Lavareiher

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Lavareiher

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neornithes)
Teilklasse: Neoaves
Überordnung: Passerimorphae
Ordnung: Stelz- und Schreitvögel (Ciconiiformes)
Unterordnung: Ciconii
Teilordnung: Ciconiides
Überfamilie: Ardeoidea
Familie: Reiher (Ardeidae)
Gattung: Butorides
Art: Lavareiher
Wissenschaftlicher Name
Butorides sundevalli
Reichenow, 1877

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Lavareiher (Butorides sundevalli), auch als Galapagosreiher bekannt, zählt innerhalb der Familie der Reiher (Ardeidae) zur Gattung Butorides. Im Englischen wird der Lavareiher Galapagos Green Heron, Galapagos Heron oder Lava Heron genannt. Der Lavareiher ist auch unter dem Synonym Ardea sundevalli bekannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Der Lavareiher war früher eine Unterart des Mangrovereihers (Butorides striatus). Die jugendliche Form ist kaum von ihm zu unterscheiden. Zusätzlich weisen einige adulte Lavareiher einen grünlichen Rücken und einen gestreiften Nacken auf. Möglicherweise ein Polymorphismus (Genvariante in einer Population), eine Folge der Kreuzung oder ein Beweis der letzten Divergenz (Hall & Heinzel, 2000). Dieser Taxon wird von einigen Autoren immer noch als Unterart des Mangrovereihers betrachtet, aber in der Regel wird der Lavareiher als eine eigenständige Art geführt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Lavareiher ist ein kleiner und kompakter Reiher. Er erreicht eine Körperlänge von etwa 35 Zentimetern, eine Flügelspannweite von 63 Zentimetern sowie ein Gewicht von etwa 193 bis 235 Gramm. Durchschnittlich beträgt das Gewicht 214 Gramm. Der Lavareiher weist eine einheitliche aschfahle graue Färbung über den gesamten Körper auf. Zwischen dem Männchen und dem Weibchen besteht in Größe und Farbe ein deutlicher Dimorphismus. Vor allem während der Paarungszeit ist das Männchen bunter getönt als das Weibchen. Der Schnabel weist eine Länge von 6,35 Zentimetern auf und ist gräulich gefärbt. In der Paarungszeit ist der Schnabel des Männchens wiederum glänzend schwarz getönt. Ferner weist der Lavareiher eine Haube auf dem Kopf auf, die kürzer ist als die der meisten anderen Reiher-Arten. Die Extremitäten sind in der Regel grau, aber während der Paarungszeit zeigen das Weibchen und das Männchen hell orangefarbene bis gelblich getönte Extremitäten. Die Zügel sind in der Paarungszeit von einer grünen bis hellblauen Färbung. Die Jungtiere sind meist bräunlich in ihrer Tönung und weisen zusätzlich eine gestreifte Brust auf.
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Die Haube ist dunkel getönt und zum Nacken hin gräulich. Die Jungvögel weisen eine große Ähnlichkeit mit den Jugendlichen des Mangrovereihers (Butorides striatus) auf. Während der Paarungszeit locken die Männchen die Weibchen mit lauten Rufen an. Ferner wird die Balz mit Rundflügen und mit Verfolgungsflügen vollführt. Zeigt ein Weibchen Interesse für ein Männchen, dann streckt und beugt sich das Männchen und gibt gurrende Laute von sich. Bei der Balz ist das Weibchen etwa einen Meter entfernt von dem Männchen und vollführt die gleichen Balzbewegungen und Balzrufe wie das Männchen. Darüber hinaus berühren sie sich mit den Schnäbeln und putzen gegenseitig ihre Flügel, ihre Brust und ihren Rücken. Allerdings kommt es nach der Balz nicht gleich zur Kopulation. Ferner zeigt der Lavareiher wenige kunstvolle Balztänze und territoriale Aktivitäten als die eng verwandten Arten. Obwohl über das Paarungsverhalten dieser Art wenig bekannt ist, so leben sie doch wie die meisten Reiher-Arten monogam. In der Regel beträgt die Lebensdauer eines Reihers unter günstigen Umständen in der Natur etwa acht bis zwölf Jahre. Jedoch liegen keine genaueren Informationen über die Langlebigkeit des Lavareihers vor. Ebenso liegen keine Informationen über das Alter des Lavareihers in der Gefangenschaft vor. Die ältesten bekannten Individuen in der freien Natur aus dieser Gattung sind der Mangrovereiher (Butorides striatus), bei dem ein Alter von acht Jahren dokumentiert wurde und der Grünreiher (Butorides virescens), der ein Alter von 12 Jahren erreichte.

