Gartenspitzmaus

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Gartenspitzmaus

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Spitzmausartige (Soricomorpha)
Familie: Spitzmäuse (Soricidae)
Unterfamilie: Weißzahnspitzmäuse (Crocidurinae)
Gattung: Wimperspitzmäuse (Crocidura)
Art: Gartenspitzmaus
Wissenschaftlicher Name
Crocidura suaveolens
Pallas, 1811

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Gartenspitzmaus (Crocidura suaveolens) zählt innerhalb der Familie der Spitzmäuse (Soricidae) zur Gattung der Wimperspitzmäuse (Crocidura). Im Englischen wir die Art Lesser Shrew oder Lesser White-toothed Shrew genannt. Die Gartenspitzmaus kann leicht mit der Hausspitzmaus (Crocidura russula) verwechselt werden. Die Gartenspitzmaus ist jedoch ein wenig kleiner. Das Verbreitungsgebiet der beiden Arten überschneidet sich nur im südlichen Europa. Ein sicheres Unterscheidungsmerkmal sind die Zähne sowie die relative Länge der Hinterfüße und des Schwanzes.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Gartenspitzmaus gehört zu den kleinsten Arten aus der Gattung der Wimperspitzmäuse (Crocidura). Sie erreicht eine Körperlänge von 5 bis 7,5 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 2,4 bis 4,4 Zentimeter, eine Hinterfußlänge von 1 bis 1,3 Zentimeter sowie ein Gewicht von 3 bis 7 Gramm. Das dichte aber kurze Fell ist dorsal gräulich, graubraun bis rotbraun gefärbt, ventral zeigt sich eine deutlich hellere, meist schmutzig weiße Färbung. Im Bereich der spitz zulaufenden Schnauze zeigen sich lange Tasthaare, die sogenannten Vibrissen. Die Ohrmuschel ist deutlich sichtbar, sie liegt nicht im Fell verborgen. Der kurze Schwanz ist nur spärlich mit Haaren besetzt. Aufgrund der weißlichen Zähne wird die Art der Unterfamilie der Weißzahnspitzmäuse (Crocidurinae) zugerechnet.

Lebensweise

Die Gartenspitzmaus lebt überwiegend einzelgängerisch. Bei gesichteten Gruppen handelt es sich meist um ein Weibchen mit ihrem Nachwuchs. Die Tiere sind sowohl in der Nacht als auch am Tage aktiv. Die Hauptaktivität entfalten sie jedoch in den frühen Morgen- und Abendstunden. Gartenspitzmäuse sind nur wenig territorial. Die Reviere einzelner Individuen überlappen sich meist deutlich.

Verbreitung und Lebensraum

Vorkommen

Gartenspitzmäuse sind in weiten Teilen der Paläarktis verbreitet. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich vom südwestlichen Europa an der Atlantikküste östlich bis nach Sibirien. Die südlichsten Vorkommen erstrecken sich vom Sinai, über weite Teile des Nahen Osten bis nach China. Laut IUCN kommt die Art insbesondere in Albanien, Algerien, Armenien, Österreich, Aserbaidschan, Weißrussland, Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, China, Kroatien, Zypern, in der Tschechischen Republik, in Frankreich, Georgien, Deutschland, Griechenland, Ungarn, im Iran und Irak, in Israel, Italien, Jordanien, Kasachstan, Libanon, Liechtenstein, Mazedonien, Montenegro, Marokko, Polen, Rumänien, Russland, Saudi-Arabien, Serbien, in der Slowakei, in Slowenien, Spanien, in der Schweiz, in Syrien, in der Türkei und der Ukraine sowie in Großbritannien.

