Garnot-Sturmvogel

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Garnot-Sturmvogel

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Röhrennasen (Procellariiformes)
Familie: Tauchsturmvögel (Pelecanoididae)
Gattung: Tauchsturmvögel (Pelecanoides)
Art: Garnot-Sturmvogel
Wissenschaftlicher Name
Pelecanoides garnotii
(Lesson, 1828)

IUCN-Status
Endangered (EN)

Der Garnot-Sturmvogel (Pelecanoides garnotii) zählt innerhalb der Familie der Sturmvögel (Procellariidae) zur Gattung der Tauchsturmvögel (Pelecanoides). Im Englischen wird der Garnot-Sturmvogel peruvian diving-petrel oder peruvian diving petrel genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Garnot-Sturmvogel ist ein kleiner, rundlicher schwarz-weiß gefärbter Sturmvogel. Er erreicht eine Körperlänge von etwa 22,0 bis 24,0 Zentimeter. Der Garnot-Sturmvogel fliegt mit surrenden Flügelschlägen tief und schnell. Das Obergefieder ist meist schwärzlich gefärbt und die Unterseite weist eine weiße Tönung. Die Schulterfeder sind mit weißen Spitzen besetzt und bilden blass gefärbte Streifen. Das Gesicht und die Halsseiten weisen eine braune Färbung auf. Die Bruststeien sind etwa dunkler getönt. Der Garnot-Sturmvogel weist Ähnlichkeiten mit dem Magellansturmvogel (Pelecanoides magellani) auf, jedoch ist das Obergefieder der letztgenannten Art weißer gefärbt und besitzt einen charakteristisch weißen Halbkragen, der sich vom Hals bis zur Krone und bis unterhalb der Augen erstreckt.

Lebensweise

Laut der Roten Liste der IUCN gräbt der Garnot-Sturmvogel tiefe Höhlen in dickem Guano, um zu nisten. Er kann aber auch in sandigen Böden oder in Naturstein-Spalten brüten. Brutaktivitäten sind das ganze Jahr über festzustellen, mit einem Minimum im November. Es gibt zwei Brutzeiten und einzelne Vögel brüten zweimal jährlich. Außerhalb der Brutzeit hält sich der Garnot-Sturmvogel in der Nähe der Brutinseln in den Gewässern des Humboldt-Stroms auf. In Peru ernährt er sich, sogar in stark befischten Bereichen, von kleinen Krebstieren und kleinen Fischen, meist deren Larven. Auf La Vieja Island, Peru, sind die wichtigsten Beutetiere Sardellen (Engraulidae) wie Engraulis ringens (33.9%), Leuchtkrebse (Euphausiacea) wie Euphausia mucronata (26.8%) und Springkrebse (Galatheidae) wie Pleuroncodes monodon (24.3%).

Verbreitung

Isla Chiloé, Chile
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Isla Chiloé, Chile

Laut der Roten Liste der IUCN brütete der Garnot-Sturmvogel früher auf den vorgelagerten Inseln von Isla Lobos de Tierra, Peru, bis Isla Chiloé, Chile. Die Population war im Jahr 1938 zahlreich mit 100.000 Paaren, und vielleicht mehr, auf Isla Chañaral, Chile, vertreten und ist jetzt aber deutlich zurückgegangen. In Jahren von 1995 bis 1996 zählte man etwa 12.000 bis 13.000 Paare auf den Inseln San Gallán und La Vieja, Peru. Dies ist deutlich höher als die etwa 1.500 Individuen, die in den frühen 1990er Jahren geschätzt wurden. Zwei kleine Kolonien wurden im Jahr 2005 auf Corcovado Island, Peru, gefunden. Diese Brutkolonien erweitern das Verbreitungsgebiet um etwa 700 Kilometer vom Hauptbrutgebiet La Vieja nach Norden. Eine Kolonie ist auch wieder auf den Lobos de Afuera Islands präsent, wo zwei Individuen in den Jahren zwischen 2003 und 2004 gesichtet wurden. In den späten 1980er Jahren wurden auf Isla Pan de Azúcar, Chile, 220 Nester gefunden. In den Jahren von 2001 bis 2003 schätzte man insgesamt 1.550 aktive Nester. Das ganze Jahr über hält sich der Garnot-Sturmvogel in der Nähe von Isla Chañaral auf und brütet dort oder auf anderen kleinen Inseln im Süden. Als Durchzügler trifft man den Garnot-Sturmvogel auch in Ecuador an.

