Garten-Baldachinspinne

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Garten-Baldachinspinne

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Teilordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Überfamilie: Radnetzspinnen (Araneoidea)
Familie: Baldachinspinnen (Linyphiidae)
Unterfamilie: Linyphiinae
Gattung: Eigentliche Baldachinspinnen (Linyphia)
Art: Garten-Baldachinspinne
Wissenschaftlicher Name
Linyphia hortensis
Sundevall, 1830

Die Garten-Baldachinspinne (Linyphia hortensis) zählt innerhalb der Familie der Baldachinspinnen (Linyphiidae) zur Gattung der Eigentlichen Baldachinspinnen (Linyphia).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Garten-Baldachinspinne erreicht als Männchen eine Körperlänge von etwa 4 Millimeter und als Weibchen eine Körperlänge von etwa 5 Millimeter. Der Rückenschild und der Hinterkörper dieser Art sind fast gleich lang und gleich breit. Der Hinterkörper ist wie bei der Gemeinen Baldachinspinne (Linyphia triangularis) dunkelbraun und mit einer breiten purpurbraunen, dichten Blattzeichnung versehen, die weiß gerandet ist. Diese Umrandung ist im vorderen Teil breiter und deutlicher zu erkennen als im hinteren Teil des Hinterkörpers. Der Vorderkörper weist dagegen eine glänzend braune Färbung mit einer verdunkelten Kopfpartie auf, jedoch ohne gegabelten Längsstreif. Im Unterschied zu den ähnlich gezeichneten Neriene-Arten reicht die weiße Begrenzung des dunklen Längsbandes nur bis zur Hinterleibsmitte oder etwas darüber hinaus. Weiter hinten erscheint eine zweite weiße Linie, die um das Ende des Hinterleibes herumführt. Die Beine sind im Vergleich zum Körper sehr lang und dünn, die eine hellbraune Färbung aufweisen, aber ohne Zeichnung sind. Jedoch sind die Beine mit vielen dunklen Stachelhaaren besetzt. Männchen ohne auffällig verlängerte Cheliceren. Des Weiteren besitzt das Männchen meist keine so deutlich helle Zeichnung auf dem Hinterleibsrücken und ist dafür jedoch mehr oder weniger tief eingeschnürt. Diese Art bevorzugt mit niederen Bäumen und Gebüsch bewachsene Waldränder und ist hauptsächlich im Frühsommer anzutreffen.

Lebensweise

Das Fangnetz besteht aus einer dicht gewebten, waagerecht hängenden Seidendecke, unter der sich die Garten-Baldachinspinne aufhält. Über dieser Decke verlaufen zahlreiche Fäden, die zum einen das Netz befestigen, zum andern als Stolperfäden für Beutetiere dienen. Unter der dichten Decke ist oft noch eine Schutzdecke eingezogen, die die Garten-Baldachinspinne vor eventuellen Feindangriffen von unten her schützt. Fühlt sich die Garten-Baldachinspinne bedroht, dann rennt sie zum Rand des Netzes, um dort nicht so sehr aufzufallen, oder aber sie läßt sich von dort aus an einem Sicherheitsfaden auf den Boden herab, um sich unter Laubstreu oder Steinen zu verbergen.

Verbreitung

Die Garten-Baldachinspinne bewohnt Wälder und offenes Gelände. Sie hält sich meist auf Sträuchern auf. Es werden aber auch niedrige Pflanzen besiedelt. In Mitteleuropa kommt die Garten-Baldachinspinne überall ziemlich häufig vor.

Ernährung

Die Garten-Baldachinspinne lebt räuberisch und ernährt sich hauptsächlich von Insekten (Insecta) wie zum Beispiel Fliegen (Brachycera). Sie baut horizontal aus mehreren Etagen bestehend ein baldachinartiges Netz, in dem sie ihre Beute fängt. Meist hängt sie mit dem Rücken nach unten unter dem baldachinartigen Aufbau des Netzes und lauert auf ihre Beute. Die Beute verfängt sich dann in der oberen Etage des Netzes, die aus klebrigen Fäden besteht. Die Garten-Baldachinspinne zieht dann die Beute auf das untere Netz, um dort das Insekt zu verspeisen.

