Garten-Wollbiene

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Garten-Wollbiene
Männchen

Taxonomie
Klasse: Insekten (Insecta)
Unterklasse: Geflügelte Insekten (Pterygota)
Überordnung: Neuflügler (Neoptera)
Ordnung: Hautflügler (Hymenoptera)
Unterordnung: Taillenwespen (Apocrita)
Teilordnung: Stechimmen (Aculeata)
Überfamilie: Bienen und Grabwespen (Apoidea)
Familie: Megachilidae
Gattung: Wollbienen (Anthidium)
Art: Garten-Wollbiene
Wissenschaftlicher Name
Anthidium manicatum
(Linnæus, 1758)

Die Garten-Wollbiene (Anthidium manicatum), auch unter der Bezeichnung Große Wollbiene bekannt, zählt innerhalb der Familie Megachilidae zur Gattung der Wollbienen (Anthidium). Im Englischen wird die Garten-Wollbiene european wool carder bee genannt.

Der Arbeitskreis Wildbienen Kataster wählte in Kooperation mit dem NABU die Garten-Wollbiene zur Wildbiene des Jahres 2014.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Zwischen beiden Geschlechtern besteht in der Körperlänge ein ausgeprägter Dimorphismus, wobei das Männchen größer ist als das Weibchen. Das Weibchen erreicht eine Körperlänge von 7,7 bis 10,2 Millimeter und eine Körperbreite von etwa 3,8 bis 4,8 Millimeter. Die Länge der Vorderflügel beträgt etwa 5,7 bis 6,6 Millimeter. Das Männchen erreicht eine Körperlänge von etwa 10,8 bis 15,9 Millimeter und eine Körperbreite von etwa 4,0 bis 5,4 Millimeter. Die Länge der Vorderflügel beträgt 5,7 bis 8,7 Millimeter.

Weitere unterschiedliche Merkmale zwischen den Geschlechtern sind zu erwähnen.

Beim Männchen befindet sich auf der Oberlippe in der Mitte eine grosse Vertiefung, deren Ränder erhaben sind und wo jeder Rand einen dreieckigen, spitzen Höcker bildet. An der Wurzel des Kopfschildes steht ein schwarzer nach unten zweimal gezahnter Fleck. Am Vorderrand des Kopfschildes befindet sich auf jeder Seite ein deutlich hervorstehender Zahn. Die Flecken des Halsschildes sind weniger deutlich, kleiner und fehlen oft ganz. Die Flügelschuppe ist an der Spitze und an der Wurzel gelb gefärbt. Der Hinterleib ist an der Wurzel stärker zusammengezogen und ähnelt mehr einer quer abgestutzten Eiform. Die gelben Flecke des Hinterleibes sind länger, ungleicher, die vorderen gebogen oder halbmondförmig, die hohle Seite ist nach vorn gekehrt, bisweilen sind dieselben Flecke in mehrere geteilt, klein und punktförmig. An der Spitze des Hinterleibes stehen zwei Zähne, im vierten Bauchring fehlen diese und im fünften Bauchring sind die Zähne kurz und stumpf, die des vorletzten sind sehr kurz. Der Mittelzahn des letzten Ringes erscheint ziemlich lang. Die Hüften und Schenkel sind schwarz gefärbt und unten nicht gelb gefleckt. Ferner finden sich keine Zähne an der Wurzel der Hinterschenkel. Die untere Fussbekleidung ist rötlich gefärbt.

Garten-Wollbiene - Männchen
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Garten-Wollbiene - Männchen

