Gangesadler

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Gangesadler

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse Neukiefervögel (Neornithes)
Ordnung: Greifvögel (Falconiformes)
Familie: Habichtartige (Accipitridae)
Unterfamilie: Aquilinae
Gattung: Echte Adler (Aquila)
Art: Gangesadler
Wissenschaftlicher Name
Aquila hastata
(Lesson, 1834)

IUCN-Status
Vulnerable (VU)

Der Gangesadler (Aquila hastata) zählt innerhalb der Familie der Habichtartigen (Accipitridae) zur Gattung der Echten Adler (Aquila). Im Englischen wird der Gangesadler indian spotted eagle genannt. Es gibt keine bekannten Unterarten, demnach ist die Art monotypisch. Aquila pomarina (Sibley & Monroe 1990, 1993) wurde in Aquila pomarina und in Aquila hastata nach Parry et al. (2002) gesplittet. Jedoch wird dieser Taxon als Subspezies von Aquila pomarina im weiteren Sinne (sensu-lato) von einigen Autoren betrachtet.

Inhaltsverzeichnis

Taxonomie

Der Gangesadler wurde früher als die ansässige Unterart des Schreiadler (Aquila pomarina) angesehen, jedoch wurde dies ganz deutlich und leicht trennbar durch morphologische, Verhaltens-, ökologische und DNA-Sequenzen unter Beweis gestellt. Die indische Linie scheint sich in der Mitte des Pliozän, vor vielleicht etwa 3,6 Millionen Jahren, aus dem gemeinsamen Vorfahren des Schreiadler (Aquila pomarina) und des Schelladler (Aquila clanga) auseinander entwickelt zu haben. Die Urform des Schreiadler (Aquila pomarina) hat wahrscheinlich in der Region Afghanistans gelebt, die durch die beiden Gletscher und Wüsten in Zentralasien während der letzten Eiszeit in eine nördliche und in eine südliche Linie aufgeteilt wurde.

Beschreibung

Aussehen, Maße

Der Gangesadler ist ein gedrungener, mittelgroßer Greifvogel und erreicht eine Körperlänge von etwa 60 bis 65 Zentimeter und eine Spannweite von etwa 150 Zentimeter. Er weist kurze, breite Flügel und einen eher kurzen Schwanz auf. Die Altvögel sind im Wesentlichen braun gefärbt. Charakteristische Merkmale des Gangesadler sind sein breiter Kopf und sein breiter Schnabel. Beim Aufsperren des Schnabels sieht man deutlich die fleischigen Schnabelwinkel, die bis zur Mitte des Auges reichen. Die Nasenöffnung in der Schnabelmitte ist rundlich geformt. Die wenig befiederten Beine erscheinen lang und dünn. Bei den Altvögeln wirkt das braune Gefieder etwas heller und als Folge kontrastieren die blassen Flügeldecken und Schwungfedern auf dem oberen und unteren Gefieder. Im Flug zeigen sich leicht abgerundete, weniger sperrige, etwas dünnere Flügel. Im Jugendkleid und später im subadulten Gefieder sind die hellen Flecken auf den verborgenen oberen Schwungfedern kleiner und weniger kontrastreicher von der Grundfarbe her. Der Ruf des Gangesadler ist ein lautes lachendes Gackern.

Lebensweise

Laut der Roten Liste der IUCN ist der Gangesadler ein kraftvoller Greifvogel, der die Beute, vor allem Säugetiere, vom Boden innerhalb oder in der Nähe des Waldes ergreift. Auch Frösche und Vögel werden von ihm nicht verschmäht. Der Gangesadler ist ein Baumbrüter, der offene Lebensräume wie wenig intensivierte Landwirtschaft, Feuchtgebiete und offene Wälder sowie Waldlichtungen ganzjährig in Indien besiedelt. In Kambodscha hält sich der Gangesadler Ende Februar auf. Im Gegensatz zum Schreiadler (Aquila pomarina), der im Winter die Feuchtgebiete Indiens aufsucht, zeigt der Gangesadler keine besondere Affinität zu Feuchtbiotopen.

Verbreitung

Gangesadler im Flug
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Gangesadler im Flug

Laut der Roten Liste der IUCN scheint der Gangesadler eine weit verbreitete Art zu sein, die jedoch bei einer sehr niedrigen Populationsdichte in den Niederungen der nördlichen Hälfte des indischen Subkontinents erfasst wurde. Des Weiteren kommt der Gangesadler in Pakistan, Nepal, Indien, Bangladesch und Myanmar vor. Auch in Kambodscha wurde die Art gesichtet und eine Populationsdichte hält sich in den immergrünen Laubwäldern in Teilen Indochinas auf. Ist dies der Fall, so war der Bestand dieser Art in der Vergangenheit noch nicht rückläufig, aber heute ist es fast sicher, dass die Art in diesen Gebieten zum Großteil schon ausgerottet ist. Die Feststellung des tatsächlichen Status und der Verbreitung durch eine genaue Identifikation bereiten Probleme und viele der bisherigen Aufzeichnungen dieser Art beziehen sich vermutlich sogar auf den Schreiadler (Aquila pomarina). Der Gangesadler ist in Bangladesch, Indien, Myanmar und Nepal beheimatet und nur als Gast kommt der Gangesadler in Pakistan vor. Seine Lebensräume sind die subtropischen und tropischen trockenen Wälder sowie die landwirtschaftlichen Flächen und Plantagen.

