Gambische Malariamücke

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Gambische Malariamücke

Systematik
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Zweiflügler (Diptera)
Unterordnung: Mücken (Nematocera)
Familie: Stechmücken (Culicidae)
Unterfamilie: Anophelinae
Gattung: Malariamücken (Anopheles)
Art: Gambische Malariamücke
Wissenschaftlicher Name
Anopheles gambiae
Giles, 1902

Die Gambische Malariamücke (Anopheles gambiae), auch unter den Synonymen Anopheles costalis, Anopheles gracilis, Anopheles minor und Anopheles typicus bekannt, zählt innerhalb der Familie der Stechmücken (Culicidae) zur Gattung der Malariamücken (Anopheles). Im Englischen wird die Gambische Malariamücke african malaria mosquito genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Taxonomie der Anopheles kann verwirrend sein, wichtige Unterscheidungsmerkmale sind die Haare, die Farben und die Flügel-Muster. Identisch erscheinende Erwachsene repräsentieren verschiedene (senso stricto, ss = im engeren Sinne) Arten oder Geschwister der gleichen (komplexen oder sensu lato, sl = im weiteren Sinne) Arten. Nur wenige Anopheles-Arten sind wirksame Malaria-Überträger.

Die Gambische Malariamücke erreicht eine Körperlänge von etwa 3,0 bis 4,5 Millimeter, wobei das Männchen in der Regel kleiner als das Weibchen ist. Die Taster des Weibchens sind deutlich länger als die gefiederten Antennen. Bei dem Weibchen zeigt sich eine lehmgelbliche Färbung. Des Weiteren sind die beiden ersten Fühlerglieder gelb und die folgenden bräunlich. Die Taster sind schwarz und mit einem weißen Ring auf jedem ihrer Gelenke versehen. Der Thoraxrücken ist an jeder Seite mit einer breiten bräunlichen Längsstrieme und auf der Mitte mit undeutlicheren bräunlichen Linien besetzt. Die Brustseiten sind blass-bräunlich gestriemt und gefleckt. Die Behaarung von Thorax, Schildchen und Hinterleib sind ganz bleich-gelblich. Die Beine sind gelbbraun und die Schenkel sind gegen die Basis hin gelblich gefärbt. Auch die alleräußerste Spitze der Knie und der Schienen zeigt eine gelbliche Färbung. Die Flügel sind glasartig, mit blass-gelblichen und fast weißlich behaarten Adern versehen, die stellenweise eine schwarze Behaarung aufweisen, so dass dadurch die auffallende Zeichnung der Flügel entsteht. Am auffallendsten sind vier dadruch gebildete, am Vorderrand liegende, die erste Längsader nicht überschreitende, längliche, schwarze Flecke, welche mit ebenso
Habitat Gambia-Fluss
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Habitat Gambia-Fluss
viel hellen Stellen alternieren. Auf der übrigen Fläche der Flügel ist die Zeichnung viel weniger auffällig, da hier die Adern nicht so nahe beieinander liegen, auch die schwarz gefärbten und schwarz behaarten Stellen benachbarter Adern nicht so zusammenfallen. Für das Männchen sind die sechsgliedrigen buschig behaarten Antennen charakteristisch. Die Antennen der Weibchen weisen stets 15 Glieder auf. Das adulte Männchen erkennt man an den stark gefiederten Fühlern und an das verdickte zweite Antennen-Grundglied. <1>

Lebensweise

Nur das Weibchen saugt Blut und auch nur das Weibchen überträgt die Malaria. Nach einer Blutmahlzeit beginnt das Weibchen Eier zu legen. Die Entwicklung von Eiern zu Larven und Nymphen im Wasser dauert etwa 7 bis 20 Tage. Unter optimalen Bedingungen können die Populationen explodieren. Kontinuierliche Reproduktionen sind saisonal oder ganzjährig. Brutstätten können Teiche, Kanäle, Felder, Lagunen, Zisternen, Brunnen und Kanalisationen sein. Ein ungewöhnlicher Brutplatz in Lateinamerika sind die mit Wasser gefüllten Bromelien auf den Bäumen. Mit zunehmender Entfernung der Brutstätten nimmt die Zahl der weiblichen Malariamücken und das Risiko von infektiösen Stichen ab. Die Gambische Malariamücke ist resistent gegen DDT (Dichlordiphenyltrichlorethan) und Pyrethroide (synthetische Insektizide). In feuchten Jahreszeiten kann die Gambische Malariamücke in Schwärmen auftreten. <2>