Fortpflanzung

Die Kommunikation spielt mit Hilfe chemischer Signale eine große Rolle. Unter anderem werden auch bei der Garten-Baldachinspinne während der Balz chemische Signale wie zum Beispiel der Lockstoff Pheromon, gesendet. So wird ebenfalls das Netz des unbegatteten Weibchens mit solch einem Lockstoff gebaut, das die Männchen anlockt, die selbst kein Netz produzieren. Die Paarung beginnt in der Regel im Frühsommer. Das Weibchen, das sich bei der Paarung passiv verhält, überläßt dem Männchen die Paarungsaktivität. Nimmt ein Männchen solch ein Netz über die Lockstoffe wahr, nähert es sich dabei dem wesentlich größeren Weibchen und bewegt dabei seine Taster auf und ab. Sobald sich das Männchen im Netz des Weibchens befindet, beginnt es mit einem ungewöhnlichen Verhalten, indem das Männchen die Fäden des Netzes durchschneidet und große Teile des Netzes einrollt. Erst dann beginnt es mit der manchmal bis zu fünf Stunden andauernden Balz.

Durch die partielle Zerstörung des Netzes wird verhindert, dass das Pheromon von der Fadenoberfläche weiter abgegeben wird. Dies bietet einen enormen Vorteil für das balzende Männchen, da so die Anlockung weiterer Männchen, die mit ihm um das Weibchen konkurrieren könnten, verhindert wird. Das Männchen kann nun das Weibchen besteigen und führt seine Bulben in die Epigyne (äußeres weibliches Geschlechtsorgan) des Weibchens ein und injiziert so das Sperma. Dieser Vorgang kann ebenfalls einige Stunden dauern. Nach Beendigung der Kopulation mit dem Weibchen, baut das Weibchen ein neues Netz, dem jetzt das Pheromon fehlt und somit werden keine weiteren Männchen mehr angelockt. Das Männchen wird nach der Paarung wie bei den meisten Spinnen nicht von dem Weibchen verspeist, sondern das Männchen lebt mit dem Weibchen noch einige Zeit im selben Netz zusammen. Allerdings ist das Männchen völlig an den Rand des Netzes gedrängt. Das Weibchen der Garten-Baldachinspinne legt die Eier in einen Kokon ab, den sie mit ihrer Seide webt und an Pflanzenteilen befestigt. Bis zum Schlupf der Jungspinnen wird der Kokon gegen Fressfeinde und Artgenossen beschützt. Je nach Umgebungstemperatur können die Jungspinnen nach einigen Tagen oder nach einigen Wochen schlüpfen.

Synonyme und Chresonyme

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Heiko Bellmann, Kosmos-Atlas Spinnentiere Europas. Und Süßwasserkrebse, Asseln, Tausendfüßer, Kosmos, 2006 ISBN 3440107469
  • Hans-Eckhard Gruner, Hans-Joachim Hannemann und Gerhard Hartwich, Urania Tierreich, 7 Bde., Wirbellose Tiere, Urania, Freiburg, 1994 ISBN 3332005022
  • Dick Jones, Der Kosmos-Spinnenführer, Frankh, 1990 ISBN 3440061418
  • Heiko Bellmann, Spinnen. Beobachten - Bestimmen, Naturbuch-Verlag, 1992 Weltbild Verlag GmbH, Augsburg ISBN 3-89440-064-1
  • Stefan Heimer, Wunderbare Welt der Spinnen, Landbuch-Verlag, 1988, Landbuch-Verlag GmbH, Hannover, 1988 ISBN 3-7842-0382-0
  • Rainer F. Foelix, Biologie der Spinnen, Thieme, 1979 ISBN 313575801X
  • Platnick, Norman I. (2008): The world spider catalog, version 8.5. American Museum of Natural History.
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