Ernährung

Der Gangesadler ist ein kraftvoller Greifvogel, der sich vor allem von Säugetieren ernährt, die er vom Boden innerhalb oder in der Nähe des Waldes ergreift. Während der Brutzeit ist das Nahrungsspektrum allerdings sehr vielseitig, dazu zählen unter anderem Kröten (Bufonidae), Blutsaugeragame (Calotes versicolor), Kleine Indische Feldmaus (Mus booduga), Gebänderte Bronzenatter (Dendrelaphis tristis), Bajaweber (Ploceus philippinus), Manyarweber (Ploceus manyar), Zwergsumpfhuhn (Porzana pusilla), Dschungelmaina (Acridotheres fuscus) und Hirtenmaina (Acridotheres tristis).

Fortpflanzung

Gangesadler im Flug
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Gangesadler im Flug

Beide Partner beteiligen sich am Horstbau. Der Horst ist immer auf der westlichen Seite ausgerichtet, jedoch so nah wie möglich in der Mitte einer Kokosnusspalme (Cocos nucifera). Für den Horstbau wird der höchste Baum im Hain gewählt. Als Nistmaterial werden für den Horst außen dornige Zweige von Mesquitesträuchern Prosopis juliflora und Acacia nilotica verwendet. Der Horst wird in einer Höhe von 9 bis 12 Metern angelegt. Durch die Höhe wird eine gewisse Sicherheit garantiert und bietet zusätzlich eine klare Rundumsicht für herannahende Gefahren. Das Männchen sammelt bis zu sieben Einsätzen in einer halben Stunde unentwegt Nistmaterial für den Horst. Der Horstbau dauert insgesamt bis zu zwei Wochen. Der dornige Horst wird innen mit grünen Blättern und Zweigen der Kokosnusspalme (Cocos nucifera), des Niembaum (Azadirachta indica), der Pappel-Feige (Ficus religiosa) und der Sennespflanze (Cassia auriculata) ausgepolstert. Aus irgendeinem Grund sind die Früchte des Niembaum (Azadirachta indica) eine beliebte Nahrung vor und nach dem Schlüpfen des Küken bis es sieben Wochen alt ist. Nach erfolgreicher Paarung legt das Weibchen ein einziges Ei. In der Regel wird nur ein Ei jedes Jahr gelegt. Die Inkubation beginnt in der Trockenzeit und endet kurz vor dem Monsum. Normalerweise beginnt die Inkubation in der dritten Woche im März und endet in der zweiten Maiwoche.

Während der Inkubation versorgt das Männchen das Weibchen reichlich mit Nahrung, dazu zählen unter anderem Kröten (Bufonidae), Blutsaugeragame (Calotes versicolor), Kleine Indische Feldmaus (Mus booduga), Gebänderte Bronzenatter (Dendrelaphis tristis), Bajaweber (Ploceus philippinus), Manyarweber (Ploceus manyar), Zwergsumpfhuhn (Porzana pusilla), Dschungelmaina (Acridotheres fuscus) und Hirtenmaina (Acridotheres tristis). Die Inkubation dauert etwa 42 bis 44 Tage. Das Weibchen brütet fast ohne Unterbrechung in den ersten drei Wochen. Danach pausiert das Weibchen täglich 10 bis 35 Minuten entweder am Vormittag oder am Abend. Das Männchen übernimmt dann das Inkubieren und das Weibchen versorgt sich mit Beute, die das Männchen an den Horst gebracht hat. Gelegentlich verläßt das Weibchen den Horst, jedoch für weniger als zehn Minuten, dann sind die Eier nicht inkubiert. Die beiden Partner inkubieren an heißen Tagen, dabei hyperventilieren sie mit teilweise offenem Schnabel. Der Horst wird von beiden Parntern sehr sauber und ordentlich gehalten, vor allem durch die Infusion von frischem Pflanzenmaterial. Das Weibchen trägt im Allgemeinen die Bissen, die das Männchen gebracht hat und verzehrt diese auf einem nahe gelgenen Baum. Das Küken defäkiert über den Rand des Horstes. Allerdings wird das Küken im Horst von den Altvögeln gefüttert. Die Brutzeit des Küken dauert etwa drei bis sechs Wochen. Danach bleibt das Weibchen weg vom Horst, jedoch hält sich das Weibchen in der Nähe des Horstes auf.

Bedrohung, Schutz

Gangesadler im Flug
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Gangesadler im Flug

Obwohl diese Art wenig bekannt, ist sie zweifellos durch Umwandlung und Zerstörung der bewaldeten Lebensräume innerhalb seiner Reichweite bedroht. Eine Reihe anderer Bedrohungen haben negative Auswirkungen auf viele Greifvögel-Populationen in Asien und weitere Forschungsarbeiten über die drohenden Prozesse und Auswirkungen auf diese Arten sind dringend erforderlich. Um die Art zu erhalten, müssen aktuelle Bestandsaufnahmen in den Schutzgebieten, einschließlich Keoladeo National Park, Kaziranga National Park, Corbett National Park, Ranthambore Tiger Reserve und Mudumalai Tiger Reserve durchgeführt werden. Des Weiteren sollte eine Durchführung nationaler Brutplätze über den gesamten Bereich erhoben werden, um die Anzahl, Verbreitung und um den Status der Art festzustellen. Ferner sollten Forschungen betrieben werden, um den ökologischen Anforderungen gerecht zu werden. Eine weitere Maßnahme ist die Umfrage geeigneter Lebensräume in Kambodscha, Laos und Myanmar, um den Erhalt dieser Art zu gewährleisten und wo die Art besonderen Schutz genießt. All die genannten Faktoren haben zum Rückgang dieser Art beigetragen und auf Grund dessen wird die Art in der Roten Liste der IUCN als vulnerable (gefährdet) geführt.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

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