Verbreitung

Die Gambische Malariamücke wird in den meisten afrotropischen Regionen mit Ausnahme am Horn von Afrika (Somali-Halbinsel) und der Arabischen Halbinsel gefunden. Ferner trifft man sie in der Sahel-Zone an, selten über 500 mm der Agronomischen Trockengrenze (Isohyeten). Im Süden ist die Gambische Malariamücke in Südafrika, Swasiland, Botswana und in Namibia selten. Im Süden von Mosambik ist sie ebenfalls selten, aber dominiert im Norden sowie an den Küsten von Tansania und Kenia. In allen Waldregionen von Zentral- und Ostafrika ist die Gambische Malariamücke zu finden. Ferner ist sie in den Feuchtsavannen von Westafrika vertreten.
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Gambische Malariamücke
Je nach lokalen ökologischen Gegebenheiten hält sich die Gambische Malariamücke auch auf der Hochebene von Ostafrika, Süd-Kongo, Angola und Sambia auf. Im Hochland von Kenia (Nandi), Uganda (Kigezi), Ruanda, Burundi, Kongo und Tansania trifft man sie sogar in einer Höhe von 1.800 bis 2.000 Metern an. In Burundi und Kenia hält sie sich in tieferen Lagen (900 Meter) auf, vor allem wenn Papyrus und Reis geerntet werden. Die Gambische Malariamücke ist eine dominante Art an den östlichen und nördlichen Küsten Madagaskars und weniger häufig an der Westküste im Süden und auf dem Plateau. Auf den Komoren sowie auf den Atlantik-Inseln Sao Tomé und Malabo ist sie die einzige Süßwasser-Art, die dort zu finden ist. Eingeschleppt wurde die Gambische Malariamücke im Nordosten von Brasilien. <3>

Ernährung

In der Waldregion von Kamerun findet man überwiegend männliche Gambische Malariamücken. Das Männchen verbringt mehr Zeit, etwa 90 Prozent, für die Nahrungssuche. Diese trophische Auswahl ist wahrscheinlich auf das Fehlen von Vieh und ein Mangel an Antilopen im Wald zurückzuführen. Auch wenn die Gambische Malariamücke von Primaten stark angezogen wird, so überträgt sie keine Plasmodien (einzellige Parasiten) zwischen den Affen, da sie nicht in den dichten Waldgebieten, in denen diese Tiere leben, eindringt. In großen dichten Wäldern sind die einzigen natürlichen Lebensräume für Larven ausgetrocknete Flussbetten. In der Savannenzone, in denen Wald- und Savannen-Formen aufeianderfolgen und eine Mischform darstellen, scheint die Gambische Malariamücke häufig aufzutreten, da dort die Besatzdichte der Tiere und Menschen ziemlich hoch ist. In Burkina Faso werden Mensch und Vieh gleichermaßen gestochen und einige Tiere weisen sogar menschliche Sporozoiten (Entwicklungsstadium der Einzeller) auf. Dies sind direkte Beweise für wechselnde Ernährungsgewohnheiten der Gambischen Malariamücke.