Lebensweise

Der Lavareiher lebt in erster Linie einzelgängerisch. Im frühen Alter zeigt er schon ein sehr ausgeprägtes territoriales Verhalten. Er ist relativ sesshaft und verläßt nur sein Territorium während der Paarungszeit und wenn er auf Nahrungssuche ist.
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Artgenossen, die in sein Territorium eindringen, werden mit aufgestellter Haube rigoros aus seinem Revier verjagt. Der Lavareiher zeigt auch keine Scheu vor anderen Arten. Ferner zeigt er auch keine Angst vor den Menschen und läßt sie ziemlich nahe an sich herankommen. Dies kann daran liegen, dass er kaum natürliche Feinde befürchten muss und auch ziemlich isoliert lebt im Gegensatz zu seinen Verwandten auf dem südamerikanischen Festland. Der Lavareiher neigt dazu, wenig zu fliegen und verbringt die meiste Zeit zu Fuß. Wenn der Lavareiher fliegt, dann sind die Flüge niedrig, kurz und direkt. Beim Fliegen werden die Zehen nach hinten gestreckt und man erkennt deutlich die bunt gefärbten Sohlen der Zehen.

Die Territorien des Lavareihers befinden sich meistens entlang der Küste. Die einzelnen Territorien können eine Länge von 300 bis 500 Meter betragen. Im Laufe der Zeit können sich die Gebiete ändern. Die Größe eines Territoriums hängt vom Nahrungsangebot innerhalb des Territoriums ab. In einer Studie wurde dokumentiert, dass die Größe der Territorien von der Dichte der Krabben abhängig ist. Jeder Lava-Reiher besitzt sein eigenes Territorium. Die Nester befinden sich im Territorium des Männchens. Während der Paarungszeit und Brutsaison verweilt das Weibchen im Territorium des Männchens. Nach der Saison verlassen das Weibchen und die Jugendlichen das Gebiet des Männchens. Allerdings besitzt auch das Weibchen ihr eigenes Territorium.

Der Lavareiher ist eine relativ ruhige Art und scheint weniger Gesänge vorzutragen als einige ähnliche Arten. Wenn der Lavareiher sich bedroht fühlt oder verängstigt ist, dann bringt er schrille Rufe etwa wie "keyow" oder "keuk" hervor. Um Eindringlinge zu erschrecken oder aus dem Territorium zu verjagen, dann werden spezifische, kratzende territoriale Rufe geäußert. Während der Paarungszeit lockt das Männchen mit Lauten in Form von "skow" die Weibchen an. Neben den hier geschilderten Rufen gibt es noch die gurrenden Laute, die beide Geschlechter während der Balz hervorbringen.

Verbreitung

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Der Lavareiher lebt in subtropischen Regionen und ist auf den Galápagos-Inseln endemisch und kommt nirgendwo anders vor. Er ist auf allen Inseln des Galápagos-Archipels häufig anzutreffen. Der Lavareiher lebt und brütet entlang an der Küste auf Lava-Gestein. Ferner hält er sich in Salzwasser-Lagunen und in Mangrovenwäldern der Galápagos-Inseln auf. Er ist vorwiegend ein terrestrischer Vogel, das heißt, dass er die meiste Zeit seines Lebens auf dem Boden verbringt.

