Karausche

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Karausche

Systematik
Klasse: Strahlenflosser (Actinopterygii)
Unterklasse: Neuflosser (Neopterygii)
Teilklasse: Echte Knochenfische (Teleostei)
Überordnung: Ostariophysi
Ordnung: Karpfenartige (Cypriniformes)
Überfamilie: Karpfenähnliche (Cyprinoidea)
Familie: Karpfenfische (Cyprinidae)
Gattung: Karauschen (Carassius)
Art: Karausche
Wissenschaftlicher Name
Carassius carassius
(Linnaeus, 1758)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Karausche (Carassius carassius), die auch unter der Bezeichnung Schneiderkarpfen, Bauernkarpfen, Steinkarpfen, Moorkarpfen, Gareisle, Guratsch, Burretschel und Kotbuckel bekannt ist, zählt innerhalb der Familie der Karpfenfische (Cyprinidae) zur Gattung der Karauschen (Carassius). Im Englischen wird die Karausche Crucian carp genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Gemeinsame Aktion in Deutschland und in Österreich
Der Verband der Deutschen Sportfischer (VDSF), Sitz in Offenbach, und das Österreichische Kuratorium für Fischerei und Gewässerschutz (ÖKF) sowie das Bundesamt für Naturschutz (BfN) und der Verband Deutscher Sporttaucher (VDST) haben die Karausche zum Fisch des Jahres 2010 gewählt. Mit dieser Wahl soll darauf aufmerksam gemacht werden, dass die Bestände der Karausche fast im gesamten Verbreitungsgebiet erheblich zurückgegangen sind und dass es gilt, diesen außergewöhnlichen und einzigartigen Fisch besser zu schützen.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Karausche kann eine Gesamtlänge von etwa 50 bis 64 Zentimeter und ein Gewicht von 3 Kilogramm erreichen. Charakteristische Merkmale der Karausche sind unter anderem die spatelförmigen Schlundzähne, die auf jeder Seite 4 in einer Reihe angeordnet sind. Der Mund ist endständig geformt und weist keine Barteln auf. Die Basis der Rückenflosse ist verlängert und die Afterflosse erscheint ziemlich kurz. Die Rückenflosse und die Afterflosse weisen einen rückwärts gesägten Knochenstrahl auf. Die Kopflänge ist gleich halber Körperhöhe und das Stirnprofil ist eben oder gewölbt. Der Rücken verläuft in einem sehr scharfen Bogen bis zur Rückenflosse ansteigend. Insgesamt wirkt der Körper der Karausche gedrungener, hochrückiger und seitlich zusammengedrückter.

Karausche
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Karausche

Die Färbung der Karausche variiert je nach Verbreitungsgebiet und Jahreszeit. Der Kopf weist oben eine olivgrüne Färbung auf, während die Seiten messinggelb bis bronzebraun erscheinen. Die Iris der Augen ist silbern und zusätzlich zeigt sich ein goldener Rand an der Iris, gelegentlich ist der Rand auch dunkelgelb mit einem kupferfarbenen Glanz. Der Rücken ist von einer dunkel grünbraunen Färbung und die Seiten erscheinen etwas heller und gehen in ein Messinggelb oder Bronzebraun über. Der Bauch weist eine rötlich-weiße Tönung auf. Die Brust-, Bauch- und Afterflossen sind ebenfalls von einer rötlichen Färbung und die übrigen Flossen weisen eine gelbliche Tönung mit einem grauen Saum auf. Auf dem Schwanzstiel zeigt sich meist ein dunkler Fleck. Bei der juvenilen Karausche ist der dunkle Fleck auf dem Schwanzstiel besonders gut ausgeprägt.

