das späte Frühjahr oder die Sommermonate. Dabei kommt es in der Regel nur alle zwei Jahre zu einer Geburt. Die paarigen Begattungsorgane der Männchen liegen wie bei allen Haien in einer Körperhöhle unmittelbar unter der Wirbelsäule. In den sogenannten Spermatophoren sammeln sich die Samenzellen. Bei der eigentlichen Paarung führt das Männchen seine Clasper (Begattungsorgane) in die Kloake des Weibchens ein. Über kleine Kanäle werden die Spermatophoren dann in die Kloake des Weibchens gepresst. Die Samenzellen wandern im folgenden selbständig in die Eierstöcke des Weibchens. Hier befruchten die Samenzellen die Eizellen und reifen langsam heran. Unmittelbar nach dem Eisprung wandern die Eier durch das Ostium uteri (kleine Röhren zum Muttermund) in den eigentlichen Fortpflanzungstrakt und weiter in den Uterus. Hier erfolgt die abschließende Entwicklung. In der ersten Phase ernähren sich die Embryonen von den Nährstoffen im Dottersack. Ist der Nahrungsvorrat aufgebraucht, ernähren sich die Embryonen von den Nährstoffen, die über den Uterus abgegeben werden. Nach einer Trächtigkeit von etwa 330 bis 360 Tagen bringt ein Weibchen je nach Alter durchschnittlich 10, selten bis zu 16 Jungtiere zur Welt. Sie weisen eine Geburtslänge von etwa 70 bis 80 Zentimeter auf. Die Lebenserwartung der Galapagoshaie liegt bei 20 bis 24 Jahre.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

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Die Bejagung durch den Menschen spielt kaum eine Rolle. Der Galapagoshai ist zwar weit verbreitet, kommt jedoch nur punktuell vor. Eine weitflächige Verbreitung ist nicht gegeben und das Interesse der Fischereiindustrie an dieser Haiart ist daher kaum vorhanden. Nur lokal stellen einheimische Fische den Tieren nach. Das Fleisch soll ausgesprochen schmackhaft sein. Der Galapagoshai gehört nicht zu den "Menschenfressern" unter den Haien. Gleichwohl kann es zu Übergriffen kommen, wenn die Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum bedrängt werden. Dokumentierte Attacken treten jedoch sehr selten auf, und wenn, dann hauptsächlich in den Nahrungsgründen der Galapagoshaie. Galapagoshaie sind heute noch nicht vom Aussterben bedroht. In der Roten Liste der IUCN wird die Art daher als gering gefährdet (NT, Near Threatened) geführt. Dies stellt die erste Vorwarnstufe dar. Die Gründe für die Rückgänge der Populationen liegen jedoch weitestgehend im Dunklen. Die Bejagung kann nicht einer der Hauptgründe sein. Wahrscheinlich stellt die Verschmutzung der Küstengewässer, insbesondere durch die Verklappung von Altöl aus Schiffen, die Hauptbedrohung dar. Nicht selten verfangen sich Galapagoshaie auch als Beifang in Fischernetzen.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

Links

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