Ernährung

Der Lavareiher findet seine Nahrung in Uferzonen, auf Booten, auf dem Land und in den Bäumen. Er ernährt sich vor allem von kleinen Fischen (Pisces) und von Krabben (Brachyura). Aber auch Eidechsen (Lacertidae), Insekten (Insecta), Zehnfußkrebse (Decapoda) sowie einige kleine Vögel (Aves) gehören zu seinem Nahrungsspektrum. In vielen Fällen werden nur die Extremitäten der Krabben abgebissen und verspeist, während die Krabbe weiterläuft. Der Lavareiher kann etwa zwei bis drei Krabben pro Minute fangen. Gelegentlich nimmt der Lavareiher auch Eier oder Küken von verschiedenen Finken (Fringillidae) und Spottdrosseln (Mimidae) zu sich. Er versucht nicht wie andere Vögel eine Beute zu jagen, sondern er lauert seine Beute auf.
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Der Lavareiher kann oft seine Beute nicht in Ruhe verzehren, da Lavamöwen (Larus fuliginosus), Galapagosbussarde (Buteo galapagoensis) und Prachtfregattvögel (Fregata magnificens) ihm die Nahrung streitig machen.

Der Lavareiher fängt seine Nahrung sowohl bei Ebbe als auch bei Flut. Zum Fang seiner Nahrung hockt sich der Lavareiher heimlich hin und lauert das ahnungslose Opfer im Wasser oder an Land auf. Er kann aber auch nach Fischen tauchen. Der Lavareiher schreitet im flachen Wasser, in den Niederungen oder am Ufer sehr langsam, dabei legt er meistens nur 1 Meter pro Minute zurück. Manchmal scharrt er mit seinen Füßen auf der Suche nach Nahrung den Boden auf. Gelegentlich wendet der Lavareiher wie viele eng verwandte Arten auch eine Ködertechnik beim Beutefang an. Einige Lavareiher haben ihre eigenen bevorzugten Nahrungsplätze, die meistens eine große Fläche aufweisen. Sie verlassen aber auch manchmal ihre Nahrungsplätze und fliegen zu kleineren Nahrungsplätzen. Ferner neigen einige Lavareiher dazu, ihre bevorzugte Beute mit einer individuellen Fangtechnik zu erbeuten.

Prädatoren

Der adulte Lavareiher hat nicht viele natürliche Feinde auf den Galapgos-Inseln zu befürchten. Nur der Prachtfregattvogel (Fregata magnificens) stellt dem Lavareiher gelegentlich nach. Für die meisten Vogelarten auf den Galapagos-Inseln, stellen die invasiven Arten eine große Gefahr dar. Insbesondere werden die Eier, die Küken sowie die Jungvögel von den Hausratten (Rattus rattus), Wildschweinen (Sus scrofa) sowie von den Feuerameisen (Solenopsis) attackiert. Auch die verwilderten Hauskatzen (Felis catus) stellen ständig eine drohende Gefahr für die Vögel dar. Das Gefieder des Lavareihers weist dieselbe Färbung auf wie die grauen Basalt-Felsen, auf dem er lebt und nistet. Diese Färbung bietet einen gewissen Schutz vor den natürlichen Feinden und vor den invasiven Arten, die auf der Galapgos-Insel eingeschleppt wurden. Befindet sich ein Prädator in der Nähe, so stößt der Lavareiher Alarmrufe aus, die auch andere Vögel vor Gefahr warnen.