Flossenformel der Karausche
Die Flossenformel setzt sich aus dem ersten Buchstaben der lateinischen Flossenbezeichnung, der Anzahl der Hartstrahlen und der Anzahl der ungeteilten und geteilten Weichstrahlen zusammen. Hartstrahlen werden dabei mit römischen, Weichstrahlen mit arabischen Zahlen angegeben.
D. (Dorsale = Rückenflosse) 3/15-21, A. (Anale = Afterflosse) 3/6, V. (Ventrale = Bauchflosse) 2/7, P. (Pectorale = Brustflosse) 1/12-13, C. (Caudale = Schwanzflosse) 19,
Squ. (Schuppen) 8/31-33/6.
Karausche - Profilaufnahme
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Karausche - Profilaufnahme

Die Kopflänge ist durchschnittlich 3/4 mal in der Körperlänge enthalten, die größte Breite ist einem Drittel der Körperhöhe gleich. Diese beträgt mindestens die halbe Körperlänge oder noch etwas darüber. Die Gesamtgestalt dieser Art wirkt daher ausnehmend hoch und zeichnet sich durch das Stirn- und Rückenprofil aus. Die Kopfhöhe bleibt nur wenig hinter seiner Länge zurück. Der Durchmesser des ziemlich kleinen Auges ist 4,5 bis 4,75 mal in der Kopflänge begriffen. Das Auge steht von der Schnauze etwas mehr als 1 Diameter, vom anderen Auge 2 Diameter entfernt und liegt nahe dem Stirnprofil, sein unterer Rand befindet sich fast in einer Ebene mit der Mitte der Mundspalte. Diese steht schief und reicht mit ihren Winkeln bis unter die Narinen (Nasenöffnungen). Die Achse verläuft über die Mitte des Mundes durch die untere Hälfte des Auges, halbiert die stumpfe Spitze des Kiemendeckels und schneidet die Seitenlinie nie, sondern fällt erst am Ende des Schwanzes mit ihr zusammen. Die Rückenflosse beginnt gegenüber den Bauchflossen vor halber Körperlänge und ist 1,75 bis 2 mal länger als hoch, ihre Basis erreicht bald 1/3 der Gesamtlänge, ihre Höhe aber nie eine Kopflänge. Sie ist nach hinten mäßig abgestutzt, ihr letzter Strahl fast noch halb so lang, als ihre längsten. Die bei der Mehrzahl vorherrschende Zahl ihrer Strahlen ist 3/16-17.

Die Afterflosse beginnt ebenso weit vor dem Ende der Rückenflosse, als sie hinter dieser am Schwanz zurückreicht. Sie ist höher als lang. Ihr längster Strahl, der erste geteilte, kommt der Länge des Kopfes von der Kiemendeckelspitze bis zur Pupille gleich, ihre Basis übertrifft aber kaum die halbe Kopflänge. Die gut ausgebildeten, etwas zugespitzten Bauchflossen reichen bis zur Analgrube, die relativ kleinen Brustflossen reichen fast bis zu den Bauchflossen zurück. Die schwach halbmondförmig eingeschnittene Schwanzflosse ist gleichlappig, ihre Endstrahlen sind einer Kopflänge gleich. Die unregelmäßig strahligen Schuppen decken sich gegenseitig über die Hälfte und erscheinen dadurch an ihrem freien Ende höher als breit. In der Regel sind die Schuppen aber gleich hoch und breit. Die größten Schuppen an den Seiten erreichen 1 1/2 Augendurchmesser. Die Seitenlinie verläuft fast geradlinig, und zwar beginnend zwischen der Rücken- und Bauchflosse genau in halber Körperhöhe. Sie erstreckt sich etwa über 35 bis 48 Schuppen. Die Kopfkanäle sind weit, kräftig entwickelt namentlich mündet der Unteraugenrandast mit zahlreichen, bis gegen die Oberlippe sichtbaren Poren. Die Nebenkiemen sind nicht sichtbar und die Rechenzähne des ersten Kiemenbogens sind lang, dicht stehend, nach einwärts gezähnelt und die der folgenden Kiemenbögen sind drei- bis viermal kürzer, aber gleichfalls gezähnelt. Die Länge des Darmkanals beträgt nur das 1,5 bis 1,75-fache der Körperlänge.