Das Weibchen weist gelb gefärbte Kinnbacken mit fünf bis sechs ungleichen, deutlich scharfen Zähnen auf, der an der Spitze ist der stärkste. Das Kopfschild ist mit einem grossen schwarzen Fleck versehen, der von der Wurzel bis zur Spitze reicht und an jeder Seite oft einmal gezahnt ist. An der Wurzel bildet er ein Dreieck und bisweilen tritt er bis an den Vorderrand. Der Vorderrand ist deutlich gekerbt. Die Seitenzähne sind etwas stärker ausgebildet und schwarz gefärbt. Mittelleib, Flügelschuppe und Flügel wie beim Männchen. Die gelben Flecke weniger veränderlich. Der Hinterleib ist kurz, gerundet und auf jedem Ring zeigen sich zwei gelbe, längliche, beinahe gerade Querflecke, ohne schwarze Punkte und Ausrandungen. Die Flecken sind fast alle untereinander gleich und in einer Reihe angeordnet. Nur in der Mitte auf dem Rücken sind diese unterbrochen und bilden eine Querbinde. Der Hinterleib des letzten Ringes ist an den Seiten schief abgestutzt und dieser Ring ist daher unvollkommen dreieckig. Die Bauchhärchen sind rötlich-gelb gefärbt. Die vorderen Schenkel sind in der Regel schwarz getönt, bisweilen etwas rötlich oder gelblich eingemengt. Die vier hinteren sind meist rötlich und selten gelblich gefärbt. Die Schienen sind unten alle schwarz. Auf der Oberseite zeigt sich eine gelbe Färbung, die mit einem schwarzen Fleck markiert ist. Besonders auf den beiden Hinterschienen erscheint dieser schwarze Fleck gross und beständig. Auf den vier Vorderschienen liegt er vorn und auf den beiden Hinterschienen hinten. Die Bekleidung der Füsse auf der Unterseite ist rotbraun und oben gelblich oder weisslich gefärbt.

Lebensweise

Die Garten-Wollbiene nistet in verschiedenen Hohlräumen, das können Erdlöcher, Felsspalten, alte Balken und Pfosten, Lehmwände sowie verlassene Nester von Pelzbienen (Anthophora). Bemerkenswert ist, dass die Garten-Wollbiene hängend in einer Blüte schläft. Das Männchen ist gegenüber anderen Männchen der gleichen Art sowie gegenüber anderen Bienenarten sehr aggressiv und auch gegenüber anderen Insekten (Insecta), die in seinem Territorium Blumen besuchen. Das Männchen unternimmt oft Sondierungsflüge zu anderen Männchen und oft wechselt das Männchen das Territorium. In einem Territorium verweilt das Männchen 4 bis 7 Tage, maximal 30 Tage und fliegt bis zu 450 Meter weit, um ein neues Territorium zu etablieren. Territoriale Ansprüche gehen fast immer von größeren Männchen aus. Während der Nistperiode besucht das Weibchen bevorzugt das Eselsohr (Stachys byzantina) und kratzt die Härchen aus den Blättern, die sie unter dem Körper gebündelt in das Nest trägt. Dort werden die Härchen als Nistmaterial für die Nisthöhle verwendet. Männchen und Weibchen schweben ähnlich wie die Schwebfliegen (Syrphidae) über Blumen.

Unterarten

  • Anthidium manicatum manicatum - (Linnaeus, 1758)
  • Anthidium manicatum barbarum - Lepeletier, 1841
  • Anthidium manicatum gribodoi - Schwarz & Gusenleitner, 2003

Verbreitung

Garten-Wollbiene - Männchen
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Garten-Wollbiene - Männchen

Die Garten-Wollbiene ist in Europa, Asien und in Nordafrika verbreitet. Sie wurde von Europa nach Amerika als effektiver Bestäuber von bestimmten Pflanzen, insbesondere Saat-Luzerne (Medicago sativa) eingeführt. In Nordamerika wurde sie zuerst im Staat New York (USA) eingesetzt. 1963 konnte man die Garten-Wollbiene in der Provinz Ontario (Kanada) beobachten. Ferner gelang die Garten-Wollbiene bis in den Süden von Michigan und bis in den Südosten von Brasilien. Des Weiteren sichtete man die Garten-Wollbiene auch schon in Südamerika.

Ernährung

Die Garten-Wollbiene besucht Blüten verschiedener Familien, darunter Akanthusgewächse (Acanthaceae), Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae), Korbblütler (Asteraceae), Borretschgewächse (Boraginaceae), Dickblattgewächse (Crassulaceae), Hülsenfrüchtler (Fabaceae), Lippenblütengewächse (Lamiaceae), Weiderichgewächse (Lythraceae), Malvengewächse (Malvaceae), Wegerichgewächse (Plantaginaceae) und Eisenkrautgewächse (Verbenaceae). Dabei bevorzugt die Garten-Wollbiene hauptsächlich blaue Blüten.