Fortpflanzung

Der Lavareiher führt eine monogame Einehe. Im Allgemeinen ist über die Reproduktionszeit und über den Beginn der Geschlechtsreife des Lavareihers wenig bekannt. Das übliche Alter bei der ersten Aufzucht von eng verwandten Arten wird auf etwa zwei Jahre geschätzt. Der Lavareiher brütet das ganze Jahr über, meistens nach heftigen Regenfällen und nach Dürreperioden. Die eigentliche Paarungszeit und die Brutsaison finden in den Monaten von September bis März statt.
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Vor der Paarung suchen das Männchen und das Weibchen eine geeignete Stelle für das Nest aus. Das Konstrukt ist in der Regel ein flaches aus Zweigen bestehendes Nest und weist einen Durchmesser von etwa 20 bis 40 Zentimeter auf. Der Nestbau kann bis zu zwei Wochen dauern. Während der Paarungszeit und Brutsaison wird das Nest ständig ausgebessert und weiter ausgebaut. Im Allgemeinen befindet sich das Nest allein an einer abgelegenen Stelle. Außer, wenn in dem Gebiet ein reichhaltiges Nahrungsangebot vorhanden ist, dann können sich auch zwei oder drei Nester in der Nähe befinden. Das Nest wird in der Regel im Territorium des Männchens errichtet. Es befindet sich meistens 1 Meter über dem Boden in Sträuchern, in Mangroven oder unter Steinen. In der Regel legt das Weibchen ein bis drei Eier. Es kann bis zu drei Jahresbruten kommen. Nach einer Studie sind die Überlebensraten sehr gering, denn meistens erreicht nur ein Küken das Erwachsenenalter. Es gibt kaum aufgezeichnete Studien über das Aussehen der Eier des Lavareihers. Aber die Eier von eng verwandten Arten weisen eine blasse blaugrüne Färbung auf. Die durchschnittliche Größe der Eier beträgt etwa 37 x 28 Millimeter.

Die Inkubationszeit der Eier dauert etwa 21 bis 22 Tage, die von dem Weibchen und von dem Männchen gewährleistet wird. Die Küken schlüpfen innerhalb von drei bis vier Tagen asynchron. Sie sind nach dem Schlupf leicht bedunt und das Dunenkleid weist eine hellgraue Färbung auf. Die Küken sind reine Nesthocker und werden von den Altvögeln mit hochgewürgter Nahrung gefüttert. Nach einer Woche können sie aber schon klettern und nach etwa 15 Tagen springen sie zwischen den Zweigen umher. Es vergehen dann noch etwa 34 bis 35 Tage bis die Jungvögel flügge sind. Die Altvögel betreuen die Jungen noch weiterhin zwei Wochen. Auch nach dem Verlassen des Nestes werden die Jungvögel noch einige Zeit von den Altvögeln mit Nahrung versorgt.

Ökologie

Der Lava-Reiher ist als natürlicher Prädator wichtig für die Fische und Krabben, da er die Populationen dieser Arten reguliert. Der Lavareiher hat kaum natürliche Feinde zu befürchten, aber er wird manchmal von anderen Vogelarten belästigt, die ihm seine erbeutete Nahrung stehlen.
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Bei dem Lavareiher sind parasitäre oder mutualistische (Gegenseitigkeit, Wechselseitigkeit) Beziehungen nicht bekannt. Jedoch gibt es kommensale (Zusammenleben zweier artfremder Organismen) Beziehungen mit dem Galápagos-Pinguin (Spheniscus mendiculus) und mit dem Galápagos-Seelöwen (Zalophus wollebaeki). Denn der Lavareiher hält sich in der Nähe der Pinguine und Seelöwen auf, um die Beute, die vor den Pinguinen und Seelöwen flieht, zu fangen.

Es gibt keine bekannten negativen Auswirkungen des Lavareihers auf den Menschen. Im Gegenteil, da der Lavareiher einzigartig unter den vielen Arten ist, lockt er die Ökotouristen auf die Galapagos-Inseln und der Mensch profitiert von dieser Art durch den Ökotourismus.

Gefährung und Schutz

Der Lavareiher gehört heute noch nicht zu den bedrohten Vogelarten. Das globale Verbreitungsgebiet erstreckt sich annähernd über 10.000.000 Quadratkilometer. Die globale Population wurde nicht quantifiziert. Der Lavareiher ist in weiten Teilen dieses großen Areals meist sehr häufig anzutreffen (Stotz et al. 1996). Der globale Trend der Population wurde jedoch bisher noch nicht quantifiziert. In der Roten Liste der IUCN wird der Lavareiher als least concern (nicht gefährdet) geführt. Auch wenn der Lavareiher noch nicht zu den bedrohten Vogelarten gehört, so stellen doch letztendlich die illegale Fischerei und die Zerstörung der Mangroven sowie das vermehrte Fangen der Garnelen eine Bedrohung für die Zukunft dieser Spezies dar.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

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