Lebensraum

Gartenspitzmäuse treten zahlreich in ariden und semiariden Lebensräumen in Erscheinung. So zählen lichte Wälder wie Olivenhaine, Weinberge, Savannen, Buschwerk und Feldgehölze zu den natürlichen Lebensräumen. Ein Gewässer, gleich welcher Art, befindet sich immer im Lebensraum der Tiere. An Küstenlinien werden grasige Dünenbereiche bewohnt. Ansonsten werden auch Parks, Gärten, und ähnliche besiedelt. Auch die Nähe zum Menschen wird keineswegs gemieden. Im Winter ziehen sich Gartenspitzmäuse nicht selten in menschliche Behausungen oder Stallungen zur Winterruhe zurück. Nicht besiedelt werden beispielsweise dichte Wälder.

Ernährung

Als Allesfresser ernähren sich Gartenspitzmäuse hauptsächlich von weichhäutigen Insekten (Insecta), deren Larven, aber auch Asseln (Isopoda), Spinnentiere (Arachnida) und andere Gliederfüßer (Arthropoda) sowie Würmer und kleine Krebstiere (Crustacea).

Fortpflanzung

In den meisten Regionen erstreckt sich die Paarungszeit von März bis in den September hinein. In einer Saison kann es durchaus zu mehreren, meist 4 bis 5 Würfen kommen. Ein Wurf besteht durchschnittlich aus 2 bis 7 (4) Jungtiere, die Tragezeit liegt bei rund 28 Tage. Die Jungen sind bei der Geburt nackt und blind, sie weisen ein Gewicht von kaum 1 Gramm auf. Die Geburt erfolgt im gut ausgepolsterten Nest des Weibchens, das sich meist in Höhlen, unter Steinen oder an ähnlich geschützten Stellen befindet. Die Entwöhnung von der Muttermilch erfolgt in der vierten Lebenswoche. Muss die Familie das Nest, aus welchen Gründen auch immer, verlassen, sucht sich die Familie einen neuen Unterschlupf. Dabei hängen sich die Jungtiere aneinander gereiht an den Schwanz der Mutter. Im Alter von 6 Wochen erreichen die Jungtiere die Selbständigkeit. Kurze Zeit später wird die Geschlechtsreife erreicht. Die Lebenserwartung liegt bei 1,5 bis 2 Jahren.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Gartenspitzmäuse zählen heute noch nicht zu bedrohten Arten. In der Roten Liste der IUCN wird die Art als nicht gefährdet (LC, Least Concern) geführt. In landwirtschaftlichen Regionen zählt die Ausbringung von Pestiziden und Insektiziden zu den größten Bedrohungen. Ansonsten geht auch von der allgemeinen Vernichtung und Zersiedelung der Lebensräume eine durchaus große Gefahr aus.

Synonyme

Die Gartenspitzmaus ist auch unter folgenden Synonymen bekannt: antipae (Matschie, 1901), aralychensis (Satunin, 1914), ariadne (Pieper, 1979), astrabadensis (Goodwin, 1940), balcanica (Ondrias, 1970), balearica (Miller, 1907), bogdanowii (Tichomirov & Kortchagin, 1889), bruecheri (Lehmann, 1977), caneae (Miller, 1909), cantabra (Cabrera, 1908), cassiteridum (Hinton, 1924), corsicana (Heim de Balsac & Reynaud, 1940), cypria (Bate, 1904), cyrnensis (Miller, 1907), debeauxi (Dal Piaz, 1925), dinnicki (Ognev, 1922), enezsizunensis (Heim de Balsac & Beaufort, 1966), fumigatus (di Filippi, 1863), gueldenstaedtii (Pallas, 1811), iculisma (Mottaz, 1908), italica (Cavazza, 1912), longicaudata (Tichomirov & Kortchagin, 1889), mimula (Miller, 1901), mimuloides (Cavazza, 1912), minor (de Sélys Longchamps, 1839), minuta (Lydekker, 1902), monacha (Thomas, 1906), oyaensis (Heim de Balsac, 1940), pamirensis (Ognev, 1928), praecypria (Reumer & Oberli, 1988), sarda (Cavazza, 1912), tristami (Bodenheimer, 1935) und uxantisi (Heim de Balsac, 1951). Die aufgeführten Synonyme sind veraltet und daher ungültig. <1>

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • [1] Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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