Ernährung

Außerhalb der Brutzeit hält sich der Garnot-Sturmvogel in der Nähe der Brutinseln in den Gewässern des Humboldt-Stroms auf. In Peru nähert er sich den stark befischten Bereichen und ernährt sich von kleinen Krebstieren und kleinen Fischen, meist deren Eier. Auf La Vieja Island, Peru, sind die wichtigsten Beutetiere Sardellen (Engraulidae) wie Engraulis ringens (33.9%), Leuchtkrebse (Euphausiacea) wie Euphausia mucronata (26.8%) und Springkrebse (Galatheidae) wie Pleuroncodes monodon (24.3%).Die Nahrungssuche und -aufnahme erfolgen vorzugsweise in der Nacht, entweder einzelgängerisch oder in kleinen Gruppen. Nicht selten schließen sich Garnot-Sturmvögel auf der Nahrungssuche anderen Seevögeln an. Ist ein Beutetier gesichtet, so stürzt sich der Garnot-Sturmvogel ins Wasser und taucht im Folgenden nach der Beute. Nicht selten werden Beutetiere unmittelbar an der Wasseroberfläche gejagt.

Fortpflanzung

Isla Chañaral, Chile
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Isla Chañaral, Chile

Der Garnot-Sturmvogel ist ein Kolonienbrüter und gräbt tiefe Höhlen in dickem Guano, um zu nisten. Er kann aber auch in sandigen Böden oder in Naturstein-Spalten brüten. Brutaktivitäten sind das ganze Jahr über festzustellen, mit einem Minimum im November. Es gibt zwei Brutzeiten und einzelne Vögel brüten zweimal jährlich. Das Weibchen legt ein einziges Ei, das über einen Zeitraum von gut 50 Tagen von beiden Elternteilen bebrütet wird. Auch um die Versorgung des Nachwuchses mit Nahrung kümmern sich beide Elternteile. Verfüttert wird hochgewürgte und vorverdaute Nahrung. Nach dem Schlupf weist das Küken nur eine spärliche Befiederung auf. Im Alter von 80 bis 85 Tagen erlangt der Jungvogel die Flugfähigkeit. Der Jungvogel kehrt erst nach vier Jahren wieder zur Brutkolonie zurück.

Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN weist die Art ein extrem kleines besetztes Brutgebiet auf vier Inseln auf. Alle Populationsgruppen sind rückläufig und einige sogar sehr schnell. Deshalb wird die Art in der Roten Liste der IUCN als stark gefährdet geführt. In den Jahren von 1995 bis 1996 schätzte man etwa 12.000 bis 13.000 Paare auf San Gallán und La Vieja Islands, Peru, Jahncke und Goya (1998). 2005 wurden auf Corcovado Island, Peru, zwei kleine Brutkolonien gefunden, wodurch die gegenwärtige Verbreitung 700 km nach Norden ausgeweitet wurde. Alle Kolonien sind im Rückgang begriffen. Auf La Vieja hat man einen Schutzzaun gezogen und zusätzlich Wachen eingesetzt. Die größte Kolonie auf La Vieja Island wird permanent überwacht. Es wird nach weiteren Kolonien in Chile gesucht. Ferner werden auf den Inseln die Prädatoren kontrolliert und künstliche Höhlen für die Vögel angelegt.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: die Klasse der Vögel (Aves)

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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