Fortpflanzung

Regelmäßig patrouilliert das Männchen innerhalb seines Territoriums. Weibchen dieser Art besuchen häufig die Blumen, die im Territorium des Männchens blühen, dabei sammeln sie Pollen, Nektar und auch Härchen zum Auspolstern für das Nest. Wird ein Weibchen vom Männchen wahrgenommen, so überfällt das Männchen das Weibchen und begattet es. Das Weibchen ist polyandrisch, d. h. Vielmännerei in einer Form der Polygamie. Die Abstände zwischen den Kopulationen mit anderen Männchen sind so kurz wie 35 s. Patrouillierende Männchen verteidigen ihre Territorien (0,1 bis 1,3 Quadratmeter) gegen andere Männchen und gegen andere Arten, wie zum Beispiel Honigbienen (Apis). Honigbienen können durch die Angriffe der Garten-Wollbiene nicht mehr fliegen und verenden meist durch Verhungern. Die weibliche Besucherrate korreliert mit der Anzahl der Blüten in einem Territorium. Die Kopfgrösse des Territoriums eines Männchens zeigt eine signifikante Korrelation mit territorialer Qualität (nach Anzahl der Blumen) und somit mit der Anzahl der Weibchen und der Paarungschancen. Einige Männchen versuchen ihre Territorien nicht zu halten und versuchen statt dessen Nahrung in Territorien anderer Männchen zu suchen. Nicht-territoriale Männchen sind kleiner als territoriale Männchen, da die nicht-territorialen Männchen weniger Blüten zur Verfügung haben und somit deutlich weniger Kopulationen als territoriale Männchen erreichen. Das Intervall zwischen einer Kopulation und dem nächsten Versuch des Männchens mit einem anderen Weibchen ist nicht kürzer als mit dem gleichen Weibchen. Nach erfolgreicher Paarung legt das Weibchen in der Regel die Eier in einem alten verlassenen Nest einer anderen Bienenart ab, wie zum Beispiel in das Nest einer Pelzbiene. Danach sammelt das Weibchen Pollen als Nahrung für die Larven.

Weitere Synonyme

Garten-Wollbiene bei der Nektaraufnahme
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Garten-Wollbiene bei der Nektaraufnahme
  • Apis manicata - Linnaeus, 1758
  • Apis pervigil - Harris, 1776
  • Apis maculata - Fabricius, 1781
  • Apis fulvipes - de Villers, 1789
  • Apis modesta - Christ, 1791
  • Apis amoenita - Christ, 1791
  • Apis uncata - Schrank, 1802
  • Anthidium maculatum - Latreille, 1806
  • Anthidium marginatum - Latreille, 1809
  • Anthidium obtusatum - Lepeletier, 1841
  • Anthidium productum - Lepeletier, 1841
  • Anthidium manicatum - Dalla Torre, 1877
  • Anthidium manicatum - Schirmer, 1915
  • Anthidium manicatum - Friese, 1917
  • Anthidium manicatum - Gribodo, 1924
  • Anthidium manicatum subcrenulata - Alfken, 1930
  • Anthidium manicatum cyrenaica - van der Zanden, 1992

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Karl Weiß: Bienen und Bienenvölker. Verlag: C.H.Beck; Auflage: 1 (24. September 1997). ISBN 3406418678
  • Dr. Helgard Reichholf-Riem: Steinbachs Naturführer. Insekten. Mit Anhang Spinnentiere. München: Mosaik Verlag GmbH, München 1984. ISBN 3-570-01187-9
  • Michael Chinery: Pareys Buch der Insekten: Ein Feldführer der europäischen Insekten. Übersetzt und bearbeitet von Dr. Irmgard Jung und Dieter Jung. Verlag Paul Parey 1987. Hamburg und Berlin. ISBN 3-490-14118-0
  • Ake Sandhall, übersetzt von Dr. Wolfgang Dierl: BLV Bestimmungsbuch 15. Insekten und Weichtiere. Niedere Tiere und ihre Lebensräume-Gliedertiere, Würmer, Nesseltiere, Weichtiere, Einzeller. BLV Verlagsgesellschaft mbH, München Wien Zürich 1984. ISBN 3-405-11390-3
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