Das endophile Verhalten dieser Art ist ein kontroverses Thema, eine Kontroverse, die mit der Existenz verschiedener Zytotypen (Chromosomenvarianten) verbunden ist. In den Waldgebieten der Ostküste von Madagaskar und im Süden von Kamerun verlassen die meisten Weibchen die Häuser, in denen sie während der Nacht oder am nächsten Morgen die Blutmahlzeit beim Menschen eingenommen haben. In der Region Maroua in Kamerun und in Burkina Faso, halten sich die meisten Weibchen mindestens 24 Stunden im Inneren des Hauses auf, in dem sie die Blutmahlzeit eingenommen haben. Die Gambische Malariamücke gilt als eine der effizientesten Krankheitsüberträger in der Welt mit einer Sporozoiten-Rate mehr als 3 Prozent. In Uganda erreichte sie sogar in einer Höhe von 1.700 Metern eine Sporozoiten-Rate von 10 Prozent. In Burkina Faso beträgt die Sporozoiten-Rate weniger als 1 Prozent in den Reisfeldern. <4>

Fortpflanzung

Zur Paarung findet sich ein Paar in einem Schwarm anhand eines bestimmten Sinnesorganes, welches den tieferen Flugton eines Weibchens um 350 Hertz wahrnimmt. Nach der Paarung werden Proteine für die Bildung und Reifung der Eier benötigt, die nur über das Blut von Tieren und von Menschen zu erhalten. Aus diesem Grund werden die Weibchen sprichwörtlich zum Vampir und saugen das benötigte Blut. Nach der Paarung legt das Weibchen einzelne Eier auf der Oberfäche des Wassers ab. Die Eier weisen zwei seitliche flossenartige Schwimmkörper auf, mithilfe dieser Gebilde können sie an der Wasseroberfläche schwimmen. Die Eier bleiben dabei in horizontaler Position.
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Die Anzahl der gelegten Eier beträgt 40 bis 100. Die Eier haben ein spindelförmiges Aussehen. Die Larven schlüpfen innerhalb von 24 bis 48 Stunden. Die Anopheles-Larven sind relativ kleiner und dunkler als die Culex-Larven. Der Körper besteht aus Kopf, Brust und Bauch. Der Kopf weist ein Paar Antennen, Facettenaugen sowie dorsal und ventral bürstenartige Palpen auf. Ihre Nahrung, bestehend aus Algen, strudeln sie mithilfe der Borsten ihrer Mundwerkzeuge herbei. Der Thorax ist nicht segmentiert, ist breiter als der Kopf und ist mit Haarbüscheln besetzt. Das Abdomen weist neun Segmente auf und jedes Segment ist mit Palmhaaren ausgestattet. Acht Segmente weisen ein Paar viereckige Platten mit zwei Luftlöchern auf. Das neunte Segment hat dorsale, ventrale Bürsten und Tracheenkiemen. Das Atemrohr und die Kammreihen fehlen am neunten Segment. Während die Larven Luft ansaugen befindet sich der Kopf horizontal. Bis sich die Larven in eine Puppe verwandeln, durchlaufen sie vier Häutungen. Im Puppenstadium ist der Körper kommaförmig und besteht aus einem Cephalothorax und einem ventral gebogenen Bauch. Der Cephalothorax weist Augen, Antennen und ein kurzes Atemhorn auf. Das Abdomen besteht aus neun Segmenten, die mit Palmhaaren besetzt sind. Am achten Segment befinden sich Anhängsel zum Schwimmen. Die Anhängsel sind mit kurzen und langen Borsten versehen. Nach wenigen Tagen ist die Umwandlung in der Puppe abgeschlossen und verlassen nach dem Befreien der Puppenhülle das Wasser. <5>

Arten

Derzeit gibt es sieben Arten innerhalb des Komplexes der kryptischen Arten:

Art: Anopheles gambiae s.str. - (Giles 1902)
Art: Anopheles merus - (Dontiz 1902)
Art: Anopheles melas - (Theobald 1903)
Art: Anopheles arabiensis - (Patton 1905)
Art: Anopheles quadriannulatus - (Theobald 1911)
Art: Anopheles bwambae - (White 1985)
Art: Anopheles comorensis - (Brunhes le Goff & Geoffroy 1997)

Derzeit wurde eine neue Art mit in den Prozeß der Studie aufgenommen:

Art: Anopheles goundry (2011)

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

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