Lebensweise

Juvenile Karausche
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Juvenile Karausche

Laut der Roten Liste der IUCN beschränkt sich der Lebensraum der Karausche in der Regel auf dicht bewachsenes Brackwasser und auf die Altarme der Tieflandflüsse. Auch in kleinen, gut bewachsenen Seen und Kanälen ist die Karausche zu finden. Sie toleriert hohe Temperaturen im Sommer und sehr geringe Sauerstoff-Konzentrationen. Die Karausche ist in der Lage, in fast vollständig gefrorenem Wasser oder in fast trockenen Lebensräumen zu überleben, indem sie sich im Schlamm eingräbt. Des Weiteren laicht die Karausche in dichter Vegetation ab. Die Karausche kann ein Alter von etwa 10 Jahren erreichen. In Mittel- und Osteuropa reproduzieren die Männchen zum ersten Mal mit drei Jahren, die Weibchen etwa mit vier Jahren, in Südeuropa nach zwei Jahren. Von Mai bis Juli laicht die Karausche bei Temperaturen über 18 Grad Celsius. Einzelne Weibchen laichen mit mehreren Männchen. Die Männchen folgen den reifen Weibchen oft mit viel Geplantsche. Die Weibchen laichen drei- bis fünfmal während einer Saison. Die klebrigen orangefarbenen Eier werden in dichter Vegetation an Wasserpflanzen befestigt. Die Karausche ist ein Allesfresser und meist geht sie am Tage auf Nahrungssuche. Vor allem in der Nacht ernährt sich die Karausche von Plankton, Makrozoobenthos, Pflanzenmaterial sowie von Detritus.

Die Karausche hält sich fast den größten Teil des Jahres am Grunde des Wassers auf, dabei werden Teiche und Lachen bevorugt, wo sie im Schlamm nach Nahrung wühlt, die aus Würmern, Larven und Schlamm besteht. Nur zur Laichzeit, bei uns im Juni, und im Hochsommer kommt die Karausche des öfteren an die Wasseroberfläche. Die Karausche vermehrt sich stark und wächst in freier Natur bei gewöhnlicher Nahrung ziemlich langsam. In Teichen aber, wo die Karausche mit tierischen Abfällen gefüttert wird, kann sie im zweiten Jahr ein beträchtliches Gewicht erreichen. Zur Laichzeit sammeln sich die Karauschen an seichten Stellen mit Pflanzen bewachsenen Bodengrund in Schwärmen und schmatzen ähnlich wie der Karpfen (Cyprinus carpio), mit den Lippen ständig an der Wasseroberfläche. Die Karausche kann ein Alter von etwa 10 Jahren erreichen und hat unter allen Karpfenfischen das zäheste Leben. In Schnee oder in feuchten Blättern gepackt, kann die Karausche stundenlang außerhalb des Wassers leben, was bei der Weite ihrer Kiemenspalte allerdings auffallend ist.

Verbreitung

Typisches Habitat der Karausche: Kleiner Teich im Niederrhein in der Niederlande
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Typisches Habitat der Karausche: Kleiner Teich im Niederrhein in der Niederlande

Laut der Roten Liste der IUCN kommt die Karausche in folgenden Verbreitungsgebieten vor: Armenien, Österreich, Aserbaidschan, Belarus, Belgien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Kroatien, Tschechische Republik, Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Georgien, Deutschland, Griechenland, Ungarn, Iran, Islamische Republik, Italien, Kasachstan, Lettland, Liechtenstein , Litauen, Luxemburg, Mazedonien, die ehemalige jugoslawische Republik, der Republik Moldau, Montenegro, Niederlande, Norwegen, Polen, Rumänien, Russische Föderation, Serbien, Slowakei, Slowenien, Schweden, Schweiz, Türkei, Ukraine, Vereinigtes Königreich, Usbekistan. Laut der Roten Liste der IUCN hält sich die Karausche in folgenden Habitaten auf: Feuchtgebiete (Inland) wie Flüsse, Bäche, schmale Buchten mit Wasserfällen, Süßwassermarschen unter 8 Hektar.

Die Karausche bevorzugt stehende und träge fließende, pflanzenreiche Gewässer jeder Art wie Tümpel, Gräben, Moorgewässer, Weiher, Seen sowie Altarme. Kalte, schnell fließende Gewässer werden von ihr gemieden. Auch im Brackwasser. Die Karausche führt eine bodenorientierte und verborgene Lebensweise, meist im Schutz von Wasserpflanzen. Sie ist ein äußerst anpassungsfähiger und zählebiger Fisch, der selbst starker Verschlammung sowie geringstem Sauerstoffgehalt der Wohngewässer widersteht. Die Austrocknung der Wohngewässer und die Wintermonate übersteht die Karausche durch Eingraben in den Bodenschlamm.

Ernährung

Die Karausche ist ein Allesfresser und ernährt sich von wirbellosen Kleintieren wie zum Beispiel die Larven der Zuckmücken (Chironomidae) und Eintagsfliegen (Ephemeroptera), Würmern sowie von Pflanzen. Bei Nahrungsmangel kann es vorkommen, dass die Karausche ihren eigenen Nachwuchs verspeist.

Fortpflanzung

Juvenile Karausche
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Juvenile Karausche

Die Laichzeit der Karausche fällt bei uns in die Monate Mai und Juni. Einzelne Weibchen laichen mit mehreren Männchen. Die Männchen folgen den reifen Weibchen oft mit viel Geplantsche. Die Weibchen laichen drei- bis fünfmal während einer Saison. Beim Paarungsspiel wird ein Weibchen vom Männchen regelrecht verfolgt. Sind sie erschöpft, erfolgt die Ablage der Eier, wobei das Männchen die Eier sofort nach Austritt befruchtet. Es erfolgt somit eine äußere Befruchtung. Die Eiablage erfolgt in dichter Vegetation und die klebrigen Eier bleiben an den Wasserpflanzen haften. Pro Weibchen ergeben sich 100.000 bis 300.000 klebrige, orangefarbene Eier. Der Durchmesser der Eier beträgt etwa 1,0 bis 1,4 Millimeter. Je nach Wassertemperatur schlüpfen die Larven nach etzwa drei bis sieben Tagen. Sie sind anfangs noch nicht schwimmfähig und halten sich zunächst auf dem Gewässerboden auf. Dort ernähren sie sich vom Dottersack ihrer Eihülle. Sie weisen eine Länge von gut 5 mm auf. Nach einer Woche schwimmen sie frei und ernähren sich von Plankton und Kleinstlebewesen. Nach drei bis vier Jahren ist die Karausche mit einer Körperlänge von etwa 8 bis 15 Zentimeter dann geschlechtsreif.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN weist die Karausche ein sehr großes Verbreitungsgebiet auf. Sie kommt in der Nordsee sowie in der Ostsee, in der Barentssee, im Weißmeer, im Schwarzen Meer und im Kaspischen Meer, in der Ägäis, im Maritza-Fluss, im Kolyma-Fluss in Sibirien, im westlichen Rhein und in den östlichen Flüssen von England vor. Außerhalb der Nordsee findet man die Karausche noch in Schweden und in Norwegen sowie im nördlichen Ostseeraum bis etwa 66 Grad N. Eingeführt wurde die Karausche in Italien, England sowie in Frankreich. Die Karausche wird des öfteren auch mit dem Giebel (Carassius gibelio) verwechselt. Aus unbekannten Gründen ist ein allmählicher Rückgang dieser Art in vielen Gewässern, vor allem im Donau-Delta und in Mitteleuropa zu beobachten. Man vermutet, dass der eingeführte Giebel (Carassius gibelio) in Konkurrenz zur Karausche steht.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Bent J. Muus: Süßwasserfische Europas. BLV Verlagsgesellschaft mbH. München Wien Zürich, 1990ISBN 3-405-11867-0
  • Fritz Terofal: Süßwasserfische in europäischen Gewässern. Mosaik Verlag GmbH München, 1984 ISBN 01274-0
  • Alwyne Wheeler: Süßwasserfische. Delphin Verlag GmbH, München und Zürich, 1983 ISBN 3-7735-2418-8
  • Harald Gebhardt, Andreas Ness: Fische. Die heimischen Süßwasserfische sowie Arten der Nord- und Ostsee. BLV Verlagsgesellschaft mbH., München, Wien, Zürich, 1990 ISBN 3-405-13816-7
  • Peter S. Maitland, Keith Linsell: Süßwasserfische. Alle Arten Europas gezeichnet. Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. Kg, Stuttgart, 2007 ISBN 978-3-440-10962-5
  • John R. Paxton, William N. Eschmeyer & David Kirshner: Enzyklopädie der Tierwelt: Fische. Bassermann, Auflage 1, 2003, ISBN 3572013771

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